BANGKOK, THAILAND – Die thailändische Regierung hat wegen der Spannungen im Nahen Osten einen gestuften Energie-Notfallplan aktiviert, um Versorgung und Preise zu stabilisieren. Mehr als 90 Tage strategische Reserven, ein gezielter Diesel-Deckel und neue Importquellen sollen die Folgen der Preissprünge abfedern.
Hormuz-Krise treibt Märkte nach oben
Die eskalierende Lage zwischen Iran, Israel und den USA störte den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormuz, den wichtigsten Öl-Engpass der Welt.
In Asien stieg der LNG-Spotpreis am 4. März auf 25,40 US-Dollar je MMBtu (Drei-Jahres-Hoch), während Brent über 81 US-Dollar je Barrel kletterte.
Krisentreffen im Kabinett – drei Aufträge an das Energieministerium
Am 4. März leitete Vizepremier und Finanzminister Ekniti Nitithanpraphas eine Sondersitzung zur Energie-Sicherheitslage und gab dem Energieministerium drei konkrete Arbeitsaufträge.
Erstens soll es umgehend neue Importquellen außerhalb betroffener Regionen identifizieren und binnen einer Woche an den Premierminister berichten.
Preisbremsen per Steuer und Regulierung stehen bereit
Zweitens arbeitet das Energieministerium mit dem Finanzministerium an Maßnahmen zur Dämpfung der Inlandspreise, ausdrücklich auch über steuerliche Instrumente.
Drittens soll es gemeinsam mit der Energy Regulatory Commission (ERC) zusätzliche Gasquellen sichern, den Brennstoffmix für Kraftwerke steuern und dabei auch einen neuen Liefervertrag mit Malaysia prüfen.
Stromversorgung – mehr Gas aus Golf, Myanmar und der JDA
Für die Stromerzeugung will die Regierung die Gasförderung im Golf von Thailand, über die Myanmar-Pipeline sowie aus der Thai-Malaysia Joint Development Area (JDA) beschleunigen.
Das Energieministerium erklärte, man sei bereit, „sofort einzugreifen“, falls Preise oder Margen „ungewöhnliche Bewegungen“ zeigten.
90 Tage Reserven – und nur etwa die Hälfte läuft über Hormuz
Vizepremier und Verkehrsminister Phiphat Ratchakitprakarn versuchte, die Debatte um angeblich knappe Vorräte zu beruhigen und korrigierte eine zuvor kursierende Zahl.
JETZT den Wochenblitz WERBEFREI lesen!
Thailand verfüge insgesamt über strategische Reserven für mehr als 90 Tage, wobei nur rund 50 Prozent der Ölimporte überhaupt durch die Straße von Hormuz transportiert würden, weshalb aktuell kein Engpass gemeldet sei.
Diesel-Deckel bei 30 Baht – der Ölfonds zahlt mit
Das wichtigste Instrument gegen steigende Spritpreise ist der Oil Fuel Fund, der netto bei 2.459 Millionen Baht liege und Diesel aktuell mit 3,51 Baht pro Liter stütze.
So bleibt der Verkaufspreis im festgelegten Rahmen von 30 Baht pro Liter, was Transportkosten, Lebensmittelpreise und Inflation bremsen soll.
Wenn es nicht mehr reicht – Exit-Strategie in Stufen
Nach Einschätzung der Behörden kann der Fonds den 30-Baht-Deckel bei den derzeitigen Weltmarktpreisen (Diesel rund 115 US-Dollar je Barrel) mindestens einen Monat halten, ohne die Kasse stark zu belasten.
Sollte der Deckel kippen, ist eine schrittweise Anhebung um 50 Satang bis 1 Baht vorgesehen, zunächst auf 33, dann auf 35 Baht pro Liter.
Worst Case mit 150-Dollar-Öl – dann greifen auch Steuersenkungen
Wenn Rohöl auf 120 bis 130 US-Dollar je Barrel steigt, will die Regierung laut Plan die Verbrauchsteuer auf Diesel senken, wie schon in der Krise rund um den Ukraine-Krieg.
Damals lagen die Entlastungen bei ein bis fünf Baht pro Liter und kosteten den Staat laut Angaben insgesamt 100 Milliarden Baht, während im Szenario von 150 bis 170 US-Dollar Steuerschnitte und Ölfonds-Stützung parallel laufen würden.
LPG und Stromtarife – die nächste Rechnung kommt im Frühjahr
Beim Kochgas LPG will die Regierung die Preise bis Ende März stabil halten, obwohl das LPG-Unterkonto des Fonds mit über 37.854 Millionen Baht im Minus stehe.
Bei der Elektrizität wird es heikel, weil die ERC die Tarife für Mai bis August bis Ende März festlegt und höhere LNG-Spotpreise (zuletzt von etwa 10 auf 14 bis 15 US-Dollar je MMBtu) in die Kalkulation einfließen, wobei überschüssige Erträge der drei staatlichen Stromversorger in „zig Milliarden Baht“ (Stand Ende 2025) als Puffer gelten.
Deine Meinung
Wie sinnvoll ist es, Diesel und LPG weiter zu deckeln, wenn die globalen Preise länger hoch bleiben und am Ende auch die Stromrechnung nachzieht?
Sollte Thailand früher auf stufenweise Preiserhöhungen setzen oder den sozialen Schutz über Fonds und Steuern so lange wie möglich halten – die Debatte dazu gehört in die Kommentare.



Wichtiger Hinweis für unsere Leser
Wir freuen uns auf Ihren Beitrag! Bitte beachten Sie für ein freundliches Miteinander unsere Regeln: