BANGKOK, THAILAND – Thailands Oberstes Verwaltungsgericht befasst sich aktuell mit 18 Fällen rund um Wahlen und Volksabstimmungen, mehrere Verfahren sind bereits abgewiesen, zurückgewiesen oder zurückgezogen. Gerichtsvizepräsident Prawit Boonthiem beschreibt dabei ein System, in dem Zuständigkeiten für Wahlstreitigkeiten auf mehrere Gerichtsebenen verteilt sind.
18 Verfahren – und nicht alle kommen durch
Nach Angaben des Gerichts werden die 18 Fälle teils von unteren Verwaltungsgerichten geprüft, teils direkt vom Obersten Verwaltungsgericht.
Ein Verfahren sei abgewiesen worden, zwei seien zurückgewiesen worden, ein weiteres sei von der klagenden Seite zurückgezogen worden.
Wer in Thailand über Wahlstreit entscheidet
Prawit Boonthiem verwies auf das Organische Wahlgesetz von 2018, das die Zuständigkeiten bei Wahlkonflikten auf verschiedene Instanzen verteilt.
Demnach spielen je nach Streitgegenstand das Verfassungsgericht, das Verwaltungsgerichtssystem sowie die ordentlichen Gerichte der Justiz eine Rolle.
Streitpunkte – von Barcodes bis zu Wahlurnen
Inhaltlich reicht die Palette der anhängigen Verfahren von Barcodes auf Stimmzetteln bis zu Vorwürfen über Unregelmäßigkeiten bei Stimmzetteln.
Weitere Klagen drehen sich um angeblich fehlerhaftes Zusammenlegen von Wahlurnen, eine aus Sicht der Kläger unfaire Wahlorganisation und um die Frage, ob ein Referendum am selben Tag wie eine Parlamentswahl zulässig ist.
Referendumszettel im Fokus – approve oder disapprove
Ein Fall zur Gestaltung des Referendumszettels, der nur die Optionen „approve“ oder „disapprove“ zuließ, wurde vom Gericht nicht zur Entscheidung angenommen.
Ein anderes Verfahren, das die Rechtmäßigkeit eines Referendums am selben Tag wie die Wahl angriff, wurde von der klagenden Partei zurückgezogen, zudem wurde eine Klage gegen die Verwendung des Wortes „approve“ auf dem Stimmzettel vom Obersten Verwaltungsgericht zurückgewiesen.
Registrierung und Begriffe – was auf dem Stimmzettel zählt
Auch die dreitägige Registrierungsfrist für das Abstimmen außerhalb des eigenen Wahlkreises bei einem Referendum ist Gegenstand der gerichtlichen Prüfung.
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Daneben geht es um die konkrete Terminologie auf Referendumsstimmzetteln und um die Frage, welche Formulierungen Wähler korrekt informieren oder möglicherweise in eine Richtung lenken.
Idee eines Rechtsfonds für Wahlbeobachter
Unabhängig vom Gericht meldete sich der frühere Wahlkommissions-Kommissar Somchai Srisutthiyakorn mit dem Vorschlag eines öffentlichen Fonds, der Bürger nach Wahlbeobachtung bei Rechtsstreitigkeiten unterstützt.
Er sagte, zahlreiche Wahlbeobachter seien nach Beschwerden der Wahlkommission zu strafrechtlichen Verdächtigen geworden, besonders in Chon Buri und Bangkok, was lange Verfahren nach sich ziehen könne.
Finanzierung ohne Spenden – und was der Fonds zahlen soll
Somchai schlug vor, Geld nicht über Spenden, sondern über den Verkauf von Produkten wie Brettspielen, T-Shirts und Büchern einzunehmen, deren Erlöse in den Fonds fließen.
Der Fonds solle unter anderem Anwaltskosten, Reisekosten zu Gericht, entgangene berufliche Chancen, psychologische Unterstützung, Kaution sowie Kosten für zivil- oder strafrechtliche Gegenklagen abdecken.
Deine Meinung
Wie sinnvoll ist es, Wahlbeobachter über einen Produkt-Fonds juristisch abzusichern, und wo beginnt dabei notwendige Hilfe, wo endet politische Instrumentalisierung?
Welche Regeln rund um Stimmzettel, Begriffe und Abstimmungsdesign sollten in Thailand aus deiner Sicht besonders strikt, besonders transparent oder grundsätzlich neu geregelt werden?



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