BANGKOK, THAILAND – In Thailand steigen HIV- und STI-Infektionen besonders bei 15- bis 24-Jährigen, obwohl die Gesamtzahlen langfristig eher sinken. Ein Sozialbericht der Regierung zeigt: Weniger Teenagerschwangerschaften bedeuten nicht automatisch mehr Safer Sex.
Mehr Neuinfektionen als prognostiziert
Nach nationalen Zahlen wurden bis 2025 insgesamt 547.556 HIV-Fälle kumuliert erfasst, im Jahr selbst kamen 13.357 neue Infektionen hinzu.
Die Gesundheitsbehörden gehen zugleich davon aus, dass die reale Zahl der Neuinfektionen rund 1,5-mal so hoch lag wie die Prognosen der Department of Disease Control.
Junge Menschen im Fokus der Statistik
Rund ein Drittel der neuen Infektionen entfiel auf die Altersgruppe 15 bis 24, womit die Krise zunehmend ein Jugendthema wird.
Gesundheitsminister Pattanapong Phromphat erklärte, HIV- und STI-Infektionen nähmen weiter zu, besonders in dieser Altersgruppe.
Bericht: Rückgang bei Schwangerschaften kein Beleg für mehr Safer Sex
Der National Economic and Social Development Council machte den Trend im Sozialbericht für das vierte Quartal 2025 unter dem Titel Safe Sex: Not Taboo but Necessary öffentlich.
Darin heißt es, der deutliche Rückgang bei Teenagerschwangerschaften beweise nicht, dass Jugendliche konsequenter Kondome nutzten oder sich insgesamt besser schützten.
Syphilis und Gonorrhö legen zu – vor allem in Großstädten
Parallel zu HIV seien bei Jugendlichen auch andere sexuell übertragbare Infektionen wie Syphilis, Gonorrhö und Genitalwarzen häufiger geworden, insbesondere bei ungeschütztem Sex.
Laut dem Ministerium stiegen in den vergangenen fünf Jahren Syphilis-Fälle um das 2,7-Fache und Gonorrhö-Fälle um das 2,5-Fache, vor allem in großen Städten und touristischen Regionen.
Wissen vorhanden – Schutzverhalten bleibt lückenhaft
Fachleute sehen eine Lücke zwischen Wissen und Verhalten, weil Sexualkunde in Schulen oft biologisch bleibt und praktische Lebenskompetenzen für sichere Entscheidungen zu kurz kommen.
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Hinzu kommt, dass Unterricht häufig im Frontalstil läuft und viele Lehrkräfte zu wenig Training haben, das Thema offen und alltagsnah zu vermitteln.
Kondome, Apps und falsche Sicherheitsgefühle
Der Bericht nennt Missverständnisse beim Lagern und Anwenden von Kondomen als konkretes Problem, das aus Schutzwillen schnell Schutzfehler macht.
Zudem hätten manche Jugendliche sexuelle Kontakte außerhalb fester Beziehungen, etwa über Bekannte, Freunde, Unterhaltungsorte oder Dating-Apps, was konsequenten Schutz schwieriger macht.
Verhütung oft auf Schwangerschaft ausgerichtet – nicht auf Infektionsschutz
Ein weiterer Faktor sei, dass junge Menschen Verhütung teils stärker auf Schwangerschaftsvermeidung als auf Infektionsschutz ausrichten.
Paare verzichteten laut Experten auch deshalb auf Kondome, weil sie den Partner für „risikoarm“ hielten oder Konflikte befürchteten.
Tabus und Hürden im Gesundheitssystem
Weil Sex in der Gesellschaft vielerorts ein sensibles Thema bleibt, fallen offene Gespräche zwischen Eltern, Lehrern und Jugendlichen über Schutz und Verantwortung oft schwer.
Behörden sehen außerdem Nachholbedarf bei jugendfreundlichen Angeboten, etwa bei Sprechzeiten, dem Umgangston in Einrichtungen und beim Zugang zu Präventionsprodukten.
Ziel: Unter 1.000 Neuinfektionen pro Jahr
Vize-Gesundheitsminister Chaichana Dejdecho erklärte, die absoluten HIV-Zahlen gängen landesweit zwar zurück, doch der Anteil junger Menschen an den Fällen steige.
Das Ministerium will deshalb Kooperationsabkommen mit Bildungseinrichtungen schließen und Programme stärken, mit dem Ziel, Neuinfektionen auf höchstens 1.000 pro Jahr zu drücken und Todesfälle auf unter 4.000 jährlich zu begrenzen.
Behandlung wirkt – aber kostet Milliarden
Seit den ersten dokumentierten Fällen 1986 leben in Thailand laut Behörden derzeit rund 540.000 Menschen mit HIV, mehr als 400.000 erhalten kontinuierlich antiretrovirale Therapie.
Der Staat gibt dafür und für Prävention etwa 8,4 Milliarden Baht pro Jahr aus, davon 6,2 Milliarden Baht für Medikamente und 1,2 Milliarden Baht für Präventionsarbeit.
Kondom, PrEP, PEP – verfügbare Schutzoptionen
Die Behörden betonen, dass Prävention trotz wirksamer Therapie entscheidend bleibt, vor allem durch konsequente Kondomnutzung.
Als zusätzliche Schutzoptionen werden Medikamente genannt, darunter PrEP vor möglicher Exposition und PEP innerhalb von 72 Stunden nach einem Risikokontakt.



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