BANGKOK, THAILAND – In Thailand rollt eine wachsende Welle aus Betrugsanrufen und Scam-SMS, während andere Teile Asiens bereits eine Entspannung sehen. Neue Daten beziffern die Flut auf rund 173 Millionen betrügerische Kontakte im vergangenen Jahr – damit ist das Land laut Auswertung das am stärksten ins Visier genommene Ziel in der Region.
Rekordzahlen bei Anrufen und SMS
Im vergangenen Jahr wurden in Thailand insgesamt etwa 173 Millionen Scam-Anrufe und -Nachrichten registriert, davon rund 39 Millionen Telefonanrufe und etwa 134 Millionen SMS.
Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Werte erneut an, von ungefähr 38 Millionen Scam-Anrufen und 130 Millionen Scam-SMS, was die anhaltende Dynamik trotz Behördenmaßnahmen unterstreicht.
Razzien bremsen – aber nur kurz
Behörden beobachteten zu Jahresbeginn einen kurzfristigen Rückgang, als entlang der thailändisch-kambodschanischen Grenze die Aktivitäten verstärkt wurden.
Die Entlastung hielt laut den vorliegenden Zahlen jedoch kaum zwei Monate, bevor die Gruppen ihre Abläufe anpassten, Standorte verlagerten und mit noch mehr Kontakten zurückkehrten.
Vom Kleinkriminellen zur Scam-Fabrik
Aus früheren kleinen Betrügerbanden sind nach Einschätzung der Behörden inzwischen regelrechte Scam-Fabriken geworden, die arbeitsteilig wie Organisationen funktionieren.
Dazu gehören feste Rollen, geregelte Arbeitszeiten und Massenansprachen, immer häufiger gestützt durch automatisierte Anrufsysteme und großflächige SMS-Kampagnen.
SMS werden technisch raffinierter
Besonders Textnachrichten sind schwerer zu filtern, weil Betrüger Inhalte zunehmend mit Emojis und ungewöhnlichen Zeichen mischen, um Schutzsysteme der Netzbetreiber zu umgehen.
So rutschen Nachrichten eher durch automatisierte Erkennung und erreichen Smartphones, obwohl Provider und Behörden die Sperrmechanismen laufend nachschärfen.
Datendiebstahl macht Angriffe persönlicher
Die Wirkung wird durch verbreitete Datenlecks verstärkt, bei denen Telefonnummern teils mit echten Namen, E-Mail-Adressen und sogar Passwörtern verknüpft sind.
JETZT den Wochenblitz WERBEFREI lesen!
Dadurch verlagern Täter ihre Strategie weg vom Zufallstreffer hin zu gezielten, glaubwürdig wirkenden Kontaktaufnahmen, die persönlicher erscheinen und leichter Vertrauen erzeugen.
Polizei warnt und nennt Schadenssumme
Die Polizei warnt, dass Täter parallel über Anrufe, SMS und soziale Medien arbeiten und psychologische Tricks nutzen, um Angst, Zeitdruck oder Vertrauen auszuschlachten.
Die damit verbundenen Verluste bezifferten Behörden auf etwa 70 Millionen Baht pro Tag, was das Ausmaß für Privathaushalte und Unternehmen sichtbar macht.
Konten eingefroren und Sperre per Code
Nach Angaben der Polizei wurden bereits Tausende sogenannte Mule Accounts in Verbindung mit Scam-Netzwerken eingefroren, unter anderem über Meldetools wie eine nationale Cybercrime-Datenbank.
Mobilfunknutzer können zudem per *138#1 alle eingehenden Anrufe von ausländischen Nummern blockieren lassen, während Netzbetreiber vermehrt Anrufvolumen und Standorte überwachen, um Verdächtiges zu sperren.
Menschenhandel als dunkler Hintergrund
Behörden verweisen außerdem auf Verbindungen zwischen Scam-Zentren und Menschenhandel, weil einige Netzwerke Menschen zur Arbeit in Betrugsanlagen zwingen sollen.
Als Grundregel betont die Polizei: Nicht glauben, nicht hetzen lassen und kein Geld überweisen, selbst wenn Anrufer oder Nachrichten scheinbar offizielle Details nennen.



Wichtiger Hinweis für unsere Leser
Wir freuen uns auf Ihren Beitrag! Bitte beachten Sie für ein freundliches Miteinander unsere Regeln: