Jahrzehntelang war es das offene Geheimnis unter Expats in Thailand: Eine Thai-Firma gründen, einen Thai-Staatsbürger als Mehrheitsgesellschafter eintragen, das Grundstück oder die Bar faktisch selbst kontrollieren – und keiner schaut hin. Seit März 2026 ist das vorbei. Die Behörden haben die Nominee-Firma Thailand ins Visier genommen, und diesmal meinen sie es ernst.
Was sich in Pattaya zwischen dem 18. und 20. März 2026 abgespielt hat, lässt aufhorchen – nicht wegen der Razzia selbst, sondern wegen dem, was dabei ans Licht kam. Wer heute noch eine solche Konstruktion hält, sollte diesen Artikel bis zum Ende lesen.
Ein Thai als Strohmann für über 100 Firmen
Das DBD – das Department of Business Development im Handelsministerium – durchkämmte drei Tage lang Tourismus- und Immobilienbetriebe in Pattaya. Beteiligt waren DSI, die Tourismuspolizei, die Einwanderungsbehörde und das Provincial Commerce Office Chon Buri. Kein Routinebesuch, sondern koordinierter Zugriff.
Der spektakulärste Einzelfund: Ein einziger Thai-Staatsbürger taucht in den Firmenpapieren von über 100 Gesellschaften als Mehrheitsgesellschafter auf. Für diese Rolle kassierte er vermutlich eine monatliche Pauschale – und trug das gesamte Strafrisiko. Die Firmen hinter ihm? Laut Behörden Hüllen ohne echte Geschäftstätigkeit, gegründet, um ausländisches Eigentum zu verschleiern. Mehrere Betriebslizenzen wurden noch vor Ort entzogen.
146 Firmen in Chonburi auf der schwarzen Liste
Die drei Kontrolltage in Pattaya waren nur der Einstieg. Der Datenbankabgleich der Behörden förderte größere Zahlen zutage: In der gesamten Provinz Chon Buri stehen 146 ausländische Firmen unter dem Verdacht, in verbotenen Geschäftsfeldern tätig zu sein. Sie wurden auf eine schwarze Liste gesetzt. Derzeit laufen „Deep-Dive“-Finanzprüfungen, die jeden Baht Startkapital auf seine Herkunft zurückverfolgen.
Das sind keine symbolischen Ermittlungen. Das DBD hat 2026 angekündigt, landesweit 21.459 Verdachtsfälle zu untersuchen – Schwerpunkte: Chonburi, Phuket, Chiang Mai, Bangkok und Surat Thani. Allein im Jahr 2025 wurden über 46.000 Firmen zur Prüfung markiert, mehr als 850 bereits strafrechtlich verfolgt.
Warum jetzt – und warum so scharf?
Nominee-Strukturen waren nie legal. Was sich geändert hat, ist die Entschlossenheit der Behörden und ihre technischen Mittel. Das DBD gleicht automatisch Steuer-, Grundbuch- und Firmendaten ab. Wer als Thai-Gesellschafter formal 51 Prozent hält, aber kein nachweisbares Eigenkapital in die Firma eingebracht hat, fliegt heute durch einen Algorithmus auf – ohne dass jemand vor der Tür klingeln muss.
Hinzu kommt politischer Druck von oben. Foreigners aus Russland, Israel, Europa, Indien und China kaufen über Nominee-Konstruktionen Land in Tourismusgebieten – das hat die Regierung öffentlich als Bedrohung für die Wirtschaftsstruktur bezeichnet. Die Stimmung hat sich gedreht, und das schlägt sich in der Intensität der Kontrollen nieder.
Was Anwälten und Buchhaltern jetzt droht
Neu ist die Stoßrichtung gegen die „Enabler“ – also die Profis, die solche Konstruktionen bauen und absegnen. Das DBD führt unangekündigte Vor-Ort-Kontrollen in Kanzleien durch. Geprüft wird konkret: Wurden Beglaubigungen und Unterschriften tatsächlich in Anwesenheit der Mandanten vorgenommen? Wer dabei schlampt oder Unterschriften nachträglich zertifiziert, dem droht keine Geldstrafe, sondern Strafanzeige und dauerhafter Entzug der Berufszulassung durch den Lawyers Council of Thailand.
Das trifft den Markt empfindlich. Viele Expats in Pattaya, Phuket und Chiang Mai haben jahrelang mit Kanzleien gearbeitet, die Nominee-Konstruktionen als Standardpaket anboten. Wer heute noch dieselbe Kanzlei beauftragt, sollte prüfen, ob diese noch operiert – und ob sie es ungestraft tut.
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Die Strafen: Gefängnis, Millionenbuße, Lizenzverlust
Das Foreign Business Act (FBA) von 1999 ist in der Praxis lange kaum angewendet worden. Das ändert sich. Section 36 zielt auf den Thai-Strohmann, Section 37 auf den ausländischen Hintermann. Die Strafen für beide Seiten: bis zu drei Jahre Haft, Geldstrafe zwischen 100.000 und 1.000.000 Baht, plus tägliche Zwangsgelder von 10.000 bis 50.000 Baht für jeden Tag, an dem der Verstoß weiterläuft. Dazu kommt der sofortige Entzug der Unternehmenslizenz.
Wer glaubt, mit einer stillen Umstrukturierung nach einer Razzia davonzukommen, unterschätzt die Datenlage der Behörden. Die Finanzprüfungen laufen rückwirkend. Wer heute freiwillig einen Compliance-Check macht und die Struktur bereinigt, steht rechtlich deutlich besser da als jemand, der auf ein laufendes Verfahren wartet.
Was der Strohmann riskiert – und was du riskierst
Viele Expats haben die Sache lange als Problem ihres Thai-Partners oder ihrer Thai-Gesellschafter gesehen: Die stehen auf dem Papier, also tragen sie das Risiko. Das stimmt juristisch so nicht mehr. Section 37 des FBA richtet sich explizit gegen den ausländischen Auftraggeber. Wer die Nominee-Konstruktion initiiert, finanziert oder kontrolliert hat, ist als Hintermann strafbar – unabhängig davon, wessen Name im Handelsregister steht.
Für Langzeitbewohner, die über eine solche Firma eine Villa oder ein Lokal halten, kommt ein weiteres Risiko dazu: Nominees, die unter Ermittlungsdruck geraten, haben zunehmend erkannt, dass sie auf dem Papier die eigentlichen Eigentümer sind. Manche nutzen das. Wer die Firma auf einen Thai-Namen eingetragen hat, hat im Streitfall keine legale Handhabe – die Konstruktion war von Anfang an nichtig.
Legale Wege, die jetzt Sinn machen
Eigentumswohnungen (Condominiums) bleiben die einzige Form, bei der Ausländer in Thailand wirklich im eigenen Namen eingetragen sind – sofern der Ausländeranteil im Gebäude unter 49 Prozent bleibt. Wer ein Grundstück oder eine Villa langfristig nutzen will, kommt am registrierten Leasehold nicht vorbei: 30 Jahre, beim Katasteramt eingetragen, mit Verlängerungsoption. Was nicht eingetragen ist, ist im Ernstfall nichts wert.
Eine rechtlich saubere Thai-Firma mit echten Thai-Gesellschaftern, nachweisbarem Eigenkapital und aktiver Geschäftstätigkeit bleibt grundsätzlich möglich – aber der Prüfungsaufwand ist erheblich gestiegen. Was Ausländer bei Vermietung rechtssicher beachten müssen, hat Wochenblitz hier zusammengefasst.
Wer Beratungsbedarf hat, sollte eine Kanzlei wählen, die in Thailand gerichtlich zugelassen ist – der Titel Rechtsanwalt ist in Thailand nicht geschützt, und viele Kanzleien können ihre Mandanten vor Gericht nicht vertreten. Unabhängige Visa- und Rechtsberatung für Expats in Thailand hilft bei der Einschätzung bestehender Strukturen.
Was jetzt konkret zu tun ist
Wer eine Thai-Firma hält, in der Thai-Gesellschafter kein nachweisbares Eigenkapital eingebracht haben und die Firma keine aktive Geschäftstätigkeit vorweisen kann, sitzt auf einer Zeitbombe. Die Frage ist nicht ob, sondern wann ein Algorithmus diese Struktur markiert. Ein freiwilliger Compliance-Check vor einer Razzia ist rechtlich eine ganz andere Ausgangslage als eine Auflösung unter Ermittlungsdruck. Wochenblitz hat die laufenden Verfahren und Strafen im Detail zusammengefasst.
Wer neu investieren möchte, sollte Condo oder eingetragenen Leasehold von vornherein einplanen. Das kostet beim Kauf mehr Sorgfalt – aber keine drei Jahre Haft. Pattaya, Phuket und Chiang Mai stehen 2026 ganz oben auf der Prüfliste der Behörden. Die nächste Razzia-Welle ist keine Frage des Ob.
Redaktionelle Hinweise
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Für die Bewertung bestehender Firmenstrukturen ist ein in Thailand zugelassener Anwalt hinzuzuziehen.



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