PATTAYA, THAILAND – Die Sexarbeiter-Organisation SWING fordert eine Untersuchung des Vorgehens gegen 25 Menschen bei einer Razzia in Pattaya am 29. August. Berichte widersprechen sich darüber, ob die Betroffenen festgenommen, festgehalten oder mit Geldbußen belegt wurden. Die Aktion fand kurz vor der erwarteten Ankunft von rund 5.000 US-Soldaten und Marines statt.
25 Menschen bei Razzia aus öffentlichen Bereichen mitgenommen
Polizei und Mitarbeiter der Sozialbehörden kontrollierten am 29. August den Pattaya Beach, die Second Road und weitere öffentliche Bereiche. Sie erfassten 25 Menschen, denen Herumlungern oder das Anbahnen von Prostitution vorgeworfen wurde: 18 Menschen aus Thailand, fünf Menschen aus Laos und zwei aus Uganda.
Die Gruppe wurde für weitere Verfahren und Geldbußen mitgenommen. SWING verlangt nun eine Untersuchung dazu, wie die Betroffenen aufgegriffen, behandelt und nach welchen rechtlichen Regeln gegen sie vorgegangen wurde.
Berichte widersprechen sich bei Festnahmen und Geldbußen
Einige zeitnahe Berichte bezeichneten die 25 Menschen als festgenommen oder in Gewahrsam genommen. Andere meldeten, sie seien lediglich mit Geldbußen belegt worden.
Seit einer Gesetzesänderung von 2022 können bestimmte geringfügige Verstöße mit Verwaltungsbußen geahndet werden, ohne als strafrechtliche Sanktion zu gelten. Welche Maßnahme im Einzelfall gegen alle 25 angewandt wurde, ist nicht geklärt.
Razzia kurz vor dem erwarteten US-Marinebesuch
Wenige Tage nach der Razzia traf die Trägergruppe USS Abraham Lincoln in Laem Chabang ein. Ab dem 2. September sollten rund 5.000 US-Matrosen und Marines an Land gehen, viele davon sollten ihren Landgang in Pattaya verbringen.
Hotels, Restaurants, Bars und Unterhaltungslokale rechneten mit zusätzlichen Ausgaben der Besucher. Gleichzeitig gingen die Behörden gegen mutmaßliche Prostitution in öffentlichen Bereichen vor und verwiesen auf Pattayas Image als sicheres, geordnetes internationales Reiseziel.
SWING erhebt weitere Vorwürfe gegen den Umgang mit Sexarbeitern
SWING-Direktorin Surang Janyam kritisierte die Aktion bereits zu Beginn. Sie warf den Behörden vor, vor der Ankunft der Amerikaner ein bereinigtes Bild der Stadt schaffen zu wollen, und verwies auf die etablierte Präsenz von Sexarbeit im Unterhaltungssektor Pattayas.
Die Organisation behauptet außerdem, manche Sexarbeiter müssten inoffizielle Zahlungen an die Polizei leisten und würden danach am Handgelenk markiert. Dazu liegt keine Antwort der Polizei vor. Es gibt auch keinen Beleg dafür, dass diese Vorwürfe die 25 Menschen aus der Razzia vom 29. August betreffen.
Polizeichef nannte eine höhere Zahl für die Razzien am Wochenende
Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte Pattayas Polizeichef Anek Srathongyoo mit einer Zahl von 40 bis 50 Menschen, die bei Razzien am Wochenende wegen des Verdachts auf Prostitution festgehalten worden seien. Die meisten zeitnahen Berichte zur Aktion vom 29. August nannten dagegen 25 Betroffene.
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Ob die höhere Zahl weitere Einsätze einschloss oder wie sie sich zur Gruppe von 25 verhält, ist nicht geklärt. Keine der beiden Zahlen belegt ein rechtswidriges Vorgehen.
Sexarbeiter-Gesetz mit 13.526 Unterschriften eingebracht
SWING und verbündete Organisationen wollen das Prostitutionsgesetz von 1996 abschaffen und durch einen neuen Rahmen für einvernehmliche Sexarbeit unter Erwachsenen ersetzen. Dieser soll auch arbeitsrechtliche und soziale Schutzrechte vorsehen.
Am 28. Mai reichten SWING und zivilgesellschaftliche Partner einen Gesetzentwurf mit 13.526 Unterstützer-Unterschriften ein. Ein früherer Anlauf war gescheitert, nachdem das Repräsentantenhaus im Dezember 2025 aufgelöst worden war.
Parlament stuft Gesetzentwurf als Finanzvorlage ein
Bei einer gemeinsamen Sitzung am 10. Juli entschieden die Abgeordneten, dass der Entwurf als Finanzvorlage gilt. Die Einstufung wurde mit 17 zu sechs Stimmen bei zwei Enthaltungen beschlossen.
Nach der Verfassung braucht eine von Bürgern eingebrachte Finanzvorlage die Zustimmung des Ministerpräsidenten, bevor sie im Parlament weiter beraten werden kann. SWING forderte Anutin Charnvirakul zur Unterstützung auf. Bis zum 2. Oktober lag diese Zustimmung nicht vor, der Entwurf war aber auch noch nicht endgültig gescheitert.
1996er-Gesetz gilt weiter, SWING verlangt Prüfung der Razzia
Das Prostitutionsgesetz von 1996 ist weiterhin in Kraft. Sexarbeit wurde in Thailand nicht entkriminalisiert, und die Behörden wenden weiter die bestehende Rechtslage an. Befürworter des neuen Entwurfs argumentieren, die Kriminalisierung könne Sexarbeiter davon abhalten, Gewalt, Ausbeutung oder ausstehende Zahlungen zu melden.
Mit ihrer Forderung vom 2. Oktober richtet SWING den Blick nun auf den Umgang mit den 25 Menschen und die rechtlichen Abläufe bei der Razzia. Eine Feststellung rechtswidrigen Handelns durch Polizei oder andere Behörden liegt nicht vor. Was denkst du darüber? Schreib uns deine Meinung in die Kommentare.
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