Der Altersunterschied in Beziehungen ist in Thailand ein Thema, über das kaum jemand laut spricht und zu dem fast jeder eine feste Meinung hat. Ich lebe lange genug hier, um zu wissen: Die Antwort hängt davon ab, wer neben wem sitzt, Thai mit Thai, Thai mit Ausländer, Mann älter oder Frau älter. Dazu kommt eine Geschichte, die mit europäischen Vorstellungen wenig gemeinsam hat und manches erklärt, was uns Zugereisten merkwürdig vorkommt.
Unter Thais ist der Altersunterschied meist unspektakulär
Unter Thais selbst bleibt der Abstand klein. Die Männer heiraten im Schnitt rund drei Jahre später als die Frauen, und das galt 1970 genauso wie im Jahr 2000. Für die Zeit danach wird die Datenlage dünn, was hierzulande kaum jemanden aufregt.
Ein Vergleich von zwölf Ländern Süd- und Südostasiens zeigt Thailand bei den ungefähr gleichaltrigen Paaren ganz vorn: knapp die Hälfte, in Bangladesch gerade fünf Prozent. Wo die Forscher die Grenze ziehen, verraten sie nicht, ich nehme die Zahl mit einer Prise Salz.
Älterer Mann, jüngere Frau: Daran stößt sich in Thailand kaum jemand
Ein ordentlicher Abstand zugunsten des Mannes erregt hier weniger Aufsehen als bei uns. Ein thailändischer Psychiater sagte 2024 öffentlich, solche Paare zögen weniger hochgezogene Augenbrauen auf sich, und das Stigma verblasse oft ab 21 Jahren. Unter 18 sei es dagegen ein Warnzeichen.[2]
Das Machtgefälle bleibt für ihn das eigentliche Problem, auch wenn Jüngere nicht immer auf die Älteren angewiesen sind. Das klingt nach Vorsicht, nicht nach Verbot, und so erlebe ich es auch: Man fragt hier eher, wer wem etwas schuldet, als nach den Jahren dazwischen.
Ältere Frau, jüngerer Mann: Da wird das Stirnrunzeln tiefer
Das umgekehrte Paar kommt in den Quellen kaum vor, und das sagt schon etwas. Löst der ältere Mann mit der Jüngeren weniger Fragen aus, bleibt für die ältere Frau mit dem jüngeren Mann mehr Stirnrunzeln übrig. Ein Umkehrschluss, belegt ist er nicht.
Bei Thai-Mann und westlicher Frau zeigt die Volkszählung von 2010 kein erkennbares Muster, anders als bei der Thailänderin mit dem älteren Farang.[1] Zu wenige Paare, zu wenig Daten: Hier geht jeder mit seiner Meinung hausieren, ich eingeschlossen.
Fünfzehn Jahre als Normalfall: Was der Zensus über Thailänderin und Farang verrät
Bei Paaren mit westlichem Partner liefert die Volkszählung von 2010 eine Zahl, die Leser daheim vermutlich überrascht: Der Abstand liegt bei Deutschen, Österreichern und Schweizern im Mittel bei 15 Jahren. Briten kommen auf 17, Schweden auf 18, Kanadier auf 20.[1]
In 94 von 100 dieser Paare ist der Westler der Mann, und ein Drittel der westlichen Partner ist über sechzig. Solche Paare machen unter einem Prozent aller Paare aus, fallen aber auf. Wer lästert, redet über eine kleine Gruppe, noch dazu mit Zahlen von 2010.
Mia farang: Wer in Thailand über die Frau des Ausländers urteilt
Mia farang, die Frau des Ausländers, ist in Thailand kein neutrales Wort. Besonders im Isaan hängt dem Begriff ein Stigma an, das sich an Geld und Käuflichkeit festmacht. So berichten es Medien, belastbare Zahlen dazu fehlen allerdings fast völlig.
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Das Urteil trifft meist die Frau, und es kommt auch aus dem eigenen Dorf. Ich halte das für die eigentliche Ungerechtigkeit: Der Altersabstand wird ihr als Vorwurf angehängt, obwohl er zu zweit entsteht. Man müsste ihn schon beiden zurechnen.
Töchter als Reichtum: Warum Frauen in Siam früher anders dastanden
Historiker beschreiben das vorkoloniale Südostasien als Gegend, in der Frauen deutlich selbstständiger auftraten als im damaligen Europa.[3] Töchter galten als Reichtum der Familie, nicht als Last, und bei der Partnerwahl redeten die Verwandten kräftig mit.
Wie weit das bis in die Gegenwart reicht, kann ich nicht belegen. Für Siam fehlen Altersangaben aus der Zeit vor 1900 schlicht, die Bevölkerungsgeschichte des Landes steckt in den Kinderschuhen. Ich erzähle also einen Rahmen, keine bewiesene Kette von Ursache und Wirkung.
Reiche Herren, mehrere Frauen: Das Erbe der Vielehe in Siam
Die Einehe war im alten Siam die Regel, mit Ausnahmen bei den Mächtigen: Könige und Adel hatten mehrere Frauen, bei den Herrschern der Chakri-Dynastie war das politisch begründet, denn jede Ehe band eine einflussreiche Familie an den Hof.[3]
Das Familienrecht des Zivil- und Handelsgesetzbuchs von 1935 setzte dann die Einehe durch. Ob das alte Muster erklärt, warum ein wohlhabender älterer Mann mit einer viel jüngeren Frau weniger auffällt, weiß ich nicht. Es klingt plausibel, bewiesen ist es nicht.
Damals in Europa: Spät heiraten, kleiner Abstand
Im christlichen Europa heiratete man spät, meist in den Zwanzigern, und die Partner waren oft ähnlich alt.[3] Als westeuropäisches Heiratsmuster ist das bekannt, wie scharf es überall galt, ist umstritten, und ich stütze mich hier auf Nachschlagewerke.
Eine Stichprobe aus viktorianischen Standesämtern in England zeigt: Bei 5,2 Prozent der Paare lagen mehr als zwanzig Jahre dazwischen, und fast jede sechste Ehe war eine Wiederverheiratung. Repräsentativ ist die Stichprobe nicht, ein Anhaltspunkt bleibt sie.[5]
Damals und heute: Wie sich der Abstand in Thailand und Europa entwickelt hat
In England und Wales blieb der mittlere Abstand zwischen den Partnern von 1963 bis 1998 fast unverändert. Die Europäer haben sich in dieser Zeit in vielem neu erfunden, bei diesem Punkt aber erstaunlich wenig bewegt.[5]
In Thailand heirateten 1970 die Männer im Schnitt mit 24,7 und die Frauen mit 22 Jahren, im Jahr 2000 mit 27,3 und 24. Beide sind älter geworden, der Abstand blieb bei rund drei Jahren. Vor 1900 fehlt jede Zahl, ich kann also nicht belegen, dass es schon immer so war.
Warum so viele Paare ein Generationengefälle haben: Absicherung, Familie, Zweitehe
Berichte aus dem Isaan nennen häufig, dass viele dieser Frauen zuvor mit Thai-Männern verheiratet waren, der Ausländer also eine zweite Chance ist. Absicherung spielt eine Rolle, wie in jeder Familie auf der Welt, und die Familie spricht mit.
Dazu kommt ein Frauenüberschuss: Thailand zählte Ende 2024 rund 1,6 Millionen mehr Frauen als Männer, so eine thailändische Zeitung. Das erklärt keinen einzelnen Fall, es verschiebt aber die Auswahl, und zwar nicht zugunsten der Frauen.
Altersunterschied in Deutschland, Österreich und der Schweiz: Ein ganz anderer Maßstab
In Deutschland heirateten Frauen 2022 beim ersten Mal mit 32,6, Männer mit 35,1 Jahren, ein Abstand von 2,5 Jahren (2002 waren es drei). In Österreich lag er 2024 bei 2,0 Jahren, in der Schweiz bei 4,1.[4] Gemessen wird dort das Heiratsalter, nicht jede Beziehung.
Die Schweizer Zahl umfasst alle Ehen, nicht nur Erstehen, und ist mit den anderen nicht direkt vergleichbar. Trotzdem liegen die 15 Jahre, die bei Thailänderin und Farang im Mittel zusammenkommen, weit jenseits dessen, was in der Heimat üblich ist.
Wo man toleranter ist, Thailand oder Europa?
Ob man in Thailand oder bei uns toleranter ist, lässt sich nicht messen: Eine vergleichbare Umfrage für beide Regionen gibt es nicht. Mein Eindruck, kein Messwert: Der große Abstand zugunsten des Mannes hebt hier weniger Augenbrauen, dort wird er schneller mit Misstrauen quittiert.
Dafür ist die Toleranz in Thailand an Bedingungen geknüpft: Sie muss volljährig sein, Geld darf nicht das einzige Motiv wirken, und die Familie muss mitspielen. Mehr Freiheit sehe ich da nicht, nur andere Regeln, die je nach Provinz wechseln. Vielleicht frage ich als Nächstes die Familien selbst.
Anmerkungen der Redaktion
Lesen Sie auch: Isaan erleben: Wo das Herz Thailands schlägt
Die Zahlen zu Thai-Westlichen Paaren stammen aus der Volkszählung 2010, neuere Auswertungen liegen nicht vor. Für Siam vor 1900 gibt es keine Altersangaben, und ob die frühere Vielehe heutige Altersabstände erklärt, ist nicht belegt. Eine repräsentative Umfrage zur Toleranz in Thailand und Europa existiert nicht, die Einschätzungen dazu sind redaktionelle Beobachtungen.
- Befund: Zahlen zu Thai-Westlichen Paaren (Volkszählung 2010, Medianabstand nach Herkunftsland). Quelle: Phuengsamran u. a., Demographic Context of Thai-Western Partnerships in Thailand, Journal of Population and Social Studies 31 (2023), doi.org/10.25133/JPSSv312023.044 ↩
- Befund: Aussagen zu Stigma, Alter 21 und Machtgefälle. Quelle: Thai PBS World, 21.09.2024, Interview mit dem Psychiater Dr. Apichat Jariyavilas, old.thaipbsworld.com/?p=282775 ↩
- Befund: Stellung der Frauen, Töchter als Reichtum, Einehe mit Ausnahmen bei Herrschern, spätes Heiraten im christlichen Europa. Quelle: Anthony Reid, Female Roles in Pre-Colonial Southeast Asia, PDF bei Angkor Database ↩
- Befund: Heiratsalter und Abstand. Quellen: Destatis, Pressemitteilung zu Eheschließungen 2022, destatis.de; Statistik Austria (Median 2024, Auswertung über Statista); Bundesamt für Statistik, Demos 2/2024, bfs.admin.ch ↩
- Befund: Viktorianische Standesamt-Stichprobe (5,2 Prozent mit mehr als 20 Jahren Abstand, nicht repräsentativ), University of Exeter, news.exeter.ac.uk; Abstand in England und Wales 1963 bis 1998: Hancock u. a. (2003). ↩

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