Zwei Rentner, ein Dorf, zwei Welten

Max aus Wien und Hans-Werner aus dem Ruhrpott leben bei Buriram, beide mit einer jüngeren Thailänderin. Doch bei Rente, Absicherung und Urlaub trennen die beiden Welten.

Zwei Rentner, ein Dorf, zwei Welten
KI generiertes Symbolbild

Rente Thailand klingt nach Gerechtigkeit, ist aber vor allem eine Frage des Passes. Max, 70, war Handwerker in Wien. Hans-Werner, 71, deckte im Ruhrpott Dächer. Beide haben ordentlich verdient und ein Leben lang eingezahlt, trotzdem landet bei ihnen nicht dasselbe auf dem Konto. Heute leben sie in der Nähe von Buriram, beide mit einer deutlich jüngeren Thailänderin. Nur einer von ihnen ist verheiratet.

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Pension aus Österreich, Rente aus Deutschland

Max bekommt seine Pension vierzehnmal im Jahr. Zu den Pensionen für April und Oktober kommt jeweils eine Sonderzahlung in Höhe einer Monatspension, die Pensionsversicherungsanstalt überweist sie auch aufs Konto im Ausland. Wer in Wien jahrelang eingezahlt hat, wird so am anderen Ende der Welt weiter bedient. Das ist Verwaltungskunst. Es funktioniert.

Hans-Werner kennt dieses Modell nur vom Hörensagen. Seine Rente wird nach Thailand überwiesen, ohne Kürzung, auch wenn er dort wohnt. Ein Sozialversicherungsabkommen zwischen Deutschland und Thailand gibt es nicht, das System braucht aber auch keines, um zu zahlen. Mehr Großzügigkeit sieht der Gesetzgeber nicht vor. So weit, so deutsch.

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Rentenhöhe: Wer bekommt im Monat mehr

Max bekommt rund 2.300 Euro brutto im Monat, und das vierzehnmal im Jahr. Das ist für einen Handwerker mit vollem Berufsleben in Österreich ein üblicher Betrag. Er hat jahrzehntelang eingezahlt, jetzt bekommt er es zurück. Wer so rechnet, hat in Thailand selten Kassensturz.

Hans-Werner bekommt rund 1.900 Euro Rente brutto im Monat. Das ist für einen Dachdecker mit vollem Berufsleben in Deutschland ein üblicher Betrag. Wer in Thailand keiner deutschen Krankenkasse mehr angehört, bekommt den vollen Bruttobetrag ausgezahlt. Das klingt nach Bonus. Es ist die Vorauszahlung für eine Versicherung, die er sich jetzt selbst suchen muss.

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Rentenerhöhung: Österreich im Jänner, Deutschland im Juli

Max bekommt seine Erhöhung jeweils im Jänner. In diesem Jahr stiegen Gesamtpensionen bis 2.500 Euro im Monat um 2,7 Prozent, wer darüber lag, erhielt nur einen Fixbetrag von 67,50 Euro. Die Regierung nennt das sozial. Wer darüber liegt, nennt es Deckelung. Beides stimmt.

Hans-Werner bekommt seine Erhöhung im Juli. In diesem Jahr stiegen die deutschen Renten um 4,24 Prozent, der Rentenwert kletterte von 40,79 auf 42,52 Euro. Prozentual schlägt das Österreich, nur wächst eine kleine Zahl langsamer als eine große. Prozentrechnung kennt keine Gerechtigkeit.

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Steuern auf die Rente in Thailand

Max hat in Wien sein Leben lang Lohnsteuer gezahlt, die Frage nach der Steuer geht trotzdem an Thailand. Das Abkommen zwischen Österreich und Thailand weist das Besteuerungsrecht für solche Pensionen dem Land zu, in dem man wohnt. Als Steuerresident gilt, wer mindestens 180 Tage im Jahr in Thailand bleibt. Wer Sonne will, soll auch Steuern verstehen.

Hans-Werner steht vor derselben Frage, nur mit einem anderen Abkommen. Deutschland darf die gesetzliche Rente bei Wohnsitz in Thailand nicht besteuern, Thailand darf. Seit der Neuregelung wird Steuer fällig, sobald Einkünfte aus dem Ausland ins Land überwiesen werden. Ob am Ende etwas zu zahlen ist, entscheiden die Freibeträge.

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Krankenversicherung für Rentner in Thailand

Die österreichische Krankenversicherung begleitet Max nicht automatisch nach Thailand. Die Pensionsversicherung nennt für Pensionisten im Ausland nur die EU, den EWR, die Schweiz und einige Abkommensstaaten wie die Türkei oder Serbien. Thailand steht nicht auf der Liste. Wer dort krank wird, braucht eine private Absicherung. Wien kann viel, Buriram kann es nicht.

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Bei Hans-Werner ist es ähnlich. Die gesetzliche Krankenversicherung aus Deutschland endet in der Regel mit dem Wohnsitz in einem Land ohne Abkommen, und mit Thailand gibt es keines. Beide zahlen also privat. Der Unterschied liegt woanders: Eine Prämie spürt ein Mann mit 1.900 Euro im Monat stärker als einer mit 2.300.

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Jahresverlängerung für Rentner

Max muss seinen Aufenthalt jedes Jahr bei der Immigration verlängern lassen. Er ist verheiratet, deshalb reichen ihm 400.000 Baht auf dem Konto. Auf seinem Konto liegen sogar 800.000 Baht, er braucht sie aber nicht. Wer verheiratet ist, hat bei der Immigration den leichteren Weg.

Hans-Werner ist nicht verheiratet und geht den anderen Weg. Er belegt jedes Jahr sein Einkommen mit einer Einkommensbescheinigung. Verlangt werden 65.000 Baht im Monat, und mit rund 1.900 Euro Rente liegt er darüber. Dafür sammelt er jedes Jahr Papiere und wartet auf Stempel. Max wartet nur auf seinen Termin.

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Land und Haus laufen auf den Namen der Frau

Max hat in Thailand gebaut, aber das Land läuft auf den Namen seiner Frau. Das ist Gesetz, keine Marotte: Ausländer dürfen in Thailand grundsätzlich kein Land besitzen, die Ausnahmen sind eng. Auch die Ehe ändert daran nichts. Sie macht aus dem Mann keinen Grundbesitzer, sondern einen, der auf dem Land seiner Frau wohnt.

Bei Hans-Werner steht ebenfalls der Name einer Thailänderin auf dem Landtitel, nur ohne Trauschein. Sicherheit für das Haus geben in solchen Fällen eingetragene Rechte wie Pacht, Nießbrauch oder Superficies, die beim Land Department registriert werden. Wer sie nicht hat, baut auf Vertrauen. Das ist keine Rechtsform.

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Ehe oder Lebensgefährtin: Wer ist abgesichert

Max ist mit einer 15 Jahre jüngeren Frau verheiratet, und das zählt im Regelwerk. Nach seinem Tod gebührt ihr eine Hinterbliebenenpension, je nach eigenem Einkommen zwischen null und 60 Prozent seiner Pension. Das System kennt Ehepartner, keine Gefühle.

Hans-Werner ist nicht verheiratet, seine Partnerin ist 20 Jahre jünger. Sie wird die Folgen also länger tragen als er. Was ihr nach seinem Tod bleibt, sollte er deshalb selbst regeln, etwa mit einem Testament nach thailändischem Recht. Das kostet einen Anwaltstermin. Nichts zu regeln kostet mehr.

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Urlaub: Korea und Japan gegen Rayong und Hua Hin

Max leistet sich mehr. Er isst öfter auswärts, fährt öfter in den Urlaub und fliegt auch mal nach Korea oder Japan. Das Geld dafür kommt aus einer Pension, die vierzehnmal im Jahr eintrifft, zweimal davon als Sonderzahlung. Wer so plant, bucht Flüge, ohne vorher Konten zu zählen.

Hans-Werner macht Strandurlaub in Rayong oder Hua Hin. Ein Ausflug nach Phuket hat ihm nicht gefallen. Ob das am Geld liegt oder am Geschmack, bleibt sein Geheimnis. Er rechnet lieber zweimal, bevor er ein Ticket nach Tokio bucht. Rayong tut es auch.

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Pflege im Alter und der Lebensnachweis

Zwei Dinge hängen an Max‘ Pension, die kein Urlaub ersetzt. Erstens setzt österreichisches Pflegegeld grundsätzlich einen gewöhnlichen Aufenthalt in Österreich voraus, der Oberste Gerichtshof hat es einem Pensionisten in Thailand verweigert. Zweitens muss Max der Pensionsversicherung einmal im Jahr beweisen, dass er lebt, beglaubigt von Konsulat, Behörde oder Notar.

Bei Hans-Werner sieht es nicht besser aus. Die deutsche Pflegeversicherung gilt außerhalb der EU meist nicht automatisch, und die Rentenversicherung verlangt ebenfalls Lebensnachweise, sonst stoppt sie die Zahlung. Das Geld kommt bei beiden nur, solange sie beweisen, dass es sie noch gibt. Das ist der Preis für ein Leben unter Palmen.

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Redaktionelle Hinweise

Lesen Sie auch: Silberfüchse auf Beutezug im Strandparadies

Das Urteil des Obersten Gerichtshofs zum Pflegegeld ist älter als zwei Jahre, die Pensionsversicherung nennt für Pensionisten im Ausland Ausnahmen. Die Absicherung nicht verheirateter Partnerinnen nach thailändischem Erbrecht wurde nicht geprüft, hier hilft eine auf Thai-Recht spezialisierte Kanzlei.

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Ein Kommentar zu „Zwei Rentner, ein Dorf, zwei Welten“

  1. Ist die Frage, wieviel die 400 € brutto in netto ausmachen? Ausserdem lassen sich die Berufe so nicht vergleichen. Von den Einkommen eines VW-Arbeiters in Deutschland konnte ein Österreicher mit gleichwertiger Arbeit nur träumen, abgesehen von den traumhaften Prämien, die bei den Autobauern die letzten Jahre einmal jährlich erhielten.
    Solche Vergleiche machen selten Sinn.

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