Abzocke am Bankschalter entlarvt

Abzocke am Bankschalter entlarvt
Gemini AI

Ein alltäglicher Bankbesuch eskaliert

Der Gang zur Bankfiliale sollte für den in Thailand lebenden Expat im Januar 2026 eine reine Formsache sein. Sein Ziel war simpel: Die im System hinterlegte Telefonnummer zu aktualisieren, um wieder Zugriff auf seine Banking-App zu erhalten. Doch was als Routinevorgang begann, endete in einer nervenaufreibenden Konfrontation mit dem Bankpersonal.

Anstatt den Service einfach durchzuführen, stellte die Angestellte eine unerwartete Forderung. Der Kunde müsse zwingend eine Versicherung abschließen, sonst könne die Änderung nicht bearbeitet werden. Der Expat fand sich plötzlich in einer Zwangslage wieder, die in sozialen Netzwerken für hitzige Diskussionen sorgt.

Die 6000 Versicherungspolice

Die Bankmitarbeiterin verlangte den Abschluss einer Versicherungspolice zum Preis von 6.000 Baht. Umgerechnet sind das bei einem aktuellen Kurs von 36,50 Baht etwa 164,38 Euro. Für eine einfache Verwaltungsänderung ist dies eine astronomische Summe, die in keinem Verhältnis zur erbrachten Leistung steht.

Dem Kunden wurde erklärt, dies sei eine Verlängerung einer alten Police aus dem Jahr 2023. Ohne diese Zahlung, so die Behauptung, blockiere das Computersystem den Vorgang. Der Kunde fühlte sich überrumpelt und vermutete sofort eine Verkaufsmasche, um Provisionen zu generieren.

Der Druck durch das Visum

Der Fall gewinnt an Brisanz durch den aufenthaltsrechtlichen Status des Kunden. Der besagte Expat benötigt das funktionierende Bankkonto und die App dringend für sein Retirement-Visum (Ruhestandsvisum). Ohne Zugriff auf die App kann er die finanziellen Anforderungen der thailändischen Immigration nicht nachweisen.

Die Bankfiliale schien diesen wunden Punkt genau zu kennen. Wer unter Zeitdruck steht und eine Visumverlängerung fürchtet, ist eher bereit, irrationalen Forderungen nachzugeben. Die Angst vor dem Verlust des Aufenthaltsrechts wird hier subtil als Hebel genutzt.

Die Rolle der Visa-Agenten

Viele Expats in Thailand nutzen Agenturen, um die bürokratischen Hürden der Immigration zu meistern. Auch im vorliegenden Fall ist ein Agent involviert, der Zugriff auf die funktionierende Banking-App benötigt, um das vorgeschriebene Guthaben von 800.000 Baht (ca. 21.917,80 Euro) nachzuweisen.

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Diese Abhängigkeit macht den Bankkunden erpressbar. Wenn die App nicht funktioniert, scheitert der Service des Agenten, und das Visum ist in Gefahr. Bankangestellte wissen oft um diese Grauzonen-Arrangements und nutzen die Zwangslage der Ausländer gezielt aus.

Das Märchen vom Computerzwang

Eine häufige Ausrede in thailändischen Service-Situationen ist der Satz „The computer says so“. Technisch gesehen gibt es jedoch keine Verknüpfung zwischen einer Datenbank für Telefonnummern und dem Abschluss einer Unfallversicherung. Es ist eine vorgeschobene Behauptung, um Diskussionen im Keim zu ersticken.

Experten wissen, dass Banksysteme solche Sperren nicht automatisch generieren. Es handelt sich fast immer um manuelle Eingriffsmöglichkeiten des Personals, die bewusst zurückgehalten werden, bis der Kunde dem Zusatzverkauf zustimmt. Es ist ein psychologisches Spiel mit der Unwissenheit des Kunden.

Provisionsgier der Angestellten

Hinter solchen Vorfällen steckt meist der enorme Verkaufsdruck innerhalb der thailändischen Banken. Filialmitarbeiter müssen strenge Zielvorgaben (KPIs) erfüllen, insbesondere beim Verkauf von „Bancassurance“-Produkten, also Versicherungen.

Ein einfacher Servicevorgang wie eine Nummernänderung bringt der Filiale keinen Umsatz. Der Verkauf einer Police für 164 Euro hingegen schlägt positiv in der Statistik zu Buche. Der Kunde wird somit zum Objekt der Zielerreichung degradiert, ethische Bedenken treten in den Hintergrund.

Rechtliche Bewertung

Nach den Richtlinien der Bank of Thailand (BOT) ist ein solches Koppelungsgeschäft, auch „Tying“ genannt, streng untersagt. Banken dürfen den Verkauf eines Produkts nicht zwingend an die Abnahme eines anderen, nicht verwandten Produkts knüpfen.

Auch das Office of Insurance Commission (OIC) schreibt vor, dass Versicherungen nur freiwillig und nach umfassender Beratung verkauft werden dürfen. Die Aussage „Keine Versicherung, kein Service“ stellt einen klaren Verstoß gegen diese Verbraucherschutzrichtlinien dar und könnte für die Banklizenz Konsequenzen haben.

Verzweiflungstat Bestechung

In seiner Not erwog der betroffene Expat im Forum sogar, dem Mitarbeiter ein „Trinkgeld“ von 1.000 Baht (ca. 27,40 Euro) in einem Umschlag zuzustecken. Er hoffte, sich damit von der 6.000 Baht teuren Versicherung „freikaufen“ zu können.

Dieser Gedankengang zeigt, wie tief das Misstrauen in korrekte Abläufe sitzt. Es ist jedoch ein hochriskantes Unterfangen. Bestechung ist in Thailand strafbar und kann, gerät man an den falschen Mitarbeiter oder wird überwacht, zu massiven rechtlichen Problemen führen, die weit teurer sind als die Versicherung.

Die Drohung mit der Kontosperrung

Ein weiteres Druckmittel ist die implizite Drohung, das Konto einzufrieren. Solange jedoch keine verdächtigen Transaktionen im Sinne der Geldwäsche vorliegen, darf eine Bank ein Konto nicht einfach sperren, nur weil ein Kunde eine Versicherung ablehnt.

Selbst bei einem abgelaufenen Visum räumen Banken in der Regel Kulanzfristen ein, solange der Prozess der Erneuerung nachweisbar ist. Die Angstmacherei am Schalter entbehrt meist jeder rechtlichen Grundlage und dient nur der Einschüchterung.

Strategie Filialwechsel

Erfahrene Mitglieder der Expat-Community raten in solchen Fällen oft zur simpelsten Lösung: Die Filiale wechseln. Oft sind solche Forderungen auf das Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter oder das aggressive Management einer spezifischen Zweigstelle beschränkt.

In einer anderen Filiale derselben Bank, vielleicht in einem Einkaufszentrum statt an einem Touristen-Hotspot, wird derselbe Vorgang oft anstandslos und kostenlos bearbeitet. Das zeigt die Willkürlichkeit der Forderung und beweist, dass es keine systemweite technische Sperre gibt.

Nach dem Manager verlangen

Ein effektiver Weg, um solche Situationen zu entschärfen, ist die höfliche, aber bestimmte Forderung nach dem Vorgesetzten („Phu Jat Karn“). Oft rudern einfache Angestellte zurück, sobald sie merken, dass der Kunde bereit ist, die Hierarchie zu nutzen.

Manager wissen um die Illegalität von Zwangskoppelungen und wollen meist Ärger vermeiden. Sie sind eher geneigt, die „technischen Probleme“ wundersam verschwinden zu lassen, um eine offizielle Beschwerde zu verhindern.

Dokumentation ist Macht

Kunden sollten in solchen Situationen immer schriftliche Belege fordern. Die Frage „Können Sie mir bitte die Geschäftsbedingungen zeigen, in denen diese Gebühr steht?“ bringt viele Angestellte in Erklärungsnot, da ein solches Dokument nicht existiert.

Das Zücken des Smartphones, um das Gespräch oder die Weigerung zu dokumentieren, kann ebenfalls Wunder wirken. Transparenz ist der Feind von dubiosen Verkaufsmaschen. Wer dokumentiert, signalisiert Wehrhaftigkeit.

Beschwerde bei der Aufsicht

Das wirksamste Druckmittel ist die Erwähnung der Bank of Thailand Hotline 1213. Jede Bankfiliale fürchtet offizielle Beschwerden bei der Zentralbank, da diese direkt das interne Ranking und Bonuszahlungen beeinflussen können.

Oft reicht allein die Erwähnung, dass man die Situation gerne mit der Regulierungsbehörde klären möchte, um den Widerstand des Personals zu brechen. Es ist das ultimative Veto-Recht des Verbrauchers in Thailand.

Wichtigkeit von Zweitkonten

Der Fall lehrt eine wichtige Lektion für alle Expats: Niemals sollte man sich von einer einzigen Bank abhängig machen. Wer Konten bei zwei verschiedenen Instituten führt, ist gegen solche Erpressungsversuche immun.

Fällt eine Banking-App aus oder macht eine Filiale Probleme, weicht man einfach auf das zweite Institut aus. Diese Diversifizierung der Finanzen ist in Thailand kein Luxus, sondern eine notwendige Sicherheitsmaßnahme für einen stressfreien Aufenthalt.

Sprachbarrieren überwinden

Oft versuchen Bankmitarbeiter, die Sprachbarriere auszunutzen. Sie verlassen sich darauf, dass der ausländische Kunde die thailändischen Formulare nicht versteht und einfach unterschreibt.

Die Mitnahme einer thailändischen Vertrauensperson kann hier Schutz bieten. Ein Zeuge, der die Sprache spricht, verhindert oft schon durch seine Anwesenheit, dass dreiste Lügen über Computerfehler und Zwangspolicen aufgetischt werden.

Digitale Zukunft 2027

Die Hoffnung liegt auf der weiteren Digitalisierung. Mit den für 2027 erwarteten neuen Lizenzen für reine „Virtual Banks“ in Thailand könnte der Einfluss der physischen Filialen schwinden.

Wenn Bankgeschäfte rein digital und ohne menschlichen Eingriff am Schalter abgewickelt werden, entfällt die Möglichkeit für solches „Upselling“. Bis dahin müssen Kunden wachsam bleiben und ihre Rechte kennen.

Schlussfolgerung der Community

Der Konsens in dem Forum ist eindeutig: Keinesfalls zahlen. Wer einmal nachgibt, signalisiert, dass er ein leichtes Opfer ist. Die Forderung von 164 Euro für eine Nummernänderung ist reine Abzocke.

Es gilt, Ruhe zu bewahren, die Filiale zu wechseln oder den Manager zu verlangen. Die Gesetze sind auf der Seite des Kunden, auch wenn die Realität am Schalter manchmal anders aussieht.

Anmerkung der Redaktion

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3 Kommentare zu „Abzocke am Bankschalter entlarvt

  1. Nach meinem Dafürhalten, handelt es sich um den Tatbestand der Nötigung! Ich würde eine Anzeige bei der Polizei in Erwägung ziehen.

  2. Hier erscheinen in den letzten Tagen und Wochen vermehrt Berichte über die Unzugänglichkeiten der hiesigen Banken. Seltsam, habe noch nie Probleme mit Mitarbeitern oder sonst wem gehabt. Im Gegenteil, die (meistens sind es) Damen gaben und geben sich immer alle Mühe, meinen Wünschen nachzukommen. Übrigens wollte ich meine Unfallversicherung verlängern, ist aber über 70 nicht mehr möglich.

    1. Nicht krämen wegen der Unfallversicherung. Dafür darfst Du wenigstens durch die Priority Lane bei der Einreise. Brauchst Du gar nicht? Pech gehabt….

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