Anutin Wahlsieger! Was bedeutet das für uns?

Anutin Wahlsieger! Was bedeutet das für uns?
Matichon

BANGKOK, THAILAND – Premierminister Anutin Charnvirakul hat am Abend des 8. Februar einen deutlichen Wahlsieg der Bhumjaithai-Partei für sich beansprucht, während die Auszählung der Stimmen noch lief. Über mögliche Koalitionen und die konkrete Form der nächsten Regierung äußerte er sich jedoch zurückhaltend. Für die in Thailand lebenden Ausländer und Touristen wirft dieser Sieg jedoch grundlegende Fragen auf – nicht zuletzt aufgrund von Anutins umstrittener Vergangenheit während der Corona-Pandemie.

Erdrutsch für Bhumjaithai

Zum Zeitpunkt von 87 Prozent ausgezählter Stimmen lag Bhumjaithai mit einer Prognose von 197 Sitzen klar vor der People’s Party mit 112 und der Pheu Thai mit 78 Mandaten, wobei ein Koalitionspartner Bhumjaithais überraschend 57 Sitze holte.

Kleinere Parteien verloren deutlich an Boden, während sich die vier großen Kräfte den Großteil der Mandate teilten. Mit diesem klaren Mandat steht Anutin nun vor der Aufgabe, eine stabile Regierung zu bilden – und die Weichen für die Zukunft des Landes zu stellen.

Demokratie-Paradoxon: Mehr Stimmen, weniger Sitze

Das wohl brisanteste Detail dieser Wahl wird in der Berichterstattung kaum erwähnt: Die People’s Party erhielt in den Wahlkreisen 7.789.729 Stimmen und auf den Parteilisten weitere 9.731.942 Stimmen – insgesamt also rund 17,5 Millionen Wählerstimmen. Bhumjaithai hingegen kam auf 9.943.748 Wahlkreisstimmen und 5.935.679 Listenstimmen, zusammen nur etwa 15,9 Millionen Stimmen.

Trotz dieser deutlich niedrigeren Gesamtstimmenzahl sicherte sich Bhumjaithai 194 Parlamentssitze, während die People’s Party trotz 1,6 Millionen mehr Stimmen nur auf 116 Sitze kam. Dieses eklatante Missverhältnis ist dem thailändischen Wahlsystem geschuldet, bei dem 400 Direktmandate nach dem Mehrheitswahlrecht („First Past the Post“) vergeben werden und nur 100 Sitze proportional über Parteilisten. Wer in einem Wahlkreis knapp verliert, bekommt nichts – auch wenn Millionen Stimmen landesweit für die Partei abgegeben wurden. Die progressive Wählerbasis der People’s Party konzentriert sich in urbanen Zentren, wo sie haushoch gewinnt, während Bhumjaithai in zahlreichen ländlichen Wahlkreisen mit knappem Vorsprung triumphierte.

Zweifel an demokratischer Legitimität

Für viele Beobachter wirft dieses Ergebnis ernsthafte Fragen nach der demokratischen Legitimität der kommenden Regierung auf. In einer echten Demokratie würde die Partei mit den meisten Stimmen auch die meisten Sitze erhalten. Stattdessen wird Thailand nun von einer Partei regiert, die 10 Prozent weniger Wähler hinter sich vereint als die Opposition. Internationale Wahlbeobachter kritisieren das System als strukturell ungerecht.

Dieses demokratische Defizit verstärkt die Sorgen um Anutins Politik gegenüber Ausländern: Ein Premierminister, der nicht einmal die Mehrheit der Wähler repräsentiert, könnte sich weniger verpflichtet fühlen, auf internationale Kritik oder die Interessen von Expats und Touristen Rücksicht zu nehmen. Die urbane, weltoffene Wählerschaft hat mehrheitlich gegen ihn gestimmt – doch er regiert trotzdem mit komfortabler Parlamentsmehrheit.

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Die dunklen Schatten der Corona-Zeit

Während der COVID-19-Pandemie machte Anutin Charnvirakul als Gesundheitsminister international Schlagzeilen – allerdings aus den falschen Gründen. Im Februar 2020 forderte er öffentlich, westliche Touristen, die keine Gesichtsmasken trugen, sollten „aus dem Land geworfen werden“. Bei einer Maskenverteilungsaktion am Siam BTS-Bahnhof in Bangkok beschwerte er sich lautstark über „Farangs“ (umgangssprachlich oft abwertend für Westler), die die kostenlosen Masken nicht annehmen wollten.

Noch drastischer wurden seine Äußerungen im März 2020, als von seinem Twitter-Account Posts veröffentlicht wurden, in denen westliche Touristen als „schmutzig“ bezeichnet und behauptet wurde, sie würden „niemals duschen“. In den später gelöschten Tweets hieß es: „Jetzt ist Winter in Europa, und mit dem Ausbruch fliehen sie vor der Kälte und dem Virus ins warme Thailand. Viele von ihnen sind schmutzig und duschen nicht.“ Weiter schrieb er: „Heute bin ich in Chiang Mai. Es gibt praktisch keine chinesischen Touristen mehr, nur Farangs. Mehr als 90% der Thais tragen Masken, aber kein einziger Farang hat eine. Deshalb gibt es in ihren Ländern so viele Infektionen.“

Rassismusvorwürfe und internationale Kritik

Die Aussagen lösten weltweit Empörung aus und wurden als rassistisch kritisiert. Besonders problematisch war, dass Anutin zwischen westlichen und asiatischen Touristen unterschied, obwohl das Coronavirus ursprünglich aus China kam. In einem Interview mit der BBC bestritt Anutin zwar, die Twitter-Posts selbst verfasst zu haben, und verwies auf seinen Stab, eine vollständige Entschuldigung blieb jedoch aus.

Die Bangkok Post veröffentlichte einen offenen Brief eines Lesers, der forderte, Anutin müsse „angemessen behandelt werden, beginnend mit einem starken Desinfektionsmittel, das oral verabreicht wird, gefolgt von einem Einlauf“. Touristen und Expats äußerten damals die Befürchtung, dass die fremdenfeindliche Rhetorik des Gesundheitsministers zu gewalttätigen Übergriffen gegen Ausländer auf der Straße führen könnte.

Der Widerspruch: Liberale Visa-Politik unter Anutin

Paradoxerweise war es ausgerechnet Anutin, der als Innenminister ab September 2023 eine der liberalsten Visa-Reformen in der thailändischen Geschichte durchsetzte. Im Juli 2024 erweiterte Thailand unter seiner Führung die visumfreie Einreise von 30 auf 60 Tage und erhöhte die Zahl der berechtigten Länder von 57 auf 93. Zusätzlich wurde das innovative Destination Thailand Visa (DTV) eingeführt, das digitalen Nomaden und Freelancern einen fünfjährigen Aufenthalt mit jeweils bis zu 180 Tagen ermöglicht.

Diese scheinbar widersprüchliche Politik lässt sich durch die wirtschaftliche Notwendigkeit erklären: Thailand ist massiv vom Tourismus abhängig, der etwa 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmacht. Anutins Bhumjaithai-Partei hat das ehrgeizige Ziel formuliert, bis 2027 jährlich 70-80 Millionen ausländische Besucher anzulocken und damit Einnahmen von sechs Billionen Baht zu generieren.

Die Kehrtwende: Verschärfungen seit Herbst 2025

Seit Anutin im September 2025 erneut zum Premierminister gewählt wurde, zeichnet sich jedoch eine deutliche Verschärfung ab. Im Oktober 2025 traten Änderungen des Einwanderungsgesetzes in Kraft, die vor allem Langzeitaufenthalte mit Touristenvisa massiv erschweren. Die einst beliebten 60-Tage-Verlängerungen, die mit wenigen Fragen gewährt wurden, sind nun weitaus schwieriger zu erhalten.

Besonders hart traf es das Thailand Elite Visa-Programm, das mit Preiserhöhungen auf nun mindestens 900.000 Baht für fünf Jahre deutlich exklusiver wurde. Während das Programm weiterhin ohne jährliche Nachweise auskommt, müssen Antragsteller anderer Langzeit-Visa nun eine Krankenversicherung mit einer Deckungssumme von über einer Million Baht vorweisen. Anutin begründete die allgemeine Verschärfung der Regeln vor dem Parlament mit Sicherheitsbedenken und der Notwendigkeit, klare Daten darüber zu haben, wer sich im Land aufhält.

Die Steuer-Bombe für Expats

Die wohl drastischste Änderung für in Thailand lebende Ausländer betrifft das Steuersystem. Ab dem 1. Januar 2025 wurde eine striktere Auslegung des weltweiten Einkommenssteuersystems eingeführt. Anutins Kabinett beschleunigte die Durchsetzung mit einem königlichen Dekret am 10. November 2025. Jeder Ausländer, der sich 180 Tage oder länger in Thailand aufhält, gilt nun als steuerlich ansässig.

Die dramatischste Änderung betrifft ausländisches Einkommen: Früher konnte man ausländisches Einkommen von der thailändischen Steuer fernhalten, wenn es erst nach Ende des Steuerjahres, in dem es verdient wurde, nach Thailand überwiesen wurde. Diese Lücke ist nun für Einkommen ab 2024 geschlossen. Jegliches nach dem 1. Januar 2026 nach Thailand überwiesene ausländische Einkommen kann mit Sätzen bis zu 35 Prozent besteuert werden, unabhängig davon, wann es verdient wurde. ASEAN Briefing prognostiziert, dass diese verschärfte Regelung dem Staat zusätzliche 50 Milliarden Baht einbringen könnte – auf Kosten der Expats.

Rückkehr zu 30 Tagen visumfrei?

Im Oktober 2025 kündigte die Regierung Anutin an, die 60-tägige visumfreie Einreise erneut zu überprüfen. Grund sei der zunehmende Missbrauch durch Ausländer, die in Thailand illegal als Reiseleiter, Fahrer oder sogar mit kleinen Hotels arbeiten, ohne entsprechende Genehmigungen zu besitzen. Besonders chinesische Staatsangehörige sollen betroffen sein.

Da Anutins Regierung ursprünglich nur für eine Amtszeit von vier Monaten vorgesehen war (bis zur Wahl im Februar 2026), war erwartet worden, dass die Regelung möglicherweise noch vor Ende 2025 auf 30 Tage zurückgesetzt würde. Mit seinem nun klaren Wahlsieg könnte Anutin diese Verschärfung nun endgültig durchsetzen – ein Schlag für die Tourismusbranche und Kurzzeitbesucher.

„Border-Hopping“ im Visier

Seit November 2025 hat die Einwanderungsbehörde auf Anweisung von Premierminister Anutin und dem nationalen Polizeichef die Kontrollen an Flughäfen und Grenzübergängen verschärft. Wiederholte Kurzaufenthalte – das sogenannte „Visa-Run“ oder „Border-Hopping“ – werden nun genauer überprüft. Beamte sollen Reisemuster analysieren und verhindern, dass Ausländer aufeinanderfolgende Einreisen als Ersatz für Langzeitvisa nutzen.

Die Behörden begründen dies mit der Bekämpfung illegaler Aktivitäten, darunter Online-Betrug und nicht lizenzierte Geschäftstätigkeiten. Für digitale Nomaden und Langzeittouristen, die Thailand bisher als Basis nutzten, bedeutet dies erhebliche Unsicherheit. Die praktische Umsetzung liegt im Ermessen einzelner Grenzbeamter, was zu inkonsistenten Entscheidungen führen kann.

Tourismusziele vs. Realität

Anutins ehrgeiziges Tourismuszie l, 70-80 Millionen Besucher bis 2027 anzuziehen, steht in krassem Widerspruch zu den restriktiven Maßnahmen. Die Bhumjaithai-Partei plant, jeder Provinz 100 Millionen Baht jährlich aus dem Tourism Promotion Fund zuzuweisen, um lokale Veranstaltungen und Sportaktivitäten zu organisieren. Der Fonds verfügt über geschätzte 10 Milliarden Baht, die größtenteils aus der geplanten 300-Baht-Tourismusgebühr stammen sollen, die 2024 von 40 Millionen internationalen Besuchern erhoben werden sollte.

Allerdings wurde diese Tourismussteuer trotz mehrfacher Ankündigungen noch immer nicht implementiert. Die Branche befürchtet, dass Anutin nun mit seinem Wahlsieg endlich die politische Macht hat, diese umstrittene Abgabe durchzusetzen – zusätzlich zu den bereits geplanten Visa-Verschärfungen. Für Touristen würde dies bedeuten: höhere Kosten, mehr Bürokratie, kürzere erlaubte Aufenthalte.

Verschärftes Foreign Business Act

Am 15. Oktober 2025 wurden Änderungen am Foreign Business Act im Royal Gazette veröffentlicht. Das Gesetz begrenzt weiterhin ausländisches Eigentum in sensiblen Bereichen wie Immobilien, Medien und Einzelhandel auf 49 Prozent. Anutin hat wiederholt betont, dass er eine stärkere thailändische Kontrolle über Schlüsselsektoren der Wirtschaft befürwortet – eine Position, die nun offizielle Politik werden könnte.

Für ausländische Investoren und Geschäftsleute bedeutet dies zunehmende Unsicherheit. Die Bhumjaithai-Partei verfolgt einen wirtschaftsnationalistischen Kurs, der zwar lokale Interessen schützen soll, aber auch ausländische Direktinvestitionen abschrecken könnte. In Kombination mit den neuen Steuerregeln könnte dies zu einem Exodus ausländischer Unternehmer führen, die Thailand bisher als Standort wählten.

Cannabis-Politik: Ein Erfolg mit Fragezeichen

Eines der Wahlkampfthemen, mit denen Bhumjaithai 2019 punktete, war die Legalisierung von Cannabis – nicht nur für medizinische Zwecke, sondern ausdrücklich auch als Genussmittel. Anutin setzte 2022 die Entkriminalisierung durch, was Thailand zum ersten asiatischen Land machte, das Cannabis weitgehend legalisierte.

Allerdings führte die hastige Umsetzung ohne klare Regulierungen zu Chaos: Cannabis-Shops schossen überall aus dem Boden, der Jugendschutz blieb unklar, und der Missbrauch nahm zu. Die Pheu Thai-Regierung hatte bereits Pläne, Cannabis wieder zu reglementieren. Mit Anutins Wahlsieg könnte die liberale Cannabis-Politik Bestand haben – aber auch hier zeigt sich das Muster: populistische Ankündigungen ohne durchdachte Umsetzung.

Digitalisierung und Überwachung

Anutin treibt die Digitalisierung der Einwanderungsbehörden voran. Eine Regierungsarbeitsgruppe prüft sogar die Möglichkeit, traditionelle Pässe durch ein digitales System mit biometrischen Daten wie Gesichtserkennung und Fingerabdrücken zu ersetzen. Die TDAC (Thailand Digital Arrival Card), die für alle ausländischen Einreisenden verpflichtend ist, ermöglicht bereits jetzt eine engere Überwachung.

Künstliche Intelligenz soll Daten analysieren, Übersetzungen anbieten, Chatbots erstellen und Kriminelle durch Fotoabgleich mit zentralen Datenbanken identifizieren. Anutin betonte vor dem Parlament, dass die nationale Sicherheit klarere Daten darüber erfordere, wer sich im Land aufhält. Für Expats und Touristen bedeutet dies: weniger Privatsphäre, mehr staatliche Kontrolle, potenzielle Missbrauchsmöglichkeiten durch Behörden.

Internationale Auswirkungen des Wahlsiegs

Anutins Wahlsieg wird international mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Die konservativ-populistische Ausrichtung der Bhumjaithai-Partei, kombiniert mit monarchistischen Werten, signalisiert eine Rückkehr zu traditionellen Machtstrukturen. Die People’s Party, die in Bangkok und urbanen Zentren gewann, repräsentiert die reformorientierte, progressive Bevölkerung – bleibt aber in der Minderheit.

Für westliche Regierungen bedeutet Anutins Sieg die Fortsetzung pragmatischer, aber nicht unbedingt enger Beziehungen. Seine Vergangenheit mit fremdenfeindlichen Äußerungen wird nicht vergessen sein. China dürfte sich über die konservative Wende freuen, da Bhumjaithai traditionell gute Beziehungen zu Peking pflegt. Anutins wirtschaftsnationalistischer Kurs könnte jedoch auch chinesischen Investoren Grenzen setzen – ein Balanceakt, der noch auszuloten ist.

Was Expats jetzt tun sollten

Für die geschätzt 100.000 deutschsprachigen Expats in Thailand (Deutsche, Österreicher, Schweizer) bedeutet Anutins Wahlsieg erhebliche Planungsunsicherheit. Wer bisher auf wiederholte Touristenvisa oder Visa-Runs setzte, sollte dringend auf Langzeitvisa umsteigen – etwa das Rentnervisum (Non-O), Marriage Visa oder Business Visa. Das DTV könnte noch eine Option sein, solange es nicht auch verschärft wird.

Hinsichtlich der neuen Steuerregelungen ist dringend professionelle Beratung nötig. Die Welteinkommensbesteuerung trifft vor allem Rentner, die ausländische Renten beziehen, sowie digitale Nomaden und Geschäftsleute, sofern diese Gelder tatsächlich nach Thailand überwiesen werden. Steuerberater, die auf Expats spezialisiert sind, berichten von einem massiven Anstieg der Anfragen. Einige Expats ziehen bereits den Umzug in steuerfreundlichere Länder wie Malaysia, Vietnam oder die Philippinen in Betracht. Die nächsten Monate werden zeigen, wie konsequent Anutin die neuen Regelungen durchsetzt.

Auswirkungen auf den Deutschsprachigen Tourismus

Thailand ist für deutschsprachige Touristen seit Jahrzehnten ein Top-Reiseziel. 2019, vor der Pandemie, besuchten rund 950.000 Deutsche das Königreich. Mit einer möglichen Rückkehr zur 30-Tage-Regelung würden längere Rundreisen, die viele Rentner und Langzeiturlauber schätzen, deutlich komplizierter. Die zusätzliche 300-Baht-Einreisegebühr (rund 7,50 Euro) mag überschaubar klingen, summiert sich aber für Familien und ist ein weiteres bürokratisches Hindernis.

Reiseveranstalter und Hoteliers in touristischen Hochburgen wie Phuket, Pattaya und Koh Samui beobachten die Entwicklung mit Sorge. Thailand steht in direkter Konkurrenz zu Nachbarländern wie Vietnam, Indonesien und Malaysia, die teilweise großzügigere Visa-Regelungen bieten. Sollte Anutin seine restriktive Politik fortsetzen, könnte Thailand an Attraktivität verlieren – paradox angesichts seiner erklärten Tourismusambitionen.

Die Rolle der lokalen Netzwerke

Anutin führte den Erfolg von Bhumjaithai auf intensive Wahlkampfarbeit vor Ort, enge Kontakte zu Wählern und eine disziplinierte Organisation in den Wahlkreisen zurück. Diese lokalen Netzwerke, oft von einflussreichen Familien und traditionellen Machtstrukturen dominiert, könnten nun auch die Umsetzung seiner Politik bestimmen – einschließlich der Behandlung von Ausländern.

In ländlichen Gebieten, wo Bhumjaithai besonders stark abschnitt, gibt es historisch weniger Kontakt mit Ausländern. Die fremdenfeindliche Rhetorik während Corona könnte in diesen Regionen auf fruchtbaren Boden gefallen sein. Expats, die außerhalb der touristischen Zentren leben, sollten auf mögliche lokale Stimmungsänderungen achten – auch wenn direkte Übergriffe unwahrscheinlich bleiben.

Koalitionsoptionen und ihre Bedeutung

Obwohl Bhumjaithai mit 197 Sitzen klar gewonnen hat, verfügt die Partei nicht über eine absolute Mehrheit der 500 Sitze. Anutin wird Koalitionspartner brauchen. Die konservative Kla Tham-Partei mit 57 Sitzen wäre ein natürlicher Partner, da beide ähnliche Werte teilen. Auch Reste der Palang Pracharat (nur noch 5 Sitze) und der Democrat Party (20 Sitze) könnten eingebunden werden.

Eine große Koalition mit der People’s Party (112 Sitze) erscheint politisch schwierig, wäre aber nicht unmöglich. Sollte Anutin sich für eine breite Koalition entscheiden, könnte dies seine restriktiven Pläne abschwächen. Eine rein konservative Koalition hingegen würde ihm freie Hand geben, seine ausländerfeindliche Agenda umzusetzen. Die nächsten Wochen der Koalitionsverhandlungen werden entscheidend sein.

Hat Anutin sich geändert?

Die zentrale Frage für Expats und Touristen lautet: Hat Anutin aus seinen fremdenfeindlichen Äußerungen während Corona gelernt, oder war seine liberale Visa-Politik der letzten Jahre nur ökonomischer Pragmatismus? Die jüngsten Verschärfungen seit September 2025 deuten eher auf Letzteres hin. Seine liberale Phase fiel zusammen mit der wirtschaftlichen Erholung nach der Pandemie, als Thailand dringend Touristeneinnahmen brauchte.

Nun, mit einem klaren Wahlmandat und gefestigter Macht, könnte Anutin zu seinen wahren Überzeugungen zurückkehren: ein Thailand, das seine Souveränität betont, ausländischen Einfluss begrenzt und nationale Interessen in den Vordergrund stellt. Seine öffentliche Entschuldigung für die Corona-Äußerungen war halbherzig, und er hat seine Ansichten nie grundsätzlich revidiert. Expats und Touristen sollten sich darauf einstellen, dass die goldenen Jahre liberaler Visa-Politik möglicherweise vorbei sind.

Wirtschaftliche Auswirkungen der restriktiven Politik

Ökonomen warnen, dass Anutins restriktive Ausländerpolitik paradoxerweise seine eigenen Wirtschaftsziele untergraben könnte. Expats tragen erheblich zur thailändischen Wirtschaft bei – nicht nur durch Konsumausgaben, sondern auch als Investoren, Geschäftsinhaber und Fachkräfte. Die neuen Steuerregelungen könnten einen „Expat-Exodus“ auslösen, der Thailand langfristig schadet.

Gleichzeitig ist der Tourismussektor, der 20% des BIP ausmacht, auf unkomplizierte Einreiseregelungen angewiesen. Eine Rückkehr zu 30 Tagen visumfrei plus zusätzliche Gebühren könnte Thailand im regionalen Wettbewerb benachteiligen. Vietnam bietet deutschen Staatsbürgern bereits 45 Tage visumfrei, Malaysia 90 Tage. Wenn Anutins Nationalismus wirtschaftlichen Schaden anrichtet, könnte auch seine eigene Machtbasis erodieren – Bhumjaithai steht und fällt mit wirtschaftlichem Erfolg.

Das Szenario einer zweiten Amtszeit

Mit diesem deutlichen Wahlsieg könnte Anutin Thailand für Jahre prägen. Eine erfolgreiche Regierungsbildung würde ihm die Möglichkeit geben, seine Vision eines konservativeren, nationalistischeren Thailands zu verwirklichen. Für Ausländer würde dies bedeuten: noch strengere Kontrollen, höhere bürokratische Hürden, möglicherweise sogar Quoten für ausländische Einwohner in bestimmten Regionen.

Andererseits könnte wirtschaftlicher Druck Anutin zur Kurskorrektur zwingen. Sollten Touristenzahlen und ausländische Investitionen deutlich zurückgehen, müsste auch ein populistischer Premierminister reagieren. Die kommenden Monate werden zeigen, ob Anutins Wahlsieg den Beginn einer ausländerfreundlicheren oder -feindlicheren Ära markiert. Für die deutschsprachige Community in Thailand heißt es jedenfalls: wachsam bleiben, informiert sein, und im Zweifel einen Plan B haben.

Auftritt im Parteihauptquartier

Um 20.20 Uhr am 8. Februar trat Premierminister Anutin Charnvirakul im Hauptquartier von Bhumjaithai in Bangkok vor die Presse, flankiert von führenden Parteifunktionären und prominenten Kandidaten. Die geschlossene Präsentation der Spitze unterstrich den Anspruch der Partei, als Wahlsieger in die kommenden Regierungsverhandlungen zu gehen.

In seiner Ansprache dankte Anutin den Wählerinnen und Wählern für jede einzelne Stimme und bezeichnete das Ergebnis als Auftrag, „allen Thais zu dienen“, nicht nur den eigenen Anhängern. Die Frage, ob dieser Dienst auch Ausländern zugutekommen wird, blieb unbeantwortet – und wird die kommenden Jahre prägen.

Warten auf die endgültige Entscheidung

Während die Auszählung bis in die Nacht andauerte, rückte die anstehende Zertifizierung durch die Wahlbehörde als nächster politischer Meilenstein in den Vordergrund. Nach der Verfassung müssen sowohl Direkt- als auch Listenmandate binnen 60 Tagen zertifiziert werden, erst danach kann das Parlament zusammentreten und die Regierungsbildung beginnen.

Bis zum Abschluss dieses Verfahrens bleibt die endgültige Machtkonstellation offen, auch wenn der Vorsprung von Bhumjaithai bereits als deutlich erkennbar gilt. Für die ausländische Community in Thailand beginnt damit eine Phase der Unsicherheit – aber auch der Notwendigkeit, sich auf verschiedene Szenarien vorzubereiten. Anutins Wahlsieg ist Realität. Was daraus wird, liegt nun in seinen Händen.

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Quelle: Thai Examiner

6 Kommentare zu „Anutin Wahlsieger! Was bedeutet das für uns?

  1. Ganz entspannt abwarten was für Überraschungen uns unser spezieller Farang-Freund in den nächsten Jahren bereiten wird. Nicht alles und jedes Wort auf die Goldwaage legen und sehen was aus irgendwelchen Ideen, die man hier gerne gleich Pläne nennt, in der Praxis dann noch übrig bleibt.
    Es mit Bobby McFerrin halten – Don’t Worry Be Happy!!

    1. Vielen Dank für dein Feedback. Dass die Welteinkommensbesteuerung nur Gelder betrifft, die tatsächlich nach Thailand überwiesen werden (Zuflussprinzip), ist unter Expats allgemein bekannt. Da dies kein spezifischer Steuer-Artikel ist, sondern die Wahl Anutins und deren allgemeine Folgen thematisiert, verzichten wir auf eine detaillierte steuerrechtliche Abhandlung.

      Wer tiefergehende Informationen zur Steuerpflicht sucht, sollte unsere entsprechenden Artikel dazu lesen. Dennoch haben wir zur Klarstellung einen ergänzenden Satz eingefügt, um Missverständnisse zu vermeiden.

  2. Wieder einmal eine Fehlinformation: Elite Visa Inhaber die sich mehr als 180 Tage in Thailand aufhalten brauchen beim neuen Jahresstempel oder dem neuen 5 Jahresvisa Sticker keine Steuererklärungen vorlegen.

  3. Wir sollten froh sein über das Ergebnis. Seit Jahren haben wir als Ausländer Sicherheit und Ruhe im Land. Wünsche der neu zu bildenden Regierung Glück in ihren Entscheidungen.

  4. Anuntin hat auch seine Zwaenge und wird seine Abneigung gegen Farangs nicht voll ausleben können. Dafuer sorgen Kraefte aus Wirtschaft und Tourismus .

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