Sehr geehrte Redaktion, liebe Mitlesende,
mit großem Interesse, aber auch mit einer wachsenden Sorge verfolge ich die Erfahrungsberichte von Auswanderern, die ihren Lebensmittelpunkt fernab der Heimat gesucht haben. Immer häufiger stoße ich in diversen Netzwerken auf geradezu dramatische Berichte, in denen Menschen unter dem Ausdruck ihrer absoluten Erschöpfung ein baldiges Ende ihres Auslandsaufenthalts ankündigen.
Diese Phänomene werfen grundlegende Fragen auf, die weit über das rein persönliche Scheitern hinausgehen und vielmehr die tiefgreifenden gesellschaftlichen, seelischen und zwischenmenschlichen Ebenen des Auswanderns berühren.
Ich möchte dieses Thema hiermit als Anregung für eine tiefere redaktionelle Aufarbeitung sowie als offene Frage an die Leserschaft verstanden wissen. Der Traum vom unbeschwerten Leben unter Palmen wird in den Medien oft stark verschönert dargestellt.
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Der Übergang von einem entspannten Urlaub in einen dauerhaften Alltag bringt jedoch Herausforderungen mit sich, die in ihrer Schwere von vielen Auswanderern offenbar stark unterschätzt werden. Es beginnt bereits bei den scheinbar einfachen Dingen des täglichen Lebens.
Die Wetterbedingungen, die während eines mehrwöchigen Urlaubs als wärmend und angenehm empfunden werden, entwickeln sich bei dauerhafter Anwesenheit oft zu einer schweren körperlichen Belastung. Hinzu kommen Hürden im direkten Lebensumfeld. Eine laute und unruhige Umgebung steht im starken Gegensatz zur erhofften Ruhe des Ruhestandes.
Die Verkehrswege und die allgemeine Sicherheit auf den Straßen entsprechen häufig nicht den gewohnten heimischen Maßstäben und stellen somit eine tägliche Gefahrenquelle dar. Ein weiterer, tiefgreifender Gesichtspunkt ist der ständige Umgang mit den örtlichen Behörden. Die fortlaufende Notwendigkeit, Aufenthaltsrechte immer wieder zu verlängern, verbunden mit sich schnell ändernden und schwer verständlichen Gesetzen, erzeugt ein dauerhaftes Gefühl der Unsicherheit.
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Viele Menschen bleiben trotz eines jahrelangen Aufenthalts rechtlich betrachtet lediglich geduldete Gäste, was die Lebensplanung massiv erschwert. Diese mangelnde rechtliche und gesellschaftliche Absicherung zermürbt viele Menschen auf lange Sicht.
Den eigentlichen Kern des Problems sehe ich jedoch in der alltäglichen Verständigung und der daraus folgenden gesellschaftlichen Vereinsamung. Die Hürde der fremden Sprache ist fast immer höher, als man es sich im Vorfeld ausmalt. Selbst wenn ein grundlegender Wortschatz erlernt wird, bleiben tiefe Gräben in der Art und Weise, wie man Auseinandersetzungen führt, wie man Anliegen direkt oder eben indirekt anspricht und welche Wertvorstellungen den Alltag einer Gesellschaft bestimmen.
In vielen fernöstlichen Kulturen ist beispielsweise die Vermeidung von Gesichtsverlust ein hohes Gut. Die europäische Neigung, Probleme unverblümt und zielgerichtet anzusprechen, führt hier unweigerlich zu schweren Missverständnissen und zu einer unüberwindbaren Distanz zwischen den Einheimischen und den Zugewanderten.
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Viele Auswanderer ziehen sich schließlich in einen kleinen, geschlossenen Kreis von Schicksalsgefährten zurück, anstatt jemals ein echter Teil der örtlichen Gemeinschaft zu werden. Dies verstärkt das schleichende Gefühl, in der Fremde nie wirklich angekommen zu sein.
Wenn sich im fortgeschrittenen Alter dann noch die Ersparnisse verringern oder gesundheitliche Sorgen auftreten, für die die örtliche medizinische Versorgung ohne teure Zusatzzahlungen nicht ausreicht, kippt die Stimmung vollends. Der einstige Traumort wird plötzlich als feindselige Umgebung wahrgenommen.
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Die Reaktionen auf diese spürbaren Grenzen der Belastbarkeit schwanken zwischen tiefer Verzweiflung und offener Wut gegenüber dem Gastland, was sich in den oft verzweifelten Einträgen im Internet deutlich zeigt.
Daher richte ich mich heute mit einer doppelten Bitte an Sie. An die Redaktion richte ich die Frage, ob in der öffentlichen Berichterstattung über das Leben im Ausland nicht ein deutlich wirklichkeitsnäheres Bild gezeichnet werden müsste. Ein Bild, das auch das mögliche Scheitern nicht ausblendet, sondern als greifbare Möglichkeit benennt und enttabuisiert.
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An die werte Leserschaft, insbesondere an jene, die diesen großen Schritt selbst gewagt haben, richte ich die ehrliche Frage nach den persönlichen Lösungswegen. Wie gehen Sie mit diesen täglichen Reibungen zwischen Wunsch und Wirklichkeit um? Gibt es überhaupt eine echte Möglichkeit, sich auf diese weitreichende Umstellung vorzubereiten, oder ist ein gewisses Maß an Unzufriedenheit ein unumgänglicher Teil des Lebens fern der Heimat, den man schlichtweg annehmen muss?
Ich erhoffe mir von diesem Aufschlag eine sachliche, ehrliche und erhellende Diskussion zu diesem vielschichtigen Thema und danke Ihnen für den Raum, diese Gedanken hier äußern zu dürfen.
Mit freundlichen Grüßen, Ihr aufmerksamer Leser
Anmerkung der Redaktion:
Dieser Leserbrief greift eine Diskussion auf, die stellvertretend für viele ähnliche Beiträge in Foren für Auswanderer geführt wird. Der Autor bezieht sich auf die vielfältigen Hürden, an denen ein Neuanfang im Ausland scheitern kann. Wir danken unserem Leser für diesen sachlichen Denkanstoß. Liebe Leserinnen und Leser, wie beurteilen Sie diese Thematik? Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften und Erfahrungswerte.



Lieber Leser, der Du diese Diskussion angeregt hast. Alles nachfolgende nur von meiner Warte aus gesehen.
Ich finde, grade hier im WB wird genügend über die Realität wie z.B. Wetter, Gefahren im Verkehr und insbesondere den Umgang mit Behörden berichtet. Ob Du Dich hier als Gast fühlst oder Dich ein wenig integrieren willst, liegt hauptsächlich an Dir selber. Wo Du lebst, wie Du die Sprache lernst und wie Deine Einstellung zu Thailand im Allgemeinen ist. Daher rate ich jedem, nicht einfach auszuwandern sondern sich das gewählte Land erst mal anzuschauen. Vor allem raus aus den Touri Gebieten. Ist natürlich als „Neuling“ nicht so einfach und ab einem gewissen Alter schon gar nicht. Ein „Ausspähen der Situation“ von mindestens 3 Monaten ist m.E. nötig um seinen Körper und Geist zu testen. Und dann kann man dann evtl. abwägen ob das gewisse Maß an Unzufriedenheit hier nicht so groß ist wie z.B. in Deutschland. Was Wunsch und Wirklichkeit betrifft kann ich nur für mich sprechen. Ich habe es nie bereut mich in Thailand niederzulassen. Ehrlich.
Respekt, besser könnte ich es nicht beschreiben.
An erster Stelle wird wohl die Verständigung stehen. Ein „phut Thai dii“ als Antwort, weil man Sawat dii, khrab zur Begrüßung sagen kann, empfinde ich eher als Farce meines Gegenübers.
Wer im Ruhestand mit der thailändischen Sprache anfängt, wird sich nie richtig verständigen können. Damit meine ich nicht nur die Sprache, sondern das, was zwischen den Zeilen steht.
An zweiter Stelle ist der Ausdruck ‚zermürbend‘ haargenau passend, was die Behörden betrifft. Termine, Rechtsunsicherheit, Dokumente, Behördendruck und alles, was dazu gehört. Ohne Terminkalender hat man verloren. Jetzt mit knapp 70 Jahren geht’s noch locker, aber was mache ich in 5 oder 10 Jahren, richtig krank werde oder wenn die Kriterien für die EoS nicht mehr erfüllen kann?
Glück für den, der das ausblenden kann.
Mich jedenfalls belastet es sehr.
Steuern zahlen ist in Ordnung, nur wird von der Regierung erklärt, Ausländer sollen dem Sozialsystem nicht zu Last fallen.
HALLO, ich zahle hier mehr Steuern, als der grösste Teil der thailändischen Bevölkerung, habe viele Millionen Baht ins Land gebracht, respektiere die Regeln und werde wie ein Schmar… behandelt?
Und selbst wenn, welche Hilfe würde ich bekommen, welche Last wäre ich für das Sozialsystem? Fällt mir gerade nichts ein.
Die Infrastruktur nehme ich in Anspruch, dafür zahle ich aber auch mehr als…
Über 40° sind belastend, aber ich schwitze lieber, als ich friere (obwohl mir Kälte auch nichts ausmacht).
Verkehr extrem, aber 55 Jahre mobil auf allem, was Räder hat, kein Problem.
Money, kein Problem, bekomme eine mehr als ausreichende Rente.
Frau und ich leben am Stadtrand von Udon Thani in einer Thai-Wohnsiedlung auf eigenem Grundstück. Freundliche Nachbarn, keine Probleme.
Lärm, bis auf das BumBum mancher Thaifeste in den umliegenden Wats bis 4 Uhr morgens auch OK. Haus steht gut isoliert.
Doch, ich denke schon, dass ich hier angekommen bin. Mein Selbstwertgefühl reicht aus, um auch mit Mißverständnissen umgehen zu können.
Das einzige, was ich als lebenslanger Wassersportler vermisse, ist das Meer, aber man kann nicht alles haben.
Thailand mag das Paradies für kurzzeitige Touristen sein, für Expats bestimmt nicht.
Thailand, Deutschland… beide Länder haben Vorteile wie Nachteile.
Deutschland habe ich verlassen, weil es langweilig wurde und nach 50 Jahren Maloche was anderes probieren wollte.
Nach 14 Jahren Tourist und 6 Jahren Expat ist für mich der gravierende Nachteil von Thailand der Freiheitsverlust durch den Behördendruck.
Ob ich’s nochmal machen würde… eher nicht.
Kann ich unterschreiben
Thailand. Es hat mir soviel gegeben. Mehr als ich je zurückgeben kann. Ok, der Straßenverkehr ist verheerend, die jährliche Burning Season die wir gerade erwarten, extrem einschränkend, die Behördengänge lästig. Aber das Leben ist, trotz Trubels auf den Straßen, beschaulich. Schwer zu erklären wie die das hinbekommen, aber das Leben ist beschaulich, hier im Norden. Die einzige echte Herausforderung für Expats, aber die hat es in sich, ist eine Veränderung des Mindsets. In der Öffentlichkeit lächle ich immer. Es ist ein antrainiertes Lächeln wie das von Xi, aber es funktioniert, auch bei mir. Wenn Neuankömmlinge das hinbekommen ist der Rest leicht. OK, die finanziellen Hürden muß man bewältigen. Aber das kann man vorher abklären. Der Vorteil am ständigen Lächeln ist übrigens der, daß es auf das eigene Gemüt abfärbt. Man nimmt einfach alles ein bißchen leichter und gelassener. Das ist das ganze Geheimnis erfolgreicher Auswanderer in Thailand. Versprochen. Und trotzdem so schwer.
Wenn du hier nicht nach deinen Wünschen sondern nach der Wirklichkeit lebst ist alles kein Problem du musst nur lernen mit den Wölfen zu heulen. Trotz aller Widrigkeiten lebe ich jetzt schon 11 Jahre hier und bin glücklich !!!