Baht auf Fünfjahreshoch: Warnung von Ex-Premier

💱 Der Baht auf Fünfjahreshoch, trotz Zinssenkung der Bank of Thailand: Ex-Premier Srettha Thavisin fordert entschlosseneres Eingreifen, um Exporte und Tourismus zu entlasten. Steuert Thailand in eine gefährliche Währungsfalle?

Baht auf Fünfjahreshoch: Warnung von Ex-Premier
After a rate cut to 1%, Thailand’s baht hit a five-year high. Ex-PM Srettha urged bolder central bank action, saying a weaker baht would boost exports, tourism and domestic momentum. (Source: Khaosod)
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BANGKOK, THAILAND – Der thailändische Baht hat ein Fünfjahreshoch erreicht und verschärft laut Ex-Premier Srettha Thavisin den Druck auf Exporteure, Bauern und den Tourismus, während die Konjunktur trotz besserer Daten nur leicht anzieht. Gleichzeitig wächst die Kritik an der Bank of Thailand, die zwar den Leitzins auf 1,0 Prozent gesenkt hat, aber den anhaltend starken Wechselkurs bislang nicht entscheidend bremst.

Baht auf Fünfjahreshoch trotz Zinssenkung

Der Baht kletterte in dieser Woche bis auf 30,98 Baht je US-Dollar und damit auf den stärksten Stand seit fast fünf Jahren, obwohl die Bank of Thailand ihren Leitzins erst am 27. Februar um 25 Basispunkte auf 1,0 Prozent gesenkt hatte.

Die weitere Aufwertung trotz geldpolitischer Lockerung verdeutlicht eine wachsende Diskrepanz zwischen dem erklärten Kurs der Notenbank und der tatsächlichen Entwicklung am Devisenmarkt.

Srettha fordert schwächeren Baht als Wachstumshebel

In einer Kolumne vom 27. Februar in der Wirtschaftszeitung Prachachat Business sprach Srettha Thavisin von einer „davonlaufenden Währung“ und forderte eine aktivere Steuerung des Wechselkurses, um die Wettbewerbsfähigkeit rasch zu verbessern.

Er argumentierte, ein etwas schwächerer Baht würde Exporte und Tourismus sofort stärken und die in Baht umgerechneten Auslandsgewinne thailändischer Investoren erhöhen, was direkt in höhere Liquidität und mehr Schwung für die Binnenwirtschaft münde.

Wachstum zieht leicht an, bleibt aber hinter Potenzial zurück

Die Wirtschaft wuchs im vierten Quartal 2025 um 2,4 Prozent im Jahresvergleich und übertraf damit frühere Prognosen, weshalb die Ratingagentur TRIS Rating ihre Vorhersage für 2026 von 1,7 auf 2,1 Prozent anhob.

Trotzdem bleibt das Expansionstempo mit rund 2 Prozent unter dem geschätzten Potenzial und hinter mehreren Nachbarländern zurück, was den Spielraum für eine Aufwertung des Baht begrenzt.

Export, Landwirtschaft und Tourismus verlieren Preisvorteile

Durch den starken Baht verteuern sich thailändische Waren in Fremdwährung, während Produktionskosten, Löhne und Qualität unverändert bleiben und internationale Abnehmer verstärkt auf Anbieter mit schwächeren Währungen ausweichen.

Besonders Agrar- und Lebensmittelprodukte, traditionell eine Stärke des Landes, geraten unter Druck, weil Produzenten in Nachbarstaaten bei ähnlicher Qualität häufig schlicht günstiger anbieten können.

Bauern und kleine Exporteure unter Margendruck

Für Bauern und kleinteilige Produzenten mit ohnehin knappen Margen wirken Wechselkursschwankungen laut Srettha unmittelbar auf die Preise, da viele Unternehmen keine natürlichen Währungsabsicherungen besitzen.

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Er betonte, dass nicht die Produktqualität das Problem sei, sondern die relativen Preise, und stellte die Frage, ob ein starker Baht tatsächlich den wirtschaftlichen Interessen des Landes diene.

Tourismus leidet unter höheren Reisekosten

Der Tourismus verzeichnete im Januar 3,3 Millionen ausländische Ankünfte, doch ein stärkerer Baht verteuert den Aufenthalt, was dazu führen kann, dass Gäste Reisen verkürzen oder Ausgaben für Ausflüge und Einkäufe reduzieren.

Laut Srettha könnte bereits eine leichte, graduelle Abwertung die Wahrnehmung des Preis-Leistungs-Verhältnisses verbessern und dazu beitragen, dass Besucher länger bleiben und mehr Geld im Land ausgeben.

Auslandsüberweisungen verlieren Kaufkraft

Viele Thailänder, die im Ausland arbeiten oder investieren, erhalten bei einem starken Baht für ihre Überweisungen weniger Baht, was die heimische Kaufkraft dieser Einkommen unmittelbar mindert.

Bei einem schwächeren Baht würden dieselben Devisenbeträge in mehr Baht umgerechnet, die dann für Konsum, Wohnungsbau, Investitionen und Familienunterhalt genutzt werden und so reale Wirtschaftsaktivität ohne zusätzliche Staatsausgaben ankurbeln könnten.

Schuldenlast und Politikrisiken dämpfen Konsum

Die privaten Haushalte sind stark verschuldet, die Schuldenquote lag im zweiten Quartal 2025 bei 86,8 Prozent des BIP und damit höher als bei allen anderen ASEAN-Ländern, was den Konsum spürbar einschränkt.

Der Verbrauchervertrauensindex sank im Dezember 2025 von 53,2 auf 51,9, unter anderem nach der Auflösung des Parlaments und vor dem Hintergrund der noch nicht bestätigten Wahlergebnisse vom 8. Februar, was die Unsicherheit über Haushalt und Konjunktur verlängert.

Verzögerter Haushalt und schwächerer Impuls für 2027

TRIS warnt, dass sich die Verabschiedung des Haushalts 2027 um zwei bis drei Monate verzögern könnte, da Wahlergebnis, juristische Verfahren und öffentliche Stimmung die politischen Abläufe bremsen.

Wie in früheren Wahlzyklen würde ein solcher Verzug staatliche Ausgaben und Investitionen hinausschieben und das Wachstum im kommenden Jahr zusätzlich abschwächen.

Handelskonflikte und neue US-Zölle als externe Risiken

Die Ausfuhren legten 2025 in US-Dollar gerechnet um 12,7 Prozent zu, vor allem dank Elektronik und Maschinen, doch dieser hohe Ausgangswert könnte die Wachstumsraten im laufenden Jahr rein rechnerisch drücken.

Zugleich schafft die US-Handelspolitik neue Unsicherheiten, nachdem der Oberste Gerichtshof zwar bestimmte Gegenzölle für verfassungswidrig erklärte, die Regierung aber mithilfe von Abschnitt 122 des Trade Act von 1974 einen globalen Übergangszoll von bis zu 15 Prozent für 150 Tage eingeführt und bestehende 25-Prozent-Zölle auf Autos, Autoteile, Stahl und Aluminium beibehalten hat.

Niedrige Inflation verschafft der Notenbank Spielraum

Die Ratingagentur TRIS erwartet für Dubai-Rohöl in diesem Jahr einen Durchschnittspreis zwischen 60 und 70 US-Dollar je Barrel, was in Verbindung mit einer globalen Abschwächung und höherem OPEC+-Angebot zu geringen Preisdruck führt.

Dementsprechend prognostiziert TRIS eine Gesamtinflation von 0,0 bis 0,5 Prozent für 2026 nach durchschnittlich minus 0,13 Prozent im Jahr 2025, während die Kerninflation im Vorjahr bei 0,83 Prozent lag und die Notenbank damit prinzipiell Spielraum für weitere Lockerungen hätte.

Gemischte Januar-Daten mit starkem Außenhandel

Die Bank of Thailand meldete für Januar 2026 ein Exportplus von 7 Prozent gegenüber dem Vormonat, getrieben von Computerkomponenten und Telekommunikationsgeräten in die USA, während die Importe um 30,1 Prozent vor allem wegen Elektronik und Haushaltsgeräten aus Taiwan anzogen.

Hinter dem Importanstieg stehen auch Sorgen vor einem globalen Chipmangel, zugleich legte der private Konsum nur noch um 1 Prozent zu nach 2,3 Prozent im Dezember, weil Konjunkturprogramme ausgelaufen sind, während Investitionen in Maschinen, Fahrzeuge und Elektroautos durch die Maßnahme EV 3.0 unterstützt wurden.

Notenbank nennt vier zentrale Risiken

Für die kommenden Monate verweist die Notenbank auf vier Schlüsselfaktoren: unklare US-Handelspolitik und geopolitische Spannungen, schwankende Tourismusdynamik, die Finanzlage der Industrie sowie den Zeitplan des Haushalts 2027 und begleitender Regierungsmaßnahmen.

Sie geht davon aus, dass sich das Wachstum nach dem Auslaufen temporärer Impulse abschwächen wird, womit die Rolle des Wechselkurses als zusätzlicher politischer Hebel weiter an Bedeutung gewinnt.

Debatte über Kurs der Bank of Thailand spitzt sich zu

Vor diesem Hintergrund rückt der Kurs des Baht ins Zentrum der wirtschaftspolitischen Diskussion, da er trotz niedriger Inflation, hoher Schulden und nur moderaten Wachstums unverändert stark bleibt und laut Kritikern die Fundamentaldaten überzeichnet.

Srettha Thavisin plädiert für eine vorsichtig kommunizierte, graduelle Abwertung im Einklang mit der Wirtschaftsstruktur, während die Bank of Thailand bislang auf Stabilität setzt und die Frage offen lässt, ob sie zu „kräftigeren und außergewöhnlichen Maßnahmen“ bereit ist.

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Quelle: ThaiExaminer

Ein Kommentar zu „Baht auf Fünfjahreshoch: Warnung von Ex-Premier

  1. Als Immobilien Riese macht sich Herr Srettha Thavisin Sorgen um „Exporteure, Bauern und den Tourismus“,
    nicht aber um seine eigene Branche….wirklich sehr selbstlos

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