Motorroller-Chaos: Deutsche Verkehrsregeln treffen auf thailändische Kreativität
Die nachfolgende Erzählung versteht sich als humoristische Satire. Sie greift persönliche Erlebnisse und charakteristische Alltagsszenen auf, ohne Anspruch auf allgemeine Gültigkeit oder wissenschaftliche Präzision. Jegliche Ähnlichkeiten mit realen Personen oder kulturellen Eigenheiten sind – wie der Humor selbst – rein zufälliger Natur.
Was passiert, wenn ein deutscher Fahrlehrer auf thailändischen Asphalt trifft? Er erleidet einen Nervenzusammenbruch. Vergessen Sie alles, was Sie über Physik, Knautschzonen und Verkehrsregeln wissen. In Thailand gilt: Wer bremst, verliert – und wer einen Helm trägt, hat nur Angst vor der Frisur. Ein Überlebensbericht aus dem Land des Lächelns und des Hupens.
Die Ankunft des Alemannen: Socken, Sandalen und Schweißausbrüche
Manfred, 56, Oberstudienrat a.D. und ehrenamtlicher Sicherheitsbeauftragter seines Kleingartenvereins in Wuppertal, steht an einer Kreuzung in Pattaya. Er trägt beige Funktionskleidung, weiße Tennissocken in Trecking-Sandalen und hat eine laminierte Kopie der internationalen Verkehrsordnung in der Brusttasche. Sein Ziel: Die Straße überqueren. Sein Problem: Die Realität.
In Deutschland ist eine rote Ampel ein heiliges Gesetz, unumstößlich wie die Schwerkraft oder die Tatsache, dass Geschäfte sonntags geschlossen haben. In Thailand ist eine rote Ampel eher eine unverbindliche Empfehlung, so etwas wie ein Serviervorschlag auf einer Tiefkühlpizza. Manfred wartet auf das grüne Männchen. Das grüne Männchen kommt. Manfred setzt einen Fuß auf den Asphalt.
Zebrafreifen sind nur Zielscheiben für Mopeds
Sofort rasen drei Honda Click, beladen mit jeweils vier Personen und einem Familienhund, hupend an ihm vorbei. Manfred springt zurück, zückt seine Trillerpfeife (die er sicherheitshalber aus Deutschland importiert hat) und bläst hinein. Das Resultat? Ein freundliches Winken der Fahrer. Sie denken, er grüßt. Manfreds Gesicht nimmt die Farbe einer reifen Tomate an. Er versteht nicht, dass der Zebrastreifen hier keine Schutzzone ist, sondern lediglich eine interessante grafische Auflockerung des Straßenbelags, die man am besten mit 60 km/h überquert, um den Adrenalinspiegel zu halten.
Das Gesetz der Masse: Kühlschränke haben immer Vorfahrt
Manfred beschließt, sich anzupassen. Er mietet einen Roller. Der Vermieter, ein Mann, der so entspannt wirkt, als hätte er zum Frühstück Valium in seinen Eiskaffee gerührt, fragt nicht nach einem Führerschein. Er fragt nur: „You drive good?“ Manfred nickt pflichtbewusst. „Ich habe Klasse A und B, sowie einen Gabelstaplerschein!“ Der Vermieter gibt ihm einen Helm, der aussieht, als wäre er aus einem alten Joghurtbecher und etwas Hoffnung geformt worden.
Warum Spiegel nur der Eitelkeit dienen
Die erste Lektion lernt Manfred nach fünf Metern: Rückspiegel sind in Thailand rein dekorative Elemente. Wer nach hinten schaut, verpasst das, was vorne passiert – und vorne passiert alles. Ein Pickup biegt ohne zu blinken links ab, während der Fahrer mit der rechten Hand Nudelsuppe isst. Manfred bremst panisch. Sein Roller quietscht wie ein abgestochenes Ferkel. Hinter ihm rauscht ein Mönch auf einem Elektroroller vorbei, die Robe flattert im Wind wie das Cape von Superman, und er tippt dabei seelenruhig eine Nachricht auf seinem Smartphone. Wahrscheinlich an Buddha. Betreff: „Danke für die Lücke.“
Familienplanung auf zwei Rädern: Der Honda-Minivan
An der nächsten Ampel (die rot ist, weshalb Manfred hält und damit einen mittelschweren Stau verursacht) beobachtet er das Phänomen der thailändischen Raumkrümmung. Neben ihm hält eine zierliche Thai-Frau. Auf ihrem Roller befinden sich:
- Sie selbst (am Lenker).
- Ihre Großmutter (hinten, hält einen Sonnenschirm).
- Zwei Kleinkinder (eingequetscht in die Sandwich-Position).
- Ein Baby (schlafend im Tragetuch).
- Ein kompletter Wocheneinkauf inklusive einer Steige Eier.
- Ein lebendes Huhn in einem Korb am Lenker.
Manfred rechnet nach. Das zulässige Gesamtgewicht ist um 400 % überschritten. Der Schwerpunkt liegt irgendwo in der Stratosphäre. Nach deutschen physikalischen Gesetzen müsste dieses Gefährt sofort umkippen und explodieren. Aber als die Ampel auf Grün springt (bzw. drei Sekunden, bevor sie Grün wird), beschleunigt die Dame sanft und gleitet davon wie eine Elfe auf einem Hoverboard. Das Huhn gackert nicht einmal. Manfred ist den Tränen nahe. Es ist physikalisch unmöglich, aber es funktioniert. Es ist pure Magie.
Geisterfahrer? Nein, das sind kreative Abkürzer!
Manfred biegt auf die Hauptstraße, die Sukhumvit Road. Er hält sich strikt an das Linksfahrgebot. Plötzlich kommt ihm auf dem Standstreifen ein Moped entgegen. Dann noch eins. Dann ein ganzer Schwarm, angeführt von einem Eisverkäufer-Beiwagen, der „Jingle Bells“ spielt. Manfred schreit: „Das ist die falsche Seite! FALSCHE SEITE!“
Der Eisverkäufer lächelt und bietet ihm ein Kokosnusseis an. In Thailand gibt es keine Geisterfahrer. Es gibt nur Pragmatiker, die finden, dass der U-Turn in drei Kilometern Entfernung eine Zumutung für den Benzinverbrauch ist. Warum die Straße überqueren, wenn man auch einfach 500 Meter gegen den Strom schwimmen kann? Es ist Darwinismus im Straßenverkehr: Wer ausweicht, überlebt. Wer auf seinem Recht beharrt, wird Teil des Asphalts.
Der Kreisverkehr: Das Rondell des Todes
Dann kommt die Königsdisziplin: Der Kreisverkehr am Delfin-Brunnen. In Deutschland gilt: Wer im Kreis ist, hat Vorfahrt. In Thailand gilt: Wer die Augen schließt und am lautesten hupt, hat Vorfahrt. Oder wer das größere Fahrzeug hat. Oder wer das teurere Amulett um den Hals trägt.
Manfred nähert sich dem Kreisel. Er sieht eine Lücke. Er setzt den Blinker (ein Fehler, Blinken verwirrt den Feind). Er fährt ein.
Sofort wird er von einem Reisebus geschnitten, von zwei Songthaews (Sammeltaxis) in die Zange genommen und von einem Motorradtaxi überholt, das den Kreisverkehr einfach geradeaus durch die Mitte, über das Blumenbeet, durchquert.
Blinken ist ein Zeichen von Schwäche
Manfred kreist. Runde eins. Er kommt nicht raus. Runde zwei. Er schwitzt. Runde drei. Er überlegt, seinen Wohnsitz im Kreisverkehr anzumelden. Es gibt keine Lücke. Es gibt nur einen stetigen Fluss aus Metall, Gummi und Abgasen. Schließlich macht er das Einzige, was ein Deutscher in dieser Situation tun kann: Er hält an. Mitten im Kreisverkehr.
Das Chaos ist perfekt. Ein Hupkonzert bricht los, das so klingt, als würden fünfzig Orchester gleichzeitig ihre Instrumente stimmen. Ein Thai hält neben ihm, klopft ihm auf die Schulter und sagt: „Jai Yen Yen“ (Kühles Herz). Manfreds Herz ist nicht kühl. Sein Herz ist kurz vor einem Infarkt der Stufe drei.
Ladungssicherung à la Thai: Das Spanngurt-Mysterium
Nachdem er wie durch ein Wunder dem Kreisverkehr entkommen ist, wird Manfred Zeuge eines Transports, der in die Geschichtsbücher eingehen sollte. Vor ihm fährt ein alter Pickup. Auf der Ladefläche steht ein Sofa. Auf dem Sofa sitzt ein Mann. Der Mann hält eine Glasscheibe, die so groß ist wie ein Garagentor. Mit der anderen Hand hält er sich am Dach fest. Es gibt keine Gurte. Es gibt keine Seile. Es gibt nur das Urvertrauen in die Reibungskraft des Sofabezugs und die thailändische Schwerkraft.
Die 6-Meter-Leiter auf dem Moped
Doch es kommt noch besser. Ein Rollerfahrer transportiert eine sechs Meter lange Bambusleiter. Er hat sie quer auf den Lenker gelegt. Er ist jetzt so breit wie ein Mähdrescher. Er mäht sich durch den Verkehr, rasiert beinahe die Seitenspiegel geparkter Luxusautos ab und zwingt Fußgänger zu Hechtsprüngen in die Büsche. Manfred greift nach seinem Handy, um die Polizei zu rufen. Dann fällt ihm ein: Der Polizist war der Typ, der vorhin ohne Helm auf dem Gehweg fuhr, um sich Zigaretten zu kaufen.
Die Polizeikontrolle: 500 Baht für die Freiheit
Apropos Polizei. Manfred wird gewunken. Eine Verkehrskontrolle. Endlich! Ordnung! Gerechtigkeit! Ein Polizist mit einer Sonnenbrille, die so dunkel ist wie Manfreds Zukunftsaussichten, tritt an ihn heran.
„License?“
Manfred strahlt. Er zückt seinen internationalen Führerschein, seinen deutschen Führerschein, seinen Personalausweis und seinen Impfpass. Der Polizist ignoriert das Papierbündel. Er geht einmal um den Roller herum.
„No helmet,“ sagt der Polizist und zeigt auf Manfreds Kopf.
„Doch!“ schreit Manfred. „Ich trage einen Helm! Hier!“ Er klopft auf die Joghurtbecher-Schale.
„Chinstrap not tight,“ (Kinnriemen nicht fest), sagt der Polizist trocken.
Manfred ist fassungslos. Vorbeifahrende Thais tragen gar keine Helme, sondern Baseballkappen, Handtücher oder gar nichts.
„500 Baht,“ sagt der Polizist und hält einen Block hin. „Pay here, go fast.“
Manfred will diskutieren. Er will über DIN-Normen für Kinnriemenverschlussmechanismen referieren. Er sieht den Blick des Polizisten. Er zahlt. Er bekommt keine Quittung, aber ein Lächeln. Willkommen in Thailand.
Der Hund am Steuer: Wer fährt hier eigentlich?
Auf dem Rückweg zum Hotel passiert das Unfassbare. Ein Moped überholt Manfred. Der Fahrer hat beide Hände voll mit Plastiktüten voller Essen. Wer lenkt? Niemand. Oder doch… vorne, zwischen den Beinen des Fahrers, steht ein kleiner, weißer Hund. Er hat die Pfoten auf dem Lenker. Er schaut konzentriert nach vorne. Er wirkt kompetenter als 90 % der deutschen Autofahrer im Feierabendverkehr auf der A3.
Der Hund schaut kurz zu Manfred rüber. Sein Blick sagt: „Was guckst du, Farang? Halt die Spur.“
Manfred gibt auf. Er hat den Kampf verloren.
Das Finale: Anpassung durch Resignation
Manfred gibt den Roller ab. Er ist um zehn Jahre gealtert, aber er lebt. Er hat gelernt, dass Verkehrsregeln in Thailand wie Jazz sind: Man muss die Noten kennen, um sie gekonnt zu ignorieren. Es geht um den „Flow“. Es geht um Intuition. Es geht darum, dass man darauf vertraut, dass der andere auch nicht sterben will.
Er geht zu einem Straßenstand, bestellt sich ein Bier und setzt sich auf einen Plastikstuhl direkt an der Bordsteinkante. Er sieht zu, wie ein Vater mit drei Kindern, zwei Hunden und einem Flachbildfernseher auf einem Moped vorbeifährt.
Manfred lächelt. Er nimmt einen Schluck.
„Eigentlich,“ murmelt er und lockert seine Sandalenriemen, „ist das viel effizienter als der TÜV.“
Dann fällt ihm auf, dass er auf der falschen Seite sitzt und der Auspuff eines Tuk-Tuks ihm gerade das Schienbein röstet. Aber das ist eine andere Geschichte.
Anmerkung der Redaktion
Dieser Text entstand unter Missachtung sämtlicher deutscher Sicherheitsvorschriften. Während der Recherche wurden drei Nervenzusammenbrüche protokolliert, fünf Hosen durchgeschwitzt und zwei Hühner fast adoptiert. Wir weisen darauf hin, dass das Nachahmen thailändischer Fahrstile in Deutschland zum sofortigen Verlust der Fahrerlaubnis, der bürgerlichen Ehre und eventuell zum Einzug in eine geschlossene Anstalt führen kann. Bitte fahren Sie vorsichtig – oder einfach mit dem Taxi.




Manfred fliegt bald wieder nach Hause und schwimmt im deutschen Verkehr mit all seinen Ver- und Geboten sicher mit. Für alle, die hier leben, ist der gelungene Bericht doch eine Bestätigung, wie man’s macht. Fahren wie die Thais, nicht unbedingt in allen Disziplinen, dafür allerdings mit wesentlich mehr Überblick.
Straßenverkehr des Lächelns ? Viele Verkehrsteilnehmer sind sehr schnell sehr aggressiv! Vor allem bei einem Unfall. Von wegen innerer Frieden. Viele Einheimische und teilweise auch Ausländer fahren total verantwortungslos auf Teufel komm raus. Verantwortung war halt noch nie eine Tugend in dieser Kukltur. Thai-Karma – so ein Quatsch.