ISTANBUL, TÜRKEI – Ein 21-jähriger Brite aus den West Midlands sitzt in der Türkei hinter Gittern, weil er fast 20 Kilogramm Cannabis im Koffer mit sich führte. Ihm drohen mindestens zehn Jahre Gefängnis. Im Prozess beteuert er, von einer Erpresserbande als Kurier missbraucht worden zu sein – ohne zu wissen, was wirklich in dem Gepäck steckte.
Spürhund schlug am Istanbul Airport Alarm
Taylor Johnson und seine Freundin Holly Cooper, beide 21, wollten am 26. April von Thailand zurück ins Vereinigte Königreich fliegen. Bei der Zwischenlandung in Istanbul wurde es brenzlig: Ein Rauschgiftspürhund schlug bei Johnsons Koffer an.
Zollbeamte öffneten das Gepäckstück und fanden 17 schwarze vakuumversiegelte Beutel. Darin: 19,2 Kilogramm Cannabis mit einem geschätzten Straßenwert von umgerechnet 280.000 britischen Pfund. Bei Cooper wurde kein Rauschgift entdeckt.
Paar stand in Istanbul vor Strafgericht
Letzte Woche erschien das Paar vor dem Gaziosmanpasa Strafgericht. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Verurteilung wegen Herstellung und Handel mit Betäubungsmitteln. Allein darauf steht eine Mindeststrafe von zehn Jahren Haft.
Johnson sagte über einen Dolmetscher, er sei zur Mitnahme des Koffers gezwungen worden. Von dessen Inhalt habe er nichts gewusst. In einer abschließenden Stellungnahme erklärte er wörtlich: „Ich entschuldige mich. Hätte ich gewusst, dass der Koffer Drogen enthält, hätte ich so etwas niemals getan.“
280.000 Pfund in 17 Vakuumtüten
Die 19,2 Kilogramm Cannabis waren sorgfältig in 17 schwarzen Beuteln verpackt und luftdicht verschweißt. Nach Einschätzung der Ermittler hätte das Rauschgift auf der Straße rund 280.000 Pfund eingebracht.
Für Johnson wurde die Reise damit zum Albtraum. Statt nach Hause nach Wednesbury flog er direkt in Untersuchungshaft. Seine Freundin durfte nach der Verhandlung das Land verlassen.
„Ich dachte, es sei ein Ersatzkoffer“
Holly Cooper beteuerte vor Gericht, sie habe geglaubt, der Trip sei ein gewöhnlicher Urlaub mit Sightseeing und Schwimmen. Von Drohungen gegen ihren Freund will sie nichts mitbekommen haben. Auch nicht davon, dass Johnson mit einem fremden Koffer nach Hause flog.
Ihre Erklärung: Sie habe angenommen, er habe nach einem früheren Reiseschaden einfach einen neuen Koffer gekauft. Der Richter akzeptierte diese Darstellung und sprach sie frei. Cooper kehrte ins Vereinigte Königreich zurück.
Anwalt: „Keine illegalen Gegenstände bei Cooper“
Verteidiger Bilgehan Berk machte vor Gericht klar, dass bei Cooper nichts Verbotenes gefunden wurde. Allein die gemeinsame Reise beweise kein Mitwissen oder eine Beteiligung an den Drogen. Der Richter folgte dieser Argumentation.
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Für Johnson sieht es anders aus. Er bleibt im berüchtigten Maltepe-Gefängnis in Haft, untergebracht mit anderen britischen Häftlingen. Sein Anwalt dementierte Berichte über einen Angriff auf ihn: Johnson sei dort in Sicherheit.
Autounfall als Anfang einer brutalen Erpressung
Vor Gericht schilderte Johnson eine bizarre Vorgeschichte. Nach einem Autounfall soll ein Unbekannter an seine persönlichen Daten gelangt sein, ihn und seine Familie bedroht und 3.000 Pfund verlangt haben. Die Forderung: Johnson müsse nach Thailand reisen und einen Koffer abholen.
Die letzte Nacht in Thailand wurde zum Wendepunkt. Ein chinesischer Mann habe ihm das verschlossene Gepäckstück im Hotel übergeben, so Johnson. Erst nach der Ankunft in Istanbul habe er erfahren, was sich wirklich darin befand.
Familie spricht von Albtraum und Manipulation
Der Fall hat im Vereinigten Königreich Aufmerksamkeit erregt. Verwandte beschrieben die Situation als Albtraum für alle Beteiligten. Ein Freund der Familie nannte das Paar „gute Kinder“ und deutete an, Johnson sei von einer Bande manipuliert worden.
Wer der unbekannte Erpresser und der chinesische Koffermann tatsächlich sind, ist nach wie vor unklar. Ermittler haben dazu bisher keine konkreten Angaben gemacht. Die Identität beider Männer bleibt im Dunkeln.
Verteidigung kämpft um Strafvollzug in UK
Das Urteil gegen Taylor Johnson wird voraussichtlich im Juli fallen. Schon jetzt bereitet Verteidiger Berk für den Fall einer Verurteilung einen Antrag vor, um die Strafe ins Vereinigte Königreich zu überstellen.
Für Johnson geht es um alles: Sollte das Gericht auf schuldig entscheiden, droht ihm ein Jahrzehnt hinter türkischen Gittern. Ein Antrag auf Strafverbüßung in der Heimat könnte sein letzter Ausweg sein.
The Sun enthüllt britischen Drogen-Albtraum
Die Boulevardzeitung The Sun hatte den Fall öffentlich gemacht und über die dramatischen Szenen am Istanbuler Flughafen berichtet. Seitdem wächst der Druck auf Johnsons Familie, die weiterhin von seiner Unschuld überzeugt ist.
Ob der Richter der Erpressergeschichte glaubt oder nicht, wird im Juli entschieden. Bis dahin sitzt der 21-Jährige in Maltepe fest – und hofft, dass das Gericht seine Version der Geschichte abnimmt.



Ich finde er sollte seine glimpfliche Strafe absitzen. Er ist noch jung, soll aus seinen Fehlern lernen.