Droht jetzt die Annullierung der Wahl?

🚨🗳️ Nach der Wahl geraten plötzlich zentrale Abläufe ins Visier mehrerer Institutionen. Beschwerden häufen sich, Juristen werden aktiv und eine Entscheidung könnte enorme Folgen haben. Steuert Thailand auf eine neue politische Zerreißprobe zu?

Droht jetzt die Annullierung der Wahl?
Matichon, ThaiExaminer
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BANGKOK, THAILAND – Die Parlamentswahl vom 8. Februar steht wegen Barcodes und QR-Codes auf Stimmzetteln, massiver Auszählungsprobleme und eines bei 94 Prozent festgefahrenen Ergebnisses vor einer möglichen juristischen Zerreißprobe.

Ombudsmann setzt Wahlkommission unter Fristdruck

Der Ombudsmann hat offiziell interveniert und der Wahlkommission eine Frist von sieben Tagen gesetzt, um den Einsatz von Barcodes und QR-Codes auf den Stimmzetteln zu rechtfertigen, bevor die Ergebnisse an das Verfassungsgericht übermittelt werden.

Die Behörde reagierte damit auf insgesamt zwölf Beschwerden zur Organisation der Wahl, von denen drei explizit die Barcodes thematisieren und prüfen lassen wollen, ob damit Artikel 85 der Verfassung sowie Artikel 96 des organischen Wahlgesetzes verletzt wurden.

Streit um geheime Wahl und Datensicherheit

Artikel 85 garantiert eine unmittelbare und geheime Wahl, doch Beschwerdeführer argumentierten, die Barcodes könnten es ermöglichen, Stimmzettel einzelnen Wählern zuzuordnen und damit die Wahlgeheimnis zu unterlaufen.

Der Ombudsmann forderte deshalb eine ausführliche Stellungnahme der Kommission, nachdem unter anderem Patarapong Supakorn und Tankawin Ratwattakangkul sowie ein anonymer Dritter entsprechende Petitionen eingereicht hatten.

Barcodes, QR-Codes und strittige Vorschriften

Der Vorsitzende der People’s Party, Nattapong Ruangpanyawut, warf der Kommission vor, der Barcode auf dem rosa Listenstimmzettel könne Wähler identifizierbar machen und sogar Datenlecks aus der Datenbank der Behörde ermöglicht haben, die angeblich auf Darknet-Märkten angeboten würden.

Die Wahlkommission bestritt dies und beharrte auf gewahrter Geheimhaltung, während Kritiker unter Verweis auf Regelung 184 und Einschätzungen von Experten argumentierten, dass Stimmzettel und identifizierende Abschnittsnummern im selben Wahlbehälter landen könnten.

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Unstimmigkeiten bei Auszählung und Ergebnissen

Parallel zu der Designdebatte meldeten Experten und Akademiker eine Differenz von annähernd 400.000 Stimmen zwischen Listen- und Wahlkreisstimmen, obwohl jeder Wähler zwei Stimmzettel erhält und die Zahlen daher grundsätzlich übereinstimmen müssten.

Hinzu kommen Berichte über Auszählungen während Stromausfällen, überlappend markierte Stimmzettel, Abweichungen bei Wahllokalergebnissen sowie Vorwürfe zu falsch gelagerten oder bewegten Urnen und Stimmzetteln, die angeblich sogar auf Mülldeponien gefunden worden sein sollen.

Politische Reaktionen und parteiübergreifender Druck

Obwohl sowohl die People’s Party als auch die Pheu Thai Party den gemeldeten Erdrutschsieg der Bhumjaithai Party akzeptiert haben, übten Politiker aus mehreren Lagern, darunter auch gewählte Abgeordnete der Siegerpartei, scharfe Kritik am Management der Wahl durch die Kommission.

Am 16. Februar veröffentlichte eine Gruppe von 209 Rechtsprofessoren und Akademikern eine Erklärung unter dem Titel „Die Verantwortung der Wahlkommission bei der Durchführung der Wahl“, in der sie vier zentrale Problemfelder markierte: Wahlgeheimnis, Auszählung vor Ort, landesweite Ergebniserfassung sowie Sammlung und Lagerung der Stimmzettel.

Senatoren, Ausschüsse und neue Klagen

Der Vorsitzende des Senatsausschusses für politische Entwicklung, Noraset Prachyakorn, warnte in einem Beitrag vom 16. Februar, dass eine nachverfolgbare Stimmabgabe das Prinzip der geheimen Wahl ausheble, und kündigte für den 17. Februar eine Sitzung zu Strafverfahren gegen Bürger an, die eine Neuauszählung im Wahlkreis 1 der Provinz Chonburi gefordert hatten.

Die Senatorin und Demokratieaktivistin Nantana Nanthavaropas kritisierte öffentlich die Stimmzettelgestaltung als irreführend, betonte, dass die gemeinsame Lagerung von Stimmzetteln und Abschnittnummern die Anonymität aufhebe, verwies darauf, dass Musterscheine ohne Barcodes an Haushalte verschickt worden seien, und forderte die Annullierung der Wahl sowie die Vernichtung aller Stimmzettel.

Klage vor dem Supreme Administrative Court und drohende Neuwahl

Am 15. Februar reichte der Reservesenator Akkarawat Pongthanachalitkul Klage beim Supreme Administrative Court ein, in der er der Wahlkommission und ihrem Generalsekretär Fehlverhalten bei der Organisation der Parlamentswahl vorwarf und die Barcodes sowie QR-Codes als Verstoß gegen das Prinzip der geheimen Abstimmung bezeichnete.

Die Kläger verlangten, sämtliche am 1. und 8. Februar abgegebenen Stimmen für ungültig zu erklären, die Ergebniszertifizierung auszusetzen, eine komplette Neuwahl anzuordnen und die Kommission samt benannter Funktionäre für die Kosten und mögliche Sanktionen nach dem Wahlgesetz von 2018 haftbar zu machen.

Ausblick auf Verfassungsgericht und politische Unsicherheit

Sollten die Beschwerden beim Ombudsmann als begründet eingestuft werden, könnte der Streit um Barcodes und QR-Codes dem Verfassungsgericht vorgelegt werden, wo bereits weitere Eingaben zur Überprüfung der Verfassungsmäßigkeit der Wahl anhängig sind.

Da die Wahlkommission die endgültigen Ergebnisse bislang nicht bestätigt hat, die Zählung offiziell bei 94 Prozent steht und das Land unter einer Übergangsregierung ohne gewähltes Unterhaus verharrt, wächst die Gefahr, dass die Wahl für ungültig erklärt wird und zugleich Zweifel an der Kompetenz der Kommission für künftige Urnengänge fortbestehen.

🗳️ Demokratie in Gefahr – oder nur politisches Machtspiel?

Beschwerden, Klagen und der mögliche Gang vor Gericht: Die Wahl steckt tief in der Krise, während das Land auf Klarheit wartet. Sollte die Abstimmung tatsächlich annulliert werden, droht ein politisches Vakuum.
Ist das notwendige Kontrolle – oder ein Zeichen für ein zunehmend fragiles System?
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Quelle: ThaiExaminer

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