Explosionen erschüttern Süden – Militär greift ein

Explosionen erschüttern Süden – Militär greift ein
Thai Rath, Thai Examiner

NARATHIWAT, THAILAND – Eine Serie koordinierter Bomben- und Brandanschläge auf elf privat betriebene PTT-Tankstellen in den südlichen Grenzprovinzen hat die Sicherheitslage am Wochenende erneut deutlich verschärft.

Nächtliche Anschläge in drei Provinzen

In der Nacht zum 11. Januar 2026 wurden kurz nach Mitternacht in den Provinzen Narathiwat, Pattani und Yala insgesamt elf PTT-Tankstellen angegriffen. Nach Angaben der Sicherheitsbehörden explodierten Sprengsätze nahezu zeitgleich, mehrere Brände brachen aus.

Die erste Explosion wurde gegen 00.55 Uhr gemeldet, weitere Detonationen folgten innerhalb kurzer Zeit. Betroffen waren ausschließlich privat betriebene PTT-Stationen, keine staatlichen Einrichtungen und keine religiösen Stätten.

Verteilung der Angriffe und Schäden

In Narathiwat registrierten die Behörden fünf Anschläge. Explosionen wurden zunächst im Bezirk Cho Airong, später auch in Chanae, Rangae, Waeng und Sungai Kolok gemeldet. Alle Standorte erlitten unterschiedliche Sachschäden.

In der Provinz Pattani wurden zwei Vorfälle aus den Bezirken Muang und Kapho gemeldet. Yala verzeichnete vier Angriffe in den Bezirken Kabang, Bannang Sata und Muang. Überall wurden Zapfsäulen, Lagerräume und angeschlossene Convenience-Stores beschädigt.

Laut dem Internal Security Operations Command (ISOC) waren „Personen mit böswilliger Absicht“ für die Taten verantwortlich. Feuerwehr- und Rettungskräfte brachten die Brände binnen weniger Stunden unter Kontrolle.

Verletzte, aber keine Todesopfer

Zunächst gingen die Behörden von keinen Verletzten aus. Später bestätigte die Polizei vier Verletzte, darunter Zivilisten und Polizeibeamte. Todesopfer wurden nicht gemeldet, medizinische Teams versorgten die Betroffenen umgehend.

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Ein namentlich genannter Verletzter ist Pol. Lt. Prasit Bamrung, stellvertretender Ermittlungsleiter der Polizeistation Ra-ngae. Er wurde durch Splitter verletzt, als er eine beschädigte Tankstelle im Gebiet Tanyong Mas inspizierte. Pol. Gen. Kittirat Phanphet, Nationaler Polizeichef, ordnete umfassende medizinische Versorgung und Fürsorgeleistungen an.

Ausgangssperre und massive Sicherheitsmaßnahmen

Als unmittelbare Reaktion verhängten die Behörden am Sonntag über die Provinz Narathiwat eine Ausgangssperre von 21 bis 5 Uhr. Die National Security Council (NSC) warnte dabei insbesondere die mutmaßlich verantwortliche Gruppe Barisan Revolusi Nasional (BRN), „dass Gewalt nicht toleriert werde“.

Die Bewegungsfreiheit wurde in mehreren Bezirken eingeschränkt, nächtlicher Verkehr brach ein, Geschäfte verkürzten ihre Öffnungszeiten, der Tourismus, ohnehin durch Überschwemmungen beeinträchtigt, ging weiter zurück. Ein Senator kritisierte die Effektivität der Ausgangssperre und bezweifelte, dass sie Anschläge verhindern könne.

Tankstellen abgeriegelt

Parallel dazu wurden Polizei und Armee in allen betroffenen Gebieten massiv verstärkt. Tankstellen wurden abgeriegelt, Bombenräumkommandos und Forensiker sicherten Spuren. Überwachungsbilder von Straßen und Geschäften werden ausgewertet, Zeugen befragt.

• Zusätzliche Kontrollpunkte an Hauptverkehrsstraßen

• Erhöhte Patrouillen von Polizei und Militär

• Temporäre Schließung einzelner Tankstellen zur Sicherheitsprüfung

Die Versorgung mit Kraftstoff blieb laut Behörden jedoch stabil, Lieferketten wurden nicht unterbrochen.

Nationale Fahndung nach den Tätern

Auf nationaler Ebene ordnete Pol. Gen. Kittirat Phanphet der Royal Thai Police eine sofortige Fahndung nach den Hintermännern an. Pol. Gen. Samran Nualma, stellvertretender Polizeichef für Sicherheitsangelegenheiten und Leiter eines Forward Operating Centre, übernahm die operative Führung. Pol. Lt. Gen. Piyawat Chalermsri, Kommandeur der Provincial Police Region 9, und Pol. Lt. Gen. Yingyot Thepjamnong, Assistenzkommissar und Polizeisprecher, wurden ebenfalls mit zentralen Aufgaben betraut.

Yingyot erklärte, die Ermittlungen liefen an mehreren Tatorten parallel. „Die Beweissicherung ist im Gange, die Geheimdienstarbeit wurde deutlich intensiviert“, sagte er. Auch Grenzpolizei-Einheiten wurden im Süden verstärkt.

Streit über Motiv und politischer Kontext

Zu den Hintergründen gibt es unterschiedliche Einschätzungen. Ermittler prüfen Hinweise auf Aufständische, die dem Süden seit Jahren Instabilität bringen. Nach ersten Bewertungen könnte es darum gehen, Unruhe vor der Parlamentswahl am 8. Februar zu stiften.

Dem widersprach jedoch Associate Professor Ekarin Tuan Siri von der Prince of Songkla University (Campus Pattani). Er betonte gegenüber Thai Rath Online, aus den vorliegenden Informationen ergäben sich „keine Anhaltspunkte für einen direkten Zusammenhang mit der Wahl“. Entscheidend sei, dass alle Stationen lokalen Eigentümern gehören und keine religiösen Ziele betroffen waren.

Menschenleben waren kein Ziel

Der Politikwissenschaftler folgerte, der Anschlag richte sich vorrangig gegen Eigentum, nicht gegen Menschenleben: „Es gibt keine klare Absicht, Zivilisten oder Beamte zu töten“. Gleichzeitig verwies er auf erhebliche Sicherheitslücken, da sowohl öffentliche als auch private Räume betroffen waren und Angriffe an elf Standorten ein hohes Maß an Koordination voraussetzten.

Andere Analysten sehen in der Serie ein Signal an die Regierung in Bangkok, dass das Grenzkonfliktproblem im Süden weiterhin ungelöst sei. Seit Juni 2025 lag der Fokus der Zentralregierung stark auf dem umstrittenen Grenzgebiet zu Kambodscha.

Kritik an Sicherheitsapparat und Rolle der BRN

Konservative Kreise und einige religiöse Führer warnten laut Bericht davor, dass eine Politik des Entgegenkommens gegenüber Aufständischen über Verhandlungen gescheitert sein könnte. Senator Chaiyong Manirungsakul, Mitglied eines staatlichen Militärausschusses, machte mangelnde Geheimdienstinformationen für den Anschlag und frühere Vorfälle verantwortlich.

Der National Security Council richtete unterdessen eine scharfe Warnung an die in Malaysia verankerte Organisation BRN, der die Behörden diese Kampagne zurechnen. „Gewalt wird von der Regierung nicht akzeptiert“, hieß es sinngemäß.

Verunsicherte Bevölkerung, laufende Ermittlungen

In den betroffenen Regionen berichten Anwohner von anhaltender Verunsicherung. Viele gaben an, in der Nacht Explosionen gehört zu haben, andere schilderten Angst während der Ausgangssperre. Bewohner forderten wirksamere Präventionsmaßnahmen und eine bessere Effizienz der Sicherheitskräfte.

Die Polizei hält die Namen möglicher Verdächtiger bislang zurück. Alle elf Tankstellen stehen weiterhin unter Sicherheitsaufsicht, Aufräumarbeiten und Schadensbegutachtungen laufen. Laut Polizei sollen die Ermittlungen „ohne Unterbrechung“ fortgeführt werden, bis die Verantwortlichen identifiziert sind.

Elf Anschläge. Drei Provinzen. Eine klare Botschaft aus Sprengstoff.
Jetzt folgt die Antwort des Staates: Ausgangssperre, Soldaten, Kontrollpunkte.

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Quelle: Thai Examiner

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