Warum Ausländer in thailändischen Nationalparks oft das Zehnfache zahlen
In Thailands Nationalparks gilt seit Jahren eine zweigeteilte Preisstruktur. Thailändische Staatsbürger zahlen im Khao Yai Nationalpark 40 Baht Eintritt, ausländische Besucher werden mit 400 Baht zur Kasse gebeten. Bei einem Wechselkurs von 36,63 Baht pro Euro entspricht das etwa 1,09 Euro für Einheimische und 10,92 Euro für Ausländer.
Diese Praxis betrifft alle 156 Nationalparks des Landes und ist gesetzlich zulässig. Das Department of National Parks begründet die unterschiedlichen Tarife damit, dass thailändische Bürger durch ihre Steuern bereits zum Unterhalt der Parks beitragen. Ausländer müssten ihren Beitrag direkt am Eingang entrichten.
Kostenloser Eintritt zum Jahreswechsel 2025/2026 war nur kurze Ausnahme
Vom 31. Dezember 2025 bis zum 1. Januar 2026 gewährte die thailändische Regierung allen Besuchern kostenlosen Zutritt zu sämtlichen Nationalparks, Waldparks und botanischen Gärten. Die Maßnahme war als Neujahrsgeschenk deklariert und sollte Einheimischen wie Touristen gleichermaßen einen kostenlosen Naturbesuch ermöglichen.
Ab dem 2. Januar 2026 kehrte das gewohnte Preissystem zurück. Die Schilder mit den unterschiedlichen Tarifen wurden wieder aufgestellt, und die Trennung zwischen einheimischen und ausländischen Besuchern trat sofort wieder in Kraft. Von der kurzen Phase der Gleichbehandlung blieb nichts übrig.
Pink ID Card und thailändischer Führerschein helfen meist nicht weiter
Viele in Thailand lebende Ausländer besitzen eine Pink ID Card oder einen thailändischen Führerschein. Diese Dokumente belegen den offiziellen Wohnsitz im Land und enthalten eine thailändische 13-stellige Identifikationsnummer. In der Theorie könnten sie als Nachweis für den Residentenstatus dienen.
Die Praxis zeigt jedoch ein anderes Bild. Laut Erfahrungsberichten von Expats akzeptieren die meisten Nationalpark-Ranger diese Dokumente seit etwa 2022 nicht mehr für ermäßigte Eintritte. Die Entscheidung liegt im Ermessen des jeweiligen Parkpersonals. Manche Parks zeigen sich kulant, andere bestehen auf dem vollen Ausländerpreis.
Steuerzahlende Expats werden wie Kurzzeittouristen behandelt
In Thailand arbeitende Ausländer mit Arbeitserlaubnis zahlen Einkommensteuer und Sozialabgaben in das thailändische Steuersystem ein. Trotzdem werden sie an Nationalpark-Eingängen wie Kurzzeittouristen behandelt. Das Argument der Behörden, Ausländer würden nicht zur Infrastruktur beitragen, trifft auf diese Gruppe nicht zu.
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Diese Ungleichbehandlung wird von vielen Langzeitresidenten als Ungerechtigkeit empfunden. Wer dieselben steuerlichen Pflichten erfüllt wie thailändische Bürger, erwartet auch vergleichbare Rechte bei der Nutzung staatlich finanzierter Einrichtungen. Ein Rechtsanspruch auf den günstigeren Tarif besteht jedoch nicht.
Nachbarländer setzen auf einheitliche Preise für alle Besucher
In Vietnam, Japan und den meisten anderen asiatischen Ländern zahlen Einheimische und ausländische Touristen denselben Eintrittspreis für Naturattraktionen. Diese Länder setzen auf Gleichbehandlung als Teil ihrer Tourismusstrategie und verzichten bewusst auf doppelte Preisstrukturen.
Thailand steht mit seiner Praxis der unterschiedlichen Tarife innerhalb der Region weitgehend allein da. Das sogenannte Dual Pricing wird von internationalen Reisenden zunehmend kritisch wahrgenommen und könnte langfristig Besucher in Nachbarländer mit transparenteren Preismodellen treiben.
Rechtslage erlaubt Behörden weitreichenden Ermessensspielraum bei Gebühren
Die thailändische Gesetzgebung räumt den Nationalparkverwaltungen das Recht ein, Gebührenordnungen eigenständig festzulegen. Es existiert kein Gesetz, das eine Unterscheidung nach Nationalität bei Eintrittspreisen explizit verbietet. Die Praxis ist daher juristisch abgesichert.
Klagen gegen diese Preisgestaltung hatten in der Vergangenheit wenig Erfolg. Gerichte bestätigen in der Regel den Ermessensspielraum der Behörden. Die Diskussion um die Fairness der Regelung findet somit außerhalb des rechtlichen Rahmens statt.
Politische Reformversprechen blieben bisher ohne konkrete Umsetzung
Tourismusminister Sorawong Thienthong hatte in der Vergangenheit angedeutet, das System zu überdenken. Nach öffentlicher Kritik wurden Überlegungen zur Reform der Preisstruktur diskutiert. Konkrete Gesetzesänderungen blieben jedoch aus.
Bis Januar 2026 ist keine flächendeckende Abschaffung des Dual Pricing in Kraft getreten. Die Einnahmen aus den höheren Ausländergebühren machen einen erheblichen Teil des Budgets für die Parkverwaltung aus. Der Widerstand gegen Einnahmeverluste scheint größer als der politische Reformwille.
Millionen Touristen zahlen trotz Kritik weiterhin die höheren Preise
Aus ökonomischer Sicht funktioniert das Modell für die Nationalparkverwaltungen. Trotz anhaltender Kritik besuchen jährlich Millionen ausländische Touristen die Parks und zahlen die 400 Baht. Die Besucherzahlen sind stabil, weshalb der wirtschaftliche Druck für Änderungen fehlt.
Die Einnahmen aus den Ausländergebühren finanzieren einen signifikanten Teil der Naturschutzmaßnahmen und Gehälter. Ein Verzicht auf diese sichere Einnahmequelle würde Finanzierungslücken schaffen, die durch andere Mittel ausgeglichen werden müssten. Solange die Kassen gefüllt bleiben, besteht kein Anreiz zur Änderung.
Veraltete Annahmen über Wohlstand prägen das Preissystem
Das System basiert auf der Annahme, dass jeder ausländische Besucher wohlhabend und jeder Thailänder einkommensschwach ist. Diese Logik stammt aus einer Zeit, als internationale Flugreisen Luxusgüter waren. Heute reisen jedoch auch viele Backpacker und junge Familien mit begrenztem Budget nach Thailand.
Gleichzeitig gibt es eine wachsende thailändische Mittelschicht mit hohem Einkommen. Die pauschale Koppelung des Eintrittspreises an die Nationalität ignoriert die heutigen sozioökonomischen Realitäten und wird von vielen Besuchern als diskriminierend empfunden.
Expat-Community reagiert mit Frust und gezielten Boykotten einzelner Parks
In Online-Foren und sozialen Netzwerken wird die Preispolitik intensiv diskutiert. Nutzer tauschen Erfahrungen aus und erstellen Listen von Parks, die Expats fair behandeln. Diese Informationen werden wie Geheimtipps weitergegeben.
Viele Langzeitresidenten boykottieren mittlerweile gezielt bestimmte Parks. Sie lehnen es ab, ein System zu unterstützen, das sie aufgrund ihrer Herkunft benachteiligt. Die Stimmung in der Expat-Community ist entsprechend angespannt.
Soziale Medien verstärken Kritik durch virale Videos und Hashtags
Auf Plattformen wie TikTok und YouTube teilen Reisende ihre Erfahrungen mit der doppelten Preisgestaltung. Videos, die Preisschilder zeigen, erreichen hohe Klickzahlen unter Hashtags wie #DualPricingThailand. Diese Transparenz ist für die Behörden neu.
Der Imageschaden durch solche viralen Inhalte ist schwer messbar, aber real. Das internationale Narrativ vom gastfreundlichen Land des Lächelns erhält durch diese kritischen Berichte sichtbare Kratzer im digitalen Raum.
Marine Nationalparks mit zusätzlichen Gebühren besonders kostenintensiv
Bei Insel-Nationalparks wie den Similan Islands oder Koh Phi Phi kommen neben dem Eintritt oft Hafengebühren und teure Bootstransfers hinzu. Für ausländische Besucher wird ein Tagesausflug so schnell zu einer erheblichen Investition.
Während thailändische Reisegruppen häufig Pauschalangebote zu deutlich günstigeren Preisen erhalten, zahlen individuelle ausländische Reisende den vollen Tarif. Der Preisunterschied wird in absoluten Zahlen so groß, dass er für Normalverdiener spürbar ins Gewicht fällt.
Qualitätstourismus könnte durch Ungleichbehandlung abgeschreckt werden
Thailand strebt einen Wandel vom Billigtourismus zum Qualitätstourismus an. Gerade qualitätsbewusste Reisende mit höherer Kaufkraft reagieren jedoch sensibel auf unfaire Behandlung. Wer bereit ist, viel Geld im Land auszugeben, erwartet faire Preise und keine Sonderbehandlung aufgrund der Herkunft.
Tourismusexperten warnen, dass diese Praxis genau jene Zielgruppe verprellen könnte, die man eigentlich anlocken möchte. Wohlhabende und gebildete Reisende durchschauen das System und könnten künftig Destinationen mit transparenteren Preismodellen bevorzugen.
Park-Ranger haben keinen Entscheidungsspielraum bei Preisen
Das Personal an den Parkeingängen setzt lediglich Vorgaben um. Die Ranger stehen unter Druck, festgelegte Einnahmeziele zu erreichen, und haben in der Regel keinen Spielraum für Kulanzentscheidungen. Diskussionen mit ihnen führen selten zum Erfolg.
Die Entscheidungsgewalt über die Preisgestaltung liegt bei den zuständigen Ministerien in Bangkok, nicht beim Personal vor Ort. Kritik sollte sich daher an die politisch Verantwortlichen richten, nicht an die ausführenden Beamten im Park.
Prognose für 2026 – keine Änderung der Preisstruktur absehbar
Für das laufende Jahr 2026 ist keine Änderung der Preisstruktur in Sicht. Die Tarife stehen fest, die entsprechenden Hinweisschilder sind an allen Parkeingängen angebracht. Wer Thailands Naturschönheiten besuchen möchte, muss den Ausländerpreis akzeptieren.
Ob internationaler Druck oder sinkende Besucherzahlen langfristig ein Umdenken bewirken, bleibt abzuwarten. Bis dahin gilt für ausländische Besucher: Den Preis zahlen und die Natur genießen oder auf den Besuch verzichten.
Praktische Empfehlungen für Reisende und Expats
Die Diskussion um unterschiedliche Eintrittspreise ist letztlich eine Frage der Wertschätzung. Im Januar 2026 bleibt die Realität für Touristen und Expats unverändert: Ohne thailändischen Pass zahlt man den zehnfachen Betrag im Vergleich zu Einheimischen, also rund zehn Euro mehr pro Person.
Die Naturschönheiten Thailands rechtfertigen diesen Preis zweifellos. Reisende sollten die Gebühr als Teil der Reisekosten einkalkulieren und sich die Freude am Besuch nicht durch die Preispolitik verderben lassen. Wer die Pink ID Card oder einen thailändischen Führerschein besitzt, kann es an weniger frequentierten Parks versuchen, sollte aber keine Garantie erwarten.
Anmerkung der Redaktion
Dieser Artikel spiegelt den Informationsstand von Januar 2026 wider. Währungsumrechnungen basieren auf einem Wechselkurs von 36,63 THB für 1 Euro. Die Eintrittspreise und behördlichen Regelungen können sich jederzeit ändern. Vor einem Parkbesuch empfiehlt sich die Prüfung der aktuell geltenden Tarife beim jeweiligen Nationalpark oder auf der Website des Department of National Parks.




Die allgemeine Kritik an der doppelten Preisgestaltung ist verständlich aber nicht wirklich gerechtfertigt.
Die Kritiker machen den Gedankenfehler anzunehmen, daß auf der Welt alles immer komplett fair und gerecht zugehen muss.
Wenn jedoch die Gesetzgebung die Preisgestaltung den Anbietern überlässt, dann ist es völlig natürlich, das diese auf Gewinn abzielt und nicht auf Fairness.
Der Rest ist Mathematik.
Bei einem zehnfach höheren Preis müssten erst mehr als 90% der Ausländer auf den Besuch verzichten, damit sich die doppelte Preisgestaltung nicht mehr lohnt.
Und um fair zu bleiben, es mag ja stimmen, daß Thailänder bei uns die gleichen Preise bezahlen wie wir, aber um überhaupt erst zu uns zu kommen, müssen die einen Visa Hürdenlauf hinter sich bringen, einen von uns um eine Verpflichtungserklärung bitten oder finanziell die Hose runterlassen und sollten sie sich entscheiden in unseren Ländern zu leben, dann geht das nur über eine schwer zu erlangende Arbeitserlaubnis, die ständig verlängert werden muss oder über eine Heirat, während wir gemütlich in den Flieger steigen und für ein Leben in Thailand nur einen gewissen Geldbetrag auf einem Konto parken müssen oder falls jünger als 50 lediglich die Teilnahme an einem Koch- oder Sprachkurs vortäuschen müssen.
So gesehen haben wir es unterm Strich doch viel besser oder?