BANGKOK, THAILAND – Ein prominenter Anti-Korruptionsanwalt hat der Führung der Royal Thai Police umfangreiche Beweise für mutmaßliche Bestechung, Postenhandel und Geldwäsche vorgelegt und verlangt sofortige Ermittlungen.
Unterlagen direkt an Polizeichef übergeben
Der Anti-Korruptionskämpfer und Opferanwalt Atchariya Ruangrattanapong, in Thailand auch als „Genius“ bekannt, hat am Dienstag erneut Dokumente im Hauptquartier der Royal Thai Police eingereicht. Die Unterlagen richten sich gegen ranghohe Polizeibeamte und schildern angebliche Bestechungsgelder, Erpressung und Postenverkauf.
Die Akten sollen an den nationalen Polizeikommissar General Kittirat Phanphet weitergeleitet werden. Bereits am 18. November 2025 hatte Atchariya dem Nationalen Polizeichef eine formelle Petition übergeben, in der er Ermittlungen gegen einen hochrangigen Offizier wegen mutmaßlicher Bestechung im Zusammenhang mit Online-Glücksspiel und dem angeblichen Handel mit Polizeipositionen forderte.
Atchariya kündigte an, seine Vorwürfe am 26. November vor dem Police Committee sowie der Police Commission persönlich zu untermauern.
Vorwürfe: Online-Glücksspiel, gefälschte Konten, 300 Erpressungsfälle
In seinen Eingaben schilderte Atchariya, ein Polizeioberst habe Konten auf Glücksspiel-Webseiten gefälscht und in über 300 Fällen Geld erpresst. Er erklärte, er gehe davon aus, dass dieser Offizier zunächst alleine gehandelt habe.
Besonders im Fokus steht der stellvertretende Befehlshaber der Polizeiregion 5, der laut Petition 2 Millionen Baht von einer Online-Glücksspielseite erhalten haben soll. Zusätzlich werden Namen weiterer Offiziere im Rang eines Polizeiobersts genannt, darunter ein früherer Leiter einer Ermittlungsgruppe in Region 2.
Die fraglichen Vorgänge sollen in eine Periode fallen, in der Prasert Chantarawongthong als Minister für digitale Wirtschaft und Gesellschaft amtierte.
Gefälschte Dokumente und systematische Abgabenforderungen
Laut den Dokumenten sollen Polizeibeamte amtliche Schreiben gefälscht haben, um Konten von Glücksspielseiten zu beschlagnahmen. Demnach sei von den Kontoinhabern verlangt worden, 50 % der Guthaben abzuführen.
Ein stellvertretender Inspektor der Technology Crime Suppression Division (TCSD) soll Online-Glücksspielkonten in mehr als 300 Fällen beschlagnahmt und jeweils 100.000 Baht gefordert haben. Atchariya ließ offen, ob die Namen in seinen Listen auch direkte Vorgesetzte belasten, betonte aber, ein einzelner stellvertretender Inspektor könne „eine derart große Geldsumme nicht alleine verwalten“.
Forderung nach Untersuchungsausschuss und Disziplinarmaßnahmen
Atchariya verlangte vom Nationalen Polizeichef die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses zu allen genannten Fällen. Zudem forderte er, die betroffenen Offiziere in das Royal Thai Police Operations Centre zu versetzen und strenge Disziplinarmaßnahmen zu prüfen – zeitgleich zur aktuellen Versetzungssaison.
Er betonte, dass seine Beweise bereits von der Department of Special Investigation (DSI) sowie dem Ministerium für digitale Wirtschaft und Gesellschaft überprüft worden seien: „Die Beweise liegen seit 2024 vor und reichen bis in die Gegenwart“, sagte er und warf den beschuldigten Beamten vor, ihre Amtspflichten verletzt zu haben.
Schwere Vorwürfe gegen Kommandeur der Polizeiregion 8
Neben Region 5 richtet sich eine weitere Beschwerde gegen den Kommandeur der Polizeiregion 8. Atchariya behauptete, dieser habe bei Versetzungen und Ernennungen Vorteile verlangt, was den nationalen Polizeikommissar am 17. November zu einer Dringlichkeitssitzung veranlasst habe.
Der Aktivist erklärte, er kenne den betroffenen General persönlich und könne sein Verhalten bestätigen. Nach seinen Angaben soll der Offizier nach seiner Ernennung zum Regionalbefehlshaber eine Erhöhung der Schmiergeldzahlungen um 20–30 % verlangt haben, was bei Untergebenen Unmut ausgelöst habe.
Später sollen Berichte aufgekommen sein, wonach 8 Millionen Baht für die Beförderung anderer Offiziere zu höheren Rängen gefordert worden seien.
Postenhandel bis in Generalsränge – Millionen für Beförderungen
Atchariya erklärte, er verfüge über Beweise, die Postenhandel in der gesamten Royal Thai Police belegten. Beförderungen vom stellvertretenden Superintendenten zum Superintendenten sollen nach seinen Angaben 5–7 Millionen Baht gekostet haben.
Zudem sollen diese Zahlungen es ermöglichen, sich begehrte Dienststellen auszusuchen. Die anstehenden Ernennungen von stellvertretenden Kommandeuren bis hinunter auf Inspektorenebene sind demnach für den 28. November im Rahmen des Haushaltsjahres 2025 geplant. Atchariya sagte voraus, dass die Veröffentlichung seiner Beweise Störungen im Beförderungsprozess auslösen könnte.
Geldströme, Strohleute und Kryptowährungen
Nach Darstellung Atchariyas sollen manche Beamte sich als andere Personen ausgegeben haben, um den Handel mit Positionen abzuwickeln. Besonders verwies er auf die angebliche Beteiligung eines ehemaligen Polizei-Lieutenant-General, der den Beschwerdeausschuss der Nationalen Polizeikommission leitet, sowie einer zivilen Frau, die im Namen ihres Ehemanns agiert haben soll.
Der Anwalt reichte finanzielle Beweise beim Anti-Money Laundering Office (AMLO) ein. Er spricht von 2,5 Milliarden Baht an Vermögenswerten mit Verbindungen zu Politikern und deren Umfeld. Insgesamt könnten die Geldströme des Netzwerks über 15 Milliarden Baht betragen.
Am 17. November übergab Atchariya AMLO weitere Unterlagen. Demnach soll ein Netzwerk über 1 Milliarde Baht gewaschen und Gelder über Kryptowährungen verschleiert haben. Die Beweise decken den Zeitraum von 2020 bis heute ab.
Kritik an Songkhla-Polizei und Vorwürfe gegen Trairong
Scharfe Kritik übte Atchariya an der Provinzpolizei in Songkhla, die lediglich 36 Millionen Baht an Beweisen an AMLO übermittelt habe. Angesichts seiner eigenen Angaben von mindestens 2,5 Milliarden Baht stellte er deren Vorgehen bei Vermögensbeschlagnahmen infrage und forderte, sämtliche relevanten Werte einzuziehen.
Zusätzlich reichte er bei AMLO eine weitere Beschwerde gegen Pol. Lt. Gen. Trairong Phiwpaen, heute stellvertretender Generalinspekteur der Royal Thai Police und früherer Chef der Cyber Crime Investigation Bureau, ein. Atchariya stellte die Beschlagnahme von Vermögenswerten aus über 2.000 Online-Glücksspielfällen in Frage und behauptete, nur rund 10 % seien an AMLO weitergeleitet worden. Einige Verdächtige seien demnach wieder in die Gesellschaft entlassen worden.
Er warf bestimmten Beamten vor, Verdächtigen bei der Verwaltung von Vermögenswerten geholfen zu haben.
Politische Verflechtungen und Vorwürfe gegen Spitzenbeamte
Atchariya präsentierte zudem Unterlagen, die den Songkhla-Abgeordneten Chonnapat Naksua (Klatham) mit Glücksspiel und möglicher Geldwäsche in Verbindung bringen sollen. Er forderte AMLO auf, die von ihm genannten 2,5 Milliarden Baht auf Basis der Geldflüsse seit 2020 zu beschlagnahmen.
Weitere Vorwürfe richtete er gegen Pol. Gen. Winai Thongsong, Mitglied der Royal Thai Police Commission, lizensierter Boxpromoter und Betreiber eines registrierten Boxstadions. Atchariya behauptet, Beweise in Zusammenhang mit angeblichen Manipulationen bei Boxkämpfen zu besitzen, die mit Wetten in Höhe von 12 Millionen Baht in Verbindung stünden.
Winai habe jegliche Beteiligung an solchen Wetten bestritten. Atchariya erklärte, er werde gegen Winai keine eigene Klage anstrengen und setze stattdessen auf die laufenden Untersuchungen: „Ich habe bereits über 300 Gerichtsverfahren hinter mir“.
Distanz zu „Big Joke“ und weitere brisante Fragen
Besonders betonte Atchariya, dass er nicht im Auftrag des früheren stellvertretenden Polizeichefs Pol. Gen. Surachate Hakparn, bekannt als „Big Joke“, handele. Er kündigte an, bei der Sitzung am 26. November Fragen zu angeblich 300 Millionen Baht in Goldkäufen Surachates aufzuwerfen.
Atchariya machte zugleich deutlich, er habe niemals Geld erhalten, um Beweise zurückzuhalten und handle unabhängig von einzelnen Polizeioffizieren oder Politikern.
AMLO reagiert: Beschlagnahmen nur auf Basis von Beweisen
Suthisak Suman, Direktor der Rechtsabteilung und stellvertretender Sprecher von AMLO, erklärte, die Behörde werde handeln, wenn die von Atchariya eingereichten Informationen kriminelle Netzwerke belegten. „Abweichungen zwischen früher beschlagnahmten Vermögenswerten und den aktuellen Beweisen würden zusätzliche Maßnahmen stützen“, sagte er.
AMLO bekräftigte, dass Vermögensbeschlagnahmen ausschließlich auf Beweisen beruhen und nicht auf Weisungen. Jede Beschlagnahme werde von einem Komitee mit Richtern und Rechtsexperten geprüft. Werte könnten unabhängig vom Eigentümer eingezogen werden – ob Polizei, Verwaltung oder Privatpersonen betroffen seien.
Breites Untersuchungsfeld – von Postenhandel bis Kryptogeld
Die laufenden und angekündigten Ermittlungen betreffen laut Atchariya mehrere Ebenen:
• Online-Glücksspiel und mutmaßliche Erpressung durch Polizeibeamte
• Postenhandel und Bestechung für Beförderungen und Wunschposten
• Geldwäsche über Bankkonten und Kryptowährungen
• Finanzielle Verflechtungen mit Politikern und deren Umfeld
• Mögliche Pflichtverletzungen bei Vermögensbeschlagnahmen
Die Beweise sollen sich von 2020 bis in die Gegenwart erstrecken und mehrere ranghohe Beamte bis hin zu Polizeigenerälen, Lieutenant-Generälen, Mitgliedern der Polizeikommission sowie eine „Khunying“ erfassen.
Auswirkungen auf anstehende Ernennungen und politische Stimmung
Die nächsten Sitzungen der Police Commission Ende November sollen den Umfang des Fehlverhaltens klären. Parallel dazu prüfen AMLO und die Royal Thai Police die finanziellen Unterlagen, Ernennungen und das Verhalten der beschuldigten Beamten.
Die geplanten Ernennungen am 28. November könnten laut Atchariya ins Wanken geraten, sollten seine Beweise in vollem Umfang berücksichtigt werden. Er warnte, dass unvollständige Beschlagnahmen dazu führen könnten, dass kriminelle Netzwerke nicht vollständig angeklagt werden.
In der thailändischen Öffentlichkeit hat sich angesichts beinahe täglicher Korruptionsenthüllungen eine gewisse Ermüdung eingestellt. Doch das Ausmaß und die Detailtiefe der aktuellen Vorwürfe sorgen für neue Aufmerksamkeit – Beobachter sprechen von einem möglichen Wendepunkt.
Korruption als mögliches Wahlkampfthema
Politische Analysten rechnen damit, dass die nächste Parlamentswahl stark von der Korruptionsfrage geprägt sein könnte, insbesondere von der Rolle von „Grey Capital“ in Politik und Staatsapparat. Die People’s Party hat angekündigt, mit dem Versprechen zu werben, alle Kandidaten von der Einflussnahme solcher Gelder freizuhalten.
Zugleich wurde in den vergangenen Monaten im Parlament intensiv Fehlverhalten offengelegt. Sollte im Dezember ein Misstrauensantrag gegen die Regierung eingebracht werden, erwarten Beobachter heftige politische Auseinandersetzungen. Viele gehen allerdings davon aus, dass Premierminister Anutin Charnvirakul das Parlament noch vor einem solchen Antrag auflöst.
Weitere Schritte und juristische Aufarbeitung
Atchariya hat zugesichert, mit den Ermittlungsbehörden voll zu kooperieren und nach und nach zusätzliche Beweise einzureichen. Die Behörden bestätigten den Eingang seiner Beschwerden, Kommissionen zur Prüfung der Unterlagen wurden eingesetzt.
Die zuständigen Gremien sollen nun Finanzströme prüfen, Ernennungen nachverfolgen und die Einhaltung gesetzlicher Pflichten bewerten. Je nach Ergebnis stehen disziplinarische Maßnahmen bis hin zu strafrechtlicher Verfolgung im Raum.
Nach Angaben von AMLO und Royal Thai Police werden alle Schritte unter gesetzlicher Aufsicht, mit Ausschusskontrolle und richterlicher Überprüfung erfolgen. Damit sollen die Verfahren im komplexen Geflecht aus Polizei, Online-Glücksspiel, Politik und Finanznetzwerken auf nachweisbare Fakten gestützt werden.




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