BANGKOK, THAILAND – Zwei prominente Figuren der thailändischen Kryptoszene, Worawat Naknawdee und Kampanat Vimolnoht, stehen nach schweren Vorwürfen im Fokus, weil Anleger sich durch vermeintliche Insider-Deals getäuscht fühlen. Dutzende Beschwerden, mutmaßlich gefälschte Unterlagen und Spuren ins Ausland heizen eine Debatte über Vertrauen, Netzwerke und Risiken im Digitalmarkt an.
Der Fall Worawat – vom Aushängeschild zum Beschuldigten
Worawat Naknawdee (36), online als Acme Traderist bekannt, galt lange als einer der frühesten und sichtbarsten Krypto-Investoren des Landes und baute sein Image als erfolgreicher Unternehmer rund um Bitnance Co Ltd auf.
Zu seiner Marke gehörten mediale Auftritte, Auszeichnungen, ein in der Szene vielzitierter früher Einstieg ins Bitcoin-Mining sowie eine öffentliche Luxus-Inszenierung inklusive prominenter Kontakte und einer 2023 geschlossenen Ehe mit der Schauspielerin Nutcha „Nonny“ Schuhmacher.
500-fache Rendite versprochen – und dann ging nichts mehr
Am 9. März reichte eine Gruppe von Investoren gemeinsam mit Tankhun Jitt-itsara, Präsident des Santiprachadham Club, eine Beschwerde beim Central Investigation Bureau ein und beschuldigte Worawat, sie in Projekte namens WOWBiT und ACET ONLY gelockt zu haben.
Die Anleger berichten, ihnen seien Renditen von bis zum 500-Fachen in Aussicht gestellt worden, doch zum Stichtag 1. März seien Auszahlungen nicht möglich gewesen und die Begründungen hätten von einem angeblichen Hack bis zu angeblich blockierenden ausländischen Anti-Geldwäsche-Regeln gewechselt.
Polizei zählt Opfer und Geld – und jagt einen Mann im Ausland
Die Economic Crime Suppression Division meldete bis 11. März mindestens 61 formelle Anzeigen mit bestätigten Schäden von rund 76 Millionen Baht, während Ermittler von deutlich höheren Gesamtschäden ausgehen.
Laut Pol Maj Gen Thatphum Jaruprat, Kommandeur der Einheit, strebt die Polizei eine Interpol Red Notice an und prüft Anklagen wegen Computerkriminalität und Betrugs, da Worawat bereits im November 2024 ausgereist sein soll und mutmaßlich in den Vereinigten Arabischen Emiraten lebt.
Der zweite Name – Ex-KXVC-Direktor und die Token-Deals
Parallel tauchten Vorwürfe gegen Kampanat Vimolnoht (37) auf, einen früheren Board-Direktor mit Verbindung zur Venture-Capital-Schiene KasikornX Venture Capital (KXVC), die als Investmentarm der Kasikornbank auf Zukunftsthemen wie KI und Web3 setzt.
Kampanat präsentierte sich als gut vernetzter Analyst mit Master-Abschluss aus Großbritannien und Konferenzprofil, während Anleger berichten, er habe ihnen frühzeitige Token Allocation-Zugänge zu Projekten wie Monad, Babylon und Linera angeboten.
Verträge, Vesting, Verzögerungen – und dann Funkstille
Investoren sagen, sie hätten Geld überwiesen und Dokumente erhalten, die Token-Käufe und Vesting-Fristen beschrieben, doch im Oktober 2025 seien bei ersten fälligen Token-Freigaben die Probleme sichtbar geworden.
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Als Begründungen für Verzögerungen seien wechselnd Papierkram, Marktbedingungen oder Partnerprobleme genannt worden, bevor im November der Kontakt zu Kampanat bei mehreren Betroffenen abriss und Prüfungen darauf hindeuteten, dass Verträge teils aus veränderten KXVC-Dokumenten zusammengesetzt worden sein könnten.
KXVC distanziert sich – und der Schaden wird international
KXVC erklärte später auf seiner Website, Kampanat habe die Organisation bereits im März 2025 verlassen und der Fonds habe keinerlei Bezug zu Fundraising-Aktivitäten außerhalb der offiziellen Abläufe.
Betroffene aus Thailand, Singapur, Vietnam und den USA meldeten Verluste von etwa 20.000 US-Dollar bis über 1 Million US-Dollar pro Person, und Nachfragen bei 19 Krypto-Projekten ergaben laut den Recherchen, die meisten hätten Kampanat nicht gekannt und keine Token über ihn zugeteilt.
Warum das so gut funktionierte – die Macht der Insider-Optik
Beide Fälle zeigen ein Muster der Kryptoszene, in der Deals oft in privaten Online-Kreisen über Telegram– oder WhatsApp-Gruppen kursieren und Nähe zu Gründern, Fonds oder Influencern als Währung gilt.
Weil echte Venture-Finanzierungen und Vorab-Zuteilungen tatsächlich häufig über exklusive Netzwerke laufen, wirkten die Versprechen von außergewöhnlichen Renditen oder frühem Token-Zugang für viele offenbar plausibel und befeuern nun Forderungen nach mehr Vorsicht und schärferer Aufsicht über Digital-Assets in Thailand.



Wer 500-fachen Rendite Versprechen glaubt, dem hat die Gier seine Schaltzentrale ausgeschaltet! Dumm gelaufen und noch selber schuld, ist mein Fazit.