Thailands Kliniken vor dem Kollaps?

Viele Krankenhäuser schreiben Verluste, Personal fehlt, Budgets werden enger: In Thailand wächst der Druck auf das Gesundheitssystem – und für Patienten könnte sich der Zugang zur Behandlung spürbar verändern…

Thailands Kliniken vor dem Kollaps?
The Nation

KHON KAEN, THAILAND – Thailands Gesundheitssystem gerät laut einem führenden Klinikdirektor an einen kritischen Punkt: Verluste, Personalmangel und gedeckelte Budgets beginnen, Leistungen, Wartezeiten und sogar die Zahl verfügbarer Krankenhausbetten zu beeinflussen.

Verluste fressen sich durch den Klinikalltag

In vielen Regionen kämpfen Krankenhäuser mit finanziellen Verlusten und versuchen, über Sparmaßnahmen wie begrenzte Neueinstellungen und geringere Personalschlüssel die Kosten zu drücken.

Damit steigt zugleich das Risiko, dass Kliniken ihre Bettenkapazität reduzieren müssen, was den Druck auf Notaufnahmen, Stationen und Nachbarhäuser weiter erhöht.

Personal am Limit – und die Sorge um Standards

Wenn weniger Kräfte eingeplant werden, steigt die Arbeitslast für Ärztinnen, Ärzte und Pflegepersonal, was nach Einschätzung von Fachleuten direkt auf Qualität und Patientensicherheit durchschlagen kann.

Prof. Dr. Somsak Tiamkao, Neurologe und Direktor des Srinagarind Hospital an der Fakultät für Medizin der Khon Kaen University, warnte, die Probleme seien inzwischen so sichtbar, dass sie für Patienten im Alltag spürbar würden.

Zugang zur Behandlung wird komplizierter

Patienten könnten Behandlungen künftig weniger bequem als bisher erhalten, weil Kliniken stärker über Zuweisungen und Überweisungen steuern müssen, um Kosten und Fallzahlen zu kontrollieren.

Somsak betonte zugleich, ein leistungsfähiges, vertrauenswürdiges Überweisungssystem sei grundsätzlich richtig und hätte längst konsequenter aufgebaut werden müssen, damit Versorgung rechtzeitig und sicher erfolgt.

Therapien nur noch im Rahmen der Erstattung

Krankenhäuser müssen sich bei Diagnostik und Therapie zunehmend an nationale Leitlinien sowie die National List of Essential Medicines halten, weil Abweichungen finanziell kaum noch darstellbar sind.

Behandlungen, die medizinisch sinnvoll sein können, aber außerhalb der erstattungsfähigen Leistungspakete liegen, werden laut Somsak von Klinikleitungen immer häufiger nicht genehmigt, da sonst die Verluste weiter steigen.

Gedeckelte Budgets setzen ein falsches Signal

Eine nationale Politik, die Leistungsvolumina nicht über das Vorjahresniveau wachsen lassen soll, zielt darauf, dass die gedeckelten Mittel ausreichen, um Krankenhäuser zum zugesagten Satz zu vergüten.

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Steigen die in RW gemessenen Leistungen dennoch, sinkt die Auszahlung pro RW, was Kliniken laut Somsak zusätzlich dazu drängt, Aufnahmen zu begrenzen und Personal knapp zu halten.

Weniger Betten – und mehr Rückverlegungen

Sollten Häuser mit besonders hohen Verlusten Betten stilllegen, würde der Zugang zur stationären Versorgung schwieriger, und die Kapazitäten umliegender Kliniken müssten personell, finanziell und technisch gestärkt werden.

Zugleich rechnet Somsak mit mehr Rückverlegungen in wohnortnahe Krankenhäuser, was zwar Kosten für große Zentren senkt, aber nur funktioniert, wenn das Gesundheitsministerium lokale Versorgung mit Personal und Medikamenten absichert und Telemedizin samt Arzneilieferung nach Hause ausbaut.

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Quelle: nationthailand.com

3 Kommentare zu „Thailands Kliniken vor dem Kollaps?

  1. Eigentlich bewundere ich das thailändische Gesundheitssystem und ich bin mir ziemlich sicher rundherum in den Nachbarländern hätten sie vermutlich auch gerne sowas. In jüngster Vergangenheit hatte ich das zweifelhafte Vergnügen mich 4 Tage in so einem Krankenhaus behandeln lassen zu ddürfen. Sie haben das auch ganz gut wieder hingekriegt, Respekt dafür! Was mir dabei aufgefallen ist, eine Uhr sollte man nicht mitbringen. Kalender reicht. Und wann immer man an einem Schwesternzimmer vorbei kommt, sieht man eine Vielzahl an hübsch behuteten Mädels die irgendwelche Formulare ausfüllen. Ganz offensichtlich bleibt dabei kaum bis keine Zeit für die Patienten. Selber kriegt man von dem Papierkram weniger mit, erst wenn man auscheckt. Da wird man wie noch in lang vergangener analoger Zeit von einem Schalter an den nächsten, insgesamt vier, geschickt bis man alle Stempel, Bescheinigungen und Papiere hat um letztendlich an der Kasse mit einem simplen QR-Scan dann doch noch bezahlen zu dürfen.
    Vor kurzem habe ich hier zu einem anderen Thema gelesen, die Papier-Bürokratie wäre was Gutes weil die Leute beschäftigt werden müssten. Ich bin weit davon entfernt Thailändern einen Rat geben zu wollen, wie man Arbeit effizienter gestalten könnte. Die Leute so einzusetzen, dass auch ein Mehrwert produziert werden würde und nicht nur administrative Kosten verursachen. Vielleicht wäre das dann auch nicht mehr das Thailand das wir kennen und lieben. Aber vielleicht kommt ja hierzulande mal einer noch selber auf die Idee. Könnte ja sein, oder? Wäre doch sinnvoller als Leistungen und Personal einzusparen, oder?

    1. Ich fürchte, auf die Idee kommt niemand. Die Hospitäler für die Eingeborenen sind o.k., aber wer da liegt, muss die Familie mitbringen, wenn er versorgt werden will. Und wer in den internationalen Krankenhäusern
      ist, zahlt europäische Tarife
      (auch, wenn die Gehälter „etwas“
      abweichen).

Kommentare sind geschlossen.

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