Nach Mord freigelassen? Empörung wächst

Nach Mord freigelassen? Empörung wächst
KhaoSod

TAK, THAILAND – Eine 57-jährige Angehörige der Hmong-Minderheit aus der Provinz Tak ist verstorben. Zwei Männer aus Myanmar stehen im Verdacht, an ihrem Tod beteiligt gewesen zu sein. Nach ihrer Freilassung durch die Einwanderungsbehörde sind sie weiterhin flüchtig.

Vorfall auf abgelegenem Maisfeld

Die Frau, in thailändischen Medien als „Nang B.“ (Name geändert) bezeichnet, war in der Grenzprovinz Tak auf einem Maisfeld im Dorf Ban Huai Phak Kut, Moo 8, Unterbezirk Phawo im Distrikt Mae Sot, zur Arbeit gewesen.

Dort soll sie am 11. November 2025 den beiden Männern aus Myanmar begegnet sein: dem 50-jährigen „Nai Thon Ta Ong“ und dem 41-jährigen „Nai Atue“, beide als Migrantarbeitskräfte beschrieben. Die Frau verstarb am selben Tag. Die genauen Umstände sind Gegenstand laufender Ermittlungen.

Festnahme und überraschende Freilassung

Nach dem Vorfall wurden die beiden Verdächtigen zunächst von der Polizei der Wache Phawo (Sathani Phak Phawo) festgenommen. Anschließend übergab die Polizei die Männer an die Einwanderungsbehörde der Provinz Tak.

Dort jedoch wurden sie den Angaben nach in Richtung Myanmar zurückgelassen bzw. freigelassen. Seitdem fehlt von den beiden jede Spur. Die Familie der Verstorbenen zeigt sich fassungslos über das Vorgehen der Behörden.

Die Tochter der 57-Jährigen erklärte, sie wisse nicht mehr, wem sie glauben solle – der Polizei oder der Einwanderungsbehörde in Tak. Sie bitte um Gerechtigkeit für ihre Mutter.

Großfahndung in Grenzregion läuft

Am 4. Januar 2026 leitete die Einwanderungsbehörde Tak eine groß angelegte Suche nach den beiden Verdächtigen ein. Beamte durchkämmen seither den Distrikt Mae Sot und benachbarte Landkreise.

Parallel dazu nahm die Behörde Kontakt zu den myanmarischen Immigrationsstellen in der Grenzstadt Myawaddy auf. Diese wurden gebeten, die beiden Männer bei Auffinden umgehend an die thailändische Seite zu überstellen. Bislang gebe es keinen Durchbruch.

Auch die Polizeiwache Phawo hat ihre Ermittler in das Grenzgebiet geschickt, um Hinweise auf den Aufenthaltsort der Verdächtigen zu finden.

Kritik am Vorgehen der Behörden

Der Fall sorgt in der lokalen Bevölkerung für deutliche Kritik. Bewohner hinterfragen, warum die Polizei die beiden Verdächtigen so schnell an die Einwanderungsbehörde übergab, anstatt zunächst mögliche Beweise zu sichern und zu dokumentieren.

Diskutiert wird insbesondere, ob dadurch wichtige Beweismittel verloren gegangen sein könnten und warum die Männer anschließend freikamen, obwohl gegen sie Vorwürfe im Raum stehen.

Hintergrund zu den Verdächtigen

Nach Informationen aus Ermittlerkreisen soll der 50-jährige Nai Thon Ta Ong ein ehemaliger Soldat Myanmars und ethnischer Rakhine sein. Über seine Vergangenheit und mögliche Vorstrafen ist bislang wenig bekannt.

Die zuständigen Beamten betonen, man werde beide Männer aufspüren und nach geltendem Recht strafrechtlich verfolgen. „Die Polizei wird alles daransetzen, die Verdächtigen vor Gericht zu bringen“, heißt es aus Sicherheitskreisen.

Rechtliche Aspekte und weiteres Vorgehen

Die Staatsanwaltschaft in Tak bereitet die Anklageschrift vor, sobald die Verdächtigen gefasst werden. Parallel dazu läuft eine interne Untersuchung bei der Einwanderungsbehörde, um zu klären, wie es zur Freilassung der Männer kommen konnte.

Ein Sprecher der Polizei betonte, dass man eng mit den myanmarischen Behörden zusammenarbeite. Die Auslieferung von Verdächtigen über die Grenze hinweg sei jedoch oft ein komplizierter und zeitaufwändiger Prozess.

Herausforderungen in Grenzregionen

Der Fall wirft ein Licht auf die besonderen Herausforderungen der Strafverfolgung in Grenzregionen. Die Provinz Tak grenzt direkt an Myanmar, und die Durchlässigkeit der Grenze erschwert oft die Arbeit der Behörden.

Migrantarbeiter aus Myanmar leben häufig in einer rechtlichen Grauzone. Bei Vorfällen ist nicht immer klar, welche Behörde zuständig ist – die Polizei für die strafrechtliche Verfolgung oder die Einwanderungsbehörde für aufenthaltsrechtliche Fragen.

Experten fordern seit Jahren eine bessere Koordination zwischen den Behörden, insbesondere bei schweren Vorwürfen. Der vorliegende Fall zeige exemplarisch, wo das System versage, so ein Jurist der Universität Chiang Mai.

Reaktionen der lokalen Gemeinschaft

In der Hmong-Gemeinschaft der Region herrscht Betroffenheit und Sorge. Vertreter der Minderheit fordern mehr Schutz für Menschen, die in abgelegenen Gebieten arbeiten müssen.

Mehrere Dorfgemeinschaften haben angekündigt, verstärkt Sicherheitspatrouillen durchzuführen. Auch sollen Arbeiter künftig nicht mehr alleine auf entlegenen Feldern tätig sein.

Die wichtigsten Fakten im Überblick

Zwei tatverdächtige Migranten aus Myanmar auf der Flucht

Grenzüberschreitende Fahndung mit Unterstützung der myanmarischen Immigration

Kritik am Vorgehen von Polizei und Einwanderungsbehörde in Tak

Interne Untersuchung des Behördenvorgehens läuft

Familie fordert Gerechtigkeit und transparente Aufklärung

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Quelle: KhaoSod

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