Nipah-Risiko: Nicht Fledermäuse, sondern „Ausländer schuld“?

⚠️ Ein Virus, hohe Sterblichkeit, internationale Verbindungen: Experten erklären, warum nicht die Tiere das Hauptproblem sind. Während andere Länder kämpfen, verschärft Thailand die Kontrollen. Was bedeutet das konkret für Reisende?

Nipah-Risiko: Nicht Fledermäuse, sondern "Ausländer schuld"?
Bangkok Post

BANGKOK, THAILAND – Thailändische Behörden haben das Nipah-Virus in heimischen Flughunden nachgewiesen, sehen das größte Risiko jedoch in infizierten ausländischen Reisenden aus betroffenen Ländern.

Virus in Fledermäusen – aber geringere Belastung

Der stellvertretende Staatssekretär im Gesundheitsministerium, Dr Sophon Iamsirithaworn, erklärte, dass das Nipah-Virus in Fruchtfledermäusen in Thailand gefunden worden sei. Die Viruslast liege jedoch niedriger als in Ländern mit aktuellen Ausbrüchen.

Um Übertragungen zu verhindern, seien Schweinefarmen in Gebieten mit nachgewiesenem Virus bei Fledermäusen untersagt. Auf diese Weise solle verhindert werden, dass Fledermäuse das Virus über Schweine an Menschen weitergeben.

„Es hat bislang keinen bestätigten Fall in Thailand gegeben“, betonte Dr Sophon. Sorgen gebe es hingegen in anderen Ländern, „insbesondere in Bangladesch und im indischen Bundesstaat Westbengalen“.

Fokus auf Reisende aus Ausbruchsgebieten

Trotz der Entfernung bleibe Thailand wachsam, weil es Direktflüge von dort zu den Flughäfen Suvarnabhumi, Don Mueang und Phuket gebe. „Überwachung ist notwendig, weil es Direktverbindungen gibt“, sagte Dr Sophon.

An diesen Flughäfen laufe weiterhin ein Screening von Einreisenden aus betroffenen Ländern. Im Fokus der Kontrollen stehen:
• Passagiere mit Fieber oder Atemwegssymptomen
• Menschen, die in den vergangenen 21 Tagen in einem Ausbruchsgebiet waren
Die aktuellen Ausbrüche in Bangladesch und Indien seien nach Angaben der Behörden unter Kontrolle, Hinweise auf Fälle in anderen Nachbarstaaten gebe es nicht.

Gefährlicher Bangladesh-Stamm dominiert

Laut Dr Sophon handelt es sich bei dem in thailändischen Fledermäusen nachgewiesenen Virus um die Bangladesh-Variante des Nipah-Virus.

Die Sprecherin der Behörde für Seuchenkontrolle, Dr Jurai Wongsawat, erläuterte, es gebe einen Bangladesh- und einen Malaysia-Stamm. „Der Bangladesh-Stamm ist gefährlicher, die Sterblichkeit ist recht hoch und er verursacht Atemwegssymptome“, sagte sie.

Die Krankheit müsse sehr ernst genommen werden, da sie zu schwerer Lungenentzündung führe und es weder Impfstoff noch spezifische Medikamente gebe.

Übertragung schwierig, aber Todesrate hoch

Positiv sei, dass die Übertragungsrate relativ gering sei, so Dr Jurai. Eine Ansteckung erfordere direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten infizierter Personen.

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Untersuchungen an thailändischen Fruchtfledermäusen ergaben, dass nur 10 % der Proben positiv auf Nipah waren. In Indien seien es 40 bis 50 % gewesen. In Thailand gebe es bislang keine Hinweise, dass Fledermäuse das Virus an Schweine oder Menschen vor Ort weitergegeben hätten. Der Nachweis des Virus bei thailändischen Fledermäusen erreiche üblicherweise im April und Mai seinen Höhepunkt.

Der Generaldirektor der Abteilung für Medizinische Dienste, Dr Nattapong Wongwiwat, betonte, dass Fruchtfledermäuse der Hauptwirt des Virus seien, es aber auch in anderen Fledermausarten vorkommen könne. Er warnte, dass Schweine als Verstärker fungieren könnten, falls sie sich bei Fledermäusen infizierten. Die Sterblichkeit beim Menschen liege je nach Virusvariante und medizinischer Versorgung bei 40 bis 75 %.

Besondere Gefahr für Kinder

Der Direktor des Queen Sirikit National Institute of Child Health, Dr Arkom Chaiwerawattana, wies auf die Verwundbarkeit kleiner Kinder hin. Ihre Symptome seien oft weniger auffällig als bei Erwachsenen, die Erkrankung aber sehr schwer. Nipah könne bei ihnen zu schwerer Enzephalitis (Gehirnentzündung) führen.

Der Verlauf beginne typischerweise mit Fieber, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Erbrechen, Halsschmerzen und Schwindel, gefolgt von Benommenheit. Daraus könnten Bewusstseinsstörungen, Krampfanfälle, Bewusstlosigkeit, Lungenentzündung, akutes Atemversagen und Enzephalitis entstehen.

Langfristig drohten infizierten kleinen Kindern verzögerte Entwicklung, Lernstörungen und Epilepsie, so Dr Arkom.

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Quelle: Bangkok Post

9 Kommentare zu „Nipah-Risiko: Nicht Fledermäuse, sondern „Ausländer schuld“?

  1. Gut zu wissen das sich kein thailändischer Reisender mit dem Virus infizieren kann und gleich mal festgestellt wird egal was passiert, Schuld ist auf jeden Fall der Ausländer!!! Geht’s mit noch mehr xenophobie liebe Medien???

      1. Von einen Rassisten habe ich sowieso nichts anderes erwartet! Kann nur hoffen das er die Wahl verliert

  2. Ja eben was Herr Anutin damals Gesundheits Minister, bei Covit sagte , wissen wir ja noch oder ???!!!

    1. Zitat „Eine Ansteckung erfordere direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten infizierter Personen“
      Also ein Quieki unter der Dusche…

  3. Durch die Gnade der frühen Geburt bekam ich als Kind noch eine vollständige Pocken Impfung. Ist zwar lang her, sollte meine Chance bei einer Infektion dennoch etwas erhöhen.

Kommentare sind geschlossen.

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