BANGKOK, THAILAND – Elf koordinierte Angriffe auf PTT-Tankstellen im tiefen Süden haben in der Nacht zu Sonntag vier Menschen verletzt und hohe Sachschäden verursacht. Sicherheitsbehörden gehen von einem gezielten Versuch aus, lokale Wahlen zu stören, nicht von einer neuen Eskalation des Aufstands in der Region.
Koordinierte Anschläge in drei Provinzen
Die Bombenexplosionen und Brandanschläge ereigneten sich nach Behördenangaben in einem Zeitraum von rund 40 Minuten kurz nach Mitternacht am 11. Januar. Ziel waren elf Tankstellen der staatlich dominierten Marke PTT in den südlichsten Provinzen Narathiwat, Yala und Pattani.
In Narathiwat wurden fünf Stationen in den Distrikten Cho Airong, Chanae, Ra-ngae, Waeng und Su-ngai Kolok getroffen. In Yala meldeten die Behörden vier Angriffe in den Gebieten Kabang, Bannang Sata und Mueang Yala. Pattani verzeichnete zwei Vorfälle in den Distrikten Mueang und Kapho.
Verletzte und erhebliche Sachschäden
Bei den Attacken wurden vier Personen verletzt, darunter ein Feuerwehrmann und zwei Mitarbeiter von Tankstellen in Pattani sowie ein Polizeibeamter in Narathiwat. Alle Verletzten wurden in Krankenhäuser gebracht, lebensbedrohliche Zustände wurden nicht gemeldet.
Die Anschläge richteten sich vor allem gegen Infrastruktur, darunter Zapfsäulen und Gebäude. Allein für die Provinz Yala schätzen Behörden die Schäden auf über 60 Millionen Baht. Die Tatorte wurden rasch weiträumig abgesperrt, um Spuren zu sichern und Beweise zu sammeln.
Regierung: Signal gegen lokale Wahlen
Ministerpräsident Anutin Charnvirakul, zugleich Innenminister, erklärte am Sonntag in Bangkok, Sicherheitsbewertungen deuteten auf einen klaren Bezug zu den zeitgleich stattfindenden Wahlen für Subdistrikt-Verwaltungsorganisationen (Or Bor Tor/SAO) hin.
„Sicherheitsbehörden glauben, dass diese koordinierten Aktionen darauf abzielten, die lokalen Wahlen zu stören, statt einen Terrorakt darzustellen“, sagte Anutin vor Medien am Or Tor Kor-Markt. Ziel sei offenbar gewesen, Furcht zu schüren und das Vertrauen der Bevölkerung in den Wahlprozess zu untergraben.
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Militär verschärft Sicherheitslage
Die Royal Thai Army verurteilte die Angriffe als „unmenschlich und unentschuldbar“. Der Befehlshaber der Vierten Heeresregion ordnete daraufhin die höchste Sicherheitsstufe an, unter anderem mit verstärkten Kontrollpunkten und einer intensivierten Überwachung der Grenzen.
In der Provinz Narathiwat trat eine nächtliche Ausgangssperre von 21 bis 5 Uhr in Kraft. Das Energieministerium wies alle Betreiber an, die Sicherheitsstandards der verbleibenden Tankstellen umgehend zu erhöhen und bestätigte zugleich, dass ausreichende Treibstoffreserven vorhanden seien, um Engpässe zu vermeiden.
Zu den unmittelbaren Maßnahmen zählen:
• Verstärkte militärische und polizeiliche Präsenz an Tankstellen
• Zusätzliche Kontrollen an Straßencheckpoints
• Erhöhte Beobachtung von Grenzbewegungen
Hintergrund: Langjähriger Konflikt im tiefen Süden
Die Region des sogenannten Deep South ist seit 2004 von einem niedrigschwelligen separatistischen Aufstand geprägt. Bewaffnete Gruppen fordern mehr Autonomie oder Unabhängigkeit von der mehrheitlich buddhistischen Zentralregierung, tausende Menschen kamen seither ums Leben.
Angriffe auf zivile Infrastruktur sind dort nicht ungewöhnlich. Auffällig sei jedoch der Umfang und die Koordination der aktuellen Serie, die sich gezielt gegen wirtschaftliche Ziele wie Tankstellen und nicht gegen militärische oder polizeiliche Einrichtungen richtete.
Täter unbekannt – Ermittlungen laufen
Bislang hat sich keine Gruppe zu den Anschlägen bekannt, Festnahmen wurden nicht gemeldet. Nach Angaben von Premier Anutin arbeiten die Vierte Heeresregion und die Provinzpolizei Region 9 eng zusammen, um weitere Vorfälle zu verhindern.
„Abstimmungen zwischen den zuständigen Sicherheitsbehörden laufen bereits“, betonte der Regierungschef. Die Ermittlungen zu Hintergründen, Abläufen und möglichen Drahtziehern der Anschlagsserie dauern an.
🗣 Wenn Gewalt zur Botschaft wird
Elf Anschläge. Fast zeitgleich. In drei Provinzen.
Das ist keine blinde Zerstörung – das ist Kommunikation.
Aber von wem? Und an wen?
An die Wähler? Den Staat? Die internationale Öffentlichkeit?
Wenn Regierungen sagen, es gehe nicht um Terror, sondern um Wahlen –
macht das die Tat weniger gefährlich … oder politisch noch brisanter?
Schreib offen:
Geht es hier um Angst, um Macht – oder um etwas, das wir noch nicht sehen?



