Thailand – Thailands Bauern sitzen immer tiefer in der Schuldenfalle. Eine neue Untersuchung des Puey Ungphakorn Institute for Economic Research zeigt: Mehr als die Hälfte der Kreditnehmer dürfte ihre Kredite nie vollständig zurückzahlen. Für den Agrarsektor und die wirtschaftliche Entwicklung des Landes ist das ein harter Warnschuss.
Schulden steigen, Rückzahlung kippt
Die Studie wertete Daten über zehn Jahre aus und erfasste 3,97 Millionen verschuldete Landwirte. Der Median ihrer Schulden stieg von 200.000 Baht auf 250.000 Baht, also auf etwa das Dreifache im Vergleich zu anderen Haushaltsgruppen.
Mehr als 30 Prozent der Kreditnehmer haben ihre Schulden in den vergangenen acht Jahren mehr als verdoppelt. Ein ähnlicher Anteil trägt inzwischen Verbindlichkeiten von über 500.000 Baht.
Nur Zinsen zahlen wird zum Normalfall
Besonders alarmierend ist aus Sicht der Forscher das Verhalten bei der Rückzahlung. Der Anteil der Bauern, die nur Zinsen zahlen, ist von 20 Prozent auf mehr als die Hälfte gestiegen.
Nur 10 Prozent reduzieren den Kapitalbetrag konsequent. Gleichzeitig haben 42 Prozent der Landwirte nicht genug Einkommen, um ihre Schulden zu bedienen, und sind immer wieder von Einkommensschocks betroffen.
Hilfen lösen das Problem nicht
PIER sieht die Krise durch jahrelange Hilfsmaßnahmen überdeckt. Die Zahlen der notleidenden Kredite blieben dadurch zwar relativ stabil, doch die Lage der Schuldner verschlechterte sich unter der Oberfläche weiter.
Zu den bisherigen schnellen Hilfen gehörten Schuldenmoratorien und Zahlungsaufschübe. Nach Einschätzung der Forscher schwächten sie die Bereitschaft zur Rückzahlung und betrafen rund 45 Prozent der Kreditnehmer.
Forscher fordern langfristige Lösungen
PIER schätzt, dass nur etwa 25 Prozent der Bauern ihre Schulden ohne Hilfe komplett zurückzahlen können. Mehr als 30 Prozent könnten das schaffen, wenn sich ihr Rückzahlungsverhalten verbessert. Über 22 Prozent haben bereits Schulden, die über ihrer Rückzahlungsfähigkeit liegen.
Der Bericht drängt auf gezielte, langfristige Lösungen. Genannt werden eine stärkere Abstimmung zwischen Regierung, Finanzinstituten und Kreditnehmern sowie der Einsatz digitaler Werkzeuge und Daten, um Hilfe besser zu steuern.
Warnung vor der nächsten Schuldenwelle
Pilotprogramme zeigen laut der Studie, dass Zinszuschüsse zusammen mit Anreizen zur Senkung des Kapitalbetrags die Rückzahlung verbessern können. Die Forscher wollen staatliche Unterstützung eher als Investition denn als Subvention behandeln. Ohne Kurswechsel droht Thailand nach Einschätzung des Berichts ein festgefahrener Schuldenkreislauf, der die ländliche Existenzgrundlage belastet und das langfristige Potenzial des Agrarsektors einschränkt.
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