Thailand 2026: Das musst du als Nomade wissen!

Thailand 2026: Das musst du als Nomade wissen!
Gemini AI

Chiang Mai, 10:00 Uhr morgens. Der Cappuccino im Co-Working-Space kostet 120 Baht (rund 3,30 Euro). Markus (28) prüft seine YouTube-Einnahmen auf seinem deutschen Konto. Die rechtliche Lage für digitale Nomaden in Thailand hat sich in den vergangenen zwei Jahren deutlich verändert. Neue Visa-Optionen bieten mehr Klarheit, während gleichzeitig die Steuerregeln verschärft wurden.

DTV-Visum ermöglicht bis zu 360 Tage Aufenthalt pro Einreise

Das Destination Thailand Visa (DTV) wurde speziell für digitale Nomaden entwickelt und ist seit Juli 2024 verfügbar. Es erlaubt einen Aufenthalt von zunächst 180 Tagen pro Einreise, gültig für fünf Jahre. Diese 180 Tage können durch einen Antrag bei der Immigration um weitere 180 Tage verlängert werden, sodass ein durchgehender Aufenthalt von bis zu 360 Tagen pro Einreise möglich ist.

Die Verlängerungsgebühr beträgt 1.900 Baht. Nach Ablauf der 360 Tage muss das Land verlassen werden, bei erneuter Einreise beginnt der Zyklus von neuem. Das DTV ist als Multiple-Entry-Visum konzipiert und ermöglicht unbegrenzte Ein- und Ausreisen während der fünfjährigen Gültigkeit.

LTR-Visum seit 2025 deutlich zugänglicher für Remote Worker

Das Long-Term Resident Visum wurde im Februar 2025 grundlegend reformiert. Für die Kategorie „Wealthy Global Citizens“ entfiel die bisherige Einkommensanforderung von 80.000 US-Dollar pro Jahr vollständig. Stattdessen müssen Antragsteller ein weltweites Vermögen von mindestens einer Million US-Dollar nachweisen, wovon 500.000 US-Dollar in Thailand investiert sein müssen.

Für „Work-from-Thailand Professionals“ wurde die erforderliche Umsatzschwelle des Arbeitgebers von 150 Millionen auf 50 Millionen US-Dollar über drei Jahre gesenkt. Zusätzlich wurden die Arbeitserfahrungs-Anforderungen komplett gestrichen. Das LTR-Visum bietet zehn Jahre Aufenthalt und Arbeitserlaubnis mit Steuervergünstigungen.

Arbeitserlaubnis bleibt theoretisch erforderlich für Content Creation

Nach thailändischem Recht gilt als Arbeit jede Tätigkeit, bei der Energie aufgewendet wird, um etwas zu schaffen. Das Filmen von Videos oder das Erstellen von Social-Media-Inhalten auf thailändischem Boden kann theoretisch als Arbeit eingestuft werden und würde ohne Work Permit gegen das Gesetz verstoßen.

Allerdings wurde das DTV gezielt für diese Zielgruppe geschaffen. Content Creator, die für ausländische Auftraggeber arbeiten oder über ausländische Plattformen Einnahmen erzielen, können sich auf das DTV berufen. Die Rechtslage bleibt in der Praxis eine Grauzone, doch die Einführung des DTV signalisiert, dass Thailand diese Form der Arbeit grundsätzlich toleriert.

Steuerpflicht ab 180 Tagen Aufenthalt im Kalenderjahr

Wer sich mehr als 180 Tage im Kalenderjahr in Thailand aufhält, gilt automatisch als steuerlicher Resident. Dies ist unabhängig vom Visumstyp und wird von Tag zu Tag gezählt. Auch einzelne Stunden an einem Tag zählen als voller Tag.

Seit Januar 2024 gilt: Steuerliche Residenten müssen Auslandseinkünfte versteuern, wenn sie nach Thailand überwiesen werden. Dabei spielt es keine Rolle, in welchem Jahr das Einkommen erzielt wurde. Diese Regelung schloss eine frühere Lücke, bei der nur im selben Jahr verdientes und überwiesenes Einkommen steuerpflichtig war.

Geplante Erleichterung könnte Zwei-Jahres-Frist bringen

Das thailändische Finanzministerium hat Mitte 2025 einen Entwurf vorgelegt, der eine wichtige Erleichterung vorsieht. Demnach sollen Auslandseinkünfte steuerfrei nach Thailand überwiesen werden können, wenn dies im Jahr der Erzielung oder im Folgejahr geschieht. Erst bei späteren Überweisungen würde Steuerpflicht entstehen.

Diese Regelung wurde jedoch bis Januar 2026 noch nicht im Government Gazette veröffentlicht und ist damit nicht rechtskräftig. Die politische Lage in Thailand verzögert die Umsetzung. Bis zur offiziellen Verabschiedung sollten digitale Nomaden von der aktuell geltenden strengeren Regelung ausgehen.

Doppelbesteuerungsabkommen schützen vor doppelter Steuerlast

Thailand hat über 60 Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen, darunter auch mit Deutschland. Diese Abkommen verhindern, dass Einkommen sowohl im Heimatland als auch in Thailand besteuert wird. Steuern, die im Ausland bereits gezahlt wurden, können in Thailand angerechnet werden.

Für die Anrechnung ausländischer Steuern müssen entsprechende Nachweise vorgelegt werden. Dies kann in der Praxis komplex sein, da manche Steuerbehörden zunächst die thailändische Steuer einfordern und erst anschließend eine Erstattung gewähren. Professionelle Steuerberatung ist für längerfristige Aufenthalte empfehlenswert.

Kryptowährungen unterliegen ebenfalls der Steuerpflicht

Gewinne aus Kryptowährungen sind in Thailand steuerpflichtig, wenn sie nach Thailand überwiesen werden. Thailändische Krypto-Börsen wie Bitkub melden Transaktionsdaten an die Behörden. Eine zeitweise diskutierte fünfjährige Steuerbefreiung für Krypto-Gewinne wurde bis Januar 2026 nicht umgesetzt.

Peer-to-Peer-Transaktionen sind schwerer nachvollziehbar, bergen aber bei größeren Summen erhöhliche Risiken. Digitale Nomaden sollten davon ausgehen, dass auch Krypto-Einkünfte unter die Remittance-Regel fallen und entsprechend deklariert werden müssen.

Wechselkurs und Lebenshaltungskosten Stand Januar 2026

Der Wechselkurs Euro zu Baht liegt Anfang Januar 2026 bei etwa 1 Euro zu 36,60 Baht. Mit 1.500 Euro monatlich (rund 54.900 Baht) lässt sich in Thailand gut leben, insbesondere außerhalb von Bangkok. Die Kosten variieren stark je nach Lebensstil und Region.

Chiang Mai, Phuket und Koh Samui sind teurer als kleinere Städte. Unterkünfte kosten zwischen 10.000 Baht für einfache Studios bis 30.000 Baht für moderne Apartments in guter Lage. Lebensmittel, Transport und Co-Working-Spaces sind im Vergleich zu Deutschland deutlich günstiger.

Banking und Zahlungsverkehr bleiben herausfordernd

Ein thailändisches Bankkonto ohne langfristiges Visum oder Work Permit zu eröffnen, ist Anfang 2026 schwierig. Viele Banken verlangen einen Pink ID Card oder ein Jahresvisum. Manche Filialen handhaben dies flexibler, aber es gibt keine Garantie.

Ohne lokales Konto sind QR-Code-Zahlungen, die in Thailand weit verbreitet sind, nicht möglich. Ausländische Kreditkarten funktionieren, doch bei der Nutzung stellt sich die Frage, ob dies als Remittance gilt. Die Rechtslage ist unklar, was zusätzliche Unsicherheit schafft.

TM30-Meldepflicht bei jedem Unterkunftswechsel

Vermieter müssen jeden ausländischen Gast innerhalb von 24 Stunden bei der Immigration melden (TM30-Formular). Versäumnisse können zu Problemen bei Visumsverlängerungen führen. Digitale Nomaden, die häufig die Unterkunft wechseln, müssen darauf achten, dass die Meldung erfolgt.

In der Praxis kümmern sich Hotels und etablierte Vermieter meist darum. Bei privaten Airbnb-Unterkünften ist Vorsicht geboten. Es liegt in der Verantwortung des Ausländers sicherzustellen, dass die Meldung erfolgt ist, auch wenn der Vermieter dafür zuständig ist.

Visumsverlängerung und Visa Runs werden strenger kontrolliert

Visa Runs, also kurze Ausreisen zur Visumsverlängerung, werden seit 2025 kritischer geprüft. Wer zu viele Stempel im Pass hat oder ein Muster von dauerhaftem Aufenthalt zeigt, kann an der Grenze abgewiesen werden. Das DTV reduziert diesen Bedarf erheblich.

Touristenvisa erlauben explizit keine Arbeit. Wer wiederholt mit Touristenvisum einreist und offensichtlich im Land arbeitet, riskiert eine Ausweisung und Wiedereinreisesperre. Das DTV bietet hier deutlich mehr Rechtssicherheit für digitale Nomaden.

Alternative Ziele wie Vietnam gewinnen an Attraktivität

Angesichts der verschärften Steuerregeln schauen einige digitale Nomaden nach Vietnam oder auf die Philippinen. Vietnam bietet für viele Nationalitäten großzügige Visumsregelungen, und die Lebenshaltungskosten sind vergleichbar. Die Infrastruktur für digitale Nomaden ist jedoch weniger entwickelt.

Thailand bleibt trotz der Änderungen attraktiv durch seine etablierte Infrastruktur, gute Internetverbindungen, große Expat-Communities und hohe Lebensqualität. Die neuen Visa-Optionen bieten mehr Klarheit als in vielen Nachbarländern.

Legale Wege erfordern Planung und eventuell professionelle Beratung

Wer 2026 in Thailand als Content Creator oder digitaler Nomade arbeiten möchte, hat mit DTV und LTR klare legale Optionen. Das DTV ist für die meisten die praktikabelste Lösung mit moderaten Anforderungen (500.000 Baht Bankguthaben, Nachweis der Remote-Arbeit). Das LTR bietet mehr Vorteile, erfordert aber höhere finanzielle Nachweise.

Die sicherste Strategie ist, die Steuerpflicht ernst zu nehmen und bei Überschreiten der 180-Tage-Grenze professionelle Steuerberatung in Anspruch zu nehmen. Für kürzere Aufenthalte unter 180 Tagen pro Jahr bleibt die Lage unkomplizierter, da keine Steuerpflicht für ausländische Einkünfte entsteht.

Rechtslage kann sich kurzfristig ändern

Die thailändische Regierung passt ihre Immigrations- und Steuerpolitik laufend an. Sowohl Visa-Bestimmungen als auch Steuerregeln können sich kurzfristig ändern. Die geplante Zwei-Jahres-Regel für Steuern ist ein Beispiel für Regelungen, die angekündigt wurden, aber noch nicht umgesetzt sind.

Digitale Nomaden sollten sich regelmäßig über aktuelle Entwicklungen informieren. Offizielle Quellen sind die thailändische Einwanderungsbehörde, das Board of Investment für LTR-Visa und das Revenue Department für Steuerfragen. Änderungen werden oft erst bei Veröffentlichung im Government Gazette rechtskräftig.


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2 Kommentare zu „Thailand 2026: Das musst du als Nomade wissen!

  1. „Touristenvisa erlauben explizit keine Arbeit.“ Wenn man nicht als „Content Creator“ unterwegs ist und kein Co-Working-Space für den Cappuccino benötigt fährt man damit aber deutlich entspannter. Ein zusätzlicher Bildschirm ist schnell organisiert und im passenden Apartment arbeitet es sich auch ruhiger.
    „Die thailändische Regierung passt ihre Immigrations- und Steuerpolitik laufend an.“ Und das nicht immer nur im Prozesse zu vereinfachen. Im Zweifel ist man auch noch mit den thailändischen Steuerbehörden beschäftigt. Darauf kann ich gerne verzichten und ob der kleine Content Creator (auf Deutsch: Minijobber mit YouTube-Kanal) über die finanziellen Mittel verfügt und mit denen einen Disput zu führen, darf man doch bezweifeln.

  2. Zitat: „Diese 180 Tage können durch einen Antrag bei der Immigration um weitere 180 Tage verlängert werden, sodass ein durchgehender Aufenthalt von bis zu 360 Tagen pro Einreise möglich ist.“
    In der Theorie stimmt das. Allerdings verlangt zumindest die Immigration von Hua Hin ein Guthaben von 500.000 Baht auf einem thailändischen Bankkonto. Was zumindest für Neuankömmlinge gar nicht möglich ist, da man mit dem DTV (= ein Touristenvisum) kein Bankkonto eröffnen kann. Wie es woanders gehandhabt wird weiß ich nicht.
    Das DTV erlaubt Remote-Work nur und ausschließlich im Ausland, nicht in Thailand! Zudem ist dieses bei Beantragung (nur im Ausland möglich!) an diverse Voraussetzungen und Nachweise geknüpft. Sogenannte „Influencer“ welche irgendwelche Videos hochladen und einem weiß machen wollen, dass hier alles nur supertoll und easy wäre, gehören nicht dazu. Dazu braucht man ein Workpermit und eine andere Visumsart.

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