BANGKOK – Die Energiekrise erreicht die Haushalte! Die thailändische Energieregulierungsbehörde (ERGC) hat eine Strompreiserhöhung beschlossen. Ab Mai 2026 müssen Verbraucher im Schnitt 3,95 Baht pro Einheit zahlen – ein Anstieg, der viele Haushalte hart treffen wird. Die Behörden sprechen von geopolitischen Zwängen, die Verbraucher von einer Entlastung träumen.
Strompreis steigt ab Mai – Das müssen Sie zahlen
Die Energieregulierungskommission (ERC) hat in ihrer Sitzung am 1. April 2026 die neuen Strompreise für die Periode Mai bis August 2026 festgelegt. Der sogenannte FT-Zuschlag (Fuel Adjustment Charge) beträgt künftig 16,23 Satang pro Einheit.
Zusammen mit dem Grundpreis von 3,78 Baht pro Einheit ergibt sich ein Durchschnittspreis von 3,95 Baht pro Kilowattstunde – ohne Mehrwertsteuer. Für einen durchschnittlichen Haushalt bedeutet das eine spürbare Mehrbelastung. Die Entscheidung fiel nicht leicht. „Wir müssen die tatsächlichen Kosten abbilden, gleichzeitig aber die Verbraucher schützen“, erklärte Dr. Pullop Leesombatpaiboon, Sprecher der ERC.
Krieg im Nahen Osten treibt die Preise
Die Ursache für die Preissteigerung liegt Tausende Kilometer entfernt. Der Konflikt im Nahen Osten sorgt für massive Verwerfungen auf den Energiemärkten. Besonders der Preis für Flüssigerdgas (LNG) ist stark gestiegen.
Die staatliche Elektrizitätsgesellschaft (EGAT) rechnet für die kommenden Monate mit Treibstoffkosten von 29,66 Satang pro Einheit. Das ist fast doppelt so viel wie in der Vorperiode. Die thailändische Regierung versucht zwar, die schlimmsten Auswirkungen abzufedern, doch die Weltmarktpreise lassen sich nicht ignorieren.
Staat greift tief in die Tasche – 35,9 Milliarden Baht Schulden
Um die Verbraucher zu entlasten, übernimmt die EGAT vorerst einen Teil der Kosten. Der staatliche Energieversorger trägt aufgelaufene Kosten in Höhe von 35,9 Milliarden Baht (etwa 900 Millionen Euro) selbst.
Das ist kein Geschenk, sondern ein Kredit – letztlich werden diese Kosten in Zukunft wieder auf die Verbraucher umgelegt. Doch für den Moment dämpft dieser Schritt den Preisschock. „Wir nutzen alle rechtlichen Möglichkeiten, um die Verbraucher zu schützen“, betont Dr. Pullop. Doch die Rechnung kommt später.
Claw back: Staat gibt Geld zurück
Eine gute Nachricht gibt es immerhin: Die ERC kann auf einen Entlastungsfonds zurückgreifen. Rund 9,47 Milliarden Baht (etwa 237 Millionen Euro) werden aus sogenannten „Claw back“-Mitteln zurückgegeben.
Das entspricht einer Entlastung von 13,23 Satang pro Einheit. Ohne diesen Fonds wäre der Strompreis noch deutlich höher ausgefallen. Diese Gelder stammen aus früheren Übergewinnen der Energieversorger – und fließen jetzt zurück an die Bevölkerung. Ein seltener Fall von sozialer Ausgewogenheit.
Bürger fordern niedrigeren Preis – Regierung rechnet vor
Die Behörden hatten die Bürger zur Meinungsäußerung aufgerufen. Von 340 eingegangenen Stellungnahmen unterstützten 49 Prozent den neuen Preis von 3,95 Baht. Doch viele forderten eine Festsetzung auf 3,88 Baht – sieben Satang niedriger. Die Regierung rechnet vor: Eine weitere Senkung um nur einen Satang würde 706 Millionen Baht pro Monat kosten.
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Für die geforderten sieben Satang wären fast 5 Milliarden Baht (125 Millionen Euro) in nur vier Monaten nötig. „Das ist im aktuellen Haushalt nicht darstellbar“, so Dr. Pullop.
Arme Haushalte besonders betroffen
Besonders hart trifft die Erhöhung die ärmeren Bevölkerungsschichten. Rund 14,3 Millionen Haushalte verbrauchen weniger als 200 Einheiten pro Monat – das sind 62 Prozent aller Wohnhaushalte.
Würde man nur diese Gruppe entlasten, wären immer noch 366 Millionen Baht nötig. Für Haushalte mit bis zu 300 Einheiten (17,5 Millionen Haushalte, 76 Prozent) wären es 591 Millionen Baht. „Wir müssen die begrenzten Mittel gerecht verteilen“, erklärt der ERC-Sprecher. Doch viele Bürger fühlen sich von der Politik allein gelassen.
Sommerhitze treibt Kosten zusätzlich in die Höhe
Die Behörden warnen vor einem weiteren Problem: Der thailändische Sommer wird immer heißer. Die Temperaturen steigen, die Klimaanlagen laufen auf Hochtouren. Da Thailand eine progressive Strompreisstruktur hat, steigt der Preis mit jeder verbrauchten Einheit. Wer im Sommer viel kühlt, zahkt automatisch mehr.
Die ERC ruft daher zu Energiesparmaßnahmen auf. „Jeder kann seinen Verbrauch reduzieren“, appelliert Dr. Pullop an die Bevölkerung.
So sparen Sie jetzt Strom – Die 5 P der ERC
Die Behörde hat einfache Tipps veröffentlicht, die jeder umsetzen kann. Das sogenannte „5 P“-Programm steht für: Ausschalten, Schließen, Anpassen, Wechseln und Pflanzen. Besonders wichtig: Die Klimaanlage auf 26 Grad einstellen – das spart bis zu 30 Prozent Energie. Auch regelmäßige Wartung der Geräte hilft.
Langfristig rät die ERC zu energieeffizienten Geräten und Solardächern. Doch für viele ist das teuer – und hilft nicht gegen die akute Preiserhöhung.
Was kommt als Nächstes?
Die Strompreise bleiben ein politisches Zünglein an der Waage. Die Regierung steht unter Druck, weitere Entlastungen zu schaffen. Die Opposition nutzt die Preissteigerung für Angriffe auf die Wirtschaftspolitik.
Die Energieregulierungsbehörde kündigt an, die Weltmarktpreise weiter genau zu beobachten. Sollte sich die Lage im Nahen Osten entspannen, könnten die Preise wieder sinken. Bis dahin müssen die Thailänder mit höheren Stromrechnungen leben – in einer Zeit, in der die Lebenshaltungskosten ohnehin steigen. Der Krieg im Nahen Osten erreicht auch die Stromzähler des Königreichs.



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