Unbezahlte Klinikrechnungen: Thailand plant große Änderung für Touristen

Thailand könnte für Touristen eine neue Verpflichtung einführen, die für Aufsehen sorgt. Was steckt wirklich dahinter und welche Folgen könnten drohen? Erfahre mehr über die brisante Entwicklung.

Unbezahlte Klinikrechnungen: Thailand plant große Änderung für Touristen
APICHART JINAKUL, BANGKOK POST

PHUKET, THAILAND – Thailand will internationale Touristen künftig möglicherweise verpflichten, vor der Einreise eine Unfall- bzw. Reiseversicherung nachzuweisen. Hintergrund sind steigende unbezahlte Behandlungskosten in öffentlichen Krankenhäusern, besonders in Touristenhochburgen.

Krankenhäuser schlagen Alarm wegen unbezahlter Rechnungen

Am Vachira Phuket Hospital ist die finanzielle Belastung laut Direktor Dr. Weerasak Lorthongkham bereits deutlich spürbar. Das Krankenhaus versorgt rund 400.000 registrierte Einwohner und mehr als 1 Million Besucher.

Nach Angaben des Direktors bleiben dort jährlich etwa 10 Millionen Baht an Behandlungskosten für ausländische Patienten ohne Versicherung unbezahlt. Diese Summen müsse die Klinik derzeit selbst auffangen.

Unfälle durch Motorräder und riskantes Verhalten

Dr. Weerasak beschreibt wiederkehrende Muster bei Touristen, darunter unerfahrenes Motorradfahren und der Konsum von Alkohol oder anderen Substanzen. Gerade in Phuket würden viele Besucher erstmals auf einem Motorrad fahren, was das Unfallrisiko erhöhe.

Ein besonders schwerer Fall betraf einen russischen Touristen mit Wirbelsäulenverletzung und langfristigem Pflegebedarf. Die Behandlung kostete laut Krankenhaus über 1 Million Baht, eine Zahlung blieb aus und die Familie war nicht erreichbar.

Nationales Problem: Mindestens 100 Millionen Baht pro Jahr

Das thailändische Gesundheitsministerium schätzt, dass unbezahlte Arztrechnungen ausländischer Patienten landesweit mindestens 100 Millionen Baht pro Jahr erreichen. Besonders betroffen seien große Tourismuszentren wie Phuket und Chiang Mai.

Der ständige Staatssekretär des Ministeriums, Dr. Somruk Jungsaman, erklärte, man sammle derzeit detailliertere Daten, um das tatsächliche Ausmaß zu bestimmen. Auf dieser Basis sollen Versicherungsniveau und Zahlungsmechanismen mit zuständigen Stellen abgestimmt werden.

Notfallbehandlung kann nicht verweigert werden

In Notfällen können Kliniken die Versorgung aus ethischen Gründen nicht verzögern, auch wenn unklar ist, ob Patienten zahlen können. Dadurch bleiben die Kosten häufig bei den Krankenhäusern und letztlich beim öffentlichen System.

Als eine der häufigsten Ursachen für Krankenhausaufenthalte von Touristen gelten Verkehrsunfälle, insbesondere auf thailändischen Straßen. Motorräder sind dabei ein zentraler Risikofaktor, vor allem in Reise-Hochzeiten.

Versicherung ist vergleichsweise günstig – aber oft fehlt der Nachweis

Berichte nennen für 2025 durchschnittliche Kosten von rund 60.000 Baht pro Notfall-Medizinfall, was steigende Gesundheitsausgaben widerspiegelt. Dennoch reisen viele Thailand-Besucher weiterhin ohne ausreichenden Schutz ein.

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Branchendaten zufolge kostet eine Reiseversicherung für zwei Wochen etwa 1.100 Baht und deckt typischerweise medizinische Leistungen von 3,6 bis 9 Millionen Baht ab. Trotz dieser vergleichsweise niedrigen Kosten sei die Nutzung uneinheitlich.

Politikwechsel: Weg von „Masse“ hin zu mehr Absicherung

Über Jahre habe Thailand laut Branchenvertretern Besucherzahlen priorisiert und viele Reisende – etwa über visafreie Regelungen – ohne Versicherung einreisen lassen. Diese Linie werde nun angesichts steigender Kosten überprüft.

Sisdivachr Cheewarattanaporn, Vorsitzender der Association of Thai Travel Agents, sagte, verpflichtende Gebühren und Versicherungen seien früher nicht im Fokus gewesen. Nun rücke eine Pflichtversicherung als gezieltere Lösung stärker in den Vordergrund.

Einreisegebühr weiter offen – Fokus verschiebt sich auf Pflichtversicherung

Eine vorgeschlagene Einreisegebühr von 300 Baht für Flugankünfte befindet sich weiterhin in der Kabinettsprüfung. Parallel dazu gewinnt die Idee einer verpflichtenden Versicherung an Bedeutung.

Sisdivachr betonte, Reiseversicherungen seien heute bezahlbar, entscheidend sei jedoch eine verlässliche Kontrolle, ob Reisende tatsächlich abgesichert sind. Ohne Prüfung drohe die Regelung wirkungslos zu bleiben.

Diplomatische Wege helfen kaum – Botschaften sehen Privatverantwortung

Versuche, unbezahlte Rechnungen über diplomatische Kanäle einzutreiben, hätten bislang wenig gebracht. Dr. Supakit Sirilak vom Health Systems Research Institute erklärte, Botschaften betrachteten medizinische Kosten in der Regel als persönliche Verantwortung.

Er unterstütze Maßnahmen, die die Belastung des Ministeriums begrenzen, und brachte als Alternative ins Spiel, dass Tourismusbehörden Verluste mittragen könnten, falls eine Versicherungspflicht nicht durchsetzbar sei. Zudem könnten Krankenhäuser Patienten wegen Schulden nicht festhalten, ohne Thailands internationales Ansehen zu beschädigen.

Blick ins Ausland: Pflichtversicherung ist international verbreitet

In mehreren Regionen ist eine verpflichtende Reiseversicherung bereits Standard, darunter der Schengen-Raum, die Vereinigten Arabischen Emirate, Russland und Kuba. Häufig ist der Versicherungsnachweis in Visa-Prozesse integriert oder wird mit Reisekosten gebündelt.

Beobachter schlagen vor, Thailand könne ein ähnliches Modell nutzen, etwa durch Verknüpfung mit Einreiseverfahren oder Ticketkäufen. Das würde öffentliche Finanzen schützen und zugleich die Sicherheit von Reisenden erhöhen, insbesondere bei risikoreichen Aktivitäten.

Regierung signalisiert Tempo – Details zur Deckungssumme noch offen

Gesundheitsminister Pattana Promphat erklärte, die Regierung sei bereit, das Vorhaben voranzutreiben und habe bereits Pläne. Zentral bleibe die Frage, welche Deckungssumme angemessen sei und wie hoch die Gesamtbelastung durch ausländische Patienten tatsächlich ausfalle.

Der Minister betonte zudem, ein künftiger Rahmen müsse unterschiedliche Gruppen berücksichtigen, darunter Touristen und Migranten, insbesondere in Grenzregionen. Eine Stärkung des Mechanismus solle die Last reduzieren und das System insgesamt verbessern.

Pflichtversicherung für Reisende – Sinnvoll oder Abschreckung?

Immer mehr unbezahlte Behandlungen, steigende Kosten und überlastete Kliniken – der Druck wächst. Doch ist eine verpflichtende Versicherung wirklich die Lösung oder könnte sie Urlauber abschrecken?

Was denkst du: Notwendiger Schutz für das System oder unnötige Hürde für Reisende? Diskutiere mit in den Kommentaren.

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Quelle: Bangkok Post Thailand

8 Kommentare zu „Unbezahlte Klinikrechnungen: Thailand plant große Änderung für Touristen

  1. Wie man im Bericht lesen kann, sind unerfahrene Motorradfahrer, Alkohol und Drogen das größte Problem. Da man die Vermieter von Rollern, die weiterhin Fahrzeuge abgeben, ohne das ein FS vorgezeigt wird oder Barbesitzer nicht in Regress nehmen kann, wird es wohl nicht anders funktionieren. Wobei, wenn man von jedem Tourist bei Ankunft noch die Versicherungspolice kontrollieren will, werden die Warteschlangen bei der Immigration noch länger. Alles nicht so einfach.

  2. Jedenfalls wäre m.E. eine Reisekranken-Pflichtversicherung sinniger als eine Eintrittsgebühr nach Thailand. Nur dann muss man aber auch die üblichen ausländischen Versicherungen anerkennen und zusätzlich eine solche selbst anbieten. Nur sollte man nicht dem Irrtum unterliegen, dass damit dann alles und jedes auch wirklich versichert wäre. Der Teufel sitzt im Detail. Beispielsweise kein gültiger Führerschein, fehlender Helm oder Alkohol und schon liegt man wieder blank da. Ähnliches gilt unter Umständen auch für mitgebrachte Vorerkrankungen. Versicherer sind bekanntlich sehr gut darin alle möglichen Risikoausschlüsse in solchen Policen zu integrieren.
    Auf der anderen Seite vielleicht nicht vergessen, dass die Ausländer in der Regel ein zigfaches für Krankenhausleistungen, auch Staatliche abdrücken. Ohne diese Einnahmen wäre wohl so manches staatliche Krankenhaus schon längst pleite.

  3. Wie immer hier im Lande, werden die Schuldigen erst mal beim Ausländer gesucht. In erster Linie machen die Krankenhäuser doch Minus durch die 30 THB Versicherung ihrer eigenen Bürger. Dieses System kann nicht funktionieren! Natürlich gibt es Fälle, wie Unfälle, bei denen die Krankenhäuser auf den Kosten sitzen bleiben. Und in den Staatlichen Krankhäusern sind zu 80% Einheimische unterwegs! Auf der anderen Seite bezahlen die Ausländer das vielfache der Kosten wie der Einheimische Bürger. Eine Reisekrankenversicherung ist bestimmt hilfreich und eigentlich für den normal denkenden Menschen ein muss, wenn er eine Auslandsreise antritt. Aber es würde auch helfen, wenn die Behörden endlich mal richtige Kontrollen (Motorradverleih, Helm, Alkohol, Drogen etc.) einführen würde. Insbesondere auch bei den Einheimischen, denn die machen es den Ausländern doch vor, was man hier alles nicht einhalten muss. Der Ausländer kopiert das und dann kommt es zu Unfällen, denn der Ausländer ist nicht mit dem Motorbike am Hintern geboren.

  4. Lieber Herr kusch.
    Ausländer mit einer Thai ID Karte zahlen oft einen Zuschlag von 20-30%, ohne ID Karte 50-100%.
    Das ist nicht das Zug fache.
    Man kann sich auch im öffentlichen Krankenhaus behandeln lassen und benötigt nicht zwangsweise eine private Klinik.
    Aussenstände sollten mit allen Mitteln auch im Ausland eingetrieben werden.

    1. Das stimmt leider nicht, auch die Behandlung im staatlichen Krankenhaus darf laut Gesetz bis zum dreifachen für Ausländer betragen! Und alleine der Aufschlag von 20-30% wie von Ihnen kommentiert, ist reiner Rassismus!

      1. Vielen Dank für Ihren Kommentar – und Sie haben in einem wichtigen Punkt Recht, den wir gerne klarstellen möchten.

        Seit September 2019 ist in Thailand per Verordnung offiziell geregelt, dass staatliche Krankenhäuser von Ausländern höhere Tarife verlangen dürfen. Das System kennt dabei nicht nur zwei, sondern vier Preisstufen: thailändische Staatsbürger, ASEAN-Nachbarn, Ausländer mit Arbeitsvisum (Non-Immigrant) – und schließlich Touristen sowie Rentner, die am meisten zahlen.

        Ein konkretes Beispiel: Ein Antikörper-Test kostet Thais 130 Baht, Expats mit Arbeitsvisum 190 Baht und Touristen bzw. Rentner 260 Baht – also doppelt so viel wie für Thais. Bei einem MRT der Wirbelsäule springt der Preis von 18.700 Baht für Thais auf 28.050 Baht für Touristen und Rentner.

        Was den Begriff „Rassismus“ betrifft: Das ist eine verständliche Frustration, die viele Expats teilen. Rechtlich handelt es sich jedoch um eine staatlich verankerte Zwei- bzw. Vierpreispolitik, die auf dem Prinzip basiert, dass Thai-Bürger das staatliche Gesundheitssystem durch Steuern mitfinanzieren – Ausländer hingegen nicht. Diese Praxis ist in Thailand weit verbreitet und betrifft nicht nur Krankenhäuser, sondern auch Nationalparks, Museen und andere staatliche Einrichtungen.

        Ob das fair ist, darüber lässt sich trefflich streiten – und wir verstehen, dass es sich im Krankheitsfall besonders ungerecht anfühlt.

  5. Eine Standard Ergo Reiseversicherung zahle ich einmal im Jahr. 70 Tage ab verlassen Deutschland sind abgedeckt. Kostet, ich werde bald 65 Jahre alt, dann aufgerundet €60,- im Jahr. Helm trage ich sowieso, Hose und Jacke auch, Führerscheine und einige Jahrzehnte Motorrad Erfahrung sind auch vorhanden.

    Ich verstehe, das Thailand sich da absichern will, aber bestimmt werden sie es wieder übertreiben. Selbst mit Non-O Familienbesuch reichen die 70 Tage aus. Schließlich erwartet mein Arbeitgeber mich zurück. Aber ich werde dann 90 Tage Versicherung nachweisen müssen, extra Aufwand, extra Kosten für die Katz.

    Manche werden sagen TR 60 Tage reicht doch….ich erinnere mich an Covid und den aktuellen Iran Krieg. Eine Reserve bei der Aufenthaltsdauer im Falle gestrichener Flüge halt ich persönlich für eine sehr gute Idee. Also beantrage ich wenn Non-O! Der persönliche Mehraufwand im Vergleich TR 60 zu Non-O Antrag ist Peanuts. Arbeit und somit Zeit sparen würde ich bei kurzen Reisen bis 6 Wochen nur beim derzeitigen Visa exemption von 60 Tage. Das ist meiner Meinung nach im Prinzip schon Geschichte.
    Wie schon woanders erwähnt, ich glaube der Besuch 2027 fällt aus verschiedenen Gründen aus.

  6. Auch in Europa bleiben auf Tourismus ausgerichtete Länder auf den Kosten sitzen. Habe in 38 Berufsjahren etwa von in den Bergen verunglückten Tschechen, Italienern, etc. für stundenlange, höchst fordernde Einsätze in 90% nie etwas bekommen. Ist nicht ein Problem Thailands allein, wobei sich die genannte „Schadenssumme“ wohl eher gering ausnimmt.

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