Thailand: Fünfjährige dampfen mit „Toy-Pods“ – Alarm an Schulen

Vapes wie Spielzeug: Schon Fünfjährige dampfen – und Mitschüler verkaufen sie im Schulhof. Wie Eltern getäuscht werden und was jetzt helfen soll.

Thailand: Fünfjährige dampfen mit „Toy-Pods“ – Alarm an Schulen
Thaiger

Pattani, Thailand – Eine thailändische Wissenschaftlerin warnt, dass bereits Kindergartenkinder E-Zigaretten nutzen und Mitschüler mit fruchtigen „Toy-Pods“ zum Dampfen drängen. Ein Pilotprojekt setzt deshalb auf Aufklärung, Lehrerschulungen und ein neues Sicherheits-Curriculum, das Kindern frühzeitig „Nein“-Sagen beibringen soll.

Alarmierende Daten aus einem Pilotprojekt

Dr. Anyamanee Boonsue veröffentlichte am Montag besorgniserregende Angaben zum E-Zigaretten-Konsum unter sehr jungen Schülern. Die unabhängige Wissenschaftlerin und ehemalige Dozentin der Chulalongkorn-Universität sprach gegenüber dem Nachrichtenportal Ejan davon, dass bereits Fünfjährige dampfen.

Die Informationen stammen aus einer Umfrage eines Pilotprojekts der Thai Health Promotion Foundation. Die Erhebung lief zwischen Februar und Juli 2025.

Verkauf unter Mitschülern statt durch Fremde

Besonders stark betroffen seien laut Dr. Anyamanee Kinder in den höheren Klassen der Grundschule. Die Geräte würden dabei nicht von Fremden gekauft, sondern von Mitschülern, deren Eltern die Produkte bereitstellen.

Dadurch entstehe eine neue Form von Mobbing: Verkäufer setzen Gleichaltrige unter Druck, mitzumachen, und wer ablehnt, wird aus Gruppen ausgeschlossen. Schüler, die als „Aufpasser“ fungieren, erhalten kostenlose Proben und rutschen so selbst in den Konsum.

„Toy-Pods“ mit Frucht- und Schokogeschmack

Hersteller gestalten die E-Zigaretten laut Bericht gezielt wie Spielzeug-Pods. Sie riechen nicht nach Tabak und sind mit Aromen wie Früchten oder Schokolade versehen.

Kinder tragen sie demnach an Umhängebändern, sammeln sie und behandeln sie wie Accessoires. Besonders verbreitet sei der Trend in der Provinz Pattani, wo Eltern die Gefahr oft nicht erkennen, weil die Geräte wie normales Kinderspielzeug wirken.

Warum Kinder überhaupt anfangen

Viele Kinder fühlen sich vom Dampfen angezogen, weil sie es „cool“ finden und dazugehören wollen. Die ansprechenden Designs können zudem dazu führen, dass Kinder die Produkte zunächst nicht als gefährlich einordnen.

Dr. Anyamanee bezeichnete die Ausbreitung bis hin zu Fünfjährigen als die kritischste Entwicklung. Gerade in diesem Alter seien Kinder besonders leicht beeinflussbar.

Lehrkräfte sollen „Immunität“ aufbauen

Das Pilotprojekt setzt darauf, sogenannte Kernlehrkräfte zu schulen, um bei jungen Schülern Widerstandskraft gegen den Gruppendruck aufzubauen. Kinder sollen lernen, sich zu schützen und das Wissen auch in ihre Familien zu tragen.

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ZUM ANGEBOT

Für Juni 2026 ist eine landesweite Folgestudie angekündigt, um zu prüfen, wie wirksam die Lehrkräfte die Trainingsinhalte umgesetzt haben. Ziel ist es, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern konkrete Ablehnungsstrategien zu trainieren.

Hohe Zahlen im Süden und problematische Strafen

Feldarbeit im Süden Thailands ergab laut Bericht, dass 90 Prozent der befragten Oberstufenschüler zugaben, zu dampfen. Lehrkräfte hätten derzeit große Schwierigkeiten, das Problem in den Griff zu bekommen.

Häufig werde mit Strafen wie Schlägen, Punktabzug oder Schulverweis reagiert. Das Projekt plädiert stattdessen dafür, Einstellungen zu verändern und „Nein“-Sagen zu üben, statt ausschließlich zu sanktionieren.

Neue Partner und ein Sicherheits-Curriculum nach Osaka-Modell

Die Initiative hat ihre Zusammenarbeit ausgeweitet und Partner wie die Border Patrol Police Region 4, die Santi Suk Task Force und das Department of Local Administration eingebunden. Bislang wurden laut Dr. Anyamanee mehr als 250 Lehrkräfte geschult.

Geplant ist, die Arbeit zu einem umfassenden Schul-Sicherheitsprojekt auszubauen und dem Innenministerium ein Curriculum vorzuschlagen, das sich an einem Modell aus Osaka (Japan) orientiert. Kinder sollen dabei auf zehn Gefahrenarten vorbereitet werden, darunter technologische Bedrohungen, sexueller Missbrauch und Gewalt.

Warnung an Eltern: Frühe Aufklärung als „mentale Impfung“

Dr. Anyamanee rief Eltern dazu auf, die Risiken für kleine Kinder nicht zu unterschätzen, zumal die Produkte über die Online-Welt leicht zugänglich seien. Frühe Aufklärung wirke wie eine „mentale Impfung“ und könne spätere Schäden verhindern.

Ein dreistündiges Training habe laut ihren Angaben bereits ausgereicht, um Einstellungen von Schülern zu verändern und sie zu motivieren, auch ihre Eltern zu schützen. Da Eltern ihre Kinder nicht ständig überwachen könnten, sei frühe Werte- und Haltungsschulung entscheidend.

Deine Meinung

Wie sollte Thailand aus deiner Sicht gegen E-Zigaretten vorgehen, die gezielt wie Spielzeug gestaltet sind und Kinder ansprechen? Reichen Aufklärung und Schulprogramme aus, oder braucht es härtere Kontrollen bei Verkauf und Online-Angeboten?

Welche Rolle sollten Eltern, Schulen und Behörden jeweils übernehmen, damit Kinder Gruppendruck besser widerstehen können? Schreib uns deine Einschätzung in die Kommentare.

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Quelle: Thaiger

Ein Kommentar zu „Thailand: Fünfjährige dampfen mit „Toy-Pods“ – Alarm an Schulen

  1. Wenn die Eltern die Gefahr des Dampfens nicht erkennen, dann können sich die Lehrer den Mund fusselig reden. Warum kommt man nicht auf die Idee im TV Wissen zu vermitteln und die Menschen und Kinder aufzuklären? Steter Tropfen höhlt auch hier den Stein. Allerdings spielen solche Beiträge keine Werbeeinnahmen in die Kassen der TV – Anstalten.

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