Thailands Liebesnest für Ehen

Warum pilgern jährlich über 6.500 Paare nach Bangrak, um sich das Ja-Wort zu geben – selbst aus dem Ausland?

Thailands Liebesnest für Ehen
KI-generierte Illustration, erstellt von Google Gemini.
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Ein unscheinbares Bezirksamt an der Nares Road in Bangkok: Plastikstühle, Wartenummern, Neonlicht. Und trotzdem kommen jedes Jahr Tausende Paare aus aller Welt hierher, um zu heiraten. Bangrak – auf Deutsch „Dorf der Liebe“ – ist der beliebteste Heiratsort Thailands. Seit dem 23. Januar 2025 kommen auch gleichgeschlechtliche Paare.

Eine Frage der Schreibweise: Wie aus einem alten Namen „Liebe“ wurde

Bangrak, auf Thai บางรัก, bedeutet heute „Dorf der Liebe“. Einer gängigen Theorie zufolge lautete der ursprüngliche Name บางรักษ์ – „Dorf der Heilung“ – wegen eines Missionarskrankenhauses in der Gegend. Im Laufe der Zeit soll die Schreibweise verkürzt worden sein, was den Bedeutungswandel auslöste.

Eine zweite Theorie verweist auf einen Baum namens Rak (Gluta usitata), der früher in einem Kanal des Viertels wuchs. Welche Erklärung zutrifft, ist historisch nicht eindeutig geklärt. Sicher ist: Der heutige Name macht Bangrak zum symbolträchtigsten Heiratsort der Stadt.

23. Januar 2025: Ein historischer Donnerstag für Tausende Paare

An diesem Donnerstag trat Thailands Marriage Equality Act in Kraft – und Hunderte gleichgeschlechtlicher Paare strömten zu den Standesämtern des Landes. Thailand wurde damit das erste Land Südostasiens und das dritte in Asien nach Taiwan und Nepal, das die Ehe für alle gesetzlich verankerte.

Das Gesetz änderte mehr als sechzig Paragrafen des Zivil- und Handelsgesetzbuchs. Geschlechtsneutrale Begriffe ersetzen seither „Mann und Frau“ sowie „Ehemann und Ehefrau“. Gleichgeschlechtliche Paare haben damit dieselben Rechte wie heterosexuelle: Adoption, Erbschaft, medizinische Entscheidungen.

400 zu 10 Stimmen: Das Parlament ließ kaum Zweifel

Das Thai-Parlament verabschiedete das Gesetz 2024 mit deutlichen Mehrheiten. Im Repräsentantenhaus stimmten 400 Abgeordnete dafür, nur 10 dagegen. Der Senat folgte mit 130 zu 4 Stimmen. König Vajiralongkorn unterzeichnete das Gesetz im August 2024, in Kraft trat es 120 Tage später.

Die breite parlamentarische Zustimmung spiegelt eine veränderte gesellschaftliche Haltung wider. Umfragen hatten zuvor gezeigt, dass mehr als 80 Prozent der Thais die gleichgeschlechtliche Ehe befürworteten. Mit diesem Rückenwind wurde Bangrak ab Januar 2025 zum Ziel eines neuen Besucherstroms.

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Warum alle nach Bangrak kommen: Der Ruf eines ausländerfreundlichen Amtes

Von rund fünfzig Bangkoker Bezirken verzeichnet Bangrak die höchste Zahl an Eheschließungen – durchschnittlich rund 25 Paare an normalen Wochentagen. Am Valentinstag können es bis zu 800 sein. Dann organisiert das Amt Sonderveranstaltungen mit bevorzugten Terminen und goldenen Heiratsurkunden.

Der gute Ruf gründet auf Erfahrung: Die Mitarbeiter kennen die Anforderungen verschiedener Botschaften und sprechen teilweise Englisch. Wo andere Ämter bei fremdsprachigen Dokumenten zögern, läuft in Bangrak vieles routiniert ab. Ein Kopierladen direkt nebenan hat sich auf genau diesen Bedarf spezialisiert.

Was vor dem Standesamt zu erledigen ist: Der mehrstufige Prozess für Ausländer

Ausländer brauchen zunächst eine „Affirmation of Freedom to Marry“ ihrer Botschaft – eine Bestätigung, dass keine rechtlichen Hindernisse bestehen. US-Bürger zahlen dafür rund 50 US-Dollar. Das Dokument muss anschließend ins Thailändische übersetzt werden, was zwischen 1.000 und 2.000 Baht kostet.

Im letzten Vorbereitungsschritt muss das übersetzte Dokument beim Ministerium für auswärtige Angelegenheiten legalisiert werden. Erst dann ist es beim Standesamt gültig. Dieser Schritt ist seit 2025 deutlich aufwendiger geworden – mit Folgen für die Planung.

Das Ministerium als Nadelöhr: Wochen Wartezeit statt Spontantermin

Spontane Besuche beim Ministerium für auswärtige Angelegenheiten sind seit 2025 nicht mehr möglich. Wer einen Termin braucht, wartet zwei bis vier Wochen. Die Legalisierungsstempel wurden zudem modernisiert: Sie enthalten transparente Sicherheitsmerkmale und QR-Codes zur Verifikation.

Express-Dienstleister bieten eine schnellere Alternative: Rund fünf Arbeitstage Bearbeitungszeit – für 8.000 bis 10.000 Baht (etwa 216 bis 270 Euro). Wer in Thailand heiraten möchte, sollte den Gesamtprozess mit mindestens vier Wochen Vorlaufzeit einkalkulieren.

Der eigentliche Akt: Was am Tag der Eheschließung wirklich passiert

Die Zeremonie beim Standesamt dauert oft nur wenige Minuten. Es gibt keine Gelübde, keine Musik, keine Blumen. Beide Partner unterschreiben das Eheregister, zwei Zeugen – mindestens 21 Jahre alt, mit gültigem Ausweis – bestätigen die Unterschriften. Damit ist die Ehe rechtlich wirksam.

Die Gebühr für die Eintragung ist minimal: rund 40 Baht – etwa einen Euro. Für außerplanmäßige Termine oder Hausbesuche kommen circa 200 Baht hinzu. Der Kontrast zu westlichen Standesamtgebühren, die oft mehrere hundert Euro betragen, fällt deutlich auf.

Was eine Heirat in Thailand wirklich kostet: Die Gesamtrechnung

Botschaftsgebühren, Übersetzung, Legalisierung und eventuell ein Dienstleister: Zusammen können schnell 15.000 bis 25.000 Baht entstehen – etwa 405 bis 675 Euro. Die standesamtliche Gebühr selbst ist dabei nur ein kleiner Posten.

Bei gemischt-nationalen Paaren kommt oft der traditionelle Brautpreis Sin Sod hinzu. Für eine gebildete Thailänderin der Mittelschicht liegt er üblicherweise zwischen 100.000 und 300.000 Baht. Wer heiraten möchte, sollte also nicht nur den Verwaltungsaufwand, sondern auch kulturelle Erwartungen einplanen.

Ehevertrag in Thailand: Was viele Paare erst bei der Scheidung verstehen

Thailändische Anwälte raten ausländischen Ehepartnern zum Ehevertrag. Ohne einen solchen gehören alle während der Ehe erworbenen Vermögenswerte beiden Partnern gemeinsam – auch Immobilien in Thailand. Ein professioneller Ehevertrag kostet je nach Umfang zwischen 10.000 und 30.000 Baht.

Der Vertrag muss vor der Eheschließung aufgesetzt und am Tag der Registrierung im Beisein des Standesbeamten unterzeichnet werden. Wer diesen Schritt vergisst, hat im Fall einer Scheidung oft schlechte Karten: Thailändische Gerichte wenden bei ungeklärten Vermögenswerten strenge Regeln an.

Scheidungen in Bangrak: Die Kehrseite der Heiratsstatistik

Bangrak verzeichnet nicht nur viele Eheschließungen, sondern auch überdurchschnittlich viele Scheidungsanträge. Standesbeamte berichten von Fällen, in denen Paare kurz nach dem Valentinstag wieder zur Auflösung der Ehe erschienen. Bei Scheidungsanträgen versuchen die Beamten zunächst zu vermitteln – besonders wenn Kinder betroffen sind.

Wer mit dem festen Entschluss zur Trennung erscheint, lässt sich kaum noch umstimmen. Gelegentlich überdenken Paare nach einem Gespräch mit dem Standesbeamten ihre Entscheidung. Die meisten jedoch haben alles bereits geregelt, bevor sie das Amt betreten.

Internationale Anerkennung: Was nach der Hochzeit im Heimatland wartet

Eine in Thailand geschlossene Ehe wird in vielen Ländern anerkannt – oft aber erst nach zusätzlichen Schritten. Die Heiratsurkunde muss übersetzt, legalisiert und teils bei der heimischen Behörde registriert werden. Einige europäische Länder prüfen Ehen mit internationalem Bezug besonders sorgfältig.

Behörden in westlichen Ländern sind bei schnell geschlossenen Ehen mit Auslandsbezug gelegentlich skeptisch. Eine gut dokumentierte Beziehung – gemeinsame Fotos, Kommunikationsnachweise, Reisebelege – kann in solchen Fällen entscheidend sein.

Das Ehevisum: Wie die Heirat den Aufenthalt in Thailand langfristig sichert

Für viele ausländische Partner eines Thai-Staatsbürgers ist die Ehe der Weg zum langfristigen Aufenthaltsrecht. Das Non-Immigrant-O-Visum auf Basis einer Ehe erlaubt einen einjährigen Aufenthalt und kann verlängert werden. Mit einer Arbeitserlaubnis darf der Inhaber auch in Thailand erwerbstätig sein.

Das Ehevisum bietet gegenüber dem Touristenvisum erhebliche Stabilität – keine regelmäßigen Grenzübertritte, kein ständiger Verlängerungsaufwand. Allerdings erlischt es bei einer Scheidung. Betroffene müssen dann zügig ausreisen oder ein alternatives Visum beantragen.

Praktischer Ratgeber: So läuft die Anmeldung in Bangrak ab

Für den gesamten Prozess sollten Paare mindestens vier Wochen Vorlaufzeit einplanen. Das Bangrak District Office öffnet montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr, manche Abteilungen schließen bereits um 15.30 Uhr. Seit 2025 sind Terminvereinbarungen zunehmend erforderlich.

Das Amt befindet sich an der Nares Road im Subdistrikt Si Phraya und ist ab BTS-Station Saphan Taksin in rund zehn Minuten zu Fuß erreichbar. Alle Dokumente sollten mehrfach kopiert werden. Der Kopierladen direkt neben dem Amt kennt die genauen Anforderungen.

Zeremonie ohne Festtagsstimmung: Kulturelle Unterschiede bei der Eheschließung

Wer eine feierliche Atmosphäre erwartet, wird vom Standesamt in Bangrak überrascht. Viele Paare kombinieren daher die rechtliche Eintragung mit einer traditionellen Hochzeit – mit Mönchssegnungen, farbenfrohen Kostümen und Festessen, die dem Anlass die gewünschte Feierlichkeit geben.

Die Reihenfolge ist frei wählbar: Die religiöse oder kulturelle Zeremonie kann vor oder nach der Registrierung stattfinden. Rechtlich bindend ist ausschließlich die Eintragung beim Bezirksamt. Viele Paare feiern erst und gehen Wochen später zum Standesamt.

Gleichgeschlechtliche Paare aus Asien: Bangrak als Ziel einer neuen Bewegung

Seit Januar 2025 reisen gleichgeschlechtliche Paare aus ganz Asien nach Thailand, um zu heiraten – auch wenn die Ehe im Heimatland nicht anerkannt wird. Laut Innenministerium schlossen allein am ersten Tag des neuen Gesetzes mehr als 1.750 gleichgeschlechtliche Paare den Bund fürs Leben.

Bangrak organisierte zum Auftakt ein Sonderevent in der Paragon Hall des Siam-Paragon-Einkaufszentrums, um mehr Paare gleichzeitig abfertigen zu können. Einige Bezirke boten zusätzliche Anreize wie Restaurant-Gutscheine an. Der Ansturm übertraf alle Erwartungen.

Bangrak als Symbol: Liebe, die manchmal nur einen Stempel braucht

Paare fotografieren sich vor dem Schild des Bezirksamts, posten die Bilder, kehren zum Jahrestag zurück. Das Bangrak District Office ist mehr als eine Behörde: ein Ort, an dem Tausende jährlich ihre Liebesgeschichte offiziell machen – unabhängig von Herkunft, Religion oder Geschlecht.

Das Viertel steht für Thailands pragmatischen Umgang mit internationaler Offenheit. Das Gesetz zur Ehegleichstellung wurde mit überwältigender Mehrheit verabschiedet. Bangrak – einst vielleicht „Ort der Heilung“, heute „Dorf der Liebe“ – fügt dem eine eigene, besondere Geschichte hinzu.

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