RATCHABURI, THAILAND – Nach dem Hirntod ihrer 20-jährigen Tochter entschied sich eine Familie aus Ratchaburi zur Organspende – ihr Herz wurde als 163. Spenderherz in nur 50 Minuten bis zum Siriraj-Krankenhaus nach Bangkok gebracht.
Ein Unfall, der alles veränderte
Die junge Frau, bekannt als Ratchanant Kaewmok („Cream“), wurde nach einem schweren Unfall am Abend des 20. März ins Ban-Pong-Krankenhaus eingeliefert.
Die Verletzungen am Kopf waren so massiv, dass Ärzte später den Zustand Hirntod feststellten, der in Thailand als rechtlicher Tod gilt.
Die Entscheidung zur Organspende
Die Mutter Thitapa Kaewmok und weitere Angehörige stimmten zu, Herz, Leber und beide Nieren zu spenden, damit wartende Patienten eine neue Chance bekommen.
Die Organe wurden an das Organspendezentrum des Thailändischen Roten Kreuzes übergeben, das in Thailand die Verteilung und Koordination solcher Transplantationen organisiert.
Rennen gegen den Feierabendverkehr
Nach der Entnahme wurden die Organe umgehend in einem Notfallwagen Richtung Bangkok transportiert, denn gerade beim Herz zählt jede Minute.
Trotz dichter Verkehrslage am Sonntagabend legte der Konvoi die 76 Kilometer in 50 Minuten zurück – begleitet von Verkehrspolizei der Royal-Project-Einheit, der Highway Police sowie lokalen Kräften aus Ban Pong.
Das 163. Herz – und ein besonderer Moment
In sozialen Netzwerken verbreiteten sich Bilder und Videos der Mission, viele Kommentatoren lobten die Professionalität der Einsatzkräfte und den Mut der Familie.
Eine Pflegeexpertin aus dem Team des Ban-Pong-Krankenhauses sagte, der Moment, in dem das Herz sicher am Ziel ankam und Angehörige eines Empfängers sich im Video dankend verneigten, habe das gesamte Team tief bewegt.
Warum Aufklärung über Hirntod entscheidend ist
Das Krankenhaus betonte, dass die Familie anfangs mit der plötzlichen Nachricht rang, sich aber nach klarer Erklärung über Hirntod und die würdevolle Versorgung des Körpers zur Spende entschloss.
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Gerade bei jungen Unfallopfern entscheidet Vertrauen in Abläufe, Transparenz der Ärzte und die Zusicherung, dass der Verstorbene respektvoll versorgt wird, oft darüber, ob Angehörige zustimmen.
Bedarf an Organen bleibt hoch
Krankenhausdirektor Dr. Wiboon Phantbadeekorn erklärte, die Zahl schwer chronisch Kranker im Endstadium steige, während Technik zwar helfe, aber menschliche Organe nicht ersetzen könne.
Zwar seien in Thailand viele Tausend Menschen als wartend registriert, doch tatsächlich realisierte Spenden bewegten sich weiterhin nur im Bereich von Hunderten bis wenigen Tausend – und jede Spende könne mehreren Patienten das Leben retten.
Abschied und Trauerfeier
Die Mutter sagte, sie habe in dem Moment, als das Herz ihrer Tochter davongetragen wurde, nur noch zum Abschied winken können – mit Trauer, aber auch Stolz über die Hilfe für andere.
Die Trauerfeier findet im Wat Khok Phra Charoen im Bezirk Pak Tho in Ratchaburi statt, die Einäscherung ist für 25. März um 16.00 Uhr angekündigt.
Deine Meinung
Organspende wird oft erst Thema, wenn ein Unfall eine Familie überrollt – sollte in Thailand und auch bei Ausländern im Land viel früher und konsequenter über Hirntod und Spende aufgeklärt werden?
Welche Erfahrungen gibt es mit Spendeausweisen, Kliniken und der Kommunikation mit Angehörigen – und was müsste sich aus eurer Sicht ändern?



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