BANGKOK, THAILAND – In Thailands Tourismus fließt das große Geld laut einer aktuellen Auswertung extrem einseitig in wenige Hotspots, während der Rest des Landes mit Krümeln auskommen muss. Ex-TAT-Chef Yuthasak Supasorn warnt: Ohne schnelle Gegenmaßnahmen droht die Schere bei Wohlstand und Chancen weiter aufzugehen.
2,86 Billionen Baht – aber ungleich verteilt
Yuthasak Supasorn, früherer Gouverneur der Tourism Authority of Thailand (TAT), bezifferte die gesamten Tourismuseinnahmen 2025 auf rund 2,86 Billionen Baht.
Die Basis seiner Aussagen ist eine statistische und ökonomische Analyse mit monatlichen und provinziellen Daten, die eine strukturelle Unwucht im System sichtbar macht.
Top 5 kassieren 70,25 Prozent des Kuchens
Die fünf umsatzstärksten Provinzen Bangkok, Phuket, Chon Buri, Surat Thani und Chiang Mai erzielten zusammen 2,01 Billionen Baht und damit 70,25 Prozent der landesweiten Tourismuseinnahmen.
Noch deutlicher wird die Konzentration beim Blick auf die Top 10: 81,34 Prozent des gesamten Tourismuseinkommens entfielen auf nur zehn Provinzen, während die übrigen 67 Provinzen sich 18,66 Prozent teilen mussten.
Bangkok gegen das Ende der Tabelle – 1.921 zu 1
Bangkok allein kam auf 899,368 Milliarden Baht und damit auf das 1.921-Fache der Einnahmen von Amnat Charoen, das als Provinz auf Rang 77 nur 468 Millionen Baht erzielte.
Selbst Phuket für sich genommen, mit 540 Milliarden Baht, lag laut der Analyse über der addierten Summe der 50 Provinzen am unteren Ende der Rangliste.
Nicht die Besucherzahlen, sondern das Geld ist das Problem
Ein Ungleichheitsmaß, der Gini-Koeffizient, zeigte laut Yuthasak, dass die Verteilung der Besucherzahlen mit 0,55 zwar schon ungleich, aber noch im moderaten Bereich lag.
Bei den Einnahmen sprang der Wert jedoch auf 0,82 und damit auf ein extrem hohes Niveau, was nach Yuthasaks Lesart bedeutet: Die Reisenden verteilen sich eher, aber das Geld bleibt in wenigen Orten hängen.
Ausländer bringen den Ertrag – Inländer oft kaum messbar
Die Auswertung legt nahe, dass viele Menschen zwar Sekundärziele besuchen, dort aber wenig ausgeben, etwa weil es bei Tagesausflügen oder kurzen Stopps bleibt, die kaum lokale Wertschöpfung erzeugen.
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Ein ökonometrisches Modell der Studie bezifferte den Ertrag pro ausländischem Gast auf rund 40.000 Baht, während der Koeffizient für einen thailändischen Touristen „nahe Null“ lag, womit nach Yuthasaks Aussage vor allem die Zahl ausländischer Besucher über den Wohlstand einer Provinz entscheidet.
Ertrag pro Kopf – Phuket weit vorn, Provinzen hinten
In einer Yield-Betrachtung lag der durchschnittliche Umsatz pro Besucher in Phuket bei 38.651 Baht, in Krabi bei etwa 16.451 Baht und in Bangkok bei rund 15.801 Baht.
Am unteren Ende standen Nong Bua Lamphu mit 1.246 Baht pro Besucher und erneut Amnat Charoen mit etwa 1.577 Baht, was die Kluft zwischen Insel-Hotspots und Binnenprovinzen zusätzlich unterstreicht.
Süden und Hauptstadt dominieren – Nordosten fällt ab
Regional vereinte der Süden den größten Marktanteil mit 33,6 Prozent, getragen von Phuket und weiteren Inselzielen, während Bangkok allein auf 31,4 Prozent kam.
Die 20 Provinzen im Nordosten teilten sich trotz der dort größten Bevölkerungsbasis nur 4,1 Prozent des Tourismusmarkts, was die Debatte um mehr regionale Teilhabe erneut anheizt.
Vorbilder Japan, Italien, Frankreich – und vier Vorschläge
Als Beispiele nannte Yuthasak Modelle aus Japan, Italien und Frankreich, etwa Japans Kampagnen zur regionalen Belebung, Italiens Albergo Diffuso-Ansatz für „verteilte Hotels“ in Dörfern und Frankreichs Politik, Reisen stärker über Bahnverbindungen zu lenken und Kurzzeitvermietungen in Metropolen einzuschränken.
Für Thailand schlug er vier Schritte vor: bessere Konnektivität und intermodale Verbindungen zwischen Haupt- und Nebenstädten, Steuer- oder Cash-back-Anreize für Übernachtungen in den zehn schwächsten Provinzen, eine Aufwertung von Community-Unterkünften nach einem Premium-Modell sowie die Stärkung heimischer Buchungsplattformen wie TAGTHAi, damit mehr Einnahmen direkt bei lokalen Anbietern landen.
Deine Meinung
Sollte Thailand die Hotspots stärker bremsen, um Einkommen in die Provinzen zu lenken, oder braucht es vor allem klügere Anreize, damit Reisende freiwillig länger abseits der Hauptpfade bleiben?
Welche Maßnahmen wären aus Sicht von Expats und Urlaubern in Thailand realistisch, damit Übernachtungen und Ausgaben in weniger besuchten Regionen tatsächlich steigen – ohne neue Bürokratiehürden zu schaffen?



Wer nach Thailand fährt will in erster Linie Urlaub am Strand. Größere Touristenmengen in den Isaan oder den Norden zu lenken wird schwer zumal es für Tagesausflüge auch zu weit von den Touristenhochburgen entfernt liegt. Will man das Hinterland von Thailand kennenlernen, so denkt man zuerst an Chiang Mai, wohin man immerhin schnell per Flugzeug kommt und die Infrastruktur für Touristen auch ausgebaut ist.
Mit dem Flugzeug kommt man auch schnell z.B. nach Ubon Ratchathani, Khon Kaen oder Nakhon Phanom. Nur, welche „Anziehungspunkte “ erwarten den internationalen Touristen dort? An bestimmten Tagen werden im Isaan schon diverse Feste gefeiert und diese sind dann auch recht gut besucht, hauptsächlich aber von Einheimischen. Den überwiegenden Teil des Jahres kann man als Dornröschenschlaf bezeichnen, einfach „nichts los“. Für uns, die wir hier wohnen, ist es, egoistisch gedacht, allerdings recht angenehm so.