Umfrage-Beben: Peoples Party dominiert Wahlen

Umfrage-Beben: Peoples Party dominiert Wahlen
Thai Rath, Thai Examiner

BANGKOK, THAILAND – Wenige Wochen vor der Parlamentswahl am 8. Februar hat die reformorientierte People’s Party in einer groß angelegten Online-Umfrage eines führenden Medienhauses deutlich vorn gelegen.

Deutliche Führung – aber keine Sitzgarantie

Die von Thairath Online vom 4. bis 9. Januar durchgeführte Umfrage mit bis zu 40.085 Teilnehmenden zeigte die People’s Party mit 41,36 Prozent Zustimmung bei der Parteienpräferenz. Kein anderer Wettbewerber kam auch nur in die Nähe dieses Wertes.

Pheu Thai landete mit 13,24 Prozent auf Rang zwei, dicht gefolgt von der regierenden Bhumjaithai Party mit 13,08 Prozent. Die Democrat Party erreichte 10,39 Prozent.

Lokale Dynamiken entscheident

Weitere Parteien erzielten mittlere bis niedrige einstellige Werte: Ruam Thai Sang Chart kam auf 9,83 Prozent, die Setthakit Party auf 4,26 Prozent und Thai Sang Thai auf 2,65 Prozent.

Die Umfrage misst jedoch lediglich Popularität. In dem Mehrheitswahlsystem, in dem 80 Prozent der Sitze im Repräsentantenhaus als Wahlkreismandate vergeben werden, entscheiden lokale Dynamiken über die tatsächliche Sitzverteilung.

Nattapong „Teng“ klarer Favorit fürs Amt des Premiers

Auch in der Frage nach der bevorzugten Person für das Amt des Premierministers lag die People’s Party klar vorne. Nattapong Ruangpanyawut, genannt „Teng“, führte das Feld mit 33,25 Prozent deutlich an.

Auf Rang zwei folgte Bhumjaithai-Chef Anutin Charnvirakul mit 13,55 Prozent, knapp vor Yotsanun Wongsawat von Pheu Thai mit 12,71 Prozent. Ex-Premier Abhisit Vejjajiva kam auf 10,40 Prozent.

Stört Sie die Werbung?
JETZT den Wochenblitz WERBEFREI lesen!
ZUM ANGEBOT

Andere Bewerber blieben im einstelligen Bereich: Pirapan Salirathavibhaga von Ruam Thai Sang Chart erzielte 8,87 Prozent, Gen Rangsi Kitiyanasop 5,65 Prozent und Khunying Sudarat Keyuraphan 2,96 Prozent.

Online-Umfrage mit stark städtischer Schlagseite

Die Erhebung von Thairath Online zählt zu den größten dieses Wahlkampfs, spiegelt aber vor allem die Stimmung unter Leserinnen und Lesern wider und ist kein repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung.

Laut den Daten lebten 48,48 Prozent der Befragten in Bangkok und Umgebung. Die Zentralregion (einschließlich Ost- und Westprovinzen) stellte 16,88 Prozent, der Nordosten 14,53 Prozent.

Altersstruktur verzerrt

Der Norden kam auf 10,81 Prozent, der Süden auf 9,29 Prozent. Damit sind ländliche und südliche Wählermilieus deutlich unterrepräsentiert – Bereiche, in denen traditionelle Netzwerke und konservative Kräfte stark sind.

Auch die Altersstruktur war verzerrt: Die größte Gruppe stellten die 46- bis 59-Jährigen mit 32,71 Prozent, gefolgt von den 60+ mit 19,85 Prozent und den 36- bis 45-Jährigen mit 19,55 Prozent. Jüngere von 18 bis 25 Jahren machten lediglich 10,20 Prozent der Teilnehmenden aus.

Erinnerung an 2023 – und ein klarerer Weg zur Regierungsbildung

Der Aufschwung der People’s Party erinnert an die Wahl 2023, als die Move Forward Party überraschend stärkste Kraft wurde. Die aktuelle Partei wird als ihr politischer Nachfolger gesehen und trägt den reformorientierten Kurs weiter.

Im Unterschied zu 2023 kann der Senat 2026 keinen Premierminister der People’s Party mehr blockieren. Dennoch behalten konservative Kräfte erheblichen Einfluss und dürften eine von der progressiven Bewegung geführte Regierung weiterhin bremsen.

Politisch zeichnet sich Kernentscheidung ab

Pro-demokratische Koalition unter Führung der People’s Party

Konservatives Lager mit Bhumjaithai an der Spitze

Wie bereits 2023 werden nach der Wahl Koalitionsverhandlungen unvermeidlich sein. Entscheidend sind am Ende die Mandate aus den Wahlkreisen, nicht die Umfragewerte.

Thanathorn zieht rote Linie, Wahlkreisrealität bleibt hart

Besonderes Gewicht erhielt in den vergangenen Tagen eine Äußerung von Thanathorn Juangroongruangkit, Gründer der aufgelösten Future Forward Party und heute Kopf der Progressive Movement, der als politischer Mentor der People’s Party gilt.

Thanathorn erklärte, die People’s Party werde unter keinen Umständen Anutin Charnvirakul als Premierminister unterstützen. Diese Ansage reduzierte Spekulationen über mögliche Kooperationen nach der Wahl deutlich.

Gleichzeitig zeigt der Blick auf vergangene Urnengänge, wie weit reale Ergebnisse von landesweiten Stimmungsbildern abweichen können. Bei der Wahl 2023 erhielt Bhumjaithai mehr als 14 Prozent der Parlamentssitze, obwohl die Partei im landesweiten Parteienlisten-Votum nur 2,99 Prozent erzielte – ein Beleg für die Stärke lokaler Netzwerke.

Vorwürfe des Stimmenkaufs im Nordosten

Während der laufenden Kampagne häufen sich Berichte über Stimmenkauf. Aus mehreren Regionen werden große Bargeldsummen im Umlauf gemeldet.

Im Nordosten, in der Provinz Ubon Ratchathani, sorgte eine Aussage des Pheu-Thai-Kandidaten Watcharapol Chueakhong für besonderes Aufsehen. Er sprach öffentlich von geschätzten 1 Milliarde Baht, die in einem Gebiet mit 11 Wahlkreisen verteilt würden.

Diese Gelder sollen auf Schlüsselgebiete zielen und könnten knappe Rennen maßgeblich beeinflussen – ein Faktor, der in Umfragen nicht erfasst wird. Eng umkämpfte Wahlkreise könnten so trotz klarer nationaler Trends anders ausgehen als erwartet.

Wahlentscheidung im Schatten alter Machtstrukturen

Mit dem Wahltag am 8. Februar rückt ein erneuter Bruch zwischen nationaler Popularität und lokaler Realität in den Fokus. Die People’s Party dominiert derzeit zwar die veröffentlichten Zahlen, doch die Sitzverteilung wird Wahlkreis für Wahlkreis entschieden.

Im Anschluss werden die Parteien auf Basis der tatsächlich errungenen Mandate Koalitionen aushandeln. Meinungsumfragen liefern damit vor allem Kontext, aber keine Prognose. Die Kräfteverhältnisse zwischen progressivem Lager und konservivem Block bleiben der entscheidende Hintergrund jeder Regierungsbildung.

41 Prozent in den Umfragen. Ein klarer politischer Wille.
Aber entschieden wird nicht in Prozenten, sondern in Bezirken, Netzwerken, Geldflüssen und Hinterzimmern.

Steht Thailand vor einem echten Machtwechsel –
oder vor der nächsten Wahl, in der das Ergebnis am Ende ganz anders aussieht als der Volkswille?

Newsletter abonnieren

Newsletter auswählen:
Abonnieren Sie den täglichen Newsletter des Wochenblitz und erhalten Sie jeden Tag aktuelle Nachrichten und exklusive Inhalte direkt in Ihr Postfach.

Wir schützen Ihre Daten gemäß DSGVO. Erfahren Sie mehr in unserer Datenschutzerklärung.
Quelle: Thai Examiner

Ein Kommentar zu „Umfrage-Beben: Peoples Party dominiert Wahlen

  1. Wenn ich in meine Glaskugel schaue, dann sagt mir diese, dass auch diesmal wieder nicht der Wahlsieger die Regierung stellen, respektive anführen wird. Dafür wird im Zweifelsfall das Verfassungsgericht wieder sorgen.

Schreibe einen Kommentar zu Oskar Kusch Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert