Wahl-Zoff in Bangkok: Komplette Neuauszählung gefordert

Wahl-Zoff in Bangkok: Komplette Neuauszählung gefordert
Pattarapong Chatpattarasill, Bangkok Post
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Nach der Parlamentswahl vom 8. Februar wächst der Druck auf Thailands Wahlkommission. Demonstranten und Opposition fordern Neuauszählungen, während Diskrepanzen in offiziellen Zahlen für Aufsehen sorgen. Die Behörden kündigen Transparenz an.

Proteste vor der Wahlkommission in Bangkok

Am Mittwochvormittag versammelten sich rund 100 Demonstrierende vor dem Büro der Wahlkommission im Bangkoker Bezirk Laksi. Die Gruppe United Front of Thammasat and Demonstration forderte eine landesweite Neuauszählung aller abgegebenen Stimmen nach der Wahl vom 8. Februar.

Die Organisatoren betonten, sie hätten Unregelmäßigkeiten bei den veröffentlichten Resultaten festgestellt. Eine neue Auszählung müsse öffentlich durchgeführt werden und für die Bevölkerung nachvollziehbar sein, so die zentrale Forderung der Versammlung.

Forderungskatalog umfasst mehrere Punkte

Die Demonstrierenden verlangten nicht nur eine Neuauszählung, sondern auch Sanktionen gegen Wahlbeamte, denen sie Fehler bei der Stimmauszählung vorwerfen. Zudem soll die Wahlkommission detaillierte Ergebnisse bis auf die Ebene einzelner Wahllokale offenlegen.

In Wahlkreisen mit gravierenden Problemen fordern die Protestierenden komplette Neuwahlen. Als letzte Konsequenz sollen alle sieben Wahlkommissare geschlossen zurücktreten, um das Vertrauen in den Wahlprozess wiederherzustellen.

Demonstrationsführer weist Parteinähe zurück

Nopasin Treerayapiwat, Anführer der Demonstration, formulierte die Position seiner Gruppe klar: „Wir akzeptieren eine Niederlage, aber wir akzeptieren keine Intransparenz.“ Er stellte ausdrücklich fest, dass seine Bewegung von keiner politischen Partei unterstützt werde.

Die Aussage zielt offenbar darauf ab, den Protesten den Anschein parteipolitischer Instrumentalisierung zu nehmen. Treerayapiwat betonte, es gehe um grundsätzliche Transparenz im demokratischen Prozess, nicht um parteipolitische Interessen.

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People’s Party schließt sich Forderungen an

Die bei der Wahl zweitplatzierte People’s Party (PP) unterstützt die Forderung nach erneuten Auszählungen. Die Partei landete hinter der siegreichen Bhumjaithai Party und sieht offenbar ebenfalls Grund zur Überprüfung der Ergebnisse.

Bereits am Dienstag hatte die PP formell Neuauszählungen in 18 Wahlkreisen gefordert. Die parallelen Forderungen von Protestgruppe und Opposition erhöhen den politischen Druck auf die Wahlkommission erheblich.

Betroffene Wahlkreise über ganz Thailand verteilt

Die von der People’s Party angefochtenen Wahlkreise liegen in zahlreichen Provinzen des Landes. Betroffen sind unter anderem Khon Kaen, Lampang, Surat Thani, Chon Buri und Maha Sarakham im Nordosten und Süden.

Weitere Wahlkreise finden sich in Nakhon Ratchasima, Chai Nat, Samut Prakan sowie in den nördlichen Provinzen Chiang Mai und Chiang Rai. Auch in Kanchanaburi, Tak, Saraburi und Suphan Buri wurden Neuauszählungen beantragt.

PP-Vertreter reichen Anträge in Provinzen ein

Kandidaten und Vertreter der People’s Party erschienen zeitgleich in den lokalen Wahlbüros der betroffenen Provinzen. Sie reichten dort formelle Anträge ein und dokumentierten ihre Zweifel an den Erstzählungen in ihren jeweiligen Wahlkreisen.

Das koordinierte Vorgehen deutet auf eine organisierte Strategie der Partei hin. Die zeitgleichen Aktionen in mehreren Provinzen verstärken den Eindruck systematischer Probleme bei der Stimmauszählung.

Wahlkommission verspricht Prüfung aller Eingaben

Der stellvertretende Generalsekretär der Wahlkommission, Pol Maj Nathawat Sangiamsak, nahm die Petition der Demonstrierenden entgegen. Er versicherte, sein Büro werde jede eingereichte Beschwerde im Rahmen der geltenden Gesetze prüfen.

Die Wahlkommission signalisiert damit Gesprächsbereitschaft und zeigt sich offen für die Kritik. Ob die angekündigten Prüfungen die Forderungen nach flächendeckenden Neuauszählungen erfüllen werden, bleibt allerdings offen.

Online-Veröffentlichung der Wahllokalergebnisse angekündigt

Nathawat kündigte an, dass die Ergebnisse aus allen Wahllokalen in den kommenden Tagen veröffentlicht würden. Die Daten sollen auf den Internetseiten der Wahlkommission und ihrer Provinzbüros zugänglich gemacht werden.

Diese Maßnahme soll eine unabhängige Überprüfung der Zahlen ermöglichen. Die Veröffentlichung detaillierter Daten könnte entweder zur Beruhigung beitragen oder weitere Diskrepanzen aufdecken.

Forscherin entdeckt Diskrepanzen in Beteiligungszahlen

Die Ökonomin Sarinee Achavanuntakul, Mitgründerin der investigativen Plattform ThaiPublica, meldete sich öffentlich mit Kritik zu Wort. Sie wies auf deutliche Abweichungen in den von der Wahlkommission veröffentlichten Beteiligungszahlen hin.

Ihre Analyse bezieht sich auf inoffizielle Online-Ergebnisse bei 95 Prozent ausgezählter Stimmen. Sarinee stellte fest, dass in keiner einzigen Provinz die Zahl der Wähler für Direktkandidaten mit der Zahl für Parteilisten übereinstimme.

Beide Stimmzettel sollten identische Zahlen aufweisen

Nach dem thailändischen Wahlsystem erhält jede Wählerin und jeder Wähler zwei Stimmzettel: einen für einen Direktkandidaten und einen für die Parteiliste. Beide werden gleichzeitig ausgegeben und gezählt, auch ungültige Stimmen werden erfasst.

Sarinee argumentiert, dass die Zahlen daher identisch sein müssten. Diskrepanzen von Dutzenden bis zu Zehntausenden Stimmen in manchen Provinzen ließen sich nicht plausibel als menschliche Fehler erklären.

Vorabstimmungen erklären Abweichungen nicht

Die Forscherin prüfte auch mögliche Erklärungen für die Diskrepanzen. Vorabstimmungen, Stimmabgaben außerhalb des Heimatwahlkreises und Auslandswahlbriefe könnten die beobachteten Abweichungen nicht ausreichend erklären.

Während Briefwahl aus dem Ausland theoretisch zu kleinen Unterschieden führen könne, sei die Größenordnung der festgestellten Abweichungen zu erheblich. Sarinee sieht darin einen Hinweis auf systematische Probleme im Zählprozess.

Warnung vor gravierendem Vertrauensproblem

Sarinee warnte eindringlich vor den Konsequenzen, falls die online angezeigten Zahlen nicht mit den tatsächlichen Meldungen aus den Wahllokalen übereinstimmen sollten. Dies wäre ein „äußerst gravierendes Problem“ für das Vertrauen in den Wahlprozess.

Die Forscherin fordert deshalb eine landesweite Neuauszählung sowie die sofortige Veröffentlichung der Resultate aus jedem einzelnen Wahllokal. Zudem verlangt sie eine intensivere mediale Kontrolle der Datenverarbeitung durch die Wahlkommission.

Zeitpunkt der Kritik verschärft die Lage

Sarinee Achavanuntakuls Intervention kommt zu einem kritischen Moment. Gleichzeitig verlangen Protestgruppen und Kandidaten in mehreren Provinzen bereits Neuzählungen und berichten von weiteren Unregelmäßigkeiten.

Die wissenschaftlich fundierte Kritik einer renommierten Forscherin verleiht den Forderungen zusätzliches Gewicht. Die Wahlkommission steht damit unter Druck, nicht nur auf einzelne Beschwerden zu reagieren, sondern die Systematik der Datenerfassung zu erklären.

Politischer Druck auf Wahlkommission wächst

Die Kombination aus Straßenprotesten, Parteiforderungen und wissenschaftlicher Kritik erzeugt einen mehrdimensionalen Druck auf die Wahlbehörde. Die Wahlkommission muss nun beweisen, dass ihre Prozesse transparent und nachvollziehbar sind.

In den kommenden Tagen wird sich zeigen, ob die angekündigte Veröffentlichung der Wahllokal-Daten die Kritiker zufriedenstellt. Alternativ könnte sich die Debatte weiter verschärfen und zu einer politischen Krise ausweiten.

Frage nach demokratischer Legitimität steht im Raum

Die aktuellen Entwicklungen werfen grundsätzliche Fragen über die Integrität des Wahlprozesses auf. Transparenz und Nachvollziehbarkeit gelten als Grundpfeiler demokratischer Wahlen, die nun auf dem Prüfstand stehen.

Beide Seiten – sowohl Kritiker als auch Wahlkommission – betonen ihr Engagement für demokratische Prinzipien. Die unterschiedlichen Interpretationen der vorliegenden Daten markieren jedoch einen Konflikt, der das Vertrauen in Institutionen berührt.

Internationale Beobachter verfolgen Entwicklungen

Thailand steht als bedeutende südostasiatische Demokratie unter internationaler Beobachtung. Die Berichte über mögliche Unregelmäßigkeiten werden auch außerhalb des Landes registriert und könnten das Image Thailands beeinflussen.

Die Art und Weise, wie die Wahlkommission und politische Akteure mit den aktuellen Vorwürfen umgehen, wird als Test für die Qualität der thailändischen Demokratie gesehen. Transparente Aufklärung könnte das Vertrauen stärken, Intransparenz würde weitere Zweifel nähren.

🗳️ Demokratie auf dem Prüfstand – Wie geht es weiter?

Die Ereignisse nach der Wahl vom 8. Februar werfen wichtige Fragen auf: Handelt es sich um normale Kinderkrankheiten eines komplexen Auszählungsprozesses oder um systematische Mängel? Demonstranten, Opposition und Wissenschaftlerin fordern Antworten – die Wahlkommission verspricht Transparenz.

Was denken Sie über die Entwicklungen? Sind solche Proteste und kritischen Analysen ein Zeichen für eine lebendige Demokratie? Oder könnten die Vorwürfe das Vertrauen in demokratische Institutionen nachhaltig beschädigen? Teilen Sie Ihre Einschätzung in den Kommentaren mit.

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Quelle: Bangkok Post

Ein Kommentar zu „Wahl-Zoff in Bangkok: Komplette Neuauszählung gefordert

  1. Wahlen in Thailand gehen immer nach dem gleichen muster teilweise wird so gemacht um jemand Vorteile zu verschaffen dass hat mit dem demokratie nichts zu und ist zudem unfair gegenüber den Wählern

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