Wahlkampf unter Schock: Razzien gegen Politiker

Wahlkampf unter Schock: Razzien gegen Politiker
Siam Rath, Thai Examiner

BANGKOK, THAILAND – Kurz vor der Parlamentswahl haben Ermittlungen gegen rund zehn Politiker wegen mutmaßlicher Verbindungen zu Drogenhandel, Online-Glücksspiel und Betrugsnetzwerken die politische Lage massiv angespannt.

Ermittlungen gegen Politiker kurz vor der Wahl

Am Freitag berichteten Behördenkreise von einer großen Operation der Royal Thai Police, die sich gegen bis zu zehn Politiker richtet. Betroffen sein sollen ehemalige Abgeordnete sowie Bewerber für die Wahl am 8. Februar, die mit kriminellen Netzwerken in Verbindung stehen sollen.

Nach Medienberichten könnten die Ermittler in Kürze Haftbefehle beantragen. Ein solcher Schritt würde mitten im historischen und hart umkämpften Wahlkampf eine landesweite politische Krise auslösen.

Premier Anutin verweigert Namensnennung

Der amtierende Premierminister Anutin Charnvirakul trat am Freitag vor die Presse – blieb jedoch bei seiner Linie, keine Namen öffentlich zu machen. Er verwies auf die Vertraulichkeit laufender Verfahren und sagte, „Wir halten die Namen aufgrund ihres Verhaltens vertraulich. Muss ich das noch viele Male sagen?“

Am 9. Januar wies Anutin im Finanzministerium zudem Vorwürfe zurück, die Ermittlungen seien politisch motiviert oder dienten der Wahlkampfbeeinflussung. „Es war nicht politisch motiviert“, betonte er und verwies auf reguläre Abläufe. Berichte über eine durchgesickerte Liste von zehn Politikern kommentierte er nur mit dem Hinweis auf die zugesicherte Vertraulichkeit.

Justizminister bestätigt Datenbank mit Politikern

Der Justizminister Pol Lt Gen Rutthaphon Naowarat bestätigte, dass mehr als zehn Politiker und Ex-Abgeordnete im Fokus stehen. Die Fälle betreffen vor allem:

Online-Glücksspielnetzwerke

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Betrugs- und Scam-Gruppen

Drogenhandel

Er erklärte, die Ermittlungen liefen seit geraumer Zeit, unter Beteiligung der Cyber Police, der Royal Thai Police sowie der Department of Special Investigation (DSI). Die Behörden arbeiteten mit gemeinsam genutzten Daten und bereiteten koordinierte Einsätze vor.

Rutthaphon sprach explizit von einer Datenbank, in der rund zehn Politiker geführt würden. „Es gibt etwa zehn Personen“, sagte er, meist Wahlkandidaten, teils amtierende Abgeordnete. Die Fälle stützten sich auf integrierte Geheimdienstinformationen; weitere Einzelheiten solle es erst geben, wenn Maßnahmen unmittelbar bevorstehen.

Streit mit Opposition um „Grey Businesses“

Hintergrund der ungewöhnlich offenen Einblicke ist Kritik von Rangsiman Rome, einem früheren People’s-Party-Listenabgeordneten. Er hatte der Regierung vorgeworfen, Betrugsbanden und illegale Glücksspielnetzwerke nicht wirksam zu bekämpfen und gewarnt, sogenannte „Grey Businesses“ gewännen politischen Einfluss.

Rutthaphon wies dies zurück und betonte, die Ermittlungen seien weit fortgeschritten und die nachrichtendienstliche Arbeit sei nie unterbrochen worden. Er stellte klar, ein von Rome zitiertes Interview sei falsch interpretiert worden. Er habe nie bestätigt, dass keine Politiker in solche Fälle verwickelt seien, sondern bei einem Besuch im Hauptquartier der Cyber-Polizei lediglich eine allgemeine Grundsatzrede gehalten.

Sorge um illegale Wahlkampffinanzierung

Parallel wuchsen landesweit Sorgen, dass Wahlkampagnen mit illegalen Geldern aus Glücksspiel- und Drogendelikten finanziert werden. Rutthaphon sprach von einem *„ernsten Anliegen und einer entscheidenden Frage“ und erließ Weisungen an die Cyber-Polizei, präventiv gegen Geldflüsse in den Wahlkampf vorzugehen.

Auch der Generalsekretär der Wahlkommission (Election Commission), Sawaeng Boonme, warnte vor Stimmenkauf und kündigte verschärfte Kontrollen in den Wahlkreisen an. Gegen Täter würden strikte und robuste Maßnahmen ergriffen. Sollten Kandidaten verhaftet und angeklagt werden, könnten sie von der Wahl ausgeschlossen werden; würden sie vor einem Urteil auf Kaution freikommen, dürften sie hingegen antreten – es sei denn, ihre Parteien entziehen ihnen die Unterstützung.

Jugend, Drogenprävention und der Fall Worldcoin

Am 8. Januar leitete Rutthaphon im Justizministerium eine landesweite Kampagne zur Drogenprävention bei Jugendlichen. Dabei wurden Drogentestsätze an Einrichtungen verteilt und Maßnahmen zur Rückfallprophylaxe sowie zur Vermeidung von Fehlverhalten in Jugendhaftanstalten vorgestellt.

Separat informierte der Minister über den Sonderfall Nr. 148/2568 zu einem Iris-Scan-Geschäft im Zusammenhang mit dem Worldcoin-Projekt. Untersucht wird ein Memorandum of Understanding vom 27. März 2024 zwischen dem Ministerium für digitale Wirtschaft und Gesellschaft und dem Prime Opportunity Fund VCC Singapore. Eine spezielle Ermittlungseinheit bereitet Durchsuchungen an bestimmten Orten vor, um Beweise zu sichern; Namen wurden auch hier noch nicht genannt.

Politik im Zeichen laufender Razzien

Während Strafverfolgungsbehörden über mehrere Ebenen hinweg weiterermitteln, agieren politische Akteure auffallend vorsichtig.

Die Kombination aus möglichen Haftbefehlen, Vorwürfen illegaler Wahlkampffinanzierung und dem engen Zeitfenster bis zur Wahl hält die politische Lage in einer Phase hoher Unsicherheit.

Öffentliche Zwischenstände sollen nach Angaben der Verantwortlichen erst folgen, wenn konkrete Schritte bevorstehen.

Wenn mitten im Wahlkampf von geheimen Ziellisten, Haftbefehlen und „grauen Netzwerken“ die Rede ist, stellt sich eine heikle Frage:
Schützt Schweigen die Ermittlungen – oder schützt es die Falschen?

Steht Thailand vor einer notwendigen Säuberung der Politik –
oder vor einer Eskalation, die das Wahlergebnis vergiften wird?

Sollten die Namen genannt werden – egal wie nah der Wahltag ist?
Oder wäre genau das brandgefährlich?

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Quelle: Thai Examiner

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