BANGKOK, THAILAND – Der thailändische Zoll stellt zentrale Regeln für Freizonen, Strafzahlungen und digitale Abfertigung neu auf, um Herkunftsbetrug, Unterbewertung und Wettbewerbsverzerrungen zu begrenzen.
Strengere Kriterien für Freizonen und Inlandsverkäufe
Der Zolldirektor-General Phantong Loykulnanta erklärte, sein Customs Department habe gemeinsam mit der Privatwirtschaft zentrale Schwachstellen bei der Zollbefreiung für Waren aus Freizonen identifiziert, die für den Inlandsmarkt bestimmt sind.
Bislang richtete sich die Befreiung nach den ASEAN-Ursprungsregeln mit einer Mindestanforderung von 40 Prozent regionalem Inhalt. Diese Schwelle bilde jedoch häufig nicht den tatsächlichen Wertschöpfungsanteil im Land ab, so Phantong.
Nach seinen Angaben ermöglichten die derzeitigen Regeln, dass Unternehmen Gewinne oder sogar den Einkauf von Waren bei Importeuren als lokalen Inhalt anrechnen. Dadurch würden Schlupflöcher entstehen, die gezielt genutzt werden könnten.
Neudefinition von „Value Added“ geplant
Um diese Lücken zu schließen und zu verhindern, dass Agrarprodukte oder andere ausländische Waren über Freizonen Steuern umgehen und damit Bauern und KMU im Inland benachteiligen, bereitet die Behörde Änderungen einer entsprechenden ministeriellen Bekanntmachung vor.
Geplant ist, den Begriff „Value Added“ so anzupassen, dass der 40-Prozent-Anteil ausschließlich aus inländischen Rohstoffen und inländischer Arbeit bestehen muss. Damit solle echte Wertschöpfung im Land sichergestellt werden.
Zudem werden verschärfte Bedingungen geprüft. Dazu zählen:
• Ausschluss von Gewinnanteilen aus der 40-Prozent-Berechnung
• Pflicht zu einem substanziellen Verarbeitungsschritt, etwa einer Veränderung der Zolltarifklassifikation, statt bloßer Verpackung oder Qualitätskontrolle
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Höhere Strafen und Umstellung auf Stück-Bußgelder
Bei der Durchsetzung plant der Zoll eine umfassende Anpassung der Vergleichs- und Bußgeldpraxis. Phantong kündigte an, seine Befugnisse als Generaldirektor zu nutzen, um Strafkriterien zu überarbeiten und Geldbußen anzuheben.
Im Fokus stehen insbesondere falsche Ursprungsangaben sowie verbotene Waren wie E-Zigaretten. Künftig sollen Strafen pro Stück erhoben werden, statt wie bisher auf Basis des deklarierten Warenwerts.
Nach Darstellung der Behörde würde ein stückbezogenes Bußgeldsystem die Bewertung vereinfachen, Probleme durch Unterbewertung verringern und den Ermessensspielraum von Beamten reduzieren.
„Wir glauben, dass die alten Kriterien Täter nicht abschrecken, weil einige Waren sehr hohe Margen haben“, sagte Phantong. Höhere Strafen und schnellere Vergleiche auf Zoll-Ebene könnten zudem die Belastung von Ermittlern und Gerichten senken.
Umgang mit beschlagnahmten Waren und E-Zigaretten
Ein weiteres Ziel ist der Abbau eines wachsenden Rückstaus beschlagnahmter Güter, insbesondere von E-Zigaretten. Laut Phantong steht das Department vor Budgetengpässen bei der Vernichtung dieser Waren.
Zusätzliche Einnahmen aus erhöhten Bußgeldern sollen eingesetzt werden, um die Zerstörung beschlagnahmter Artikel zu finanzieren, Lagerkosten zu senken und Diebstahlrisiken mit anschließender Wiederveräußerung zu verringern.
Steuer auf Kleinsendungen bringt dreistellige Millionensumme
Parallel zieht der Zoll eine Zwischenbilanz zur seit 1. Januar geltenden Besteuerung von Kleinsendungen mit einem Wert unter 1.500 Baht. Künftig wird Einfuhrsteuer ab dem ersten Baht erhoben.
Laut Phantong hat diese Maßnahme bislang mehr als 300–400 Millionen Baht eingebracht. Er bezeichnete dies als bedeutsamen Betrag, der zu faireren Wettbewerbsbedingungen für heimische Unternehmen beitrage. Für das Gesamtjahr 2026 prognostiziert er rund 4,8 Milliarden Baht an Einnahmen aus dieser Regelung.
Bürokratiebremse und KI-Unterstützung bei Tarifierung
Als größtes Problem für Im- und Exporteure nannte Phantong die Vielzahl erforderlicher Lizenzen von über 23 bis 40 Behörden. Das Customs Department drängt daher auf einen effizienteren Betrieb des National Single Window (NSW), um Verfahren zu bündeln und Schritte zu verkürzen.
Zudem will die Behörde Künstliche Intelligenz – etwa Systeme wie Gemini – einsetzen, um Zollbeamte bei der Analyse von HS-Codes (Zolltarifnummern) zu unterstützen.
Die Technologie soll helfen,
• Entscheidungen zu standardisieren,
• Streitfälle zwischen Verwaltung und Wirtschaft zu reduzieren und
• die Frachtabfertigung zu beschleunigen.
Damit zielt der Zoll auf eine Kombination aus strengeren Kontrollen und digitaler Beschleunigung der Prozesse, um Missbrauch zu bekämpfen und gleichzeitig den Warenverkehr effizient zu halten.
🗣 Wenn Schlupflöcher zum Geschäftsmodell werden
40 Prozent „Wertschöpfung“ auf dem Papier – und in Wirklichkeit kaum ein Baht im Land.
Ist das noch Handel oder längst systematischer Missbrauch, der Bauern, kleine Firmen und den Staat ausblutet?
Reichen neue Regeln und höhere Strafen – oder ist Thailands Zollsystem insgesamt zu bequem für moderne Schmuggel- und Umgehungsketten geworden?
Und die heikle Frage: Kann KI aufräumen, wo Menschen jahrelang weggeschaut haben?



