BANGKOK, THAILAND – Ein scharfes Wirtschaftsbild der Financial Times hat in Bangkok eine selten offene Grundsatzdebatte ausgelöst, in der sowohl Ex-Premier Srettha Thavisin als auch der neue Regierungschef Anutin Charnvirakul um Deutungshoheit ringen. Im Zentrum stehen eine alternde Gesellschaft, hohe Schulden und der Vorwurf, das Königreich sei zum „kranken Mann Asiens“ geworden.
Reaktion auf das Urteil der Financial Times
Auslöser war eine Analyse der Financial Times vom 4. Februar, die strukturelle Schwächen, lange Stagnation und Orientierungslosigkeit der Wirtschaftspolitik beschrieb und Thailand mit dem Etikett „sick man of Asia“ versah.
Der Beitrag legte Vorschläge zur Wiederbelebung von Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit vor und traf damit einen Nerv in Bangkok, wo führende Politiker umgehend öffentlich Stellung bezogen.
Sretthas Gegenentwurf mit Schuldenschwerpunkt
In einem Leserbrief vom 11. Februar an die Zeitung räumte Srettha Thavisin wirtschaftliche Spannungen ein, kritisierte jedoch, die in London skizzierte Therapie sei unvollständig und greife bei der Diagnose zu kurz.
Er stellte Privatverschuldung und Konsumflaute in den Mittelpunkt und forderte einen „major reset“, bei dem Zweckgesellschaften notleidende Kredite übernehmen sollen, um Haushalten wieder Liquidität und damit der Binnenkonjunktur neuen Schwung zu geben.
Demografie als wachsender Bremsklotz
Die Analyse unterstrich, dass Thailand bereits als gealterte Gesellschaft gilt, in der derzeit über 20 Prozent der Bevölkerung älter als 60 Jahre sind und dieser Anteil bis 2033 auf 30 Prozent steigen dürfte.
Parallel dazu schrumpft die Einwohnerzahl seit vier Jahren, die Geburtenrate fiel 2025 auf ein 75-Jahres-Tief und die Wirtschaft wächst seit fünf Jahren im Schnitt nur noch um etwa 2 Prozent, weit entfernt von den 13 Prozent des Jahres 1988.
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Schwäche in Industrie, Export und Tourismus
Besonders hart trifft der Strukturwandel die Industrie, deren Wettbewerbsfähigkeit unter schwacher Binnennachfrage, günstigeren Importen aus China und dem Aufstieg neuer Produktionsstandorte wie Vietnam leidet.
Im Automobilsektor, lange regionales Zugpferd, haben Hersteller wie Nissan, Honda und Suzuki Werke geschlossen oder zurückgefahren, was Produktion, Inlandsabsatz und Auslastung der Fabriken drückt.
Alltag unter Druck – Stimmen aus Bangkok
Gleichzeitig lasten hohe Schulden, stagnierende Löhne und vorsichtige Banken auf dem Konsum, wodurch viele Menschen Ausgaben zurückfahren und die ohnehin verhaltene Dynamik weiter abschwächen.
Das zeigt sich auch im Kleinhandel, wo Gastronomin Tipvimol Wanitthaphan, 57, wegen um zwei Drittel eingebrochener Umsätze ihr Büroarbeiter-Restaurant in Bangkok aufgibt, während Saloninhaberin Tewanaree Sawangnate von weniger Kundschaft und gekürzten privaten Ausgaben berichtet.
Infrastruktur, Regulierung und der Kampf um Investoren
In seinem Schreiben skizzierte Srettha zudem eine Infrastruktur- und Digitalstrategie, von einer Nord-Süd-Bahnlinie über eine Landbrücke zwischen Andamanensee und Golf von Thailand bis hin zu einem „Go Cloud First“-Ansatz zur Anlockung von Rechenzentren und Halbleiterinvestitionen.
Er plädierte für modernisierte Regulierung, direkte Stromabnahmeverträge für ausländische Investoren und den Abbau von ESG-Hürden für große Technologiekonzerne, um die Produktivität im KI-Zeitalter zu steigern und den Tourismus von Masse auf Wertschöpfung umzubauen.
Politische Brüche und Anutins Antwort
Sretthas Pläne blieben programmatisch, da er am 14. August 2024 vom Verfassungsgericht auf Grundlage der Verfassung von 2017 für amtsunfähig erklärt wurde, was eine lange Tradition häufiger Regierungswechsel und Umstürze im Land fortsetzte.
Der neue Premier Anutin Charnvirakul, der die strittige Wahl vom 8. Februar 2026 gewonnen hat, wies am 12. Februar im Regierungssitz die Bezeichnung „kranker Mann Asiens“ zurück und erklärte, sie spiegele allein die Leistung der Vorgängerregierung wider.
Fiskaldisziplin und Skepsis der Wirtschaft
Anutin betonte vor Journalisten die Bedeutung von Glaubwürdigkeit gegenüber internationalen Beobachtern und verwies auf rasche Haushaltsfreigaben zur Tilgung landwirtschaftlicher Schulden bei der staatlichen Agrarbank als Beleg verantwortlicher Finanzpolitik.
Gleichzeitig warnten Industrievertreter vor Rezessionsgefahren angesichts 19-prozentiger US-Zölle und eines stärkeren Baht, die die Exportfähigkeit traditioneller Branchen aushöhlen und Forderungen nach einer tiefgreifenden Modernisierung verstärken.
Alternde Gesellschaft und schwache Nachfrage als Daueraufgabe
Ökonomen dringen auf gelockerte Beschränkungen für Auslandsinvestitionen und aufgerüstete Infrastruktur, um neue Wachstumsfelder wie Rechenzentren, hochwertige Fertigung, Pharma und Biotechnologie zu erschließen.
Doch kurzfristig lasten vor allem die hohen Haushaltsschulden, zögerliche Banken und eine alternde, schrumpfende Bevölkerung auf der Binnennachfrage, weshalb das Management der Wirtschaft unter dauerhafter Beobachtung steht und die politische Antwort auf Daten und Fakten zunehmend öffentlich verhandelt wird.
📉 „Kranker Mann Asiens“ – übertrieben oder bittere Realität?
Internationale Experten zeichnen ein düsteres Bild: hohe Schulden, schwaches Wachstum und eine rapide alternde Bevölkerung. Die Regierung hält dagegen – doch die Herausforderungen bleiben enorm.
Ist das nur harte Kritik von außen oder ein ernstes Warnsignal für Thailands Zukunft?
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Das es um die Wirtschaft Thailands nicht allzugut bestellt ist sieht man am ETF Ranking. Obwohl…, seit der Wahl von Anutin hat Thailand zum ersten Mal seit langem eine 6% Raily hingelegt. Aber politische Börsen sind Strohfeuer. Und vor allem die hohe Privatverschuldung in Verbindung mit niedrigen Einkommen ist ein erhebliches Problem. Hoffen wir das Thailand nicht wieder in die Fänge des IWF’s geräht. Eine zweifelhafte Organisation welche die Völker, die bereits am Boden liegen, auch noch ihrer einzigen Werte beraubt.