BANGKOK, THAILAND – Nach zwei schweren Kranunfällen binnen 24 Stunden hat die Übergangsregierung umfassende Konsequenzen gegen den Großkonzern Italian-Thai Development Plc (ITD) eingeleitet.
Zwei Kranunglücke, dutzende Tote, internationale Kritik
Innerhalb von zwei Tagen waren in Nakhon Ratchasima und auf der Rama-II-Straße bei Bangkok Krane auf eine fahrende Bahn und eine Baustelle gestürzt. Beim Unfall im Bezirk Si Khiew in Nakhon Ratchasima kam es laut Associated Press zu 32 Todesopfern, als ein Kran des thailändisch-chinesischen Hochgeschwindigkeitsbahnprojekts auf einen Passagierzug fiel.
Internationale Medien wie BBC und South China Morning Post verwiesen darauf, dass beide Baustellen von Italian-Thai Development betrieben wurden. Sie stellen die Bausicherheit im Land erneut infrage und verweisen auf eine lange Serie schwerer Unfälle, darunter den Einsturz eines Hochhauses nach einem Erdbeben im März des Vorjahres, bei dem ein vom selben Unternehmen errichtetes Gebäude kollabierte.
Anutin ordnet Vertragskündigungen und Blacklist an
Übergangsregierungschef Anutin Charnvirakul teilte am Donnerstag mit, er habe das Verkehrsministerium angewiesen, alle laufenden Großprojekte mit ITD zu beenden. „Ich habe das Ministerium angewiesen, die Verträge für Mega-Verkehrsprojekte mit ITD zu kündigen, rechtliche Schritte einzuleiten und den Auftragnehmer auf eine Schwarze Liste zu setzen“, sagte Anutin nach einer Sitzung zu Sicherheitsmaßnahmen bei Großprojekten.
Er betonte, die Regierung könne es nicht verantworten, solche Auftragnehmer weiter im Staatsdienst zu beschäftigen. Für noch nicht fertiggestellte Arbeiten sollen neue Unternehmen gefunden werden. Etwaige weitere Schäden würden aus Vertrags- und Bankgarantien geltend gemacht, zusätzliche Zahlungen könnten von ITD eingefordert werden.
Laut Anutin habe der Staatsrat rechtliche Hinweise gegeben, die Generalstaatsanwaltschaft solle Maßnahmen „zum öffentlichen Nutzen und zur Beruhigung ausländischer Staaten hinsichtlich der Standards“ ergreifen.
Politische Vorwürfe und Anutins Verteidigung
Auf Fragen zu politischer Kritik an der Rolle der Bhumjaithai-Partei beim früheren Vertragsabschluss für die Hochgeschwindigkeitsstrecke mit einem chinesischen Partner wies Anutin einen Zusammenhang zurück. „Was ist der Zusammenhang?“, entgegnete er und sprach von einem politischen Angriff.
„Das Beschaffungsverfahren hat allen Vorschriften entsprochen. Es war nicht die Bhumjaithai-Partei, sondern die thailändische Regierung. Das hat nichts mit Politik zu tun“, sagte er. Er warnte, ständiges Schlammbewerfen zwischen Parteien schade der Öffentlichkeit: „Wir wollen Frieden, nicht politischen Konflikt.“
Bahnbehörde prüft Kündigung und Schadenersatz
Der amtierende Gouverneur der State Railway of Thailand (SRT), Anan Phonnimdaeng, erklärte, die Haushaltskontrollbehörde habe empfohlen, das Gesetz über öffentliche Beschaffung und staatliches Vermögen anzuwenden. Dieses erlaube, Verträge zu kündigen, wenn Auftragnehmer Sicherheitsauflagen verletzen.
JETZT den Wochenblitz WERBEFREI lesen!
Beim Unfall in Si Khiew wurden zwei Diesel-Triebwagen vollständig zerstört. Laut Anan beläuft sich der geschätzte Reparaturschaden auf 105 Millionen Baht, der Ersatz eines einzigen Triebwagens würde über 70 Millionen Baht kosten. „SRT bereitet die Bewertung des Imageschadens, des Vertrauensverlusts und der Opportunitätskosten vor, um zusätzlichen Schadenersatz zu fordern. Strafanzeige wegen des gefährlichen Vorfalls mit Todesfolge ist bereits gestellt“, sagte er.
Der private Auftragnehmer verfüge über eine Haftpflichtversicherung, die Fahrgäste und Sachschäden abdecke. Es werde mit Entschädigungen von 1 Million Baht pro Person gerechnet; die genauen Deckungssummen sollen in einer gemeinsamen Sitzung mit der Versicherung geklärt werden.
Sicherheitsverstöße an der Unglücksstelle
Anan schilderte nach einem Besuch am Unfallort, der Kran habe sich in einem scharfen Kurvenbereich der künftigen Hochgeschwindigkeitsstrecke befunden, wo parallel zum bestehenden Gleis sowohl eine Hochtrasse als auch ein ebenerdiger Abschnitt gebaut werden. Dies mache die Arbeiten besonders anspruchsvoll.
Zudem habe es eine Überschreitung der Sicherheitszone gegeben: In einem Bereich von 4 bis 5 Metern nahe den bestehenden Gleisen sei gearbeitet worden, obwohl die Standards Bauaktivitäten innerhalb von 2,5 Metern zur Struktur bei laufendem Zugverkehr untersagen. Eine Untersuchungskommission unter Beteiligung des Engineering Council und des Engineering Institute of Thailand unter königlicher Schirmherrschaft (EIT) soll innerhalb von 15 Tagen klären, ob gegen Anordnungen verstoßen oder der über 400 Tonnen schwere Launcher unzureichend gesichert wurde.
Aufräumarbeiten und neue Überwachungsmaßnahmen
Nach der Bergung der Todesopfer und der Sicherstellung, dass sich niemand mehr im Wrack befindet, soll nun ein weiterer Kran eingesetzt werden, um die Elemente des orangefarbenen Launchers zu trennen, der die Gleise blockiert. Erst danach kann der Zugverkehr wieder aufgenommen werden. Die Arbeiten seien mit höchster Vorsicht anzugehen, betonte Anan.
Die Demontage der großen Stahlkonstruktion werde etwa sieben Tage dauern. Parallel dazu wurden zusätzliche Sensoren und CCTV-Kameras an Hochrisiko-Baustellen im ganzen Land angeordnet, um ähnliche Vorfälle künftig zu verhindern.
Langer Schatten früherer Unfälle
Internationale Medien verweisen darauf, dass die Sicherheitsbilanz auf Baustellen im Land seit Jahren in der Kritik steht. Auf der Fernstraße von Bangkok in den Süden, an der der Vorfall auf der Rama-II-Straße liegt, seien in den vergangenen sieben Jahren rund 150 Menschen bei Unfällen ums Leben gekommen. Wegen der Häufung schwerer Unfälle wird die Strecke als „Straße des Todes“ bezeichnet.
Die Associated Press erinnerte zudem daran, dass auf demselben Hochgeschwindigkeitsbahnprojekt im August des Vorjahres ein Tunneleinsturz drei Arbeiter tötete. ITD war darüber hinaus Auftragnehmer beim Einsturz des Gebäudes des Rechnungshofs in Bangkok nach dem Erdbeben im März, bei dem fast 100 Menschen starben – der bislang tödlichste erdbebenbedingte Gebäudeeinsturz im Land.
Vertrauen, Standards und internationale Wahrnehmung
Mit den nun eingeleiteten Maßnahmen versucht die Regierung, sowohl der öffentlichen Empörung als auch den wachsenden Sicherheitsbedenken im Ausland zu begegnen. Die Hochgeschwindigkeitsbahn, auf der sich der jüngste Unfall ereignete, soll die Region enger an China anbinden und gilt als strategisch wichtiges Infrastrukturprojekt.
Wie tiefgreifend die Konsequenzen für Italian-Thai Development und andere Großauftragnehmer am Ende ausfallen, dürfte erst nach Abschluss der laufenden Ermittlungen und Vertragsprüfungen feststehen.
🗣 Wie viele Tote braucht ein System, um aufzuwachen?
Zwei Kran-Unglücke in 24 Stunden. Ein Zug zerdrückt. Internationale Schlagzeilen. Verträge gekündigt.
Doch die eigentliche Frage ist nicht, wer jetzt fällt – sondern warum so etwas überhaupt möglich war.
Sind Thailands Mega-Projekte außer Kontrolle geraten? Wurde jahrelang weggeschaut?
Und reicht es, eine Firma zu streichen – oder ist das ganze System krank?
Schreib offen: Unfallserie – oder strukturelles Versagen?




Das Hauptproblem ist, dass immer wieder „Subcontractor“ benutzt werden. Jeder will ein Stück vom Kuchen abhaben. Genau wie bei dem eingestürztem Gebäude.
Von 100 % Projekt Budget fliessen so am Ende nur ca. 60 – 70% in das eigentliche Projekt. Die 40% die in irgendwelche dubiosen Kanäle und Taschen fliessen, müssen irgendwo eingespart werden. Das paassiert dann bei der Sicherheit und beim Material.
„Jemand“ hat zu mir mal gesagt:
„Corruption eats concrete!“
Fahre regelmäßig mit dem Zug in den Korat und sehe völliges Chaos an den Baustellen.
Die Pfeiler der Hochbahn stehen tief im Wasser, wie lange sollen die halten?
Fährt man nach Hua Hin wundert man sich über teils fertige Strecken inklusive Bahnhöfen und dann kommt kilometerweit nichts.
Subunternehmer Hand in Hand kann nicht funktionieren.