BANGKOK, THAILAND – Schwaches Wachstum, alternde Gesellschaft und hohe Verschuldung haben die Diskussion befeuert, dass Thailand zum „Sick man of Asia“ geworden ist. Wirtschafts- und Finanzdaten zeichnen ein Bild eines Landes, dessen bisheriges Wachstumsmodell an Grenzen stößt und dessen politische Führung vor grundlegenden Entscheidungen steht.
Abschwächende Konjunktur und wachsender Druck
Thailand wurde in den vergangenen Monaten immer häufiger als „sick man of Asia“ bezeichnet, weil Konsum, Produktion und Tourismus deutlich an Schwung verloren haben und die Einkommen vieler Haushalte unter Druck geraten sind.
Gleichzeitig wächst die Sorge um die politische und soziale Stabilität, da sich die strukturellen Schwächen der Wirtschaft immer deutlicher zeigen.
Wachstumsprognosen fallen ernüchternd aus
Das Finanzministerium rechnet für 2025 nur noch mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 2,2 % und für 2026 sogar nur mit 2,0 %, was deutlich unter dem regionalen Durchschnitt liegt.
Seit dem Ende der Covid-19-Krise ist die Wirtschaftsleistung in keinem Jahr stärker als 2,6 % gewachsen, registriert im Jahr 2022, wodurch Thailand im Vergleich zu zahlreichen Nachbarländern bei der Erholung zurückgefallen ist.
Demografie, Schulden und schwächere Wettbewerbsfähigkeit
Die Bevölkerung des Landes ist bereits im vierten Jahr in Folge geschrumpft, die erwartete Geburtenrate für 2025 liegt auf dem niedrigsten Niveau seit 75 Jahren und verschärft die Alterung der Gesellschaft.
Hinzu kommt, dass die Privathaushalte mit einer Verschuldung von fast 90 % des BIP zu den am höchsten belasteten in Asien zählen und die Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich nachgelassen hat.
Vom Aufstieg zur Industrienation zum angekratzten Image
Thailand hatte sich über Jahrzehnte erfolgreich von einer überwiegend agrarisch geprägten Ökonomie zu einer industrieorientierten Volkswirtschaft entwickelt und damit Hoffnungen geweckt, sich dauerhaft als neu industrialisiertes Land zu etablieren.
Nach der Asienkrise von 1997 gelang der Wiederaufstieg dank starker Exporte, und 2011 stufte die Weltbank das Land in die Gruppe der upper-middle-income-Volkswirtschaften ein, doch dieses Bild verblasst, weil langfristige Strukturprobleme ungelöst geblieben sind.
Wahlversprechen und Realität der Wachstumsziele
Im jüngsten Wahlkampf legten mehrere Parteien ehrgeizige Wachstumsziele für die Regierungsperiode 2026 bis 2029 vor, von 3 % jährlich bei Bhumjaithai über 3,5 % bei der People’s Party bis hin zu 5 % bei Pheu Thai.
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Diese Zielmarken stehen im deutlichen Gegensatz zu den eigenen Prognosen des Finanzministeriums von unter 3 % Wachstum 2026, und auch das von der von Pheu Thai geführten Regierung 2023 angestrebte jährliche 5 %-Plus blieb bisher unerreicht.
Ruf nach Strukturreformen statt kurzfristigen Konjunkturspritzen
Angesichts jahrelangen Wachstums unter dem Potenzial werden die Forderungen lauter, dass die neue Regierung den Schwerpunkt klar auf eine tiefgreifende wirtschaftliche Restrukturierung legen müsse.
Da die traditionellen Wachstumstreiber Exporte und Tourismus an Dynamik eingebüßt haben, wächst der Druck auf das derzeit im Aufbau befindliche Kabinett, die Ursachen für das Etikett „sick man of Asia“ strukturell anzugehen und sich nicht vor allem auf kurzfristige Konjunkturprogramme zu stützen.
📉 Vom Tiger zur Sorgenwirtschaft?
Schwaches Wachstum, hohe Schulden und eine alternde Bevölkerung – immer öfter fällt der Begriff „kranker Mann Asiens“. Jetzt wächst der Druck auf die neue Regierung, endlich tiefgreifende Reformen anzustoßen.
Ist Thailand noch auf Kurs – oder droht das Land wirtschaftlich den Anschluss zu verlieren?
Schreib deine Meinung in die Kommentare.



Es ist immer wieder köstlich, wie die Probleme schön aufgelistet werden, OHNE den eigentlichen Motor für das schon seit Jahrzehnten andauernde Fiasko zu erwähnen. Leider ist die Wahrheit politisch sehr UNBEQUEM.
– Langfristige Strukturprobleme, wie korrekte Schulbildung, Berufsausbildung und Verkehr-
-chaos (korrekte Fahrausbildung) wurden seit vielen Jahrzehnten bewusst nicht angegangen.
– Wachsender Druck war eigentlich immer schon da, wurde aber wegen den Einnahmen aus
Tourist-Milliarden, als opportun abgetan.
– Schwächere Wettbewerbsfähigkeit ist ein Produkt der „Unbildung“ aus dem staatlichen,
thailändischen Schulsystem, welches Auswendiglernen anstelle Lernen durch Verstehen,
favorisiert. Wie sollen denn ohne zu verstehen neue Produkte, Erfindungen und zusammen-
hängende Geschehnisse nur ansatzweise angegangen werden? Etwa Kopie von der Kopie etc.
– Wie soll denn bitteschön ein Anschluss an wirtschaftliche und gesellschaftliche Aspekte mit
solchermaßen „Schulbildung“ zustande kommen? Ohne wirkliche Bildung KEIN FORTSCHRITT.
– Das kommende Absturzszenario wurde vor Jahrzehnten durch das eigene System eingeleitet
Den Aussagen kann ich voll und ganz zustimmen. Ich habe einen Sohn, der seine gesamte Schulbildung in Thailand verbracht hat und mit 22 Jahren eine schulisch bedingte, sehr geringe Allgemeinbildung aufweist. Nur infolge der Tatsache, dass er in einem Thai/Farang-Haushalt aufwuchs, verschafft ihm ein besseres Niveau mit analytischem Denken. Die politische Klasse scheint daran interessiert zu sein, das Volk dumm zu halten. Politik und die Eliten lassen dabei unberücksichtigt, dass sie mit der mangelnden Bildung die Grundlagen für anhaltende und fundierte wirtschaftliche Erfolge verhindern und den Misserfolg des Landes zu verantworten haben. In Zeiten von AI und zunehmender Robotisierung von einfachen Taetigkeiten fehlt die erforderliche Anzahl von Fachkraeften fuer die extrem anspruchsvollen Taetigkeiten, die damit verbunden sind. Politikern und Eliten fehlt die Vision für die Jobansprüche der unmittelbaren Zukunft. Es ist ein Jammer, mitanzusehen, wie dieses Land seine Prioritäten im Nationalismus setzt, anstatt eine offene Gesellschaft zu werden und Bildung als Priorität zu haben. Die Politik der unterschiedlichen Regierungen der letzten 20 Jahre hat immer wieder Bildung als vorrangig genannt, aber nichts in dieser Richtung getan. Ich kann das aus eigener Anschauung beurteilen. Wo das endet ist eindeutig vorhersehbar. Ich erwarte unter der neuen Regierung keine Verbesserung.
Das ist schon richtig! Nur muss man sich fragen warum ist das so und nicht anders? M.E. liegt das an einer streng pyramidenförmig aufgebauten Gesellschaftsordnung. Da braucht man viele die möglichst keine eigene Ideen haben und eventuell sogar noch unbequeme Fragen stellen könnten. Und solche will man sich ganz bestimmt nicht in den Schulen auch noch selber heranziehen.
Bestes Beispiel wie sowas ins Abseits führen kann ist UK. Einstmals eine imperiale Macht die technologisch allen anderen weit voraus war. Beibehalten hat man davon durch die Zeit die Verdummungsanstalten, sprich öffentlichen Schulen. Das hatte beispielsweise mal Sinn gemacht als man noch 100 Mann brauchte um ein Schiff von A nach B zu segeln und nur einen der wusste wohin und noch einer wie das geht. Da könnten Diskussionen ob die Schoten nun noch angezogen werden sollten oder doch lieber nicht wirklich nur stören. Heutzutage ist das bekanntlich völlig anders. Aber das Schulsystem von öffentlicher Verdummung für viele und exzellente Ausbildung für ganz wenige ist unverändert geblieben.
Wer mal ein paar Jahre in UK gelebt und gearbeitet hat, hat sich vermutlich ein paarmal gefragt ob der dortige Stand der Technik bei uns noch vor dem Krieg oder doch erst kurz danach ausrangiert wurde. Und zurück zu Thailand, solange man in diesem Land nicht mal über Veränderungen der Gesellschaftsstruktur nachdenken darf, um wie auch immer Reformen dieser verkrusteten Strukturen möglich gemacht werden könnten, wird sich auch nichts, aber auch gar nichts verändern. Außer dass ein schleichender, kaum wahrnehmbarer Abstieg weiter voran geht. Ob das eines Tages in einem großen finalen Knall endet? Ich weiß es natürlich auch nicht.
Warum ist das so und nicht anders?
Die Frage ist einfach zu beantworten. Praktisch keine Politik will/möchte Menschen die verstehen, was sie im Grunde eigentlich tun!!!
So etwas gelingt fast am besten, wenn man die Bevölkerung von jeglicher auf Logik beruhenden Bildung ausschließt und damit quasi zwingt, vieles zu erfragen. Der/die Antwortenden steuern die Fragenden mit ihren Angaben und somit bleibt der Kreis geschlossen.
Oligarchie, Korruption und schon hat man die wesentlichen Gründe warum sich kaum etwas zum Positiven hinbewegt.
Hansruedi, Du weisst es ja seit Jahrzehnten. Probleme erkannt, Lösung in ganz weiter Entfernung!
Keine Bildung, kein Fortschritt. Betrifft nicht nur Thailand, auch in Europa sinkt das Bildungsniveau permanent ( siehe Pisa Studie ).
DE als Bsp, wie will man gegensteuern?
Ja, dem stimme ich zu, aber in TH war es schon vor 60 Jahren so.
Gibt es denn wirklich keinen Influencer der dem Ueli das ganz simple mit der Ampel und deren Ende so erklären könnte, dass der sich das auch merken kann?
Wer im Glashaus sitzt,sollte nicht mit Steine werfen . Es gibt in Europa eine Nation , die war Exportweltmeister und wurde durch falsche Zielsetzungen runtergewirtschaftet zum „kranken Mann “ der EU. Ein Bereich wächst allerdings weiter: der Umgang mit Migration und Asyl.
Genau richtig
Im Glashaus sitze ich nicht! Dieses Desaster in TH begann aber schon vor sehr vielen Jahrzehnten, als in Europa noch sehr gute Schulbildung praktiziert wurde.
Richtig, WAR !!! ….aber nicht mehr.Es gibt Schulklassen, da sprechen nur noch 5-10 Prozent Deutsch, malen Bilder und singen und tanzen, da der Lehrer und ein Groh von Betreurer sich intensiv um den Rest kuemmern.