BANGKOK, THAILAND – Der Tod eines jungen Soldaten in Militärhaft sorgt für erhebliche Zweifel, seit nach seiner Einäscherung ein Edelstahl-Löffel in der Asche gefunden wurde. Während die offizielle Obduktion ein plötzliches Herzversagen ohne Spuren von Gewalt festhielt, stellen Familie und Zeugenberichte die militärische Darstellung massiv in Frage.
Der Vorfall im Militärgefängnis
Der Wehrdienstleistende Phetcharat Kamlangying, der im 2nd Artillery Regiment, Royal Guard in der Provinz Prachinburi diente, war am 10. November 2025 im Militärgefängnis des 12th Military District zusammengebrochen und von Ärzten kurz darauf für tot erklärt worden.
Nach Angaben des 1st Army Area Command erlitt der Soldat im Gewahrsam einen Krampfanfall, wurde ohne Puls aufgefunden, in ein Krankenhaus gebracht und verstarb dort wenig später.
Obduktion ohne Hinweise auf Gewalt
Die militärmedizinische Obduktion ergab laut Armee keinerlei äußere oder innere Verletzungen, keine Anzeichen für Schläge, keine Hirnprellung und keine inneren Blutungen.
Als offizielle Todesursache wurde ein akutes Herzversagen infolge einer hypertrophen Kardiomyopathie mit Herzblockung dokumentiert, die Armee bezeichnete die medizinischen Befunde als vollständig und abschließend.
Ritual, Widerstand im Mund und ein Löffel
Erst bei der Einäscherung erhielt der Fall eine neue Wendung, als Bestatter Sittiporn während der traditionellen Zeremonie beim Platzieren von Ritualblumen einen harten Widerstand im Mund des Verstorbenen spürte.
Nachdem der Körper vollständig verbrannt war, entdeckte er in der Ascheschale einen unversehrten Edelstahl-Löffel, der nach seinen Angaben weder bei der Vorbereitung des Leichnams noch während des Rituals benutzt oder eingeführt worden war.
Familie verliert Vertrauen in die Erklärung der Armee
Die Angehörigen, die zunächst der Erklärung der Armee zu einem natürlichen Herzversagen gefolgt waren und die Bestattung veranlasst hatten, wurden erst nachträglich über den Löffelfund informiert und erklärten, von einem solchen Gegenstand im Körper ihres Sohnes nichts gewusst zu haben.
Der Vater betonte, die Familie richte keine direkten Anschuldigungen gegen bestimmte Armeeangehörige, verlange aber klare und überprüfbare Antworten sowie die bislang ausstehende zugesagte Unterstützung aus den Fürsorgeleistungen für Soldaten.
Disziplinarmaßnahme und Haft vor dem Tod
Nach Darstellung des zuständigen Kommandeurs war Phetcharat vor seinem Tod disziplinarisch belangt worden, weil er verspätet aus dem Urlaub in die Einheit zurückgekehrt war, wobei der Offizier lediglich erklärte, dass Strafen von leichten Maßnahmen bis hin zu Arrest reichen könnten.
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Bestätigt ist inzwischen, dass der Soldat vor seinem Zusammenbruch in der Haftanstalt des 12th Military District Prison festgehalten wurde, Einzelheiten zur tatsächlich verhängten Strafe legte die Armee jedoch nicht offen.
Versetzte Gefängnischefs und zentrale Untersuchung
Nach dem Fund des Löffels leitete die Armee umgehend verwaltungsrechtliche Schritte ein und versetzte den Direktor des Militärgefängnisses sowie den dortigen Aufseher vorläufig an den Hauptsitz.
Gleichzeitig ordnete der Befehlshaber der 1st Army Region die Einsetzung eines zentralen Untersuchungsausschusses an, der alle beteiligten Einheiten, Haftabläufe und Zuständigkeiten überprüfen und laut Armeeangaben Fairness gegenüber Einheit und Familie sichern soll.
Offizielle Stellungnahme hält an Herzversagen fest
In einer ausführlichen Erklärung vom 23. Februar bekräftigte das 1st Army Area Command die Obduktionsergebnisse und hob erneut hervor, es gebe keine Hinweise auf körperliche Misshandlungen, keine Hirnverletzung und kein inneres Blutungsbild.
Demnach bleibt die offizielle Todesursache ein plötzlicher Herzstillstand im Zusammenhang mit akuter Herzschwäche, zugleich versprach das Kommando Transparenz, kündigte die Veröffentlichung der Untersuchungsergebnisse an und sprach der Familie sein Beileid aus.
Zweifel der Angehörigen und neue Zeugenaussagen
Phetcharats Tante äußerte gegenüber dem Fernsehsender Channel 7 erhebliche Zweifel an der Diagnose eines angeborenen Herzproblems und verwies darauf, dass ihr Neffe vor der Einberufung im Holzunternehmen der Familie gearbeitet und nie Herzbeschwerden gezeigt habe.
Parallel dazu berichtete die ehemalige Parlamentskandidatin Nitchanan Wangkahat, die den Fall in sozialen Netzwerken publik machte, sie habe von mindestens drei Zeugen und Soldaten übereinstimmende, anonym übermittelte Schilderungen erhalten, nach denen ein ranghöherer Soldat Phetcharat heftig in die Brust getreten haben soll.
Verteidigungsminister ordnet umfassendere Ermittlungen an
Die Armee hat diese Schilderungen bislang nicht bestätigt, doch der wachsende öffentliche Druck veranlasste Verteidigungsminister General Nattaphol Nakpanich dazu, am 23. Februar 2026 eine ausgeweitete Untersuchung anzuordnen.
Er erklärte, sollten sich Hinweise auf Gewalt oder Folter erhärten, würden die Verantwortlichen nach dem Gesetz zur Verhütung und Unterdrückung von Folter und Verschwindenlassen strafrechtlich verfolgt, verwies gleichzeitig aber auf Zwischenberichte untergeordneter Einheiten, die bislang keine Unregelmäßigkeiten erkennen ließen.
Rolle des Löffels bleibt ungeklärt
Der Minister sagte, ob Löffel im Arrest regulär erlaubt seien, könne er nicht im Detail beantworten, verwies jedoch darauf, dass Soldaten häufig eigene Löffel bei sich tragen und in manchen Einheiten Löffel und Trinkgefäße zur Standardausrüstung gehörten.
Spekulationen, der Löffel könne als Waffe genutzt worden sein, verwies er an die zuständigen Ermittler und betonte erneut, die Obduktion habe keine inneren Verletzungen gezeigt, zugleich bleibt der Fund eines unversehrten Edelstahl-Löffels in der Asche ein ungeklärtes Detail, das in den Autopsieberichten nicht auftaucht.
Disziplin und Vertrauen in die Streitkräfte
Vor dem Verteidigungsrat mahnte General Nattaphol die Kommandeure, die Disziplin in allen Bereichen – von Wehrpflichtigen über Ranger bis zu zivilen Bediensteten und Unteroffizieren – streng zu überwachen und dabei der Öffentlichkeit gegenüber größtmögliche Transparenz zu gewährleisten.
Er warnte, dass nicht aufgeklärte Vorfälle das Vertrauen in eine Institution beschädigen könnten, die in der Vergangenheit für ihre Einsätze oft gelobt worden sei, und stellte klar, dass bei Vorwürfen von Folter konsequent nach dem Anti-Folter-Gesetz und anderen einschlägigen Normen vorgegangen werden müsse, während die offizielle Version weiterhin von einem Tod durch akutes Herzversagen ausgeht und die offene Frage bleibt, wie der Löffel in den Körper des Soldaten gelangte.



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