Horror-Netzwerk: Kinder jahrelang ausgebeutet

Neun Jahre Kinderbettel-Mafia: Ein Ehepaar soll Minderjährige in Schuluniformen mit QR-Spendenboxen auf die Straße geschickt haben – wer die Tagesquote verfehlte, wurde bestraft. Was die Polizei bei der Razzia fand, ist erschütternd.

Horror-Netzwerk: Kinder jahrelang ausgebeutet
Wassayos Ngamkham, Bangkok Post

NAKHON PATHOM, THAILAND – Die Polizei hat ein Ehepaar festgenommen, das laut Ermittlern über Jahre ein Netzwerk zum Betteln mit Kindern betrieben und Minderjährige systematisch ausgebeutet haben soll. Die Opfer mussten in Schuluniformen auftreten, tägliche Geldvorgaben erfüllen und wurden bei „Fehlbeträgen“ bedroht oder misshandelt.

Festnahmen nach Einsatz der Zentralen Ermittlungsbehörde

Die Festnahmen wurden am Donnerstag von Pol Lt Gen Natthasak Chaowanasai, dem Chef des Central Investigation Bureau (CIB), bekanntgegeben.

Der Zugriff erfolgte im Rahmen einer Operation der Anti-Trafficking in Persons Division (ATPD), die auf Menschenhandel und Ausbeutung spezialisiert ist.

Wer die Verdächtigen sind und welche Vorwürfe im Raum stehen

Bei den Beschuldigten handelt es sich um Artorn (36) und Pimwimon (32), die in einem Haus im Tambon Ta Kong, Bezirk Muang (Nakhon Pathom), festgenommen wurden.

Gegen das Paar liegen Haftbefehle des Criminal Court vom 11. März vor; die Ermittler nennen unter anderem Menschenhandel zum Zweck des erzwungenen Bettelns sowie die Ausbeutung von Kindern als zentrale Anklagepunkte.

Bettelorte: Märkte, Tempelfeste, Konzerte – bis nach Pattaya

Nach Angaben von ATPD-Chef Pol Maj Gen Wittaya Sriprasert sollen Kinder unter 18 Jahren an stark frequentierte Orte gebracht und dort zum Betteln gezwungen worden sein.

Genannt werden Märkte rund um den Phra Pathom Chedi, Tempelfeste und Konzerte in Nakhon Pathom und Nachbarprovinzen sowie Einsätze in Pattaya.

Schuluniformen und QR-Codes: So soll das System funktioniert haben

Um Mitleid zu erzeugen, mussten die Kinder laut Polizei Schuluniformen tragen, während sie um Spenden baten.

Spendenboxen waren demnach mit QR-Codes versehen, die direkt mit Bankkonten der Verdächtigen verknüpft waren, sodass Passanten Geld digital überweisen konnten.

Kontrolle, Nachweispflicht und Gewalt bei „zu wenig“ Einnahmen

Die Kinder mussten laut Ermittlern detailliert Buch führen, unter anderem durch das Fotografieren von Überweisungsbelegen als Einnahmennachweis.

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Wer Vorgaben nicht erfüllte oder keine Beweise für die Einnahmen liefern konnte, sei beschimpft, bedroht und körperlich bestraft worden.

Razzia: Bargeld, Fahrzeuge, Gold und Beweismittel sichergestellt

Bei der Durchsuchung stellte die Polizei nach eigenen Angaben mehr als 52.000 Baht Bargeld sicher, überwiegend in 20-Baht-Scheinen.

Außerdem wurden zwei Autos, sechs Motorräder, zwei Motorrad-Beiwagen, Gold im Umfang von drei Baht-Gewicht sowie Spendenboxen, Schuluniformen und QR-Code-Aufkleber beschlagnahmt.

Drei Jungen gerettet: Jahre ohne Schule, Betteln bis tief in die Nacht

Die Beamten retteten drei Jungen im Alter von 11, 16 und 17 Jahren, die laut Polizei drei bis neun Jahre in dem System festgehalten worden sein sollen.

Den Angaben zufolge wurde ihnen der Schulbesuch verwehrt; tagsüber mussten sie Hausarbeiten erledigen und anschließend täglich von 18 Uhr bis 2 Uhr nachts betteln.

Weitere Schritte: Schutz für die Kinder, Verfahren gegen die Beschuldigten

Die geretteten Kinder wurden unter den Schutz des Ministeriums für soziale Entwicklung und menschliche Sicherheit gestellt.

Die Verdächtigen bestreiten die Vorwürfe; sie und die sichergestellten Beweismittel wurden an Ermittler der ATPD-Unterabteilung 5 zur weiteren Strafverfolgung übergeben.

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Quelle: Bangkok Post Thailand

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