BANGKOK – Ein nigerianischer Drogenboss raste mit seinem Wagen rückwärts in Polizisten, als das Einsatzkommando ihn stoppen wollte. Den Beamten gelang es trotz des waghalsigen Manövers, den 36-Jährigen noch im Auto zu überwältigen. Dahinter steckt ein Netzwerk aus Kokainhandel und Liebesbetrug, durch das binnen eines Jahres über 380 Millionen Baht geschleust wurden.
Operation „Dodorima-Flügelstutzen“ schlägt zu
Seit dem 22. Mai lief die verdeckte Operation, mit der Polizei und das Amt für Drogenbekämpfung (ONCB) der Bande auf die Spur kamen. Zunächst stürmten die Ermittler eine Luxuswohnung im Bezirk Saphan Phra Nang Klao in Nonthaburi und nahmen dort sechs ausländische Verdächtige fest.
Von dieser Razzia aus zogen sich die Fäden zu einem weit größeren Kartell mit dem Tarnnamen „DODORIMA“. Dahinter verbirgt sich ein Ableger des globalen Netzwerks „NBM OF AFRICA“. Der Kopf der Gruppe: Der Nigerianer Patrick, der sich seit sieben Jahren in Thailand versteckt hielt.
Auto rammt Beamte – Motor in letzter Sekunde abgewürgt
In der Nacht zum 9. Juni beobachteten die Zielfahnder, wie Patrick in einer Luxuswohnung im Bangkoker Bezirk Yan Nawa einfuhr. Als sie ihn mit einer Fahrzeugblockade stoppen wollten, legte er den Rückwärtsgang ein und rammte die Polizisten. Mehrere Beamte wurden dabei verletzt.
Polizeigeneralmajor Theeradej gab den Befehl, die Autoscheiben einzuschlagen. Den Einsatzkräften gelang es, den Motor abzustellen, bevor der Verdächtige eine Schneise schlagen konnte. Nach der Festnahme fanden sie in seinem Wagen Kokain.
18 Gramm Kokain und Luxusleben auf 700.000 Baht
Bei der Durchsuchung des Autos und des Zimmers stellten die Beamten rund 18 Gramm Kokain sicher. Dazu kamen ein Auto im Wert von 200.000 Baht, 178.800 Baht in bar sowie 1.900 US-Dollar – insgesamt ein Vermögensmix von etwa 700.000 Baht.
Weitere 40.000 Baht lagen auf Bankkonten, ergänzt durch teure Markenartikel. Das Kokain diente Patrick offenbar längst nicht mehr nur als Handelsware, sondern als Türöffner in einflussreiche Kreise.
Vom Straßenverkäufer zum Ring-Anführer
Patrick kam ursprünglich als kleiner Kokainverkäufer an Touristenorten nach Thailand. Innerhalb weniger Jahre stieg er zu einem der führenden Köpfe des Kartells auf und pendelte zwischen Thailand und Afrika.
Das Netzwerk wusch gewaltige Summen und verschleierte seine Geschäfte mit einer andauernden „Charity-Tour“: Immer wieder sammelte die Gruppe öffentlich Wohltätigkeitsspenden, um die illegalen Einkünfte zu tarnen.
Romance-Scam als zweites Standbein
Die Ermittler fanden eine direkte Verbindung zwischen dem Kokainring und einer zuvor ausgehobenen Romance-Scam-Bande in Nonthaburi. Die bereits am 22. Mai festgenommenen sechs Ausländer betrieben von einer Luxusunterkunft aus groß angelegten Liebesbetrug.
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Beide Stränge flossen unter dem Dach der DODORIMA-Gruppe zusammen. Chat-Protokolle aus geheimen Gruppen belegen, dass sich die Mitglieder über Kokainkonsumenten in Thailand austauschten. Der Drogenhandel lief parallel zum Online-Betrug.
Teilgeständnis – Fischhandel als Erklärung
Nach der Festnahme räumte Patrick den Besitz des Kokains ein. Die Vorwürfe der Geldwäsche wies er jedoch zurück und behauptete, die gefundenen Gelder stammten aus einem Fischhandel und Spendenaktionen zwischen Thailand und Nigeria.
Für die Polizei ist das nur eine weitere Schutzbehauptung. Die sichergestellten Vermögenswerte wurden dem Amt für Drogenbekämpfung (P.P.S.) zur weiteren Untersuchung übergeben, wo die Finanzermittler jetzt die Spur des Geldes lückenlos rekonstruieren.
Polizei spricht von gezieltem Flügelstutzen
Der stellvertretende Polizeisprecher Theeradej wertete den Zugriff als entscheidenden Schlag gegen das transnationale Verbrechen. „Diese Festnahme stutzt die Flügel der Bande und unterbricht den Geldwäschekreislauf“, erklärte er nach der Veröffentlichung.
Neben dem Drogenvorwurf muss sich Patrick auch wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte verantworten. Er sitzt jetzt im Polizeigewahrsam der Station Bang Phong Phang.
Jagd auf ausländische und thailändische Komplizen
Die Polizei wird die Finanzströme gemeinsam mit dem Amt für Drogenbekämpfung (P.P.S.) und internationalen Behörden weiterverfolgen. Ziel ist es, alle beteiligten Hintermänner und Helfershelfer – ob Ausländer oder thailändische Staatsbürger – zur Rechenschaft zu ziehen.
Die Ermittlungen zur Geldwäsche dauern an. Die Polizei von Bangkok und die Nationalpolizei planen weitere Maßnahmen, um das Netzwerk vollständig zu zerschlagen und die Verantwortlichen vor Gericht zu bringen.



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