BANGKOK – Thailands Gesundheitsausschuss hat in einer hitzigen Sitzung den radikalen Schritt geprüft, Cannabis erneut als Betäubungsmittel einzustufen. Der Grund: unkontrollierte Verkäufe, rechtliche Schlupflöcher und wachsende Gesundheitsrisiken drängen die Politik zum Handeln.
Die tief gespaltene Debatte zeigt, wie wackelig das liberale Cannabis-Experiment im Land geworden ist. Während Mediziner und Drogengegner eine Notbremse fordern, schlagen legale Betreiber und Bauern Alarm und warnen vor einem wirtschaftlichen Kahlschlag.
Ausschuss-Vorsitzender ordnet knallharte Inventur in Bangkok an
Sakoltee Phattiyakul, Vorsitzender des House Public Health Committee, ließ am 18. Juni die Bombe platzen. Er ordnete eine sofortige Bestandsaufnahme aller lizenzierten Cannabis-Shops in Bangkok sowie sämtlicher von der FDA zertifizierter Produkte an.
Der Ausschuss will Klarheit über das Ausmaß der gegenwärtigen Vertriebskanäle. Zudem soll umfassend untersucht werden, welche Gruppen besonders unter cannabisbedingten Schäden leiden und wie gravierend die Probleme wirklich sind.
Machtwort aus dem Ministerium: Neues Gesetz soll spätestens Ende Juli stehen
Dr. Tewan Thaneerat, stellvertretender Generaldirektor des Department of Thai Traditional and Alternative Medicine, erklärte dem Ausschuss die aktuelle Rechtslage. Cannabis unterliegt derzeit als kontrolliertes Kraut dem Gesetz zum Schutz und zur Förderung der Weisheit der thailändischen traditionellen Medizin von 1999.
Doch das soll nicht so bleiben. Das Gesundheitsministerium feilt zusammen mit der FDA, dem Department of Health Service Support und dem Büro des Ständigen Sekretärs an einem neuen Cannabis- und Hanfgesetz. Der Entwurf durchläuft gerade öffentliche Anhörungen, die bis Ende Juli abgeschlossen sein sollen. Danach geht der Text ins Kabinett.
Streit um den Betäubungsmittelstatus: „Schlupflöcher, die von grauen Unternehmen ausgenutzt werden“
Ekkapop Sittiwantana von der People’s Party, stellvertretender Ausschussvorsitzender, machte Druck. Er forderte, Cannabis kurzfristig wieder auf die Betäubungsmittelliste zu setzen, bis das neue Gesetz greift. Nicht registrierter Anbau und direkte informelle Verkäufe seien weit verbreitet.
Sein Vorwurf: Diese Praktiken schaffen gefährliche Lücken, die zwielichtige Geschäftemacher ausnutzen. Er verlangte eine lückenlose Registrierung aller Cannabispflanzen, um den Wildwuchs zu stoppen.
Mediziner-Netzwerk schlägt Alarm: „Die Auswirkungen sind bereits sichtbar“
Assoc. Prof. Dr. Smith Srisont vertrat ein breites Netzwerk aus Ärzten, Akademikern und zivilgesellschaftlichen Gruppen. Er kritisierte die Entscheidung, Cannabis aus dem Betäubungsmittelgesetz zu streichen, scharf. Obwohl Extrakte mit mehr als 0,2 Prozent THC weiterhin als Betäubungsmittel gelten, seien die gesellschaftlichen Folgen der freien Verfügbarkeit nicht mehr zu übersehen.
Dr. Smith wies auf einen Webfehler im System hin: Während Cannabisblüten als kontrolliertes Kraut eingestuft sind, bleiben andere Pflanzenteile beim Anbau praktisch außerhalb jeder strafrechtlichen Kontrolle. Sein Lösungsvorschlag: erst zurück unter Betäubungsmittelkontrolle, dann ein sauberes Regulierungsgesetz.
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Legale Branche in der Zwickmühle: Kampf gegen Schwarzmarkt und teure Rezepte
Das Thai Cannabis Future Network und andere Betreiber schilderten dem Ausschuss eine völlig andere Realität. Legale Unternehmer kämpfen demnach ums Überleben, weil der Schwarzmarkt und illegale Importe ihnen das Geschäft kaputtmachen. Die ständige rechtliche Unsicherheit tue ihr Übriges.
Das Netzwerk äußerte zudem schwere Vorwürfe: Einige Beamte sollen im Zusammenhang mit Lizenzen angeblich Vorteile gefordert oder Druck ausgeübt haben. Auch seien ärztliche Rezepte für viele Bauern viel zu teuer oder würden an Orten gehandelt, die mit Gesundheitsversorgung nichts zu tun haben.
Nächster Halt: Neues Gesetz soll Bauern und große Investoren in Balance halten
Sakoltee betonte nach der Sitzung, Cannabis sei viel zu leicht zugänglich geworden. Künftige Gesetze müssten klare Abstandsregeln zwischen Verkaufsstellen und Bildungseinrichtungen festschreiben. Der Ausschuss sei bereit, einen Gesetzentwurf aus dem öffentlichen Sektor parallel zum Entwurf des Gesundheitsministeriums zu prüfen.
Damit steuert Thailand auf eine Richtungsentscheidung zu, die wirtschaftliche Interessen, Bauernrechte und den Schutz der öffentlichen Gesundheit unter einen Hut bringen muss. Der Druck wächst, denn die Sorgen über unkontrollierten Zugang gerade bei Jugendlichen reißen nicht ab.



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