Massen-Razzien in Thailand: 62 Scheinehen, 40 Haftbefehle

40 Haftbefehle! 62 illegale Scheinehen – 25 Täter noch auf der Flucht! Wer steckt hinter der Staatsbürgerschafts-Masche?

Massen-Razzien in Thailand: 62 Scheinehen, 40 Haftbefehle
Matichon

BANGKOK – Schlag gegen kriminelle Netzwerke: Thailändische Behörden haben ein System aufgedeckt, bei dem sich Chinesinnen durch Scheinehen mit bezahlten thailändischen Männern die Staatsbürgerschaft für ihre Kinder erschlichen. Bei einer großangelegten Razzia flogen jetzt 40 neue Haftbefehle.

Razzia unter dem Namen „Drachenschuppen entfernen“

Am 9. Juli um 15:00 Uhr trat der stellvertretende Innenminister Phonphi Suwanchawi in der Polizeidivision 8 im Bezirk Chom Thong vor die Presse. Mit im Boot sitzen die gesamte Polizeispitze um General Samran Nuanma sowie Ermittler der Anti-Korruptionsbehörde PACC, der Geldwäscheeinheit AMLO und der Sonderermittlungsabteilung DSI.

Das Ziel der „Thod Klet Mangkon“ getauften Operation: Ein Netzwerk zerschlagen, das thailändische Männer als „Scheinväter“ anheuerte. Die Männer gingen Ehen mit chinesischen Frauen ein – allein, um den Kindern danach die thailändische Staatsbürgerschaft zu verschaffen.

62 dubiose Paare in der Datenbank

Die Ermittler durchforsteten die Datenbank der Provinzverwaltung und fanden 62 Geburtsmeldungen, bei denen ausländische Mütter und thailändische Männer als Eltern eingetragen waren. In mindestens 19 Fällen sollen die jetzt beschuldigten Personen direkt bei der Ausstellung der Geburtsurkunden beteiligt gewesen sein.

Die Drehscheibe: Ein privates Krankenhaus in Bangkok und ein nicht näher benanntes Bezirksamt. Hier liefen laut den Behörden Geburtsanzeige und Dokumentenausstellung Hand in Hand – unter Umgehung aller Kontrollen und mit tatkräftiger Hilfe von Amtsträgern.

Haftbefehl gegen Krankenhaus-Mitarbeiterin und Beamte

Die Richter unterschrieben 40 Haftbefehle und 42 Durchsuchungsbeschlüsse. Auf der Liste stehen eine namentlich geschwärzte Krankenhausmitarbeiterin, eine Bezirksbeamtin, 17 thailändische Scheinväter und 16 ausländische Mütter. Alle Beschuldigten wurden den Strafverfolgern übergeben.

Die Ermittlungen enden hier nicht. Die Beamten prüfen gezielt, wer noch Teil des Geflechts war und ziehen die Kreise weiter.

15 Verdächtige schon seit der ersten Welle in Haft

Die jetzige Aktion ist die direkte Fortsetzung des vorangegangenen Einsatzes „Yorn Klet Mangkon“. Schon in dieser ersten Welle hatten die Behörden 40 Haftbefehle und 53 Durchsuchungsbeschlüsse erwirkt und 15 Personen festgenommen – darunter Ausländer, gekaufte Thailänder und bestochene Krankenhauskräfte.

Das Muster war jedes Mal dasselbe: Bezahlte Strohmänner liehen ihren Namen her, damit Kinder ausländischer Mütter die begehrten thailändischen Papiere bekamen. Die Folge: eine Hintertür für Geldwäsche, Grundstückskäufe und verdeckte Firmengeflechte durch ausländisches Kapital.

Staatsbürgerschaft als Ware für kriminelle Geschäfte

Das Kalkül der Hintermänner geht weit über einen falschen Eintrag im Register hinaus. Mit einem thailändischen Pass in der Hand lassen sich Gesetze zu Immobilienbesitz und Firmengründungen aushebeln. Die Behörden sehen darin einen direkten Angriff auf die öffentliche Ordnung und die nationale Sicherheit.

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Geldwasch-Experten erkennen in den kinderleicht erworbenen Staatsbürgerschaften einen perfekten Deckmantel, um große Summen zu verschieben. „Es geht nicht nur um falsche Angaben – es geht um bezahlte Scheinidentitäten für Kinder, um Geschäfte in Thailand zu machen“, hieß es aus dem Ermittlerkreis.

Minister droht korrupten Beamten: „Wir ermitteln bis zum Ende“

Vize-Innenminister Phonphi machte auf der Pressekonferenz unmissverständlich klar, dass die Regierung das Wegschauen beendet hat. Die Politik von Premierminister und Innenminister Anutin Charnvirakul sei, das Recht eiskalt durchzusetzen – ohne Ansehen der Person und ohne Rücksicht auf Behördenzugehörigkeit.

Wörtlich sagte er: „Wir schauen uns die Leute und ihr Verhalten genau an. Egal in welcher Behörde Sie arbeiten, wenn Sie das Gesetz brechen, werden unsere Leute bis zur letzten Konsequenz ermitteln.“ Eine klare Kampfansage an alle, die bislang glaubten, Amt und Einfluss schützten vor Strafe.

Nationale Notbremse: 878 Meldeämter verschärfen Regeln

Als Sofortmaßnahme hat das Innenministerium eine Anweisung an alle 878 Registrierungsämter in Thailand geschickt. Ausländische Väter und Mütter müssen künftig persönlich vorsprechen und ihre Elternschaft bestätigen – die Zeit der papiernen Stellvertreter und Gefälligkeitsunterschriften soll vorbei sein.

Die Behörden wollen mit diesem Schritt die aufgedeckte Lücke im Meldewesen schließen und Trittbrettfahrer abschrecken. Ob das reicht, um den Handel mit thailändischen Pässen auszutrocknen, bleibt abzuwarten.

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Quelle: Matichon

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