Ich werde in Europa immer wieder gefragt, wie es eigentlich ist, eine Bäckerei in Bangkok zu leiten. Vor allem junge Leute spielen mit dem Gedanken, sich in Thailand selbstständig zu machen. Die Vorstellung klingt schließlich verlockend: Sonne, Palmen und dazu eine eigene Bäckerei. Viele denken: „Das kann ich doch auch.“
Der Plan scheint auf den ersten Blick ganz einfach zu sein. Ein paar gebrauchte Bäckereimaschinen günstig kaufen, über den großen Teich nach Thailand verschiffen, eine passende Halle mieten, alles installieren, Mehl und die restlichen Zutaten einkaufen – und schon kann es losgehen.
Was soll da schon schiefgehen? Kunden gibt es schließlich genug, und an zahlungskräftigen Menschen mangelt es in Thailand ebenfalls nicht.
Tatsächlich kann dieses Konzept sogar funktionieren, wenn man beispielsweise irgendwo am Strand in Pattaya eine kleine Bäckerei eröffnet, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Vorausgesetzt natürlich, die Qualität stimmt und die Backwaren schmecken.
Doch sobald man Kunden betreut, wie wir sie haben, verändert sich die gesamte Situation.
Zu unserem Kundenstamm gehören unter anderem 18 internationale Schulen – und jede einzelne hat ihre eigenen Anforderungen, Standards und Erwartungen. Mehrmals im Jahr finden bei uns umfangreiche Hygiene- und Qualitätsaudits statt. Unsere Produktionsräume, Arbeitsabläufe, Dokumentationen und Hygienestandards werden dabei bis ins kleinste Detail kontrolliert.
Wir arbeiten nach strengsten Hygienevorschriften und sind selbstverständlich HACCP-zertifiziert. Allein diese Zertifizierung sowie die regelmäßigen Audits kosten jedes Jahr mehrere tausend US-Dollar. Hinzu kommen unzählige Stunden, die wir jährlich in die Schulung und Weiterbildung unserer Mitarbeiter investieren. Hygiene, Lebensmittelsicherheit und Qualitätsmanagement sind keine Nebensache – sie gehören zu unserem täglichen Geschäft.
Dieser hohe Aufwand zahlt sich jedoch aus. Er ermöglicht es uns, auf Augenhöhe mit multinationalen Unternehmen zu arbeiten und mit ihnen erfolgreich zu konkurrieren. Im Laufe der Jahre konnten wir sogar zahlreiche Aufträge gewinnen, die zuvor an große internationale Firmen vergeben wurden. Darauf sind wir natürlich besonders stolz.
Genau deshalb reicht es nicht aus, lediglich einen Bäckerberuf erlernt zu haben. Wer langfristig erfolgreich sein möchte, sollte möglichst viele Jahre praktische Erfahrung mitbringen.
Ich selbst habe sieben Jahre als Pastry Chef in renommierten 5-Sterne-Hotels sowie auf Kreuzfahrtschiffen gearbeitet. Anschließend folgten 14 Jahre im Airline-Catering als Bäckerei-Produktionsmanager – eine Zeit, in der ich täglich unter höchsten Qualitäts- und Zeitvorgaben arbeiten durfte. Dazu kommen viele weitere Erfahrungen, die mich auf meinem beruflichen Weg geprägt haben.
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Und trotzdem lernt man jedes Jahr wieder etwas Neues. Genau das macht diesen Beruf so faszinierend. Egal, wie viele Jahre Erfahrung man bereits gesammelt hat – neue Herausforderungen, neue Ideen und neue Anforderungen sorgen dafür, dass es niemals langweilig wird.
Vielleicht ist genau das das Schönste an diesem Beruf: Man hört nie auf zu lernen.



