Ab dem 15. September 2026 gilt für Reisende aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an jedem thailändischen Einreisepunkt die neue Regel: 30 Tage statt 60. Das Innenministerium hat die Verordnung am 31. August im Gesetzblatt veröffentlicht, der Beschluss ist rechtskräftig. Was danach folgte, war kein Aufschrei der Betroffenen, sondern ein Streit innerhalb der Tourismus-Branche selbst.
Thailand halbiert die visumfreie Einreise – und streitet sofort darüber
Die Tourismusbranche war gefragt. Und sie hat geantwortet. Nur leider nicht einheitlich. Auf der einen Seite: der Verband der Thai-Reisebüros ATTA, der die Kürzung ausdrücklich begrüßt. Auf der anderen: William Heinecke, Gründer und Chairman von Minor International, einem der größten Hospitality-Konzerne des Landes. Heinecke hält die 30-Tage-Grenze für einen Fehler.
Beide Seiten reden über denselben Stempel. Aber sie meinen grundverschiedene Gäste: auf der einen Seite der Zwei-Wochen-Urlauber aus Frankfurt, auf der anderen der Patient, der nach Bangkok zur Knie-OP fliegt und vier Wochen Rehabilitation braucht. Das ist das Grundproblem dieser Debatte, und es erklärt, warum sie sich im Kreis dreht.
ATTA-Chef Sisadiwat: Wer wirklich kommt, braucht keine 60 Tage
Sisadiwat Cheewaratanaporn, Ehrenpräsident der ATTA, argumentiert mit Zahlen. Der durchschnittliche Tourist bleibt laut seiner Einschätzung sieben bis zehn Tage. Längere Urlaube enden meist nach 15 bis 20 Tagen. Wer also ein normales Reiseprogramm absolviert, hat mit 30 Tagen noch immer Puffer. Die Kürzung trifft diesen Gast schlicht nicht.
Sisadiwat geht sogar noch weiter: Er sieht die frühere 60-Tage-Regelung nicht als Großzügigkeit, sondern als Einladung zum Missbrauch. Wer zwei Monate legal im Land bleiben darf, hat Zeit. Zeit für Dinge, die mit Tourismus wenig zu tun haben.
Touristen als Tarnung: Wie Ausländer den Stempel als Arbeitsgenehmigung nutzen
Genau das ist der Kern des ATTA-Arguments. Ausländer, die als Touristen einreisen und dann Geschäfte betreiben, Kunden akquirieren oder auf eigene Rechnung arbeiten, sind kein Randphänomen. Sie konkurrieren direkt mit Thai-Unternehmern. Sisadiwat nennt das klar beim Namen und will, dass die Regierung schneller dagegen vorgeht.
Die 60-Tage-Regelung hat dieses Muster begünstigt. Kürzere Aufenthalte machen solche Konstruktionen nicht unmöglich, aber aufwendiger. Für ATTA ist die Kürzung damit auch eine Ordnungsmaßnahme, keine tourismuspolitische Fehlentscheidung.
Heinecke schlägt Alarm: Medizin-Tourismus braucht mehr Zeit als 30 Tage
Heineckes Einwand ist ein anderer. Er denkt nicht an den Pauschalurlauber, sondern an den Patienten. Jemand, der nach Thailand kommt, um sich operieren zu lassen, anschließend Rehabilitation braucht und auf Komplikationen vorbereitet sein muss, passt in keinen 30-Tage-Kalender. Eingriff plus Erholung kann sechs Wochen brauchen. Manchmal mehr.
Für Heinecke ist das keine Randgruppe. Thailand hat sich als Ziel für Medizin- und Wellness-Tourismus positioniert, das ist kein Versprechen an Schnäppchenjäger, sondern an zahlungskräftige Patienten. Wenn die jetzt mehr Bürokratie fürchten müssen, gehen sie woanders hin. Heineckes Lösung: bessere Einreisekontrollen statt kürzere Fristen.
Malaysia wartet schon: Der Kampf um zahlungskräftige Patienten
Der Nachbar schläft nicht. Malaysia baut seinen Sektor für Medizin- und Wellness-Tourismus gezielt aus und wirbt aktiv um genau jene Besucher, die Thailand gerne als Hochwerttouristen verbuchen würde. Heinecke hat das explizit angesprochen. Wenn ein Patient zwischen Bangkok und Kuala Lumpur abwägt, und einer der beiden Standorte weniger Einreisehürden hat, ist die Entscheidung schnell getroffen.
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Thailand kämpft also an zwei Fronten gleichzeitig: gegen den Missbrauch auf der einen, gegen Standortnachteile auf der anderen Seite. Dass beides mit derselben Maßnahme lösbar wäre, glaubt nicht mal die Regierung.
Chiang Mai und Pai: Wenn 15 Prozent der Gäste plötzlich ein Problem haben
Im Norden des Landes rechnet man anders. La-iad Bungsrithong vom Hotelverband Nordthailand schätzt den Langzeitgäste-Anteil in Chiang Mai auf fünf bis acht Prozent der Ankünfte. In Pai, dem kleinen Bergstädtchen in Mae Hong Son, liegt er laut dem dortigen Tourismusverband bei etwa 15 Prozent. Das klingt nicht nach viel, ist aber für regionale Wirtschaftskreisläufe relevant.
Wer bisher 30 oder 60 Tage blieb, hat Miete bezahlt, gegessen, konsumiert. Wer jetzt früher abreist oder auf ein langfristiges Visum wechseln muss, verändert das Muster. Die Verbände in Chiang Mai und Pai fordern keine Rückkehr zur alten Regel, aber sie wollen funktionierende Alternativen für legale Langzeitaufenthalte.
Visa-Alternative für Langzeitgäste: Was jetzt noch geht
Wer länger als 30 Tage bleiben will, hat nach wie vor Optionen. Beim lokalen Immigration Office ist eine einmalige Verlängerung um weitere 30 Tage für 1.900 Baht möglich. Damit kommt man auf maximal 60 Tage ohne Vorregistrierung. Wer mehr plant, braucht ein Visum. Das Destination Thailand Visa (DTV) erlaubt 180 Tage pro Einreise über fünf Jahre, verlangt aber 500.000 Baht Finanznachweis. Das Rentnervisum Non-O bleibt für Über-50-Jährige der klassische Weg.
Wer sich in der Vielfalt der Optionen nicht zurechtfindet, kann sich bei einem auf Visa-Fragen spezialisierten Beratungsbüro beraten lassen. Die Rechtslage ist klar, aber die richtige Wahl hängt von Alter, Aufenthaltsdauer und finanziellen Voraussetzungen ab.
Vietnam, Sicherheit und Sisadiwat: Was der ATTA-Chef wirklich fordert
Sisadiwat beschränkt sich nicht auf die Visumfrage. Er sieht Thailand vor einem Hochsaisonstart unter Druck auf mehreren Fronten. Vietnam greife Touristen ab, weil das Land als günstiger und sicherer wahrgenommen werde. Thais und Ausländer teilten diese Einschätzung inzwischen. Berichte über Verkehrsunfälle, Brände und Kriminalfälle, zuletzt der Fall zweier russischer Geschwister, hätten das internationale Bild beschädigt.
Sisadiwat will, dass Premierminister Anutin Charnvirakul persönlich die Koordination übernimmt: Sicherheitsbehörden sollen schneller reagieren, Vollzugsbehörden konsequenter gegen illegale Ausländer-Unternehmen vorgehen. Das Visum ist für ihn nur ein Baustein in einem größeren Problem.
Eine Branche, zwei Märkte, null Einigkeit
ATTA und die großen Hotelverbände unterstützen die 30-Tage-Regel. Heinecke und die Spezialanbieter für Medizin, Wellness und Langzeitaufenthalte lehnen sie ab, zumindest in dieser Form. Beide Seiten haben recht, weil sie über verschiedene Gäste reden. Der Zwei-Wochen-Urlauber merkt die Kürzung kaum. Der Patient mit Knie-OP und Reha merkt sie sehr.
Thailand hat eine Maßnahme erlassen, die auf den Missbrauchsfall zielt und dabei legitime Hochwerttouristen trifft. Das ist keine Katastrophe, aber auch kein cleveres Policy-Design. Die Branche streitet jetzt öffentlich darüber, was die Regierung intern hätte klären sollen.
Redaktionelle Hinweise
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Die genannte Aufenthaltsdauer von 30 Tagen gilt ab dem 15. September 2026 an allen Einreisepunkten Thailands. Wer bis zum 14. September mit einem 60-Tage-Stempel eingereist ist, behält diesen Stempel. Die Verlängerungsoption beim Immigration Office (1.900 Baht, +30 Tage) sowie Visumsoptionen wie DTV und Non-O bleiben davon unberührt, können sich aber kurzfristig ändern. Hinweis: Dieser Artikel enthält Links zu unseren Werbepartnern.
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Wer 2 Monate im Land bleibt, hat Zeit für Dinge, die mit Tourismus wenig zu tun haben. Stimmt…aber nicht unbedingt im Negativen. Wer 2-3 Monate hier überwintert, reist evtl. mal durch die Gegend, auch in Gebiete, die mit Tourismus wenig zu tun haben. Also mal von der Positiven Seite betrachten.
Der Herr Heinicke denkt natürlich erst mal an seine Unternehmen, hat aber eigentlich auch recht, denn grade im Medizintourismus möchte Thailand ja die Nummer eins (oder sind sie das schon) hier im Südostasiatischen Raum werden.
Nun denn, die Entscheidung ist jetzt gefallen, mich beeinträchtigt das in keinster Weise, die Auswirkungen auf den „wirklichen“ Tourismus wird man dann in einigen Monaten sehen und spüren können.
Alle haben Recht aus ihrer Sicht.
Ich habe auch Recht mit meiner Ansicht. Ich brauchte zur letzten 30 Tage Verlängerung drei Anläufe durch die Hinhaltetaktik des Schalterbeamten. Daraus habe ich gelernt. Beim nächsten Mal gehe ich einen anderen Weg. In einem Tag Reise ich mit dem Zug in den Norden, überquere die Grenze nach Laos, schaue mir das Land an und durchqueren es gemütlich und dreißig Tage später bin ich in Vietnam für mindestens fünfundvierzig Tage. Zurück fliege ich über BKK, aber nur um umzusteigen in den Flieger nach Europa. Auch andere Länder können mit meiner Rente etwas anfangen. Da muss ich mich nicht von einem Herren am Schalter wegen einer Extension of Visa veräppeln lassen.
Das man um 30 Tage verlängern kann gibt’s schon lange, das Problem fängt beim Abflug an – denn da wird auf den Rückflugticket geschaut
Nicht bei EMIRATES und QATAR AIRWAYS!!!
Auch dort wurde ich, erst beim Umsteigen in Doha, diesbezüglich 2023 nach dem Visum befragt. Der Aufenthalt hätte mit dem gebuchten Rückflug die 60 Tage überschritten. Da hatte ich allerdings ein NON-O dabei.
Also 100% würde ich mich darauf nicht verlassen.
Emirates kontrolliert sogar den QR Code vom TDAC beim Check In
Stimmt nicht. Die verlangen auch ein Rückflug Ticket.
…wie üblich werden Entscheidungen an den nackten Zahlen gemessen, nach 3 bis 6 Monaten kann erst wirklich richtig oder falsch bewertet werden. „Bangkok“ ist bekannt dafür Entscheidungen auch schnell wieder zu kippen .
Tscha. Ich war eine von den Touristen, die gerne genau 60 Tage geblieben sind. Nun ist es wieder unnötig mehr Aufwand. Ich habe in Thailand noch nie etwas anderes als Urlaub gemacht!
das ist diskriminierung pur–die die 30 tage kommen benehmen sich gestzeskonform und die die länger bleiben sind die die sich nicht an gesetze halten?
warum werden nicht ausnahmen gemacht-rentner -kranke die ein hospital aufsuchen zb.
# auf der Suche nach einem ca. 2 Monate alten Kommentar auf Wochenblitz fällt mir auf, dass diese Kommentare alle gelöscht werden – warum eigentlich ? #
Ich denke weiterhin man sollte der TAT und den Behörden den Vorschlag eines 45 Tages-TouristenVisums zumindest für EU/EWR-Einwohner nahe legen.
Für UnderCover-Arbeitswillige bringt dies nicht viel mehr (sind eh meist keine EU-Bürger), aber für Thailandliebhaber mit Interesse an Kultur und/oder Natur einiges:
Für einen längeren Aufenthalt an einem Ort ist eine Monatsmiete der wichtige Zeitraum. Hier hinzu kommen mehrere Tage An- und Abreise sowie ggf. noch eine Einkaufstour in einer Stadt wie BKK, CNX, Lopburi,…
Liebhaber der Provinz brauchen von letzterem einiges mehr.
Naturliebhaber auf Tour in Naturreservaten haben wg. größerem Aufwand zB für Ausrüstung, medizinische Vorbereitung usw auch ein wesentliches Interesse sich länger als 30 Tage (inkl. An+Abreisetag) im Lande aufzuhalten.
Wenn man dies vernünftig adressieren würde, sollte Thailand das eigene nachhaltige Interesse an diesen Touristen erkennen und sich mit 40-45 Tagen Visaspanne anfreunden können.
Für diese Touristengruppe machen die 10-15 Tage einiges hürdenfreier und wären in der 30/60-Debatte ein sinniger Kompromiss. Für Medizintouristen sollte ähnliches gelten.
Ich finde es schon mal besch…..eiden, alle Touristen, die länger als 30 Tage bleiben wollen, unter Generalverdacht zu stellen, sie seien Schwerverbrecher, die Thailand und Thailänder in den Bankrott treiben. Warum macht man nicht einfach im Land auf die Jagd, die wirklich illegales tun, wenn sie sich in Thailand aufhalten? Gerade die letzten Monate haben doch gezeigt, dass Polizei und Immigration dazu in der Lage sind.
Warum kann Thailand nicht im TDAC bereits eine Vorauswahl treffen? Wer angibt, nur bis zu 30 Tage bleiben zu wollen, wird durchgewunken und wer angibt, bis 60 Tage bleiben zu wollen, dessen „Thailand-Vita“ könnte doch da gleich geprüft werden und dem Touristen bereits vor der Abreise aus seinem Heimatland mitgeteilt werden, dass er sich bereits den Hinflug sparen kann, da er zu oft im Kalenderjahr die Grenze passiert hat. Der Computer weiß das ja inzwischen.
Der Tourist könnte sich das ganze Herumgetue um das Rückflugticket und die Aufenthaltsverlängerung bei der Immigration ersparen und noch ähnliches mehr. Als kleiner Nebeneffekt könnten die für die Verlängerung sonst übliche Gebühr bereits über das TDAC kassiert werden.
Es böte sich auch an, gleich ganze Bevölkerungsgruppen von der Einschränkung auf 30 Tage auszunehmen: Über 65 oder 70 Jahre alte Touristen werden wohl kaum auf Arbeitssuche gehen. Das gleiche könnte auch für Familien oder sonstige Zusammenreisende gelten.
In diesem Zusammenhang könnte gleich überlegt werden, ob die zeitliche Einschränkung für die Ausstellung des TDAC verändert werden sollte. Gibt es einen triftigen Grund, die 3 Tage vor dem Hinflug festzuschreiben? Was spricht dagegen, das TDAC schon bei der Flugbuchung (also ggf. bis zu 3 Monate vor der Anreise) ausstellen zu lassen?
Über diese Änderung beim TDAC-Verfahren bestünde gleichzeitig für den Touristen Rechtssicherheit, die jetzt in vielen Bereichen sehr fraglich geworden ist oder bereits früher schon fehlte.
Die Obergrenze von 2 Einreisen gilt nur auf dem Landweg
Thailand hat keine neue Regel geschaffen. Die 30 Tage-Regel ist der normale Tourismusaufenthalt. Der 60 Tagetest scheint gescheitert. Beurteilen kann ich das zwar nicht, aber ich gehe schon davon aus, dass Thailand das richtig abwägt. Thailand hat einfach die normale Einreiseregel wieder hergestellt, nicht mehr und nicht weniger. Wer länger bleiben möchte, hat mehrere Visumsmöglichkeiten.
Doch Thailand ändert die Regeln andauernd, nach Corona waren es 45 Tage, dann wieder 30 unter derselben Regierung wie jetzt. Dann die neue Regierung auf 60 Tage erhöht um Bürokratie abzubauen. Und jetzt Hr. Anutin, der law and order typ, der hinter vielen Touristen einen Verbrecher vermutet.
Ich will eigentlich nur 4 Monate über den Winter nach Südostasien, war letztes Jahr 60 Tage dort, dann 45 Tage in Vietnam und noch einen Monat in Thailand. Ich werde mich dem anpassen und dann nur mehr 2 Mal die 30 Tage ausschöpfen und das Geld halt woanders ausgeben. Bin schon gespannt wann die Jammerei losgeht, dass zu wenige Touristen kommen. Visum von hier beantragen, das mache ich sicher nicht, ein Ü oder Ö falsch wird sofort ohne Begründung abgelehnt, dann darf man 2 mal bezahlen……es geht doch nur ums Geld wie die Einreisesteuer, die demnächst auch noch kommt.