Elefanten in Thailand: Der brisante Streit um Ketten und Haken

Trotz sinkender Einnahmen halten die Betreiber Ausgaben für Futter, Medikamente und Behandlungen aufrecht. Zugleich wird über Ketten und Haken gestritten.

Elefanten in Thailand: Der brisante Streit um Ketten und Haken
ThaiPBS

BANGKOK, THAILAND – Die Besucherzahlen in den Elefantencamps sind wegen des Krieges, teurer Flüge und des starken Bahts um 20 bis 25 Prozent gesunken. Trotzdem halten die Betreiber laut dem Präsidenten des thailändischen Elefantenverbands ihre Ausgaben für Futter, Medikamente und Behandlungen aufrecht. Zugleich wächst der Streit darüber, wie Elefanten geschützt und medizinisch versorgt werden sollen.

Werbeanzeige

Weniger Besucher, aber kein Sparen bei der Versorgung

Baphit Chai-lert, Präsident des thailändischen Elefantenverbands, führt den Rückgang auf höhere Öl- und Flugpreise sowie den starken Baht zurück. Betroffen seien sowohl Individualreisende als auch Gruppen, die mit Reiseveranstaltern unterwegs sind. Gegenüber dem Vorjahr seien die Besucherzahlen um etwa 20 bis 25 Prozent gesunken.

Die Einnahmen gingen zurück, doch bei Futter, Medikamenten und medizinischen Eingriffen werde nicht gekürzt, sagte Chai-lert. Die Gesundheit der Elefanten stehe für die Camps weiterhin an erster Stelle.

Werbeanzeige

Junge Elefanten bleiben vor Besuchern geschützt

In einem Camp im Bezirk Mae Taeng bei Chiang Mai lebt ein etwas mehr als ein Jahr alter Elefantenbulle mit seiner Mutter in einem Unterstand. Besucher dürfen die beiden dort weder treffen noch aus der Nähe berühren.

Die Maßnahme soll junge Elefanten von der Geburt bis zum Alter von zehn Jahren schützen. In dieser Lebensphase besteht ein besonderes Risiko durch das Elefanten-Herpesvirus, eine schwere Infektion mit hoher Sterblichkeit.

Werbeanzeige

77-jährige Elefantenkuh braucht Hilfe beim Aufstehen

Auch alte Tiere werden eng betreut. Dazu zählt die 77-jährige Elefantenkuh Bunma, die wegen ihrer langen Haare an Stirn und Körper den Beinamen „Mammut Thailands“ trägt. In diesem Jahr konnte sie zweimal nicht selbst aufstehen.

Beim jüngsten Vorfall vermuteten die Helfer, dass Bunma beim Liegen die Position wechselte und ihr Kopf dadurch tiefer lag als gewöhnlich. Tierärzte und Elefantenpfleger halfen ihr auf die Beine. Weil sie danach deutlich geschwächt war, erhielt sie Flüssigkeit und Vitamine.

Werbeanzeige

In Mae Taeng haben nur drei Camps eigene Tierärzte

Tierärztin Panida Mueang Hong von der Klinik des Mae-Taeng-Elefantencamps berichtet, dass es in dem Bezirk mehr als 30 Camps gibt. Nur drei davon haben einen festen Tierarzt.

Die Klinik versorgt deshalb auch Elefanten aus anderen Camps. Häufige Beschwerden betreffen den Verdauungstrakt, darunter Blähungen und Durchfall.

Werbeanzeige

Gesundheitschecks für 720 Elefanten

Im September veröffentlichte die Elefantenstiftung Thailands eine Zusammenfassung der jährlichen Gesundheitskontrollen für 2026. Untersucht wurden 720 Elefanten an 97 Standorten in den Provinzen Lampang, Chiang Rai und Chiang Mai.

Stört Sie die Werbung?
JETZT den Wochenblitz WERBEFREI lesen!
ZUM ANGEBOT

Beteiligt waren neben der Stiftung das Elefantenkrankenhaus, das TECC-Zentrum für Elefanten- und Wildtiergesundheit der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Chiang Mai sowie die Stiftung Care Project. Der Bericht verwies auch auf Gesundheitsrisiken, die mit veränderten touristischen Angeboten und den Bedingungen in den Camps verbunden sind.

Werbeanzeige

Futter und Bewegung werden zum Gesundheitsproblem

In der Regenzeit fressen Elefanten laut Panida häufig Erde, deren Verunreinigungen Infektionen und Durchfall auslösen können. In der Hochsaison kann auch zu viel Futter von Besuchern Beschwerden verursachen: Große Mengen Bananen können Durchfall oder Blähungen begünstigen. Die Camps versuchten deshalb, die Futtermenge zu kontrollieren.

Begrenzte Flächen und wenig Bewegung können weitere Probleme nach sich ziehen. Wenn Elefanten mehr fressen, als sie sich bewegen, drohen Übergewicht und Blähungen. Eine einseitige Ernährung und Bewegungsmangel belasten die Tiere ebenfalls, während junge Elefanten dem Risiko des Herpesvirus ausgesetzt sind.

Werbeanzeige

Streit um Ketten und Elefantenhaken

Viele Camps haben das Reiten mit Sitzkörben eingestellt und bieten stattdessen etwa Schlammbäder, Fütterungen oder Spaziergänge an. Manche werben damit, keine Haken oder Ketten einzusetzen. Das kann nach Angaben der Gesundheitskontrolle jedoch dazu führen, dass sich Elefanten bei einer Untersuchung nicht sicher kontrollieren lassen.

Chai-lert zufolge setzen rund 90 Prozent der Elefantencamps in Thailand Ketten und Haken ein. Die Bezeichnung „Sanctuary“ und die Darstellung einer besonders idyllischen Haltung seien seiner Ansicht nach teils Marketing. Haken seien nötig, um Tiere zu kontrollieren und Gefahren abzuwenden, sagte er.

Werbeanzeige

Ohne Gewöhnung wird eine Behandlung schwierig

Elefanten, die nicht an Ketten und Haken gewöhnt sind, könnten sich bei einer Behandlung nur schwer ruhig halten, erklärte Chai-lert. Das könne Tierärzten den Zugang erschweren, etwa wenn sie eine Spritze setzen oder eine Infusion geben müssten.

Ein freier wirkendes Tier sei deshalb nicht automatisch gesund, argumentierte der Verbandspräsident. Wenn Tierärzte es nicht sicher behandeln könnten, drohten langfristige Nachteile für seine Gesundheit.

Werbeanzeige

Verband fordert Kontrollen und bessere Information

Chai-lert fordert, dass Behörden Camps auch nach der Vergabe eines Standards stichprobenartig und ernsthaft kontrollieren. Regierung und Tourismusbehörde sollten ausländischen Besuchern die wissenschaftlichen und kulturellen Gründe für den Einsatz von Ketten und Haken erklären, statt sich nach seiner Ansicht allein an ausländischen Markttrends auszurichten.

Der Verband wolle dazu Aufklärungsarbeit leisten. Eine sachliche Erklärung könne nach Einschätzung Chai-lerts dazu beitragen, dass Einnahmen wieder den Elefanten, ihren Pflegern und den Gemeinden rund um die Camps zugutekommen.

Was denkst du darüber? Schreib uns deine Meinung in die Kommentare.

Lesen Sie auch: Krankenversicherung in Thailand – was fünf Expats erst nach dem Notfall begriffen

Lesen Sie auch: Tabak- und Alkoholsteuer vor dem Aus?

Newsletter abonnieren

Newsletter auswählen:
Abonnieren Sie den täglichen Newsletter des Wochenblitz und erhalten Sie jeden Tag aktuelle Nachrichten und exklusive Inhalte direkt in Ihr Postfach.

Wir schützen Ihre Daten gemäß DSGVO. Erfahren Sie mehr in unserer Datenschutzerklärung.
Quelle: ThaiPBS News

Wichtiger Hinweis für unsere Leser

Wir freuen uns auf Ihren Beitrag! Bitte beachten Sie für ein freundliches Miteinander unsere Regeln:

  • Höflichkeit: Keine Beleidigungen, Kraftausdrücke oder Gewaltandrohungen.
  • Sorgfalt: Bitte achten Sie auf die korrekte Schreibweise von Namen.
  • Quellen: Zitate nur mit Namensnennung (Internet-Links/URLs sind nicht erlaubt).
  • Themen: Bitte keine Kritik an der Regierung, der Monarchie oder Diskussionen zur Moderation.
Vorbehalt der Redaktion: Wir behalten uns das Recht vor, Kommentare nachträglich zu bearbeiten oder zu löschen, sollten diese gegen unsere Regeln oder geltendes Recht verstoßen. Ein Anspruch auf Veröffentlichung besteht nicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert


Daten bleiben 30 Tage lokal im Browser-Cookie.