BANGKOK, THAILAND – Die thailändische Polizei hat in vier Luxuswohnprojekten der Hauptstadt ein mutmaßliches Strohmann-Netz aufgedeckt. Die Durchsuchungsaktion fand am 10. Oktober 2026 statt. Nach Angaben der Ermittler stehen 95 Firmen im Verdacht, Häuser und Grundstücke für Ausländer gehalten zu haben, obwohl dafür thailändische Namen vorgeschoben wurden. Der Wert der betroffenen Immobilien wird auf rund 6 Milliarden Baht geschätzt. Die Aktion ist die achte Phase einer Kampagne gegen sogenannte Nominee-Strukturen.
95 Firmen und 94 Immobilien im Visier
Die Ermittler haben nach eigenen Angaben 95 Firmen identifiziert, die Häuser und Grundstücke besitzen oder kontrollieren. Die Immobilien umfassen 94 Objekte mit einer Gesamtfläche von rund 33 Rai, also etwa 5,3 Hektar.
Insgesamt gehen 95 Fälle auf die Ermittlungen zurück. Laut Polizei sind darin 156 Thailänder sowie 96 ausländische Verdächtige verwickelt. 94 der 96 ausländischen Verdächtigen wurden in der chinesischen Provinz Fujian geboren. Sie besaßen Pässe verschiedener Staatsangehörigkeiten.
Chinesische Botschaft lieferte Informationen
Auslöser war eine Mitteilung der chinesischen Botschaft in Thailand. Sie gab der Polizei Informationen zu drei Männern weiter, nach denen die chinesischen Behörden per Haftbefehl suchen.
Einer der drei, ein Mann mit chinesischem und kambodschanischem Pass, wird in China wegen eines Mordes gesucht. Die Tat soll sich im Januar 2018 in der Stadt Ulanhot ereignet haben, drei Menschen starben dabei. Mr. Gui wird wegen Betrugs und der Anwerbung anderer zu illegalen Grenzübertritten gesucht, Mr. Jian wegen Online-Betrugs.
Mehrere Pässe und Anteile an Luxusimmobilien
Nach Erkenntnissen der Ermittler reisten alle drei Verdächtigen mehrfach ein und aus Thailand. Jeder von ihnen besitzt laut Polizei Pässe verschiedener Staatsangehörigkeiten, was die Beamten als Versuch werten, die eigene Identität zu verschleiern.
Alle drei sind laut Polizei Gesellschafter von Firmen, die Häuser samt Grundstück in Luxussiedlungen halten. Die Objekte liegen in mehreren Projekten im Zuständigkeitsbereich der Polizeidivision 4, zu der die Wachen Prawet, Udom Suk und Hua Mak gehören.
Vier Luxusprojekte im Fokus der Razzia
Bei der Aktion wurden vier Wohnprojekte im Großraum Bangkok durchsucht. Im Projekt Bang Na-Suan Luang kosten die Häuser zwischen 27 und 55 Millionen Baht. Dort ging es um elf Firmen und elf Häuser mit einem geschätzten Wert von rund 550 Millionen Baht.
Im Projekt Bang Na-Wongwaen waren 19 Firmen mit 19 Häusern betroffen, der Wert wird auf rund 1.050 Millionen Baht beziffert. Im Projekt Rama 9-Srinakarin mit Preisen von 50 bis 69 Millionen Baht standen 30 Firmen mit 29 Häusern im Visier, der Gesamtwert liegt bei etwa 1.600 Millionen Baht. Das teuerste Projekt Krungthep Kreetha umfasst 35 Firmen und 35 Häuser mit einem Wert von rund 2.800 Millionen Baht.
Red Notices und Haftbefehl gegen weitere Verdächtige
Zwei Gesellschafter der Firmen sind laut Polizei per Red Notice der internationalen Polizeiorganisation gesucht. Mr. Lin, chinesischer Staatsbürger, wird im Zusammenhang mit organisiertem Online-Betrug gesucht. Die Notiz wurde am 3. März 2024 von der Behörde für öffentliche Sicherheit in Bengbu in der Provinz Anhui ausgestellt.
Auch Mr. Bai, ebenfalls Chinese, wird wegen Online-Betrugs im Rahmen einer Bande gesucht. Seine Notiz stammt vom 19. August 2022 aus Taiyuan in der Provinz Shanxi. Gegen Mr. Huang liegt ein Haftbefehl des Strafgerichts Phra Khanong vom 25. Mai 2023 vor, wegen Zollvergehen, Hehlerei, einer kriminellen Vereinigung und unrechtmäßigen Landerwerbs durch einen Ausländer.
118 Festnahmen seit Beginn der Kampagne
Seit Beginn der Kampagne haben Gerichte 238 Haftbefehle und 179 Durchsuchungsbefehle genehmigt. Die Polizei nahm dabei insgesamt 118 Verdächtige fest. 20 Verfahren endeten bereits mit einer Verurteilung.
In der aktuellen Phase beantragten die Ermittler 17 Durchsuchungsbefehle und 86 Haftbefehle gegen ausländische Verdächtige. Am Tag der Aktion nahmen die Beamten 11 Verdächtige fest, zehn davon Chinesen und einen US-Amerikaner.
Akten, Computer und Handys beschlagnahmt
Die Beamten beschlagnahmten Unternehmensunterlagen, Buchhaltungsdokumente, Computer, Mobiltelefone und große Mengen elektronischer Daten. Die Unterlagen sollen geprüft werden.
Die Ermittler wollen die Spur bis zu Netzwerken im Inland und im Ausland verfolgen. Ziel ist es, weitere Verbindungen aufzudecken, die hinter den Firmen stehen.
Bis zu zwei Jahre Haft und Zwangsverkauf der Grundstücke
Den Verdächtigen wird vorgeworfen, als Ausländer Land unrechtmäßig erworben zu haben. Nach dem Landgesetz, Paragraf 86 und 111, drohen bis zu zwei Jahre Haft, eine Geldstrafe von bis zu 20.000 Baht oder beides.
Verurteilte erhielten jeweils ein Jahr und drei Monate Haft sowie 15.000 Baht Strafe. Zudem muss das Land innerhalb von 180 Tagen bis einem Jahr verkauft werden, sonst kann die Behörde den Verkauf übernehmen.
Polizei ruft zu Hinweisen über die Hotline 1599 auf
Die Polizei betont, Ziel der Aktion sei es, die touristischen Provinzen zu ordnen und Investitionen nach dem Gesetz zu ermöglichen. Ausländische Investoren sollen legal arbeiten können, während Thailänder nicht durch Kapitalgeber aus dem Ausland benachteiligt werden sollen.
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Wer verdächtiges Verhalten oder Hinweise auf illegale Geschäfte ausländischer Investoren bemerkt, kann sich an die Polizeiwache vor Ort wenden. Rund um die Uhr erreichbar ist auch die Hotline der Polizei unter 1599.
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