Wer nach Thailand auswandert, findet ein Condo, ein Lieblingsrestaurant um die Ecke und einen Stammplatz an der Bar. Die Waschmaschine in Thailand findet er nicht. Sie findet ihn. Unser Mann kommt mit vierzehn Hemden an und hat kein Wort Thai im Gepäck. Nach neun Tagen stehen die Hemden in drei Türmen im Schlafzimmer, und einer davon neigt sich bedrohlich. Er hat einen Plan. Der Plan ist falsch.
Der Wäscheberg wächst
Am zehnten Tag zieht er die letzte saubere Hose an. Das Hemd dazu riecht verdächtig nach gestern. An der Rezeption seiner Condoanlage fragt er höflich, was ein Mann in seiner Lage tun kann. Die Dame lächelt, wie man nach dreihundert gleichen Fragen lächelt, und reicht ihm den Zettel einer Wäscherei.
Dazu der Hinweis, er könne sich auch eine Waschmaschine kaufen und im Condo anschließen lassen. Das klingt nach Arbeit, also schaut er nach. Im Bad sind alle Anschlüsse vorhanden, der Vorbesitzer hatte offenbar eine Maschine. Der Zettel bleibt in der Tasche, der Stolz übernimmt das Steuer.
HomePro und Big C
Erster Halt ist HomePro. Er läuft durch die Gänge, tut, als wüsste er, wonach er sucht, und wirft einen Blick auf die Preisschilder. Sie gefallen ihm nicht. Eine freundliche Verkäuferin bemerkt seine Miene und verrät, bei Big C sei es günstiger. Er bedankt sich, als hätte sie ihn aus einem Labyrinth geführt. In Wahrheit schickt sie ihn in ein größeres.
Bei Big C merkt er in der Haushaltsabteilung, dass sein Lebenslauf hier nichts nützt. Reihen von Maschinen, Reihen von Waschmitteln, Flaschen mit Namen, die er nicht aussprechen kann. Das kannte er aus Europa nicht. Dort gab es drei Sorten und ein Gewissen. Hier gibt es kein Ende.
Toplader und Frontlader
Zuerst die Toplader. Der Deckel ist oben, die Wäsche kommt von oben, und er steht davor wie vor einem Brunnen. Für Menschen aus Österreich, Deutschland oder der Schweiz ein ungewöhnlicher Anblick, denn dort gehört die Tür nach vorn. Er hebt den Deckel und sucht den Haken.
Dann entdeckt er die Frontlader und atmet auf. Die gibt es also doch. Er streichelt eine wie einen alten Bekannten. Der Moment hält bis zur Bedienblende mit zwölf Programmen und Symbolen, die wie Hieroglyphen aussehen. Maschinenbau hat er nie gebraucht. Jetzt wäre es so weit.
Waschtrockner: Zwei Geräte, ein Gehäuse
Dann steht da ein Gerät, das wäscht und trocknet. In einem Gehäuse. Er kannte das nicht, bei ihm und seiner verstorbenen Frau gab es immer zwei Geräte, brav nebeneinander. Er staunt über die Technik, denn auf fast jedem Gerät steht groß AI. Künstliche Intelligenz im Wäschekorb. Versteht sie auch Socken?
Er liest, was die Maschine verspricht. Sie will die Wäsche erkennen und das Programm selbst wählen. Das ist mehr, als er von manchem Telefonservice gewohnt ist. Nur den Weg zur Kasse findet sie nicht für ihn. Er schiebt den Wagen weiter, die Entscheidung schiebt er gleich mit.
Waschmittel-Regal ohne Ende
Jetzt das Waschmittel. Das Regal beginnt am Eingang der Abteilung und endet irgendwo in der Nachbarprovinz. Er sucht ein englisches Wort auf einer Packung, irgendeines. Er findet Thai, Thai und das Bild einer lachenden Blume. Nach einer halben Stunde hält er zwei Packungen in der Hand und null Ahnung.
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Er dreht die Packung. Er hält sie gegen das Licht. Er hofft auf ein Piktogramm, das für Hemden steht. Es zeigt einen Eimer. Was ein Eimer ihm sagen will, bleibt offen. Ein Mann ohne Übersetzer-App wäre jetzt verloren. Er hat die App und ist es trotzdem.
Blau, rosa, rot
Die Packungen kommen in Blau, Rosa und Rot, manchmal in allen dreien. Er schließt daraus: Blau für Hemden, Rosa für Damen, Rot für Notfälle. Das ist seine erste Theorie und seine einzige. Wissenschaftlich nennt man das einen Fehlschluss. Er nennt es Lebenserfahrung.
Er greift zur blauen Flasche, weil Blau nach Sauberkeit aussieht. Dann sieht er die rote und zweifelt. Dann die rosa, und er gibt dem Zweifel nach. Am Ende steht er mit drei Flaschen am Wagen und weiß nicht, ob er gerade wäscht oder einen Cocktail mixt.
Die Weichspüler-Abteilung
Und dann der Weichspüler. Diese Abteilung gehört den Duftfans. Es gibt Frühling, Orchidee, Meeresbrise, Gebirgsluft und Düfte, die er gar nicht übersetzen will. Jede Flasche verspricht, dass seine Hemden danach riechen wie ein besserer Mensch. Er schnuppert an drei Deckeln und verliert die Nase.
Er biegt um die Ecke, und es geht weiter. Noch ein Gang, noch eine Sorte, noch ein Duft. Er fragt sich, wer das alles kauft. Dann fällt ihm auf, dass ein Mann mit vierzehn Hemden besser keine Fragen stellt. Er stellt sie trotzdem. Leise. An die Flaschen.
Die Kapitulation
Mitten im Gang spricht er den Satz laut aus: Nein, will ich nicht. Eine Frau mit Einkaufswagen nickt verständnisvoll, sie kennt den Satz aus diesem Gang. Er stellt die drei Flaschen zurück, ins falsche Fach, und geht. Das Regal hat gewonnen. Es hat nicht einmal angefangen.
Die Maschine lässt er stehen, den Zettel von der Rezeption hat er noch. Im Condo kramt er ihn aus der Hosentasche und ruft an. Nach einem Gespräch in Englisch hat er einen Abholtermin. Zum ersten Mal an diesem Tag hat er etwas verstanden.
Gebügelt in der Plastiktüte
Zwei Tage später kommt die Wäsche zurück. Gebügelt. Gefaltet. Einzeln verpackt in ein Plastiktütchen, als wäre jedes Hemd ein Geschenk. Er hat in Europa nie so saubere Wäsche besessen. Er öffnet eine Tüte, riecht daran und schämt sich ein wenig für die drei Flaschen im Regal.
Seine Rechnung geht auf. Keine Maschine, kein Waschmittel, kein Regal. Dafür ein Mann, der regelmäßig Plastiktüten abholt und genießt, dass jemand anderes das Problem hat. Eine Waschmaschine hat er am Ende nicht vermisst. Das Tütchen knistert, der Mann lächelt. So sieht Frieden aus.
Bettwäsche auf dem Motorbike
Nur die Bettwäsche macht ihm Sorgen. Mit dem Motorbike zur Wäscherei, ein Berg auf dem Rücksitz. Von Weitem sieht das aus wie ein fahrender Bettler. Er sichert die Laken mit einem Gummiband, mit Selbstvertrauen und mit einem stillen Gebet.
An der Ampel flattert ein Zipfel, an der nächsten ein zweiter. Die Leute am Straßenrand grinsen höflich. Ein Fahrer neben ihm zeigt freundlich auf das Heck. Er nickt, als wüsste er Bescheid, und fährt weiter. Am Ziel zählt er nach. Es fehlt kein Laken. Es fehlt nur ein wenig Würde.
Und dann kommt eine Thai-Partnerin
Vielleicht findet er eines Tages eine thailändische Frau, die seine Hemden, seine Marotten und seine Plastiktüten ertragen will. Dann steht er nicht mehr allein im Gang, sondern zu zweit, mit einem Einkaufswagen und sehr unterschiedlichen Meinungen über Weichspüler.
Denn ein gemeinsamer Haushalt braucht eine Waschmaschine, und eine Waschmaschine braucht Waschmittel. Das Regal ist noch genauso lang. Der Weichspüler hat sich in der Zwischenzeit vermutlich vermehrt. Er steht wieder vor dem blauen, rosa und roten Wald. Diesmal rettet ihn keine Wäscherei.
Redaktionelle Hinweise
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Dieser Beitrag ist Satire. Die Hauptfigur, ihre Erlebnisse und die Gedanken im Waschmittelregal sind überspitzt oder erfunden. Waschmaschinen, Wäschereien und Geschäfte wie HomePro und Big C gibt es in Thailand wirklich, Sortiment und Modelle können je nach Filiale abweichen.

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