UDON THANI, THAILAND – Die thailändische Abteilung zur Bekämpfung des Menschenhandels hat einen 29-jährigen Mann festgenommen, der laut Polizei eine Betrugsmasche mit angeblichen Farmjobs in Kanada und Australien betrieben haben soll. Mehr als 325 Menschen sollen darauf hereingefallen sein. Die Schadenssumme liegt nach Polizeiangaben bei über 26 Millionen Baht.
Festnahme in einem Zuckerrohrfeld
Die Polizei nahm den Verdächtigen Pasit, alias „Boss“, in einem Zuckerrohrfeld hinter einem Dorf im Distrikt Nong Saeng in der Provinz Udon Thani fest. Der 29-Jährige hatte sich dort versteckt.
Grundlage der Festnahme war ein Haftbefehl des Strafgerichts. Die Beamten setzten ihn nach eigenen Angaben direkt in dem Feld fest.
Vorwürfe reichen von Betrug bis Computerdelikt
Dem Mann wird vorgeworfen, gemeinsam mit anderen Menschen Jobs im Ausland oder Praktika in Übersee versprochen zu haben.
Außerdem soll er gegen Vorschriften zur Arbeitsvermittlung verstoßen und falsche Daten in ein Computersystem eingegeben haben, die der Öffentlichkeit schaden können. Hinzu kommt der Vorwurf des gemeinsamen Betrugs an Bürgern. Es handelt sich bisher um Vorwürfe. Ein Gericht hat den Mann noch nicht verurteilt.
Facebook-Seite lockte mit hohen Monatslöhnen
Laut Ermittlern eröffneten der Verdächtige und ein Mann namens Wachara eine Facebook-Seite mit dem Namen „Kasetra Prathet Canada“. Dort warben sie für Erntearbeit, etwa das Pflücken von Pilzen in Kanada oder von Weintrauben in Australien.
Die Anzeigen versprachen monatlich 96.000 bis 130.000 Baht, in der Weinsaison sollten es bis zu 200.000 Baht sein. Unterkunft und Leistungen sollten kostenlos sein. Die Interessenten sollten laut Polizei zunächst mit einem Touristenvisum reisen, das später in ein Arbeitsvisum umgewandelt werden sollte.
79.900 Baht pro Person für Visa und Verfahren
Wer den Versprechen glaubte und ins Büro im Viertel Thung Song Hong in Bangkok kam, musste laut Polizei rund 79.900 Baht zahlen. Die Summe sollte Gebühren, Visakosten und Verwaltungsaufwand abdecken.
Ende Oktober 2025 sollten die Betroffenen an einer Schulung teilnehmen und ihre Reise vorbereiten. Stattdessen fanden sie die Firmentür mit einer Kette verschlossen vor, und niemand war erreichbar. Daraufhin erstatteten sie gemeinsam Anzeige bei der Abteilung zur Bekämpfung des Menschenhandels.
Mitbeschuldigter ins Ausland geflohen
Wachara, Mitglied der Geschäftsführung der Firma, hatte das Land laut Ermittlern bereits verlassen, bevor die Polizei zugreifen konnte. Pasit wurde offenbar rechtzeitig aufmerksam und tauchte in Udon Thani unter, bis die Beamten ihn fanden.
Die Zahl der Betroffenen landesweit liegt laut Polizei bei mehr als 325. Die Schadenssumme gibt die Polizei mit über 26 Millionen Baht an,
Verdächtiger spricht von bloßer Vermittlerrolle
Bei der Vernehmung wies Pasit alle Vorwürfe zurück. Er gab an, sein Freund Wachara habe ihn zur Mitarbeit geholt. Seine Aufgabe sei es nur gewesen, die Schritte der Bewerbung zu erklären, dafür habe er gelegentlich Geld erhalten.
Als er seinen Freund nicht mehr erreichte, habe er von den Problemen der Firma erfahren. Er wusste laut eigener Aussage auch von einem Haftbefehl wegen Betrugs, den das Gericht in Chiang Rai ausgestellt hatte, und floh deshalb weiter. Nach seiner Festnahme übergaben ihn die Beamten an die Ermittlungsgruppe 3 der Abteilung zur Bekämpfung des Menschenhandels, die das Verfahren weiterführt.
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