Abgelehnt mit 73: Wenn die Krankenkasse einen nicht mehr möchte

Ab 70 nimmt kaum eine Versicherung noch neue Kunden. Was Rentner in Thailand tun können – und welche Alternativen es wirklich gibt.

Abgelehnt mit 73: Wenn die Krankenkasse einen nicht mehr möchte
KI generiertes Symbolbild.

Mit 65 nach Thailand auswandern — das klappt. Mit 73 eine neue Krankenversicherung abschließen wollen — das ist eine andere Geschichte. Wer erst spät den Schritt wagt oder wer jahrelang ohne Versicherung in Thailand gelebt hat, stößt auf ein Problem, über das kaum jemand offen spricht: Ab einem bestimmten Alter nimmt dich schlicht kein Versicherer mehr auf. Und Thailand diskutiert gerade, ob es bald für alle Ausländer eine Pflichtversicherung geben soll.

Dieser Ratgeber richtet sich an alle, die zu spät dran sind — oder glauben, es zu sein. Er erklärt, was mit 70 noch geht, was mit 75 noch geht und was man tut, wenn gar nichts mehr geht. Und warum das Non-OA-Visum für manche gar nicht die beste Wahl ist.

Ab 65 wird es teuer, ab 70 wird es schwierig

Wer mit Mitte fünfzig nach Thailand kommt und sofort eine internationale Krankenversicherung abschließt, zahlt monatlich zwischen 6.000 und 10.000 Baht — je nach Tarif, Selbstbehalt und Anbieter. Das ist viel, aber noch kalkulierbar. Ab 60 steigen die Prämien deutlich, ab 65 verlangen viele Anbieter einen Gesundheitscheck. Wer dabei Bluthochdruck, Diabetes oder eine Herzgeschichte mitbringt, bekommt Ausschlüsse oder einen Risikoaufschlag — oder beides.

Ab 70 schließen die meisten internationalen Versicherer Neuverträge aus. Pacific Cross nimmt neue Kunden bis 75, ist damit der großzügigste Anbieter im Markt. Cigna Global hat keinen formalen Altersdeckel für Neuverträge, verlangt aber ab 60 einen Seniorenplan und die Prämien für einen 70-Jährigen liegen bei 1.000 Euro und mehr im Monat. Ab 75 ist der Markt für Neuabschlüsse bei internationalen Versicherern für die meisten praktisch geschlossen.

Lokale Tarife: günstiger, aber mit Haken

Weil das Non-OA-Visum eine Krankenversicherung vorschreibt, haben mehrere thailändische Versicherer spezielle Tarife für ältere Expats entwickelt — genau für diesen Bedarf. Luma bietet den „Long Stay Care“-Plan für Personen bis 79 Jahre an, ohne Gesundheitscheck ab 70. Navakij, Dhipaya und Allianz Thailand haben ähnliche Produkte. Die Prämien liegen ab rund 20.000 Baht pro Jahr — deutlich günstiger als internationale Tarife.

Der Haken steckt im Kleingedruckten. Diese Tarife haben Selbstbehalte von 100.000 bis 200.000 Baht. Das heißt: Die ersten 100.000 Baht einer Behandlung zahlen Sie selbst — die Versicherung springt erst danach ein. Für die reine Visumserfüllung funktioniert das. Für echten Schutz bei einem schweren Krankheitsfall ist es eine Wette darauf, dass die eigenen Ersparnisse den Selbstbehalt abfedern können.

Das Non-OA-Visum ist nicht der einzige Weg

Wer keine Krankenversicherung bekommt oder sich die Prämien nicht leisten kann, hat eine Alternative, die viele nicht kennen: das Non-O-Visum. Es wird entweder im Ausland als 90-Tage-Visum beantragt oder in Thailand vor Ort als Jahresaufenthalt verlängert — und es verlangt keine Krankenversicherung. Der Finanznachweis ist identisch mit dem Non-OA: 800.000 Baht auf einem Thai-Konto oder ein monatliches Einkommen von mindestens 65.000 Baht.

Der Unterschied: Das Non-OA wird bei einer Thai-Botschaft im Ausland beantragt und setzt die KV voraus. Das Non-O kann direkt in Thailand verlängert werden — ohne Versicherungsnachweis. Für Rentner, die bereits im Land sind, oder für ältere Auswanderer, die keine KV mehr bekommen, ist das Non-O oft der pragmatischere Weg. Wichtig: Manche Thai-Konsulate verlangen bei der Erstausstellung auch beim Non-O inzwischen einen Versicherungsnachweis — das variiert von Konsulat zu Konsulat und sollte vorab geklärt werden.

Was ein Motorradunfall wirklich kostet

Wer sich gegen eine Versicherung entscheidet, sollte die Zahlen kennen. Ein schwerer Motorradunfall mit Kopfverletzung, drei Tagen Intensivstation, einer Woche Normalstation und mehreren Eingriffen kann in einem Privatspital in Bangkok zwischen 800.000 und 1,5 Millionen Baht kosten. Eine Herzbypass-Operation schlägt mit rund 650.000 Baht zu Buche, ein Hüftgelenkersatz mit knapp 390.000 Baht. Ein Dengue-Fieber-Fall mit stationärer Behandlung: rund 80.000 Baht.

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Privatspitäler in Thailand entlassen Patienten erst, wenn die Rechnung bezahlt ist. Das ist keine Drohung — das ist gelebte Praxis. Wer das Geld nicht hat oder nicht schnell genug überweisen kann, sitzt fest. Wer sich für Selbstversicherung entscheidet, braucht einen klaren Plan: wie viel Kapital ist verfügbar, in welchem Krankenhaus wird behandelt und gibt es eine Kreditkarte mit ausreichend Limit für den Ernstfall.

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Staatliche Krankenhäuser: die unterschätzte Option

Wer kein Privatspital braucht, zahlt in staatlichen Krankenhäusern einen Bruchteil der Kosten — oft 10 bis 20 Prozent des Privatpreises. Behandlungsqualität und Ausstattung variieren stark: Ein großes Provinzkrankenhaus wie das Maharaj Nakhon Chiang Mai oder das Siriraj in Bangkok ist medizinisch auf hohem Niveau, hat englischsprachiges Personal und behandelt täglich internationales Klientel. Die Wartezeiten sind länger, der Komfort geringer.

Viele Langzeitbewohner ohne Versicherung nutzen staatliche Krankenhäuser für Routine und Kontrollen, halten gleichzeitig Rücklagen für den Notfall im Privatspital. Das ist kein Geheimtipp — es ist gelebte Realität unter Expats, die nie öffentlich darüber sprechen, weil das Stigma groß ist. Wer gut plant, kommt damit durch. Wer naiv darauf setzt, riskiert den finanziellen Ruin bei einem ernsthaften Krankheitsfall.

Thailand plant Versicherungspflicht für alle Ausländer

Im April 2026 hat das Gesundheitsministerium unter Minister Pattana Promphat offiziell bestätigt: Thailand prüft eine Versicherungspflicht für alle einreisenden Ausländer — Touristen, Kurzreisende und Langzeitbewohner. Hintergrund sind unbezahlte Krankenhausrechnungen ausländischer Patienten in Höhe von mindestens 100 Millionen Baht pro Jahr, die auf den öffentlichen Einrichtungen sitzenbleiben. Besonders betroffen sind Grenzkrankenhäuser und Spitäler in Tourismushochburgen wie Phuket und Chiang Mai.

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Beschlossen ist noch nichts — das Kabinett hat den Vorschlag noch nicht abgesegnet. Aber die Richtung ist klar. Wer heute ohne Versicherung in Thailand lebt und hofft, das bleibt so, sollte diese Entwicklung im Blick behalten. Eine Pflichtversicherung, die für alle gilt, würde die Frage „bekomme ich noch eine?“ abrupt und auf politischem Weg beantworten.

Wer früh abschließt, spart sich den Stress später

Die einzige Strategie, die langfristig funktioniert: früh einsteigen und drin bleiben. Wer mit 55 oder 60 eine lebenslang verlängerbare Police bei Pacific Cross oder Cigna abschließt, kann diese in der Regel bis 99 Jahre fortführen — auch wenn neue Kunden ab einem bestimmten Alter nicht mehr aufgenommen werden. Der Bestandsschutz gilt für bestehende Verträge. Wer wartet, bis die Diagnosen kommen, verliert diesen Schutz.

Die Prämienentwicklung ist brutal ehrlich: Wer mit 55 Jahren 250 Euro im Monat zahlt, muss mit 70 mit dem Doppelten oder mehr rechnen — nicht nur durch Altersstaffelungen, sondern durch jährliche Anpassungen wegen steigender Gesundheitskosten. Wer mit 60 noch 300 Euro zahlt, kann mit 70 bei über 1.000 Euro landen. Viele Rentner steigen dann aus. Wer das einkalkuliert, trifft eine bewusste Entscheidung. Wer davon überrascht wird, steht plötzlich unversichert da — mit 72, mit Vorerkrankungen, ohne realistische Chance auf einen Neuabschluss.

Was jetzt zu tun ist

Wer unter 70 ist und noch keinen Vertrag hat: Jetzt handeln. Nicht nächsten Monat. Pacific Cross nimmt Neukunden bis 75, aber Prämien und Bedingungen werden mit jedem Jahr schlechter. Wer zwischen 70 und 75 ist: die lokalen OIC-konformen Tarife prüfen — Luma Long Stay Care, Navakij, Dhipaya.

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Kein umfassender Schutz, aber visumkonform und für die Erstversorgung ausreichend, wenn eigene Rücklagen den Selbstbehalt abdecken. Wer über 75 ist oder keine neue Police mehr bekommt: das Non-O-Visum prüfen, staatliche Krankenhäuser als Primärversorgung einplanen und einen Notfallfonds von mindestens 500.000 Baht liquide halten.

Eine individuelle Beratung durch einen auf Thailand spezialisierten Krankenversicherungsbroker lohnt sich in jedem Fall — die Tarife ändern sich, die Annahmegrenzen verschieben sich, und ein guter Broker kennt die aktuellen Spielräume besser als jede Website. Wer gleichzeitig Visafragen klären muss, findet bei FS Consulting einen erfahrenen Ansprechpartner.

Redaktionelle Hinweise

Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Versicherungs- oder Rechtsberatung. Prämien, Aufnahmegrenzen und Visaanforderungen können sich ändern. Alle Beträge in Thai Baht sind Näherungswerte; der EUR/THB-Kurs schwankt täglich.

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20 Kommentare zu „Abgelehnt mit 73: Wenn die Krankenkasse einen nicht mehr möchte

  1. schon mal gut das der WB sagt , das man eine VS bekommen kann, aber viele sie sich nicht leisten koennen !!
    viele expats sagen , ich bekomme keine mehr , mich nimmt keine mehr, und erwaehnen dabei nicht das sie sich keine VS leisten koennen. danke an den WB fuer die oeffentliche richtigstellung !!
    krankenhaeuser ruesten langsam aber sicher auf , hier in phattalung (ein riesiger komplex ) hat jetzt der zechprellerei einen riegel vorgeschoben. eine ultraschalluntersuchung kostet 900tb , der kunde bekommt einen zettel, und muss erst zur kasse ,und mit dem beleg wieder zurueck, ein beispiel von vielen , medis gibts sowieso erst nach zahlung !
    wenn da alle staatlichen mitziehen sollte die summe der zechpreller deutlich sinken !
    in TH leben staendig menschen aus 66 nationen , wenn eine pflicht VS fuer alle kommt , wer soll das pruefen , wer von den TH behoerden soll diese verstehen ?? klar ist eins , wenn der beamte nur auf die deckungssumme schaut sind die tueren fuer betrug (faelschungen ) sperrangelweit geoeffnet. selbst wenn der antragsteller seine police amtlich uebersetzen lassen muss kann genauso betrogen werden , wie ?? fragt u.a. in bangkok nach !!
    wie ich weiter oben schon beschrieben habe , wenn alle staatlichen haeuser angewiesen werden groessere untersuchungen nur in vorkasse durchzufuehren kann man das ganze in 2 -3j. evaluieren und dann weiter sehen !!
    es ist oft so das sich bedingungen fuer den erhalt bestimmter dinge aendern koennen !
    bin seit 011 im land , habe davor einige urlaube hier verbracht, und sehr viel gelesen im netz , ich kann sagen dass das thema pflicht VS fuer alle seit mindestens 20j. immer wieder durchgekaut wird ,und was ist passiert , richtig NICHTS !!
    es gibt politiker die sind irgendwie in der versenkung verschwunden , sie kramen in der schublade und hauen dann dinge raus die sie erstmal wieder ins rampenlicht stellt , obwohl jeder weiss das es unsinn ist !
    bestes beispiel anton hohlschreier (gruene) ewig nichts gehoert / gesehen vom panzertoni ,vor ein paar tagen hat er ein video rausgehauen wo er sich ueber den nahost krieg auessert (phoenix), peinlicher gings nicht , aber er war wieder im gespraech !!
    eine pflicht VS fuer alle wird nicht kommen und der weihnachtsmann auch nicht😉 !!
    danke fuers lesen🙏

    1. Mit 70 oder spätestens 80 Jahren nimmt dich KEINE VERSICHERUNG mehr auf, da kannst du noch so sehr mit den Füßen trampeln und zigmal wiederholen.
      Was hat Anton Hofreiter von den Grünen mit einer KV in Thailand zu tun? Gar nichts! Aber Hauptsache, mal wieder AfD Geschwätz abgesondert! Herr Hofreiter ist übrigens PROMOVIERTER BIOLOGE….und du so?

      1. Aber vermutlich nur, wenn er gesund ist und keine Vorerkrankungen hat. Die Meisten ab 70 Jahren haben jedoch irgendwelche Bersten! Das wird dann alles ausgeschlossen.

  2. Eine PKV im Alter kostet Geld, ist aber möglich. Thai Versicherungen sind preiswert, aber haben viele Limits und man ist immer mit im Obligo. Ich bin 76 und bei April Insurance versichert, zahle rund 470 USD (390 Euro) . Selbstbehalt 2500 USD pro Versicherungsjahr. Die Versicherung hat keine Limits oder Ausschlüsse.

      1. Stimmt, aber April Thailland und mit eingeschraenkte Leistungen, obwohl preiswerter. Ich bin bei April International Europa versichert. Da gibt es keine Altersbegrenzung .

  3. Mich kostet die Versicherung 42.000 Baht im Jahr. Habe diese aber im Alter von 69 abgeschlossen und in den nun 3 Jahren wurde sie noch nicht erhöht. Nur stationär, 80.000$ sind abgedeckt. Vorerkrankungen natürlich ausgeschlossen, ebenso wie Krebsbehandlung. WrLife nennt die sich. Ist nichts dolles, beruhigt mich aber einfach ein klein wenig.

    1. …und im Krankheitsfall zahlen die nicht, weil man die Krankheit auf Vorerkrankungen schiebt….und wo willst du dann klagen? Die sitzen in der Karibik und antworten nicht. Du musst mal Kommentare zu dieser KV lesen. Außerdem musst du immer in Vorlage treten.

    2. Noch ein Hinweis: Alle Ansprüche müssen bis spätestens 3 Monate nach Eintritt des Versicherungsfalls eingereicht werden, sonst verfällt der Anspruch.

      1. Mag alles sein, deswegen habe ich ja geschrieben, nichts dolles, es beruhigt mich aber. Und auf Bewertungen und Kommentare, auch bei Hotels oder Restaurants, gebe ich nichts, die Erfahrung mache ich lieber selber. Und drittens, in die Situation, das ich die Versicherung in Anspruch nehmen muss, will ich gar nicht kommen…positiv denken also.

  4. Was wird wohl geschehen, wenn plötzlich für das Visum Non-O eine Krankenversicherung verlangt wird und die Residenten nicht mehr aufgenommen werden (altersbedingt oder aufgrund von Vorerkrankungen) oder sich diese Versicherung schlicht aufgrund er hohen Prämie nicht mehr leisten können? Mein Bekannter hätte für sich, alleinstehend eine Prämie von 16’000 USD pro Jahr hinblättern sollen. Wohlverstanden nur stationär versichert und mit einer Deckungssumme von 1 Mio. USD! Er konnte sich das schlicht nicht mehr leisten und hat die Versicherung nach über 15 Jahren wohl oder übel gekündigt.
    Würde das für uns Residenten allenfalls bedeuten, dass unsere Visa nicht mehr erneuert würden? Warum wird für Residenten keine Pflichtversicherung zu einer angemessenen Prämie eigeführt, mit der Option staatliches oder privates Krankenhaus?

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